. . ■TT- ' .■■''-' " ■ «r« \'fe... -. mm \ *®m -\ KT ABHANDLUNGEN DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT ZU NÜRNBERG XXIIL BAND UND SONDERBAND ZU BAND XXIV - .■ tKiCAI IM SELBSTVERLAG DER GESELLSCHAFT NÜRNBERG 1931 INHALT. 1929. Wellhöf er B., Klufiiektonische Untersuchungen in der nördlichen Frankenalb S. 1—36 1930. Heft H., Dr. Franz Küsperi t S. 37-44 1930. Heller Fl., Geologische Untersuchungen im Bereiche des frän- kischen ürundgipses ; mit 6 Tafeln . S. 45—114 1931. Kirsle H., Johann Karl Osterhausen, Lebensbild eines Nürnberger Arztes um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts ; (S. 1-23) S. 115-137 1930. G a u ck 1 e r K., Das südlich-kontinentale Element in der Flora von Bayern mit besonderer Berücksichtigung des Fränkischen Stufenlandes; CS. I-VI ; S. 1-110); .... S. 139-254 I — ; — — — — ABHANDLUNGEN DER ■ ZU NÜRNBERG XXIII. band I.Heft Klufttektonische Untersuchungen in der nördlichen Frankenalb von öernhard Wellhöfer 1929 - ■ :■ ■ . - NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NURN5ERG -'■- Klufttektonische Untersuchungen in der nördlichen Frankenalb von ÖERNHARD WELLHOEER 1929 NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG Diuck von ). L. Such in Nürnberg. INHALTSVERZEICHNIS. I. Einleitung • 5 II. Literaturverzeichnis 6 III. Grenzen des Untersuchungsgebietes und morphologische Über- sicht 9 IV. Kurzer Überblick über die Formationen des Gebietes: 1. Der Keuper 9 2. Der Jura 10 3. Die Kreide 12 V. Kurzer Überblick über die tektonischen Verhältnisse der nörd- lichen Frankenalb: Die Verwerfungen 12 VI. Einige Bemerkungen zur Arbeitsmethode 14 VII. Die Kluftrichtungen: a) Die Kluftrichtungen im Burgsandstein 15 b) Die Kluftrichtungen im Rhät 18 c) Die Kluftrichtungen im Posidonienschiefer 21 d) Die Kluftrichtungen im Doggersandstein 21 e) Die Kluftrichtungen im Malm : A) Die Kluftrichtungen in der gebankten Fazies des Malm 24 B) Die Kluftrichtungen in der massigen Fazies des Malm 2ö f) Die Kluftrichtungen in der Kreide 31 VIII. Das Alter der Klüfte 31 IX. Die Übersichtskarte 36 I. Einleitung. In den letzten Jahren hat sich die Messung und Kartierung der gemeinen Klüfte zu einem wertvollen Hilfsmittel der Tektonik entwickelt. Sie umfafjt in gleicher Weise sowohl die Eruptivgesteine wie auch die kristallinen Schiefer und die Sedimentgesteine. Die Untersuchungen in letzteren beschränkten sich jedoch bisher — von einigen Ausnahmen abgesehen — auf tektonisoh stark gestörte, aber in dieser Hinsicht schon ziemlich genau kartierte Gebiete, wobei die Klufttektonik vor allem zur Lösung bestimmter Probleme beitragen sollte. Ich denke hier besonders an die Arbeiten S a 1 o m o n s und seiner Schüler. II. Literaturverzeichnis. BRAND, H.: BRUNHUBER, A.: BUBNOFF, S. v.: CLOOS, H.: CZUBER, E.: DAHLGRUEN, F.: DAUBREE, A.: DORN, Paul : DORN, Paul : DORN, Paul : EBERT, A.: FOEPPL, A.: FOEPPL, A.: FOEPPL, A.: GUEMBEL, C. W. v.: GUEMBEL, C. W. v.: GUEMBEL, C. W. v.: HERMANN, R.: JAKUBOWSKJ, K.: Die Kupfererzlagerstätte bei Kupferberg in Oberfranken mit besonderer Berücksichtigung ihrer Beziehungen zur Münch- berger Gneismasse. I. Bericht über die Voruntersuchungen in den Jahren 1918 — 1920. Geogn. Jahreshefte. 34. Jahrg. 1921. München 1922. Die geologischen Verhältnisse von Regensburg und Um- gebung. Regensburg 1917. Studien im südwestdeutschen Grundgebirge. I Die tek- tonische Stellung des Triberger Granitmassives. IL Die tektonische Stellung des Böllsteiner Odenwaldes und des Vorspessarts. Neues Jahrb. f. Min., Geol. u. Pal. LV. Beil. Bd. Abt. B. Stuttgart 1926. Der Mechanismus tiefvulkanischer Vorgänge. Braun- schweig 1921. Die statistischen Forschungsmethoden. Wien T921. Tektonische, insbesondere kimmerische Vorgänge im mitt- leren Leinegebiete. Jahrb. der Preuß. Geol. Landesanstalt zu Berlin für das Jahr 1921. Band XLII. Berlin 1922. Synthetische Studien zur Experimentalgeologie. Autor, deutsche Ausgabe von A. Gurlt. Braunschweig 1880. Die Lagerungsverhältnisse des Hetzlasgebirges Erlanger Heimatbuch 1925. Erlangen 1925- Geologie des Wendelsteiner Höhenzuges bei Nürnberg. Zeitschr. d. Deutschen Geologischen Ges. Bd. 78. 1926. Abh. Geologischer Exkursionsführer durch die nördliche Franken- alb und einige angrenzende Gebiete. Nürnberg 1928. Beiträge zur analytischen Tektonik mit einem Beispiel aus dem östlichen Deister. Zeitschr. d. Deutschen Geol. Ges. 75. Bd. 1923. Abh. Ueber die Abhängigkeit der Bruchgefahr von der Art des Spannungszustandes. Centralblatt der Bauverwaltung. XIX. Jahrg. Berlin 1899. Ueber die Abhängigkeit der Bruchgefahr von der Art des Spannungszustandes. Centralbl. der Bauverwaltung XX. Jahrg. Berlin 1900. Abhängigkeit des Bruches von der Art des Spannungs- zustandes. Mitteilungen aus dem Mechanisch - Technischen Laboratorium der Technischen Hochschule in München Bd. 27. München 1900. Kurze Erläuterungen zu dem Blatte Bamberg (Nr. XIII) der geognostischen Karte des Königreiches Bayern. Cassel 1887. Geognostische Beschreibung der Fränkischen Alb (Franken- jura) mit dem anstoßenden fränkischen Keupergebiete. Kassel 1891. Geologie von Bayern 2. Bd. Geologische Beschreibung von Bayern. Cassel 1894. Die östliche Randverwerfung des Fränkischen Jura. Ein neuer Beitrag zur Kenntnis ihres Verlaufes und ihres Alters. Zeitschr. d. Deutschen Geol. Ges. 60. Bd. 1908. Berlin 1908. Abh. Untersuchungen im Gebiet des Bodenwöhrer Beckens. Tnaug.-Diss. Göttingen 1921. (Manuskript.) KARMAN, Th. v.: KLUEPFEL, W.: KLUEPFEL, W.: KLUEPFEL, W.: KOEHNE, W. und SCHULZ, F. C: KOHLER, E.: KRANZ, W.: KRUMBECK, L.: LEHMANN, G.: LEHNER, L.: NEISCHL, A.: PANZER, W.: PFANNENSTIEL, M. PICARD, L.: POMPECKJ, J. F.: RINNE, F.: RINxNE, F.: ROEHRER, F.: ROTHPLETZ, A.: ROTHPLETZ, A.: SALOMON, W.: Festigkeit. Handwörterbuch der Naturwissenschaften Bd. 3. Jena 1913. Zur geologischen und paläogeographischen Geschichte von Oberpfalz und Regensburg, zugleich von den Grundlagen ihrer Eisen- und Braunkohlenindustrie. Abh. der Gießener Hochschulgesellschaft III. Gießen 1923. Zur Gliederung der Amberger Kreide. Ein ergänzender Nachtrag. Gießen o. J. Verlag Töpelmann. Ueber Reliefmorphogenie und zyklische Landschaftsgenera- tionen. Geol. Rundschau Bd. XVII. Leipzig 1926'. Ueber die Basaltvorkommnisse bei Heiligenstadt in Ober- franken nebst Bemerkungen über die Tektonik im nördlichen Frankenjura. Centralbl. f. Min., Geol. u. Pal. Jahrgang 1906. Stuttgart 1906. Die Amberger Erzlagerstätten. Geogn. Jahresh. 15. Jahrg. 1902. München 1903. Die Ueberschiebung bei Straubing. Geogn. Jahresh. 25. Jahrg. 1912. München 1913. Einige geologische Beobachtungen im Bodenwöhrer Becken. Sitz.-Ber. d. Phys.-Med. Soz. in Erlangen 46. Bd. 1914. Die Gesteinsklüfte des östlichen Harzvorlandes. Geol. Arch. Bd. 1. 1923. Die Gliederung der fränkischen albüberdeckenden Kreide. Centralbl. f. Min., Geol. und Pal. Jahrgang 1924. Stutt- gart 1924. Die Höhlen der fränkischen Schweiz und ihre Bedeutung für die Entstehung der dortigen Täler. Inaug.-Diss. Erlan- gen 1908. Talrichtung und Gesteinsklüfte. Petermanns Mitt. 69. Jahr- gang 1923. Vergleichende Untersuchung der Grund- und Deckgebirgs- klüfte im südlichen Odenwald. Ber. d. Naturf. Ges. zu Frei- burg i. Br. Bd. XXVII. Naumburg a. S. 1927. Die fränkische Alb von Weißenburg i. B. und Umgebung. Inaug.-Diss. Freiburg i. Br. 1923. Die Juraablagerungen zwischen Regensburg und Regen- stauf (ein Beitrag zur Kenntnis der Ostgrenze des Frän- kischen Jura). Geogn. Jahresh. 14. Jahrg. 1901. München 1901. Beitrag zur Kenntnis der Umformung von Kalkspatkrystal- len und von Marmor unter allseitigem Druck. Neues Jahresb. f. Min., Geol. und Pal. Jahrg. 1903. T. Bd. Stutt- gart 1903. Vergleichende Untersuchungen über die Methoden zur Be- stimmung der Druckfestigkeit von Gesteinen. Neues Jahrb. f. Min., Geol. u. Pal. Jahrg. 1907 I. Bd. und Jahrg. 1909 II. Bd. Geologische Untersuchungen der Beziehungen zwischen den Gesteinsspalten, der Tektonik und dem hydrographischen Netz im nördlichen Schwarzwald und dem südlichen Kraich- gau. Jahresber. und Mitt. des Oberrh. Geol. Ver. N. F. Bd. VI. Jahrg. 1916 Heft 1 und N. F. Bd. XL Jahrg. 1922. Die ostbayrische Ueberschiebung und die Tiefbohrungen bei Straubing. Sitzungsber. der Kgl. Bayr. Akad. der Wiss. Math.-Phys. Kl. Jahrg. 1911. München 1911. Die Amberger Erzformation. Zeitschr. für prakt. Geol. 21. Jahrg. 1913. Berlin 1913. Die Bedeutung der Messung und Kartierung von gemeinen Klüften und Harnischen mit besonderer Berücksichtigung des Rheintalgrabens. Zeitschr. d. Deutschen Geol. Ges. 63. Bd. 1911. Berlin 1912, SALOMON, W.: SCHMIDT, K. G.: SCHNITTMANN,F.X SCHUSTER, M. SEEMANN, R.: STIELER, K.: STILLE, H.: STILLE, H.: STINY, J.: STINY, J.: SUESS, E.: TEICHERT, C: THUERACH, H. VOELKER, L: WAGNER, G.: WALTHER, J.: WEBER, M.: WEBER, M.: WEBER, M.: WURM, A.: Neue Kluft- und Harnischmessungen im südlichen Oden- wald. Berichte der Naturforsch. Gesellschaft zu Freiburg i. Br. Bd. XXVII. Naumburg a. S. 1927. Geologie von Neumarkt in der Oberpfalz Berichte der Naturforschenden Gesellschaft zu Freiburg i. Br. Bd. XXVI. Naumburg a. S. 1926. : Beiträge zur S tra ti§' ra Phie der Oberpfalz. Zeitschrift der Deutschen Geol. Ges. 74. Bd. 1922. Abh. Berlin 1923. Abriß der Geologie von Bayern r. d. Rh. in sechs Ab- teilungen : Abteilung III: Die geologischen Verhältnisse des bay- risch - böhmischen Waldgebirges und der vorgelagerten Schichtenlandschaft. München 1923. Abteilung IV: Geologische Darstellung des schwäbisch- fränkischen Juras, seines triadischen Vorlandes und des südlich angrenzenden Molassegebietes. München 1927. Abteilung V: Der geologische Aufbau des Fichtelgebirges und Oberpfälzer Waldes und der angrenzenden Gebiete. München 1924. Die geologischen Verhältnisse längs der Amberg — Sulz- bacher und Auerbach — Pegnitzer Störung. Beitrag zur Entstehung der Amberger Erzlager. Abhandlungen der Naturhistorischen Gesellschaft zu Nürnberg. XXII. Bd. Nürnberg 1925. Ein Beitrag zum Kapitel Klüfte. Centralbl f. Min., Geol. und Pal. Jahrg. 1922. Stuttgart 1922. Grundfragen der vergleichenden Tektonik. Berlin 1924. Die saxonischen Brüche. Abhandlungen der Preuß. Geol. Landesanstalt. Neue Folge H. 95. Berlin 1923/25. Gesteinsklüfte und alpine Aufnahmsgeologie. Jahrb. d. Geol. Bundesanstalt LXXV. Bd. 1925. Wien 1925. Die Ausführung der Kluftmessung. Der Geologe Nr. 38. Leipzig 1925. Ueber Zerlegung der gebirgsbildenden Kraft Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien. VI. Bd. 1913. Wien 1913. Die Klufttektonik der cambro-silurischen Schichtentafel Est- lands. Geol. Rundschau Bd. XVIII. Berlin 1927. Uebersicht über die Gliederung des Keupers im nördlichen Franken im Vergleich zu den benachbarten Gegenden. Geogn. Jahresh. 1. Jahrg. 1888. Cassel 1888. 2. Jahrg. 1889. Cassel 1889. Untersuchungen über die Klüfte und Fluidalstrukturen der Porphyre im östlichen Odenwald und im mittleren Schwarz- wald. Centralbl. f. Min., Geol. und Pal. Jahrg. 1927 Abt. B. Stuttgart 1927. Aus der Geschichte der Altmühl. Fränkische Heimatschriften Nr. 2. Nürnberg 1923. Ueber tektonische Druckspalten und Zugspalten. Zeitschrift der Deutschen Geol. Ges. 66. Bd. 1914. Mon.-Ber. Berlin 1914. Zum Problem der Grabenbildung. Zeitschr d. Deutschen Geol. Ges. 73. Bd. 1921. Abh. Berlin 1922. Bemerkungen zur Bruchtektonik. Zeitschr. Geol. Ges. 75. Bd. 1923. Abh. Berlin 1924. Faltengebirge und Vorlandsbrüche. Centralbl. f. und Pal. Jahrg. 1927. Abt. B. Stuttgart 1927. Geologie von Bayern 1. Teil. Nordbayern und Frankenwald. Berlin 1925. d. Deutschen Min., Geol. Fichtelgebirge 9 III. Grenzen des Untersuchungsgebietes und morphologische Übersicht. Das in vorliegender Arbeit behandelte Gebiet umfakt den größten Teil der nördlichen Frankenalb. Die Nordgrenze zieht ungefähr von Bamberg über Hollfeld bis gegen Bayreuth, die Ost-, Süd- und Westgrenze sind hydro- graphisch festgelegt: im Osten wird sie vom Tal der oberen Pegnitz und ihres hauptsachlichen Quellbaches, der Fichtenohe, im Westen von der Regnitz und im Süden von der mittleren Pegnitz und der unteren Schwabach einschließlich der südlichen Talgehänge gebildet. Morphologisch betrachtet stellt das Gebiet einen Ausschnitt aus dem schwäbisch - fränkischen Schichtstufenland dar. Aus dem Tal der Regnitz und der unteren Schwabaoh steigt als erste Steilstufe der obere Burgsandstein, der auch zusammen mit den darüber liegenden Feuerletten die Stufenfläche bildet. Aus ihr, bezw. weiter flußabwärts direkt aus dem weiten Regnitztal erhebt sich die zweite Steilstufe, die durch den Rhätsandstein bedingt ist. Die zugehörige Stufenfläche läkt die tonigen und mergeligen Schichten des unteren und mittleren Lias zutage treten. Es ist dies das Gebiet des Albvorlandes, das bandartig die eigentliche Frankenalb umzieht. Eine kleine, oft kaum wahr- nehmbare Geländestufe wird von den in den Posidonienschiefern enthaltenen Kalkbänken hervorgerufen. Die aus Tonen und Tonmergeln bestehenden Juren- sismergel und der untere Dogger (Opalinumton) bewirken nur einen flachen Anstieg, aus dem steil und mächtig eine neue Stufe aufsteigt. Sie wird in ihren unteren Partien vom Doggersandstein gebildet, wird dann von dem schmalen Band des Ornatentons und der untersten Malmschichten unterbrochen, deren Ton- und Mergelpartien eine kleine, jedoch sehr charakteristische Verebnung geschaffen haben, und setzt darüber seinen Steilanstieg, durch die dicken, har- ten Werkkalkbänke des Malm ß bedingt, fort. Im mittleren Malm wechseln Steilstufen und Verebnungen miteinander ab, doch stets zeigt sich im Bereich der gebankten Fazies des Malm eine flachwellige, fast ebene Hochfläche. Anders sind die morphologischen Verhältnisse im Bereich der massigen Fazies, der Schwammkalke und des Frankendolomits ; dort nämlich bildet die Alb- hochfläche eine überaus wellige und kuppige Landschaft, die dadurch in star- kem morphologischen Gegensatz steht zu derjenigen im Gebiete der Bank- kalke. Im Bereich des Weikjura sind die Täler eng und tief eingeschnitten und von steilen Talhängen begleitet. Im Gebiete des Braunen und noch mehr des Schwarzen Jura hingegen, wo die hauptsächlich tonigen und sandigen Schichten im Gegensatz zu den Kalken und dem Dolomit des Malm als weniger wider- standsfähig sich erweisen, werden die Täler breit und die Talhänge steigen sanft an. IV. Kurzer tiberblick über die Formationen des Gebietes. 1. Der Keuper. Die tiefste Keuperstufe, die wir in dem von mir bearbeiteten Gebiete an- treffen, gehört der oberen Abteilung des mittleren Keupers an. Es ist der obere Burgsandstein, ein bis 30 m mächtiges, grobkörniges, zum Teil Gerolle führen- des, weik- bis rötlichbraunes Gestein, in das mehr oder weniger dicke Tonlagen eingeschaltet sind. In früheren Zeiten wurde der Burgsandstein in zahlreichen IO Steinbrüchen zu Bauzwecken gebrochen. Jetzt sind diese ehemaligen Auf- schlüsse zum größten Teil zugewachsen. Wie schon oben erwähnt, bildet der Burgsandstein die Talhänge der Schwabach von Erlangen bis ungefähr Weiher bei Dormitz. Lieber ihm folgen in einer Mächtigkeit von 30 bis 60 m die charakteristi- schen, karminroten Feuerletten (Zanclodonletten, Knollenmergel}. Trotz seines hohen Tongehaltes findet er nur verhältnismäßig selten in Ziegeleien (so bei Bayreuth und Lauf) Verwendung. Der obere Keuper oder das Rhät wird von einem hellgelben bis weißen, grobkörnigen, durch toniges Bindemittel verkitteten Sandstein gebildet. Seine Mächtigkeit beträgt ungefähr 10 bis 15 m und ist, nach den vielen, in ihm angelegten Steinbrüchen zu schlicken, ein sehr beliebter Baustein gewesen. Heute sind jedoch nur noch wenige Aufschlüsse in Betrieb. Die Geologische Landesuntersuchung von Bayern stellt das Rhät nicht mehr zum Keuper, son- dern reiht es der Juraformation als unterste Abteilung ein. 2. Der Jura. a) Der L i a s. Die unterste Zone, die sogenannte Psilonotenzone (Lias a^ die sich aus grauschwarzen Schiefertonen, feinkörnigen, dünnschieferigen Sandsteinen und blaugrauen Kalksandsteinen zusammensetzt, ist in meinem Arbeitsgebiet nicht zur Ausbildung gelangt. Auch die Sandsteine der Angulatenzone (Lias a 2 ) sind nur gainz vereinzelt zur Ablagerung gekommen. So beginnt denn der untere Lias, soweit er für die vorliegende Untersuchung in Betracht kommt, mit dem grobkörnigen, wenig mächtigen (1 bis 2 m) Arietensandstein (Lias a 3 ). Lias ß ist nur stellenweise vorhanden und auch dann nur gering mächtig. Er besteht aus dünnen, zum Teil sandigen Mergelbänkchen (Raricostaten - Schicht). Darüber folgen blaugraue Schiefertone, gelbgraue Mergelkalke mit Kalk- konkretionen und bräunlichgelbe Kalkmergel mit Mergel-Einlagerungen. Diese Gesteine setzen die Numismalisschicht (Lias y) zusammen, die 1 bis 5 m mäch- tig wird. Der mittlere Lias (Lias y) ist vertreten durch die Amalfheenmergel mit Amaltheus costatus, die bis 40 m mächtig werden können. Es sind blau- graue, in frischem Zustande schieferige Mergel, die häufig lagenweise an- geordnet Toneisensteinknollen, Kalkseptarien und Phosphoritgeoden enthalten. Zum oberen Lias gehört bereits die 4 bis 6 m mächtige, durch ihren Fossil- reichtum bekannte Posidonienzone (Lias e). Sie besteht aus den stark bituminösen Posidonienschiefern und mehreren eingelagerten Kalkbänken, von denen sich fünf über die ganze nördliche Frankenalb verfolgen lassen. Die oberste Stufe (£") des Lias nehmen dann noch die Jurensismergel (Radians- mergel ) ein. Sie bestehen aus hell- bis dunkelgrauen, fossilreichen Mergeln, die eine Mächtigkeit von einigen Metern erreichen. b) Der Dogger. Der untere Dogger, der Opahnumton (Dogger a) besteht aus tonig-mer- geligen dunkelgrauen Schichten, die eine Mächtigkeit von 60 bis 80 m erreichen. Sandige Zwischenlagen in den hangenden Partien zeigen den Uebergang zum Doggersandstein (Personatensandstein, Dogger /?,) an, der den mittleren Dogger repräsentiert 1 ). Es ist dies ein gelbbraunes bis rost- >) Entgegen der paläontologischen Zoneneinteilung Quenstedts (« und ß = unterer, }' und ö = mittlerer und e und ': = oberer Dogger) folge ich hier wegen der großen II braunes, feinkörniges Gestein, das am Westrand der Frankenalb eine Mächtig- keit von 45 bis 60 m, am Ostrand eine solche bis zu 100 m aufweist. Es ist in zahlreichen Steinbrüchen und Hohlwegen aufgeschlossen und wurde lange Zeit von den Albbewohnern als Baumaterial verwendet. Gegen das Hangende zu sind außer einigen Tonlagen häufig härtere Kalksandsteiinbänke eingeschaltet. Der obere Dogger (;--;) ist nur gering mächtig; er setzt sich zusammen aus den Eisenoolithkalken (einer ungefähr 5 m mächtigen Wechselfolge von oolithischen Kalkmergelbänken und mergeligen Zwischenlagen, Dogger y-ej und dem Ornatenton, einem grauen bis blaugrauen, mergeligen Ton (Dogger £ 2 -£), der 8 bis 10 m mächtig wird. c) Der Malm. Der untere Malm beginnt mit den Unteren Mergelkalken G ii m b e 1 s (Malm «), die aus grauen Mergelkalkbänken, gelblichen Mergelknollenlagen und grünlichgrauen Mergelschiefern bestehen. Ihre gesamte Mächtigkeit beträgt 10 bis 20 m. Darüber folgen die Werkkalke (Malm ß). Sie bestehen aus wohlgeschichteten, gelblichweißen und grauweißen, dickgebankten Kal- ken ; ihre Mächtigkeit beträgt meist 16 bis 20 m, steigt aber im oberen Pegnitz- tal bei Vorra und Rupprechtstegen bis auf 40 m an. Wie keine zweite Stufe der Juraformation in Franken sind die Werkkalke in zahlreichen Steinbrüchen aufgeschlossen. Das dort gewonnene Gestein wird teils als Bau- und Schotter- material verwendet, teils gebrannt. Die nächst jüngere, bereits zum mittleren Malm zu stellende Stufe ist die der Oberen Mergelkalke (Malm ;-) mit einer Gesamtmächtigkeit von 30 bis 40 m. In den liegenden wie auch in den hangenden Partien setzt sie sicjh zusammen aus Mergelkalkknollen und Mergelschiefern, zwischen die eine mächtige Folge von dickgebankten Kalken eingelagert ist. Malm <5, die Pseudo- mutabilisstufe, besteht aus dickbankigen, bis 35 m mächtigen Kalken, die in dieser gebankten Ausbildungsweise nur an einzelnen Stellen der nördlichen Frankenalb ( z. B. bei Kasendorf und bei Wüstenstein ) auftreten. Außer dieser eben kurz beschriebenen gebankten Ausbildungsweise, der Normalfazies, finden sich in allen Stufen des Weißen Jura ruppige, ungebankte oder nur andeutungsweise gebankte Schwammbildungen, die sich infolge ihrer massigen Ausbildung meist nur schwer stratigraphisch gliedern lassen. Häufig sind die Gesteine, hauptsächlich die der zuletzt genannten massigen Fazies, vom Malm ß an aufwärts bis ins 'Q sekundär dolomitisiert und haben so zur Bildung des Frankendolomits Anlaß gegeben, der mit seinen bizarren Felsformen der sogenannten „Fränkischen Schweiz" ihre romantischen Züge verleiht. An verschiedenen Stellen, wie z. B. bei Velden und Michelfeld, wird dieser Frankendolomit in Steinbrüchen abgebaut und als Zuschlag beim Kalk- brennen oder als Schottermaterial verwendet. Von jüngeren Weißjuraablagerungen der nördlichen Frankenalb sind hier noch zu nennen dickbankige bis dünnplattige Kalke, die in einigen Stein- brüchen bei Bronn und Weidensees gewonnen werden. Zum größten Teil sind diese bereits zum Malm f gehörenden Kalke dolomitisiert (Plattendolomit). Mächtigkeiten von a und ß der pefrographischen Gliederung Gümbels (1807), der den Opalinuston als unteren, den Doggersandstein als mittleren, Oolith und Ornatenton (}'— C) als oberen Dogger betrachtet. 12 3. Die Kreide. Ablagerungen der unteren Kreide fehlen vollständig ; doch auch aus der Schichtenfolge der oberen Kreide sind in dem bearbeiteten Gebiet nur Sand- steine oberturonen Alters, die sog. Veldensteiner Sandsteine, von Bedeutung. Es ist dies ein grobkörniges, gelbbraunes bis rotbraunes Gestein, das meist undeutlich gebankt ist und infolge seiner mürben Beschaffenheit leicht zu Sand zerfällt. Festere Bänke werden als Bausteine verwendet. Von diesen eben besprochenen Ablagerungen zeigen nur einige meßbare Zerklüftung. Es sind dies im Keuper der Burgsandstein und das Rhät, im Jura der Arietensandstein, der aber bei den folgenden Ausführungen wegen seiner fast ganz übergangslosen Verbundenheit mit dem Rhätsandstein nicht eigens ausgeschieden, sondern mit letzterem zusammen untersucht wurde, die Posi- donienschiefer, der Doggersandstein und die Kalke und Dolomite der gebank- ten und der massigen Fazies des Malm. Auch der kretazische Veldensteiner Sandstein weist deutliche Klüftung auf. V. Kurzer Überblick über die tektonischen Verhält- nisse der nördlichen Frankenalb. Die Lagerungsform der Schichten zeigt eine weitspannige Faltung. Der nördliche Frankenjura selbst entspricht in der Hauptsache einer ausgedehnten, flachen, nordwest-südost streichenden Mulde. Die Muldenachse zieht etwa von ötzing bei Staffelstein an Rabeneck im Wiesenttal und Pottenstein vor- bei gegen Fischstein an der oberen Pegnitz. Den die Mulde im Südwesten begrenzenden Satte! erwähnt bereits G um bei (1891, p. 621). Der Verlauf seiner ebenfalls nordwest-südost streichenden Sattellinie wird angedeutet durch die Orte tiagenbüchach, Langenzenn im Zenntal, Cadolzburg, Heideck und Titting im Anlautertal. im Nordosten geht die Mulde über in den Thurnauer Sattel, der aus der Gegend von Thumau an Bayreuth vorbei bis gegen Creufjen sich erstreckt. Dieses flach gefaltete Juragebiet wird durch eine Anzahl von Verwerfun- gen in einzelne Schollen zerlegt. Diese Störungslinien seien im folgenden kurz beschrieben. Die Verwerfungen. Eine Anzahl von Südost - Nordwest verlaufenden Verwerfungen durch- ziehen die nördliche Frankenalb und zerlegen sie in einzelne Schollen. Am weitesten im Nordosten, dort zugleich streckenweise die Grenze des bearbei- teten Gebietes bildend, befindet sich die Weikmain-Freihunger Ver- werfung (Jurarandspalte Reuters 1927). Sie betritt unser Gebiet westlich von Neustädtlein am Forst auf dem Pfarrhügel, auf dem sie Doggersandstein von den Werkkalken des Malm ß trennt, zieht sich herunter ins Liasgebiet von Mistelgau, wo es allerdings nicht möglich ist, sie genau festzulegen, und läkt sich wieder erkennen im Tal des obersten Roten Maines, der ihr bis Schnabel- weid folgt. Der Südwestflügel ist gegenüber dem Nordostflügel bei Neustädt- lein a. F. um etwa 40 m abgesunken. Weiter im Südosten liegen an ihr die bekannten Eisenerzlagerstätten von Sassenreuth, Kirchenthumbach und am Schwarzenberg sowie das Bleierzirevier von Freihung. Morphologisch tritt die Verwerfung nicht hervor. Aus dem Coburgischen kommt die sogenannte Pegnitzverwer- f u n g ( Ostrandverwerfung ) und erscheint in unserem Gebiet östlich Holl- 13 feld. Sie zieht über Altneuwirtshaus, Zeubach, Schweinsmühle, südlich von Hohenmirsberg vorbei nach Pegnitz ; ihr weiterer Verlauf führt sie an Auerbach und Vilseck vorüber bis Freudenberg unfern Amberg. Bis Altneuwirtshaus verläuft die Störungslinie im Malm, von da an bis zur Schweinsmühle trennt sie Malmschichten von Doggersandstein, durchschneidet dann die Hohenmirsberger Platte, senkt sich bei Oberhauenstein in das Pütt- lachtal herab und bildet hier wiederum die Grenze zwischen Dogger und Malm. Zwischen Oberhauenstein und Pegnitz streicht sie durch Franken- dolomit und Albüberdeckung und kann eigentlich nur dadurch erkannt wer- den, daß das Gelände nördlich der Spalte ungefähr 50 m höher gelegen ist als südlich davon. Eine ähnliche Erscheinung haben wir auch bei Plankenfels ; östlich der Verwerfung besitzen die Erhebungen eine Mindesthöhe von 510 m, während der westliche Flügel keine über 470 m aufweist. Ein anderes mor- phologisches Kennzeichen dieser Verwerfung ist die plötzliche Aenderung des Landschaftsbildes namentlich bei Oberhauenstein im oberen Püttlachtal oder bei Rabenstein im Ailsbachtal. Solange das Tal sich durch den Dogger- sandstein erstreckt, ist es verhältnismäßig breit mit flachgeböschten Gehän- gen. Sobald es jedoch in den Frankendolomit eintritt, verengt es sich zur Schlucht mit steil aus dem Wasser aufsteigenden Felsbildungen. An meh- reren Stellen teilt sich die Verwerfung in verschiedene Seitenäste, so vor allem bei Pegnitz und Altneuwirtshaus. Auch bei Zeubach zweigt eine Spalte nach Nordwesten ab, die jedoch im Dolomitgebiet bald nicht mehr erkennbar ist. Durch diese Zersplitterung der Pegnitzverwerfung kommt es zu keiner bedeu- tenden Sprunghöhe. Sie beträgt höchstens 30 m. Der südwestliche Flügel ist der abgesunkene. Weiter nach Südwesten folgt dann die Sfaffelsteiner Verwer- fung, die im Tal der AI skr am der Grenze von Bayern und Thüringen beginnt und bei Staffelstein über den Main setzt. Hier besitzt sie eine Sprunghöhe von 30 m. Bei Königsfeld tritt sie in unser Gebiet ein, folgt dann von Aufseß ab- wärts dem Aufseßtal, wo sie an Lagerungsstörungen im Frankendolomit erkannt werden kann, und dem in seiner Verlängerung gelegenen Abschnitt des Wiesenttales bei Behringersmühle. Ihre südöstliche Fortsetzung verläuft ganz im Frankendolomit und in der Albüberdeckung, sodaß sich ihre weitere Verfolgung äußerst schwierig gestaltet. Erst bei Neuhaus an der Pegnitz ist sie wieder deutlicher zu erkennen, um jedoch jenseits des Pegnitztales von neuem im Frankendolomit zu verschwinden. Von Eschenfelden an trennt sie abwechselnd Frankendolomit, Malmkalke und Doggerschichten, birgt bei Sulz- bach und Amberg bedeutende Eisenerzlager und mündet schließlich in die Pfahlspalte. Solange sie das Arbeitsgebiet durchsetzt, ist an ihr der Nord- ostflügel abgesunken ; weiter im Südosten liegen die Verhältnisse umgekehrt. Dort ist der Nordostflügel der höhere. Morphologisch tritt die Verwerfung im nördlichen Frankenjura, wenn man von den durch die Spalte bedingten Tal- stücken der Aufseß und der Wiesent absieht, nicht hervor. Als letzte der vier großen Verwerfungen, die unser Gebiet durchziehen, ist die „Wa lb er 1 e " - Ver w er f u n g zu nennen. Sie kommt aus dem Keupergebiet nördlich von Pommersfelden, verläuft in West-Ostrichtung über Bammersdorf und an der Jägersburg vorbei nach Unterweilersbach, wo sie scharf nach Südosten umbiegt, am Walberk entlang durch das Ehrenbach- und obere Schwabachtal streicht und ihre Fortsetzung wahrscheinlich über Kirch- röttenbach, Schnaittach und Hersbruck hinaus im Förrenbacher Tal findet. Ihr nordöstlicher Flügel ist bis zu 40 m abgesunken. 14 Weiterhin wäre noch zu erwähnen die Baader Verwerfung, die das Hetzlas- gebiet im Süden und Westen begrenzt. Nach Paul Dorn (Erlanger Heimatbuch 1925) hat sie ungefähr folgenden Verlauf : Sie trennt sich im Schwabachtal bei Forth von der Walberieverwerfung, zieht in westnordwestlicher Richtung am Leyerberg entlang bis gegen Baad und geht in nordwest-südöstlichem Streichen über Langensendelbach in die Gegend von Baiersdorf. Auch bei dieser Verwerfung ist der nordöstliche Flügel gegenüber dem südwestlichen abgesunken. Die bedeutendste Sprunghöhe dürfte 35 m betragen. Kleinere Störungen konnte Paul Dorn anläßlich der Kartierung von Blatt Erlangen - Süd der Gradabteilungskarte von Bayern M. — 1 : 25 000 fest- stellen, so solche von osl-wesflichem Verlauf im Süden und Norden des das Schwabachtal im Süden begleitenden Höhenzuges. Rückblickend sehen wir, dag die Scholle zwischen der Lichtenfelser und Siaffelsieiner Verwerfung am tiefsten eingesunken ist ; dieser tiefen Ein- senkung ist es auch zu verdanken, daß sich auf ihr jüngste Malmkalke und Kreidesandsteine erhalten haben. Etwas höher liegen die im Südwesten und Nordosten anschließenden Schollen, deren obere Schichten aus Gesteinen des Malm und des Dogger bestehen. Am stärksten gehoben sind die äußeren Schollen, die bis auf den Lias, bezw. die Trias abgetragen sind. VI. Einige Bemerkungen zur Arbeitsmethode. Das Streichen und Fallen der Klüfte wurde mit Hilfe eines Einheits- kompasses von Breithaupt &• Sohn, Cassel, der mit Klinometer und Dosenlibelle versehen war, gemessen. Die Deklination, die nach der Isogonenkarte vom Deutschen Reich nach den Ergebnissen der neueren magnetischen Messungen für die Epoche 1925 von K. Hausmann für das bearbeitete Gebiet und für die Jähre 1926 und 1927 zu ungefähr 7° westlich bestimmt wurde, wurde am Kompaß selbst berichtigt, so daß sofort die tatsächlichen Werte abgelesen wer- den konnten. Außerdem wurden die Klüfte je nach ihrer Ausdehnung, nach ihrem Klaffen, nach der Ausbildung der Kluftflächen und nach der Entfernung zweier Klüfte voneinander bewertet. Es wurde unterschieden zwischen Klüf- ten von durchschnittlicher, solchen von besserer und solchen von geringerer Ausbildung. Aus dem Wunsche heraus, zu möglichst exakten Bewertungs- ziffern zu kommen, wurde teilweise jedes der oben angeführten Bewertungs- merkmale einzeln abgeschätzt und dann das arithmetische Mittel daraus gezogen ; da jedoch auch diese Einzeleinschätzung nur gefühlsmäßig vor- genommen werden konnte, genügte meines Erachtens vollständig eine einfache Bewertung auf Grund eines allgemeinen Ueberblickes über die Klüfte eines Steinbruches vor der Aufnahmetätigkeit. Die am besten ausgebildeten Klüfte fielen sofort auf und zwischen den durchschnittlichen und den schlechter aus- gebildeten Klüften war meist der Unterschied so groß, daß ihre Trennung keine weiteren Schwierigkeiten machte. Die durch Messung und Schätzung erhaltenen Werte für Streichrichtung, Fallwinkel und Qualität der einzelnen Klüfte wurden in eine Liste („Urliste") der Reihe nach eingetragen. Aus Zweckmäßigkeitsgründen wurden dann die Streichrichtungen von 01° bis zu 180° arithmetisch geordnet. Dadurch ent- stand eine Zahlenreihe, die sogenannte primäre Verteilungstafel, die einen klaren Ueberblick über die Verteilung der Streichrichtungen erlaubte. Gleich- zeitig ließen sich alle gewünschten Mittelwerte rasch und beguem berechnen. Auch die oft mühselige und langwierige Arbeit des Zusammenziehens der 15 gemessenen Werte verschiedener Aufschlüsse wurde dadurch überaus erleich- tert. Weiterhin mußten dann die Werte zu einzelnen Klassen zusammengefaßt werden, und zwar wurde ein Klassenintervall von 10° gewählt. Bei Unklar- heiten wurde auf eine Zusammenfassung von 5 ° zurückgegangen, was ja mit Hilfe der primären Verteilungstafel nicht viel Mühe machte. Zu erwähnen wäre noch, daß ein Wert, der auf einen Grenzwert zwischen zwei Klassen ( also z. B. auf 10 u , 20 °, 30 ° usw.) fiel, halbiert und die eine Hälfte zur vorher- gehenden, die andere zur folgenden Klasse addiert wurde. Mit einigen Worten möchte ich noch auf die graphische Darstellung ein- gehen. In fast jeder klufttektonischen Arbeit finden wir eine andere Dar- stellungsmethode. Am häufigsten sind die sogenannten Kluftrosen oder Kluft- sterne vertreten : von einem Mittelpunkt aus zieht man für je 5°, 10°, 15°, je nachdem, welche Klassengrö&e man gewählt hat, in gleichen Abständen eine Linie und trägt auf ihr die Anzahl der auf das Intervall treffenden Kluftrichtun- gen auf. Die so erhaltenen Punkte verbindet man und erhält ein Diagramm, das allerdings mehr einem Stern denn einer Rose ähnlich sieht, das aber sofort die bevorzugten Kluftrichtungen erkennen läßt. Neben diesem Vorteil der Anschaulichkeit hat diese Methode der Darstellung große Nachteile : Erstens muß man sich die Zeichenunterlage selbst schaffen, nachdem das käufliche Windrosenpapier von Schleicher &: Schüll in Düren im Rheinland für die meisten Untersuchungen nicht genügend unterteilt ist und außerdem für die Dauer zu kostspielig wäre. Zweitens drängen sich, wenn man z. B. auf eine Einteilung von 5 ° zu 5 ° heruntergeht, die Linien um den Mittelpunkt so, daß ein exaktes Arbeiten kaum mehr möglich ist. Drittens müssen alle Werte auf den Gradlinien mit dem Maßstab aufgetragen werden. Dadurch ist beim Lesen des Diagrammes wiederum Maßstab und oft auch Winkelmesser nötig, da es meist sowohl an konzentrischer Unterteilung wie auch an einer Bezif- ferung der Gradlinien fehlt. Alle diese Nachteile werden vermieden, wenn man sich der Darstellung mittels rechtwinkeliger Koordinaten bedient. Auf der Abzissenachse trägt man die Gradeinteilung ab, auf der Ordinatenachse die Anzahl der gemessenen Kluftrichtungen, bezw. einer Verhältniszahl dafür, die man auf die Weise erhält, daß man die größte Anzahl einer Kluftrichtung gleich 100 setzt, was M. Pfannenstiel (1927) empfiehlt. Am besten eignet sich dazu das allgemein gebräuchliche Millimeterpapier. Da jede fünfte Linie durch stärkeren und jede zehnte durch noch stärkeren Druck hervorgehoben ist, kann man beguem alle Werte eintragen und ebenso bequem wieder ablesen. Der einzige Nachteil besteht darin, daß man die Richtung nur als Zahlenwert erkennen kann, ihren Verlauf sich also erst vorstellen muß. Doch ist man rasch eingearbeitet und bald verknüpft sich in der Vorstellung die Zahl mit der ihr zugehörigen Rich- tung. Dies alles gilt jedoch nur dann, wenn lediglich das Streichen der Klüfte zur Darstellung kommen soll, wie das ja in vorliegender Arbeit der Fall ist, da von einer Darstellung des Einfallens der Klüfte abgesehen werden kann, weil der Fallwinkel in den weitaus meisten Fällen zwischen 80 ° und 90 ° beträgt VII. Die Kluftrichfungen. In den folgenden Abschnitten soll auf die Untersuchungsergebnisse der Kluftmessungen in den einzelnen Formationsstufen näher eingegangen werden. al Die Kluftrichtungen im Burgsandslein. In seiner Geologie des Wendelsteiner Höhenzuges bei Nürnberg hat sich Paul Dorn (1926) eingehend mit den Klüften im unteren Burgsandstein befaßt. i6 Er konnte vier Maxima, bei 10°, 30 °, 105° und 125° feststellen/ Am stärksten waren die Klüfte in Richtung 105° und 125° ausgebildet. Letztere Klüfte faßte er zu einem herzynischen, die beiden anderen maximalen Richtungen zu einem varistischen System zusammen. Ich meinerseits würde die Klüfte in Richtung 10 ° (= rheinisch longitudinal — die Benennung der Richtungen geschieht nach dem Vorbilde Stilles — ) und 105 ° (— rheinisch transversal) zu einem und die Richtungen 30° (= erzgebirgisch) und 125° [= herzynisch) zu einem zweiten System zusammennehmen. Leider ist das Feldbuch Dorns nicht mehr vor- handen ; ich hätte sonst seine Werte in derselben Weise wie die meinigen zusammengestellt, um einen Vergleich mit meinen Ergebnissen zu erleichtern. Unterer Burgsandstein ist in meinem Gebiet nicht aufgeschlossen, doch begrenzen es im Südwesten zwei aus oberem Burgsandstein bestehende Höhenrücken südlich und. nördlich der Schwabach, auf denen sich eine An- zahl von Steinbrüchen befinden, die aber, da kein Abbau mehr erfolgt, zum Teil schon stark verfallen sind. Dies gilt namentlich von den Brüchen im Tennenloher Forst, am Dorn- und Turmberg. Dort erhielt ich Maxima in den Richtungen 10°, 50°, 80°, 100°, 110° und 150°. Weitaus am stärksten aus- gebildet ist dort die rheinisch longitudinale und die rheinisch transversale Richtung. Die anderen Kluftrichtungen treten sehr stark zurück. Oestlich dieser eben genannten Aufschlüsse am Dorn- und Turmberg befindet sich ein größerer, heute allerdings auch aufgelassener Steinbruch an der Ohrwaschel. Die bevorzugten Kluftrichtungen sind dort 10°, 40°, 80°, 100°, 130° und 160°. Sonderbarer Weise ist hier das erzgebirgische und das herzynische Streichen der Klüfte viel stärker ausgebildet als das im rheini- schen System. Auffällig sind weiterhin noch die beiden Maxima bei 80 ° und 160°, die zwar stark zurücktreten, aber doch auf keinen Fall vernachlässigt werden können. Auch in den Brüchen des Tennenloher Forstes sind diese beiden Richtungen schon andeutungsweise vertreten. Messen wir nun an dem nördlich der Schwabach gelegenen Höhenzuge die Klüfte, so erhalten wir am Burgberg in Erlangen als bevorzugte Richtungen 50°, 90°, 110°, 130° und 170°. Dazu könnte man auch noch die Richtung von 30 ° angeben. Vergleicht man nun diese Messungen mit denjenigen aus den oben genannten Steinbrüchen südlich der Schwabach, so kann man leicht auf den Gedanken kommen, daß gegenüber jenen alle Kluftrichtungen um 10° im Uhrzeigersinn gedreht worden sind, jedoch die östlich von Erlangen gelegenen Steinbrüche lassen deutlich wieder die maximalen Richtungen erkennen, wie ich sie ähnlich südlich der Schwabach angetroffen habe. In den Steinbrüchen nahe der Haltestelle Spardorf nämlich sind die bevor- zugten Richtungen 10°, 40°, 60°, 90°, 100° und 130°. Die Klüfte sind ziemlich gleichmäßig auf die verschiedenen Richtungen verteilt, nur die Richtung 60 ° tritt stärker zurück. Bei Uttenreuth sind die maximalen Richtungen bei 10°, 50°, 100° und 150°. Die Richtungen 10° und 100° gehören zweifellos dem rheinischen System an, 50° entspricht dem erzgebirgischen, 150° wohl dem herzynischen Streichen. Beim Orte Spardorf sind folgende Richtungen bevorzugt: 10°, 90° und 110°. Auf die Richtungen 10° und 110° trifft der Hauptanteil aller Kluftrichtun- gen, während die Richtung 90 ° stark zurücktritt. In der folgenden Tabelle seien die bevorzugten Kluftrichtungen der einzelnen Aufschlüsse noch einmal zusammengefaßt. i7 Nr. 1 ) Burgsandstein Wendelstein 10° 30° 105° 125° 1 Tennenloh. Forst 10° 50° 80° 100-1 10 u 150° 2 Ohrwaschel . . 10° 10 ° 80° 100° 130° 160° 3 5urgb. Erlangen . 30° 50° 90° 110° 130° 170° 4 Haltest. Spardorf 10° 40° 60° 90° 100° 130° 5 Uttenreuth . . . 10° 50° 100° 150° 6 Spardorf .... Zusammenfassg. 10° 10° 40° 90° 100° 110° 130° Tabelle 1. Figur 1. Vorstehendes Diagramm, das für die Gesamtheit aller im Burgsandstein gemessenen Kluftrichtungen gilt, zeigt deutlich das starke Vorwiegen der rheinischen Richtungen. Die Richtungen 40 ° und 130 ° erzeugen einen deut- lichen Knick in der absteigenden Kurve. Andere Richtungen kommen im Diagramm nicht zur Geltung, sind aber vorhanden, wie obenstehende Tabelle zeigt. DaJ3 nicht in jedem Aufschlug die gleichen Kluftrichtungen ausgebildet sind, hängt wohl damit zusammen, dafj, wie weiter unten gezeigt werden soll, nicht alle Klüfte zu gleicher Zeit entstanden sind, sondern dafi zu verschie- denen Zeiten verschiedene Druckrichtungen herrschend waren. Jeder Druck- richtung würden nun besondere Kluftrichtungen entsprechen. In dem wenig spröden Material des Burgsandsteines kamen jedoch verschiedene Richtun- gen überhaupt nicht zur Ausbildung, andere, die in eine ähnliche, um wenige Grade verschiedene Richtung wie bereits vorhandene fallen würden, fallen mit jenen bereits ausgebildeten zusammen und verändern höchstens deren Quali- tät. Diese Erscheinungen werden uns immer wieder begegnen und wir können l ) Die in der ersten Rubrik dieser und der nachfolgenden Tabellen angeführte fortlaufende Numerierung der einzelnen Aufschlüsse verweist auf die beigegebene Uebersichtskarte, auf der durch gleiche Zahlen die Lage der genannten Oertlichkeiten bezeichnet ist. i8 daraus den Schluß ziehen, dag sämtliche durch die verschiedenen Druck- richtungen bedingten Klüfte, wenn überhaupt, dann nur im sprödesten Material, das im Arbeitsgebiet auftritt, das sind die gebankten Kalke der Normalfazies des Malm, uns entgegentreten werden. Hinzuweisen wäre noch darauf, dal die vier von mir für den oberen Burg- sandstein gefundenen Werte (10°, 40°, 100° und 130°) ungefähr übereinstimmen mit den von Dorn in Wendelstein für den unteren Burgsandstein festgestellten Richtungen 10 °, 30 °, 105 ° und 125 °. b) Die Kluftrichtungen im Rhät. Der' nördlichste von mir im Rhät untersuchte Steinbruch befindet sich bei Strullendorf. Festzustellen waren folgende Hauptrichtungen: 10°, 60°, 110°, 140° und 170°. Diejenigen von 10°, 110° und 170° gehören dem rheinischen System an ; die Richtung 170 ° tritt ganz besonders hervor. Das erzgebirgisch- herzynische System liegt in den Sireichrichtungen von 60° und 140°. In einem Hohlweg westlich Bammersdorf ist der Rhätsandstein recht gut entblö&t. Dort zeigten die Messungen Maxima bei 10°, 60°, 100° und 150°. Die Richtungen 10°, 80° und 150° sind in kleinen verfallenen Steinbrüchen westlich Bammersdorf deutlich ausgeprägt. Auffällig ist dort vor allem neben dem Fehlen der erzgebirgischen Richtung das starke Auftreten der Nord- nordwestrichtung, die fast die Hälfte aller Klüfte auf sich vereinigt. Eigenartig sind auch die Verhältnisse in einem Steinbruch südlich Bam- mersdorf, in dem die Richtungen 10°, 60°, 80° und 140 bis 150° auftreten. Die erzgebirgische Richtung ist diesmal hier vorhanden. Untersucht man die Werte zwischen 70° und 110° genauer, indem man die Messungen von 5° zu 5 ° zusammenfaßt, so zeigen sich für die rheinisch transversale Richtung zwei Maxima, bei 80° und 100°. Die nächsten Aufschlüsse befinden sich in den durch ihre reiche Pflanzen- ausbeute bekannt gewordenen Steinbrüchen bei der Jägersburg unfern Forch- heim. Dort ist im Gegensatz zu den Verhältnissen im vorhergehenden Bruch die rheinisch transversale und die herzynische Richtung besonders stark aus- geprägt. Die rheinisch longitudinale Richtung ist etwas schwächer ausgebil- det, während die erzgebirgische ganz zurücktritt. Wenn hier des öfteren gesagt wird, dal einzelne maximale Richtungen fehlen, so soll das nicht heißen, da! überhaupt keine Klüfte in diesen Rich- tungen streichen, was ja hin und wieder einmal vorkommt. Vielmehr verhält es sich meist so, da! infolge der Art der Zusammenfassung der Streichrichtun- gen in Gruppen von je 10 Grad die verhältnismäßig geringere Anzahl von Klüften eines schwach ausgebildeten Maximums in dem benachbarten stär- keren verschwindet. Manchmal gelingt es zwar durch Zusammenfassen in Gruppen von 5 ° zu 5 ° die beiden Maxima zu trennen, allein diese Fälle sind verhältnismäkig selten. Ein weiterer Steinbruch befindet sich in der Ortschaft Serlbach. Die Kluftmessungen ergaben wiederum nur vier Maxima : ein rheinisch longi- tudinales, ein rheinisch transversales, das erzgebirgische und das herzynische. Versuchen wir nun bei den hier gefundenen Messungswerten die oben an- gegebene Methode der Zusammenstellung in Gruppen von je 5 °, so zeigt sich, da! in der rheinisch longitudinalen wie auch in rheinisch transversalen Rich- tung noch je ein Minimum eingeschaltet ist, woraus zu erkennen ist, da! auch hier das rheinische System in je zwei maximale Richtungen gespalten ist. 19 In einem verlassenen Steinbruch südwestlich Serlbach fanden sich bei den Messungen wieder alle sechs Maxima deutlich ausgebildet. Das rheini- sche System ist am stärksten ausgeprägt und zeigt wieder je zwei Maxima. Das erzgebirgisch-herzynische System tritt stärker zurück. Am Kellerberg bei Forchheim ist dagegen nur die Nordnordwestrichtung und die rheinisch trans- versale Richtung gut ausgebildet. Die erzgebirgische und die herzynische Richtung sind nur schwach angedeutet. In einem verlassenen Bruch westlich Reuth bei Forchheim sind die rheini- schen Richtungen nur durch je ein Maximum ausgezeichnet. Das erzgebirgisch- herzynische System ist gut entwickelt. In einem anderen Rhätsandsteinbruch nördlich von Reuth treten die Rich- tungen 10°, 60°, 100°, 130° und 170° maximal hervor. An erster Stelle steht hier die herzynische Richtung. Ihr folgen sofort die Richtungen des rheini- schen Systems, während fast keine Klüfte mit erzgebirgischem Streichen vor- handen sind. Ein kleiner, östlich davon gelegener Steinbruch zeigt eine beson- ders gute Entwicklung des rheinischen Systems ; die anderen Richtungen treten dagegen stark zurück. In einem weiteren, Wiesent aufwärts gelegenen Bruch bei Unterweilersbach ist überhaupt nur das rheinische System ausgebildet. Die rheinisch transversale Richtung weist zwei Maxima auf. Südlich der Wiesent zwischen Wiesenthau und Dobenreuth sind die Richtungen 00 °, 40 °, 80 °, 100 ° und 140° bevorzugt. Das erzgebirgisch herzynische System ist am besten aus- gebildet, während das rheinische etwas zurücktritt. Oestlich Dobenreuth zeigen einige kleinere Aufschlüsse die Richtungen 10°, 50°, 80 °, 100°, 140° und 170 °. Am besten ausgebildet ist diesmal wieder das rheinische System. Auf das erzgebirgisch herzynische System fällt nur ein geringer Teil der Kluft- richtungen. Die Steinbrüche um Pinzberg herum weisen ein ziemlich gleich- mäkig ausgebildetes Kluftnetz auf. Das rheinische System ist etwas besser ausgebildet als das erzgebirgisch-herzynische. Am Rathsberger Höhenzug nordöstlich Erlangen tritt ein starkes Maximum in der Richtung 00 ° auf. Auch die rheinisch transversale Richtung ist gut ausgebildet, während die anderen Richtungen stark zurücktreten. Zwischen Neunkirchen a. B. und Steinbach befinden sich mehrere Rhät- sandsteinbrüche mit vorwiegend rheinischem ( 00 ° und 90 ° ) Streichen der Klüfte. Die erzgebirgische und herzynische Richtung sind fast nicht vorhanden. Südlich der Schwabach zeigen die Aufschlüsse westlich von Kalchreuth nur drei maximale Richtungen : die beiden rheinischen 00 ° und 90 ° und — sehr stark zurücktretend — die herzynische bei 130°. In der Käswasserschlucht liegen die Verhältnisse ganz ähnlich : auch hier ist nur das rheinische System und die herzynische Richtung zur Ausbildung gekommen. Noch weiter öst- lich zwischen Eschenau und Schnaittach tritt ebenfalls das rheinische System am stärksten hervor. Doch sind hier die beiden Richtungen des erz- gebirgisch herzynischen Systems wieder ausgebildet. Die nachfolgende Tabelle gibt eine Zusammenstellung der bei den Messun- gen im Rhätsandstein gefundenen Maxima (Tabelle und Diagramm s. nächste Seite) : Das Diagramm aller im Rhätsandstein gemessenen Kluftrichtungen zeigt extreme Maxima im Bereich der beiden rheinischen Richtungen, außerdem noch je ein Maximum in erzgebirgischer und herzynischer Richtung. Auch in diesem Diagramm zeigt sich ebenso wie in dem der Kluftrichtungen des Burgsand- 20 Nr. Rhäisandstein 7 Strullendorf . . . 10° 60° 110° 140° 170° 8 5ammersdorf W. . 10° 60° 100° 150° 9 w.. 10° 80° 150° 10 s. . 10° 60° 80° 100° 140° 150° 11 Jägersburg . . . 00° 60° 90° 140° 170° 12 Serlbach .... 00° 60° 90° 100 u 140° 170° 13 SW. Serlbach . . 10° 50° 80° 100° 140° 170° 14 Kellerberg. . . . 50° 100° 140° 170° 15 W. Reuth .... 00° 60° 100° 130° 16 N. „ ..•• 10° 60° 100° 130° 170» 17 Oe. „ ... 00° 50° 100° 130° 150° i 18 Unferweilersbach 00° 70° 100° *3 19 Wiesenlhau . . . 00° 40° 80° 100 3 140° < --f ■ 20 Dobenreuth . . . 10° 50°! 80° 100° 140° 170° 21 Pinzberg .... 00° 10° 50° 80° 100° 140° 22 Raihsberg .... 00° 50" 80° 110° 130° 23 Neunkirchen . . • 00° 50° 90° 140° 24 Kalch reuth. . . ■ 00° 90° 130° 25 Käswasserschi. . 00° 90° 130° 26 Eschenau .... 00° 60° 90° 130° 150° -H-H+i- , ■ f 1 1 I l 1 1 ;ni|!i i[ UHj-lhi! -1- — — ^ i • ■ . '■ . . i '. . i ! 1 I ! 1 I 1 -:- HH|f in T ; j j { { j } ; 1 1 -. | ; -■ ! i 1 -i i L! 1 ■ i [j; lljjllil i4i i I i 1 1 1 i ) j \ \\ \ _U_ 11111 __I_J R+tf 5: 1 8 ''IT! ■ tu i ' ritt - — i 1 1 — ~— iülTil.'i t|ji ij-ji — -- — U — — - yhimil / lijj llH" 44+ 4-H4 H ; :T t/ ~ v~-: +- ■4- "PH" t : j i t \\\ j ( 1 M \ j j 1 1 : ; - ■' i ) i ' ; jH-H-rtr - TM j'j-j f+r %~ TTTTTr -1 ' t — — - f V - - -^- - -,- : ji/i Mi r *tiFi j 1 ;~hr; i^t — +- % m J- X^tSq ^ fri-rÖ£;-Hi ff+ffifs; 3 4Äro$ I _ J L . -rrl \ 1 ; 1 fff- - - j-;;-j-{-t 'V | -1 r-H-tr ■ftti ÜUU; 1 ' ! " s;^ $ ] '::';- — ; . — , ■ - ■ — i - -.-H-T — ' H > 1 ■ ' - i h liihili HÜ! 4i4u^ |j| 1 j|ii j j '-".-' -|-- ' T" "| L ■ i : ! ■ tesiifca: ^ö 1 H- H±±£ ■Sil Li i i i t i t i ! l t M l -- - - - Figur 2. steins, dafe in den rheinischen Richtungen nur je ein Maximum auftritt, wäh- rend aus der Tabelle ersehen werden kann, dal in 50 % aller untersuchten Auf- schlüsse entweder die rheinische longitudinale oder die rheinisch transversale Richtung oder gleich beide Richtungen je zwei Maximalwerte aufweisen. Da| diese einzelnen Werte im Diagramm nicht zum Ausdruck kommen, liegt ledig- lich an der Zusammenfassung sämtlicher im Rhätsandstein vorgenommenen Kluftridhtungsmessungen. 21 c) Die Kluftrichtungen im Posidonienschiefer. Im Verbreitungsgebiet der Posidonienschiefer standen mir nur zwei Auf- schlüsse zur Verfügung, der eine in einem Hohlweg nördlich Hetzlas (auf der Uebersichts - Karte mit Nr. 27 bezeichnet ), der andere gelegentlich eines Strafjenumbaues bei Grokgeschaid (Nr. 28). Bevorzugt sind in den beiden Aufschlüssen die Kluftrichtungen 00°, 100° und 140°. d) Die Kluftrichtungen im Doggersandstein. Der Doggersandstein tritt in meinem Untersuchungsgebiet in zwei lokal getrennten Gebieten in größerer Verbreitung auf, einerseits im "Westen der nördlichen Frankenalb entlang dem Albrande, andrerseits im Nordosten der- selben zwischen Pegnitz und Obernsees. Dort im Nordosten sehen wir in einem Steinbruch bei Zeubach das rheinische Sysiem nur ganz schwach ent- wickelt. Dagegen ist die herzynische Richtung sehr gut, die erzgebirgische etwas schwächer ausgebildet. Oestlich des bei Kirchahorn gelegenen Poppen- dorf ist das rheinische System mit den Richtungen 10", 70°, 100° und 160° am besten ausgebildet. Außerdem ist nur noch die herzynische Richtung vor- handen, die 140° streicht. Zwei Kilometer östlich Poppendorf liegt Vorder- kleebach. Dort lä&t sich sowohl das 10°, 70°, 100° und 170° streichende rheinische System als auch das bei 50° und 150° verlaufende erzgebirgisch herzynische feststellen. Wie im Steinbruch von Zeubach ist auch hier die rheinisch longitudinale Richtung nur sehr schwach ausgebildet ; die rheinisch transversale Richtung, die dort ganz fehlt, ist jedoch hier am besten entwickelt. Nördlich davon, in einem Steinbruch westlich Hinterkleebach scheinen die Richtungen um tO Grad im Uhrzeigersinn verschoben : 20°, 50°, 110° und 140°. Die rheinisch longitudinale und die herzynische Richtung sind die am besten entwickelten Richtungen. In einem Steinbruch nördlich Trockau ist das rhei- nische System, zu dem die Richtungen 10°, 30° und 100° gehören, das bedeu- tendste. Das erzgebirgisch herzynische System mit den Richtungen 60 ° und 150° kommt fast nicht zur Geltung. In und bei Büchenbach endlich ist wiederum das rheinische System (10°, 70° und 170°) am besten ausgebildet. Sonst ist nur noch die herzynische Richtung vertreten, die ungefähr 140° streicht. Am Westrand der nördlichen Frankenalb zeigt ein Bruch nördlich Zeegen- dorf ein Ueberwiegen der rheinischen Richtungen 10°, 70° und 100° ; vom erz- gebirgisch herzynischen System tritt die erzgebirgische Richtung (45 °) ganz zurück. Dafür ist die herzynische Richtung (145 °) um so besser ausgebildet und s-teht nur wenig hinter der an erster Stelle sich befindenden rheinisch lon- gitudinalen Richtung zurück. Aehnlich liegen die Verhältnisse südöstlich Zeegendorf. Auch dort herrscht die rheinisch longitudinale Richtung bei 10" und die herzynische Richtung bei 130° vor, während die beiden anderen Rich- tungen, die rheinisch transversale (100 °) und die erzgebirgische (40°) Richtung wenig zur Geltung kommen. In einem Aufschlug bei Oberweilersbach unfern Forchheim hat das erz- gebirgisch herzynische System (40° und 140 °) die Oberhand. Das rheinische System ist mit den Richtungen 20 °, 70 ° und 90 ° vertreten. In einigen Stein- brüchen oberhalb Ebermannstadt tritt das rheinische System 00 °, 70 ° und 100 ° wieder stark in den Vordergrund. Außerdem ist nur noch die erzgebirgische Richtung bei 50 ° ausgebildet. Ganz ähnliche Verhältnisse treffen wir an der Waldlucke bei Regensberg unfern Erlangen an. Das rheinische System ist mit den Richtungen 90° und 22 170 ° vertreten, das erzgebirgisch herzynische System tritt fast überhaupt nicht in Erscheinung. Kaum drei Kilometer südwestlich davon, in den Steinbrüchen nördlich des Dorfes Hetzles, haben wir ebenfalls das rheinische System als das herr- schende ; es verfügt über die Richtungen 10 °, 65 ° und 1 10 °. Das erzgebirgisch herzynische System (40° und 140°) tritt stark zurück. Bei dem einige Kilometer davon gelegenen Grofjenbueh ist vor allem die herzynische Richtung zur Aus- bildung gekommen. An zweiter Stelle steht die rheinisch longitudinale Rich- tung. Die erzgebirgische Richtung ist nur schwach vertreten, während die rheinisch transversale Richtung fehlt. Dagegen ist die rheinisch transversale Richtung (70 ° und 90 °) ganz hervorragend ausgebildet bei Walkersbrunn. Gut vertreten ist auch die rheinisch longitudinale Richtung. Dagegen tritt die erzgebirgische Richtung fast gar nicht hervor, während die herzynische ganz fohlt. In dem Tal, das von Gräfenberg zur Schwabach herunterzieht, finden sich sowohl am linken wie auch am rechten Talhang bei Wei&enohe zwei Steinbrüche. In dem westlichen davon tritt nur das rheinische System mit den Richtungen 20°, 110° und 175° auf. Im östlichen ist das rheinische System (10° und 110°) etwas besser entwickelt als das erzgebirgisch herzynische (60° und 140°). Im Pegnitztal zeigt sich in der Gegend von Eschenbach, daB alle sechs Richtungen entwickelt sind, und zwar bei 10°, 40°, 80°, 100 °, 140° und 170°. Neben dem rheinischen System ist auch das erzgebirgisch herzynische gut ent- wickelt, nur zeigt sich sonderbarerweise die erzgebirgische Richtung besser ausgebildet als die herzynische, während sonst doch gewöhnlich das Um- gekehrte der Fall ist. In dem südlich der Pegnitz gelegenen Juragebiet hat K. G. Schmidt bei Neumarkt die Klüfte des Doggersandsteines gemessen. Er erhielt dort fol- gende Richtungen: 15°, 55°, 100° und 150°, die dem rheinischen und dem erzgebirgisch herzynischen System entsprechen. Nr. Doggersandstein 29 Zeubach .... 10° 50° 70° 130° 160° 30 Poppendorf . . . 10° 70° 100° 140° 160° 31 Vorderkleebach 10° 50° 70 9 100° 150° 170° 32 Hinterkleebach 20° 50° 110° 140° 33 Trockau .... 10° 30-40° 120» 150° 34 Büchenbach . 10° 70° 140° 170° 35 Zeegendorf N. . 10° 40° 70 u 100° 140° 36 o. . 10° 40° 110° 130° 37 Ober-Weilersbach 20° 40° 70" 90° 140° 38 Ebermannstadt . 00° 50° 70° 100° 39 Waldlucke . . . 50° • 90° 130° 170° 40 Hetzles 10° 40° 70° 110° 140° 41 Grohenbuch • . . 00° 60° 120° 150° 42 Walkersbrunn . 10° 50 6 70° 90° ' 43 Weikenohe W. . 20° 110° 170° 44 o. 10 9 60° 110° 140° i 45 Eschenbach . . . 10° 40° 80° 100° 140° 170° Zusammenfassung 10° 40- -50° 70° 110° 140° 170° Tabelle 3. 23 io^'ih 4i& ?fy J&.J&jftsißtr ED Figur 3. Bei der Betrachtung des Diagrammes fallen vor allem die sehr gut aus- gebildeten Maxima in Richtung 10° und 110° auf. Weiterhin zeigen sich Maxima in erzgebirgischer Richtung zwischen 40 ° und 50 ° und in herzynischer Richtung bei 140°. Schließlich ist ein, wenn auch nur gering ausgebildetes Maximum bei 70 ° zu beobachten. Die zum rheinisch longitudinalen Maximum bei 10 ° ansteigende Kurve zeigt bei 170 ° einen deutlichen Knick, der eben- falls als ein Maximum ausgelegt werden mu&. Hier kommen also die sechs Maxima, mit denen wir es immer wieder zu tun haben, auch im Diagramm zum Ausdruck, während wir sie in den vorhergehenden Formationsstufen nur in den Tabellen erkennen konnten. Auf eine eigenartige Erscheinung muJ3 noch aufmerksam gemacht werden. Im folgenden Diagramm ist die Verteilung der Kluftrichtungen im Dogger- sandstein verschiedener, durch Verwerfungen begrenzter Schollen angegeben. :4'-H+44-n4 **T äP* '*£ Ir§ ^* l ffij^ t) t J^^ : ^^-i^^'#' ^^^^i/k^0^0^^ p +P, Figur 4. Verteilung der Kluftrichtungen im Doggersandstein der Scholle östlich der Pegnife- verwerfung (ausgezogene Linie), der Scholle zwischen der Aufse&tal- und der Walberle- verwerfung (gestrichelte Linie) und der Scholle westlich der Walberleverwerfung (punktierte Linie). 24 Aus dieser Darstellung ist ersichtlich, dak die rheinischen Richtungen, von unbedeutenden Abweichungen abgesehen, konstant bleiben. Die Rich- tungen des erzgebirgisch herzynischen Systems jedoch andern sich von Nord- osten gegen Südwesten zu je um 10° im Uhrzeigersinn. Oestlich der Pegnitz- randverwerfung liegen die Maxima bei 40° und 130°, die der Scholle zwischen Aufseßtal- und Walberleverwerfung streichen bei 50° und 140°, während die der westlich davon gelegenen Scholle bei 60° und 150° verlaufen. Ob dieses auffällige Wandern der erzgebirgischen und herzynischen Richtung bei Kon- stanz des rheinischen Systems rein zufällig ist oder ob eine gewisse Gesetz- mäßigkeit darinnen verborgen liegt, kann heute noch nicht erkannt werden. e) Die Kluftrichtungen im Malm. In den Malmablagerungen müssen wir zwischen zwei Ausbildungsarten unterscheiden : einerseits der Normalfazies, andererseits der massigen Fazies. Erstere umfaßt die gebankten Weißjurakalke und beschränkt sich bei uns im nördlichen Frankenjura im wesentlichen auf den unteren und mittleren Malm. Die massige Ausbildungsweise des Weißen Jura setzt sich zusammen aus den Schwammkalken sowie dem Frankendolomit. Die Schwammkalke finden sich sowohl im unteren wie im mittleren Malm. Der Frankendolomit, der aus jenen im wesentlichen durch Dolomitisierung entstanden ist, findet sich von Malm ß t den Werkkalken, an aufwärts. Ueberlagert wird er an einigen Stellen (z. B. bei Bronn und Weidensees] wieder von Bankfazies, die stratigraphisch dem un- teren £ entspricht und in der nördlichen Frankenalb nur eine geringe Ver- breitung besitzt. A. Kluftrichtungen in der gebankten Fazies des Malm. Da für unsere Ueberlegungen eine Trennung der in der Bankfazies an- getroffenen Steinbrüche nach stratigraphischen Gesichtspunkten keine beson- deren Ergebnisse gezeitigt hat, so führe ich im Nachfolgenden die einzelnen Aufschlüsse rein geographisch an. Beginnen wir bei der Betrachtung der einzelnen in der Normalfazies an- gelegten Steinbrüche wieder im Nordosten unseres Untersuchungsgebietes, so wären hier zunächst einige an der Strafte Hollfeld — Schönfeld in nächster Nähe der Störungslinie gelegene Aufschlüsse zu nennen. Stratigraphisch befinden sie sich im unteren Malm. Die auftretenden Maxima liegen bei 15°, 55°, 80°, 100°, 145° und 170°. Einige Kilometer südlich davon sind bei Plan- kenfels die Steinbrüche von Altneuwirtshaus angelegt. Dort sind die Maxima von 15° und 100° auf 30° und 120° verschoben; die anderen hingegen ver- laufen ungefähr in derselben Richtung wie oben, nämlich bei 50°, 80°, 140° und 170 °. In den in den Werkkalken angelegten Steinbrüchen des Zipser Berges bei Pegnitz häufen sich die Kluftrichtungen bei 30° und 120°. Ein drittes Maximum läßt sich noch bei 50 ° erkennen, während die übrigen nicht zur Geltung kommen. Bei Zusammenfassung aller am Nordostrande unseres Untersuchungs- gebieles in der Normalfazies des Malm gemessenen Kluftrichtungen ergeben sich sechs Maximumslagen bei 30°, 60°, 80°, 120°, 150° und 170°. Die drei zuletzt genannten Richtungen zeigt auch die Lichtenfels — Pegnitzer Ver- werfung, die von Pegnitz bis Oberhauenstein 120°, von Oberhauenstein bis zur Schweinsmühle im Ailsbachtal 150° und von da ab nordwärts 170° streicht. Man sollte nun annehmen, daß bei den Klüften diese Richtungen auch prozen- tual über den drei senkrecht zu ihnen verlaufenden stehen. Gerade das Gegen- 25 teil ist der Fall. Auf die Richtung bei 30° treffen 30 '%-, bei 60° 18 %, bei 120° 25 % und bei 150° nur 16 %. Auf die Richtungen 80° und 170°, auf die ohnehin nur wenige Klüfte entfallen, kommen 6 % und 5 %. Wir müssen aller- dings das eine bedenken, dak, worauf in der Literatur zuletzt v. Bubnoff auf- merksam gemacht hat, die Anzahl der in einer bestimmten Richtung gemes- senen Klüfte ganz von den Aufschlukverhältnissen abhängt, mit anderen Wor- ten, dak der jeweils angegebene Betrag der prozentualen Verteilung nur qua- litativ, nicht quantitativ bewertet werden darf. Am westlichen Albrand finden wir am weitesten im Norden die in der Werkkalkstufe gelegenen Steinbrüche zwischen Zeegendorf und Teuchatz. Die maximalen Richtungen streichen hier bei 10°, 30°, 60°, 90", 120° und 150". Die etwa 15 km südlich davon gelegenen Steinbrüche an der Südspitze der Langen Meile bei Oberweilersbach weisen die Richtungen 10", 50", 80", 100" und 130 ° auf ; die sechste Richtung, die dem Maximum bei 80 " entspricht und ungefähr N 10 ° W streichen mükte, ist nicht erkennbar. In den Steinbrüchen nördlich von Ebermannstadt finden wir wieder etwas abgeänderte Maximalrichtungen, nämlich 20°, 45", 80", 110", 140" und 160". Diese leichte Verdrehung der Richtungen scheint indessen nur lokaler Natur zu sein ; denn in einigen Steinbrüchen Wiesent aufwärts zwischen Streitberg und Muggendorf finden wir wieder die obigen Richtungen 10", 30°, 90°, 120" und 165°. Die ausgesprochen erzgebirgische Richtung fällt hier ebenso wie noch weiter talaufwärts zwischen Muggendorf und Stempfermühle, wo Maxima bei 00°, 30°, 90°, 110° und 150" ausgebildet sind, weg. Kehren wir nun zum Albrande zurück, so finden wir im Ehrenbachtal bei Oberehrenbach, hoch oben am Hang, einen Steinbruch, in dem hauptsächlich die Richtungen bei 30° und 120° ausgebildet sind. Am Leyerberg, einem Zeugenberg unweit Erlangen, sind wieder die Maxima bei 10 ° und 100 ° vorherrschend, weitere finden sich bei 30 °, 60 " und 120°. In den Brüchen um Gräfenberg scharen sich die Klüfte um die Maxima bei 10 °, 40 °, 90 ° und 120 °. Doch schon 6 km südöstlich davon, bei Oberdorf, treten wieder sechs Maxima auf, und zwar bei 10 ", 30 ü , 50 °, 90 °, 120 ° und 150 ". Wenige Kilometer weiter östlich finden wir im Tal des Ittlinger Baches die maximalen Richtungen von 00", 30°, 60", 90°, 120° und 140". Sämtliche am Westrand der nördlichen Frankenalb in der Bankfazies des Malm gemessene Kluftrichtungen zeigen in einer Zusammenstellung deutliche Maxima bei 10°, 50°, 90°, 120" und 150" an. Die 30 "-Richtung komm! dabei gar nicht zur Geltung, doch ist die um 90 ° von ihr verschiedene Richtung bei 120" am zweitbesten nach der Richtung bei 10° ausgebildet. Dak die 30°- Richtung nicht in Erscheinung tritt, ist nicht eine Folge der Art der Zusammen- stellung, sondern sie ist tatsächlich in verschiedenen Steinbrüchen nicht aus- gebildet, in anderen tritt sie, -mit den übrigen Richtungen verglichen, sehr stark zurück. Sehr gut aufgeschlossen ist die Normalfazies des Malm im oberen Peg- nitztal. Die hier angelegten groken Steinbrüche ergaben eine stattliche Zahl von Kluftmessungen. Die nördlichsten Brüche befinden sich unterhalb Rupp- rechtstegen. Hier liefen sich maximale Richtungen bei 00 °, 30 °, 70 °, 90 °, 110° und 160° nachweisen: Dieselben Richtungen finden sich in den Auf- schlüssen am östlichen Talhang bei Artelshofen ; jedoch ist hier die Rich- tung 00 ° überhaupt nicht ausgebildet. In den Brüchen westlich Vorra dagegen häufen sich die Klüfte nur in vier Richtungen, und zwar bei 00 ", 40 °, 90 " und 115". Am Hohenstädter Fels, wo die Pegnitz aus ihrer Nordsüdrichtung in 26 die Ostwestrichtung umschwenkt, sind wiederum sechs maximale Kluftrichtun- gen ausgebildet. Sie liegen bei 10°, 30°, 50°, 100°, 120° und 140°. Wenige Kilometer westlich des Hohenstädter Felses zeigen die Steinbrüche am Stein- berg bei Hersbruck Maxima bei 10°, 40°, 90°, 110°, 130° und 170°. Besonders zahlreich sind die Klüfte in der Ostwestrichtung (90 °) und der fast senkrecht darauf stehenden (170 °). Zusammenfassend läßt, sich also für die Brüche des Pegnitztales sagen, dafj die Richtungen 00°, 40°, 90° und 110° maximal ausgebildet sind. Ein schwaches Maximum zeigt sich noch bei 140°. Stellen wir sämtliche in der Normalfazies gemessenen Kluftrichtungen zusammen, so erhalten wir folgende Tabelle : Malm Normalfaz. 46 Hollfeld 1{ )° 55° 80° 100° 145° 170° 47 Altneuwirtshaus . 30° 50° 80° 120° 140° 170° 48 Pegnitz 30° 50° 120° 49 Ebermannsladl . 20° 45° 80° 110° 140° 160° 50 Zeegendorf . . . 10° 30° 60° 90° 120° 150° 51 Ober- Weilersbach 10° 50° 80° 100° 130° 52 Streitberg .... 10° 30° 90° 120° 165° 53 Muggendorf . . . 00° 30° 90° 110° 150° 54 Ober-Ehrenbach . 30° 120° 55 Leyerberg .... 10° 30° 60° 100° 120° 56 Gräfenberg . . 10° 40° 90° 120° 57 Oberdorf .... 10° 30° 50° 90° 120° 150° 58 Ittling Westrand zus. 00° 10° 30° 50° 60° 90° 90° 120° 120° 140° 150° 59 Rupprechtstegen . 00° 30° 70° 90° 110° 160° 60 Artelshofen . . . 30° 70° 90° 110° 160° 61 Vorra 00° 40° 90° 115° 62 Hohenstadt . . . 10° 30° 50° 100° 120° 140° 63 Hersbruck . . . Pegnifetal zus. Zusammenfassung 00° 100 10° 30° 40° 40° 90° 90° 90° 110° 110° 120° 130° 140° 170° Tabelle 4. Das Diagramm der Kluftrichtungen samtlicher Aufschlüsse in der gebank- ten Fazies des Malm sieht demnach folgendermaßen aus [siehe nächste Seite). Ueberaus deutlich treten vier Maxima auf, zwei in rheinisch longitudinaler Richtung bei 10 ° und 30 ° und zwei in rheinisch transversaler Richtung bei 90 ° und 120°. Was nun das erzgebirgisch herzynische System betrifft, so können wir in den beiden absteigenden Aesten der Kurve zwischen 30 ° und 70 ° und zwischen 120° und 160° zwei schwache Knicke bei 60° und 150° bemerken, die wohl die erzgebirgische und die herzynische Richtung vorstellen können. Die Diagramme der Kluftrichtungen in der Normalfazies des Malm, ge- trennt nach ihrem Auftreten in den einzelnen Schollen, zeigt Figur 6 auf der nächsten Seite. Bei Betrachtung von Fig. 6 finden wir wiederum Verhältnisse ganz eigener Art, die leider ebenfalls noch nicht erklärt werden können (vielleicht überhaupt nie geklärt werden können, weil im nördlichen Frankenalb gerade diejenigen a; Sedimente nicht zur Ablagerung gekommen sind, die zu einer genauen Fest- stellung der tektonischen Geschichte unbedingt nötig wären). HttJljfjflJHffi ' ' : I § " "i . : : ' | | ' 9 , Figur 5. Figur 6. Verteilung der Kluftrichtungen in der Normalfazies des Malm der Scholle östlich der Pegniferandverwerfung (ausgezogene Linie), der Scholle zwischen der Pegniferand- und der Aufse&talverwerfung (gestrichelte Linie), der Scholle zwischen der Aufse&tal- und der Walberleverwerfung (punktierte Linie) und der Scholle westlich der Walberle- verwerfung (strichpunktierte Linie). Eine dieser auffälligen Erscheinungen in den vorstehenden Diagrammen ist z. B. das Verhalten der rheinischen Richtungen. In den Schollen östlich der Walberleverwerfung liegen die Max im a der rheinischen longitudinalen Richtung bei 10° und 30°, die der rheinisch transversalen Richtung bei 90° bezw. 100° und 120°. In der Scholle westlich der Walberleverwerfung hin- gegen zeigt die rheinisch longitudinale Richtung Maxima bei 170° und 30 °, die rheinisch transversale bei 80° und 120°. 28 Auch das Verhalten der herzynischen Richtung ist sehr sonderbar. Wäh- rend die Schollen östlich der Walberleverwerfung kein Maximum in her- zynischer Richtung erkennen lassen, tritt auf der Scholle westlich der Wal- berleverwerfung ein deutliches und ziemlich stark ausgebildetes Maximum bei 150° auf. Wie schon oben gesagt, konnte ich leider keine Erklärung für diese merkwürdigen Erscheinungen finden. B. Kluftrichtungen in der massigen Fazies des Malm. Im Gegensatz zur gebankten Fazies des Malm finden wir im Bereich der massigen Ausbildungsweise fast keine künstlichen Aufschlüsse. Seinen Grund hat das darin, dafj Steinbrucharbeiten in der massigen Fazies viel größeren Schwierigkeiten begegnen als in der gebankten und sich ihre Gesteine zu Bau- zwecken auch meist wenig eignen. Ich muffte deshalb zu meinen Kluft- messungen hauptsächlich Felsbildungen heranziehen, die teilweise ja auch Klüftung aufweisen, jedoch sind die Kluftflächen meist von der Verwitterung stark angegriffen, worunter die Genauigkeit der Messungen leiden mufjte. 1. Verschwamm te Kalke des unteren und mittleren Malm. Die meisten hier zu behandelnden Kluftrichtungen wurden an Felsbildun- gen im oberen Pegnitztal gemessen. Bei der Verarbeitung des angefallenen Materials erhielt ich Maxima in folgenden Richtungen : bei 00 °, 40 °, 60 °, 90 °, 120° und 150°. Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dafj nicht an jeder einzelnen Felsbildung sämtliche sechs maximalen Richtungen festgestellt wer- den konnten ; am häufigsten traten die Richtungen 40° und 120° auf, weniger oft die Richtungen 00° und 90°. Die Maxima 60° und 150° war nur schwach angedeutet. 2. Frankendolomit. Von zwei Steinbrüchen, bei Michelfeld in der Oberpfalz und Neuensorg unweit Velden, abgesehen, wurden auch hier sämtliche Kluftmessungen an Felsbildungen vorgenommen. Die Ungenauigkeit der Messungen an angewit- terten Kluftflächen wird sicherlich ausgeglichen durch die grofje Zahl der Messungen, die ausgeführt werden konnten. Die im oberen Pegnitztal gemessenen Kluftrichtungen weisen Maxima bei 20°, 60°, 100°, 120°, 140° und 170° auf. Um diese Zahlen in den beiden Systemen unterzubringen, sind vielleicht für das rheinische System 170 ° und 20° sowie 100° und 120° und für das erzgebirgisch herzynische 60° und 140° zusammenzunehmen. Die Winkeldifferenz beträgt zwar nirgends genau 90 °. Zurückzuführen ist dies indessen wohl auf den geringen Genauigkeitsgrad der Messungen. Südwestlich von Pegnitz ergaben sich Maxima bei 10 °, 40 °, 80 °, 100 °, 120° und 170°; ganz ähnlich streichen die Werte nordwestlich Pegnitz, näm- lich bei 10°, 50°, 80°, 100°, 130° und 170°. In den an Felsbildungen überaus reichen Tälern der Umgebung von Pottenstein lassen sich als Maxima die Richtungen bei 10°, 40°, 80°, 100°, 140° und 170° feststellen. Sowohl für diese Werte als auch für jene der Pegnitzer Gegend ergibt sich ohne weiteres die Einreihung der Richtungen 170°, 10°, 80° und 100° in das rheinische und der Richtungen 40° bezw. 50° und 120° bezw. 130° bezw. 140° in das erz- gebirgisch herzynische System. Im oberen Wiesenttal zwischen Hollfeld und Waischenfeld weichen die maximalen Richtungen etwas von den bisher an- 29 geführten ab. Die Hauptstreichrichtungen sind nämlich auf vier dezimiert. Ihr Verlauf wird ausgedrückt durch die Werte 00°, 40 °, 90° und 130°. Nr. Malm mass. Faz. Schwammkalke 64 oberes Pegnifetal 00° 40° 60° ! 90° 120° 150°: Frankendolomit 65 oberes Pegnifetal 20° 600 100° 120° 140° 170° 66 SW. Pegnife . . . 10° 40° 80° 100° 120° 170° 67 NW. Pegnife . . . 10° 50° 80° 100° 130° 170° 68 Pottenstein . . 10° 40° 80° 100° 140° 170° 69 Waischenfeld . ■ 00° 40° 90° 130° Zusammenfassung 10° 40° 80° 100° 130° 170° Tabelle 5. Ca 90 ■''Co 410 i'^o ijo *^o "'^d ri'^a FigurJ7. Das Diagramm für alle in der massigen Fazies des Malm gemessenen Kluftrichtungen zeigt nur vier Maxima an, bei 10°, 40°, 100° und 120°. Vor allem vermissen wir die Maxima bei 80° und 170", die im Frankendolomit, wie aus der vorstehenden Tabelle ersichtlich, so überaus häufig sind. Da aber gerade diese beiden Maxima in den Schwammkalken nicht ausgebildet sind, wird es zweckmäßig sein, wenn wir die Kluftrichtungen in den Schwamm- kalken und im Frankendolomit je in einem besonderen Diagramm untersuchen. Das Diagramm der Kluftrichtungen in den Schwammkalken zeigt deutliche Maxima bei 00°, 40°, 120° und 160°. Außerdem ist noch je ein Maximum angedeutet bei 20 ° und bei 90 °. Etwas anders verlaufen die Maxima im Frankendolomit. Dort finden wir nämlich ausgeprägte Maxima bei 10°, 40°, 100°, 130° und 170°. Das in der Tabelle so stark hervortretende Maximum bei 80 ° kommt in der Kurve nur 30 I. Die Kluftrichtungen in den Schwammkalken. :ih :ir:^>::*3-:S>. ifc? \:33-Äb; _9o -i'<£q -gg? ^^g iio i^o iSa AtÜ IV.NBCAIk 41 Dr. Franz Küspert f 1875—1929. Am 10. März 1875 wurde Franz Küspert als Sohn eines Lehrers, in Wunsiedel geboren. Als Lateinschüler erhielt er öort durch den auch später von ihm hochverehrten, damaligen Reallehrer Dr. Chr. Kellermann die ersten naturkundlichen Unterweisungen. Diese wurden richtunggebend für den hoch- begabten jungen, der auch als Regensburger Gymnasiast in enger Verbindung mit Kellermann blieb und sich gründliche Kenntnis der Fichlelgebirgsmineralien aneignete. An der Hoch- schule widmete er sich dem Studium der Chemie und Biologie, das er durch eine ausgezeichnete Prüfung beendigte. Nach der Promotion (1898) kam er als Assistent für Chemie an die Indu- strieschule Nürnberg. Bald wurde er Reallehrer an der damals noch einzigen Nürnberger Realschule im Bauhof. Als 1903 die zweite Realschule unter Dr. Kellermanns Leitung ihre Pforten öffnete, wanderte auch Küspert mit in die Löbleinstraße. Hier konnte er schon regen Anteil nehmen an der mustergiltigen Ausgestaltung der biologischen und chemischen Sammlungs- und Laboratoriumseinrichtungen, die von vornherein für den Bedarf der 1907 ins Leben getretenen Alten Oberrealschule angelegt wurden. 1909 wurde er Professor am Realgymnasium; aber schon 1912 sehen wir ihn wieder an der Oberrealschule, bis er 1920 zum Konrektor an der Realschule I befördert wurde. 1925 wurde ihm das Direktorat der Alten Oberrealschule über- tragen, das er fast 5 Jahre führen konnte, bis ein allzufrüher Tod ihn von der emsigen Arbeit riß. 31 Jahre konnte er, ein begeisterter Freund der realistischen und ausgesprochener Geg- ner der humanistischen Schule, eine erfolgreiche Tätigkeit als Lehrer und Erzieher in Nürnberg ausüben. Seinen Kenntnissen und Neigungen entsprach es, daß er auch über die Schule hinaus Tätigkeit suchte, welche ihn in den uneigennützigen Dienst der Gesamtheit führte. Mit Beginn seines Aufenthaltes in Nürnberg wurde er Mitglied der Naturhistorischen Gesellschaft, für die er mehr als 10 Jahre lang das Amt des Schriftführers versah, bis er 1912, nachdem Rücktritt Dr. Reh's und Dr. Bernett'sals erster Vorsitzender gewählt wurde. Das blieb er bis zu seinem Ende. Vorbildlich, wie in seinem Beruf, hat er auch hier gearbeitet und die 42 Entwicklung, welche die Gesellschaft und ihre Sammlungen seit dem Einzug ins Luitpoldhaus genommen haben, trägt öurchwegs den Stempel von Küsperts Leistung und Beratung. Seinem zur Sparsamkeit neigenden Sinn ist es zu verdanken, daß schon kurz nach dem Umzug die vorhandenen Schränke zur Aufnahme des größten Teils der ethnographischen Sammlung umgearbeitet waren und diese ein beachtenswertes Schaustück im Luitpold- haus abgab. Die lehrhafte Aufstellung der Sammlungsgegen- stände im Zoologiesaal, das Resultat eingehender Rücksprache mit den engeren Fachgenossen, hat er in ausgiebigster Weise gefördert und im Geologiesaal ist die Ordnung der Mineralien- sammlung sein eigenstes Werk. Dafür hat er auch die Darstellung des chemischen Aufbaues der Mineralien bis ins Einzelne vor- bereitet und im wesentlichen ist er nur durch die vielfache Be- anspruchung, die ihn während der letzten Jahre traf, daran gehindert worden, eine der originellsten Schöpfungen ordnenden Verstandes noch selbst der Sammlung einzugliedern. Mit be- sonderem Eifer betrieb Küspert die Überführung der dem Kreis Mittelfranken gehörenden Vogelsammlung in die Obhut der Naturhistor. Ges. Im Wechsel mit anderen Teil-Sammlungen wird diese Vogelsammlung jährlich mehrere Wochen hindurch gezeigt. Noch mehr als dem Vorsitzenden und Ordner haben wir dem Vortragenden Dr. Küspert zu danken. Er ließ uns teilnehmen an den Ergebnissen seines wissenschaftlichen Schaffens, das ihn in die Reihe der frühesten Kolloidforscher rückte und brachte durch vielfache Berichte über seine Literaturstudien und die pädagogischen Zusammenfassungen für Unterricht und Lehr- bücher reges Interesse und Verständnis für die chemischen Vor- gänge in unsere Reihen. Dabei kam ihm die Gewandtheit be- sonders zu statten, welche er sich in der einleuchtenden Gestaltung der Lehrversuche angeeignet hatte. Mehrfache Veröffentlichungen die er in der Zeitschr. f. d. phys. und ehem. Unterr. brachte, zeugen von dieser Erfindungskunst, die es ihm ermöglichte sein auf dem Grundsatz der Arbeitsschule aufgebautes „Lehrbuch der Chemie und Mineralogie" seinen Schülern in die Hand zu geben. Als Erster stellt er die Grundlehren der allgemeinen Chemie und damit den engen Zusammenhang mit der Physik an den Anfang des Chemieunterrichts in der höheren Schule, den er 43 in weit höherem Maße als seine Vorgänger zu einer Pflanz- stätte eigener erarbeiteter Erfahrung, anstatt zu einer Tätigkeit des Abhörens auswenöig gelernter und größtenteils nicht ver- standener Sätze machte. Was er selbst an der Hochschule und durch seine wissenschaftliche Weiterarbeit zu klaren Vorstellungen für sich gestalten lernte, das verstand er in leichtfaßlicher Form den Jüngern seiner Wissenschaft als Unterlage ihres Studiums zu geben. Diese Eigenschaften befähigten Küspert dazu wie der Jugend, auch den Erwachsenen ein gern gehörter Berater zu sein und so sehen wir diese hervorragende Lehrerpersön- lichkeit nicht nur in der N. H. G„ sondern auch in den Handels- hochschulkursen und später in der Volkshochschule mitwirken an der Entfaltung des geistigen Lebens in unserer Stadt. Daß der erfahrene Schulmann auch der städt. Schulverwaltung als maßgebender Berater bei Ausgestaltung des experimentellen chemischen Unterrichts an den Volksschulen mit besonderem Erfolge beistand, darf eigens betont werden. Das Staats- ministerium für Unterricht und Kultus betonte die hohe Wertschätzung, welche Küspert an dieser Stelle genoß, durch Übertragung der Leitung eines Seminars für die Referendare der naturkundlichen und geographischen Unterrichtsfächer. Da- durch erwuchs ihm zwar neue Belastung, aber diese wirkte im Sinne der allgemein pädagogischen Tätigkeit, der er sich in den letzten Jahren immer stärker zugewandt hatte. Weil ihm dabei die Gelegenheit gegeben war, auf die wohl vorbereiteten jüngeren Fachgenossen in der von ihm bevorzugten Richtung als Lehrer und Wissenschaftler einzuwirken, wurde ihm die Arbeit am Seminar bald zur Hauptbeschäftigung, welche ihm ein Höchstmaß innerer Befriedigung brachte. Die Sicherheit, mit der ihm das Wort zur Verfügung stand, seine Schlagfertigkeit und ein gesunder Mutterwitz, das waren neben der Freude an edler Geselligkeit die Grundeigenschaften auf denen sich Küsperts persönliches Wirken aufbaute. Daß von diesem ein beträchtlicher Anteil der Naturhistorischen Ge- sellschaft zu Gute kam, wird hier stets dankbar anerkannt und in dauernder Erinnerung gehalten werden. Heß. 44 Küsperts wichtigste Schriften: Chemie. 1. Verbindungen von Kohlenwasserstoffen mit Metallsalzen (Mit K. A. Hof- mann) Zeitschr. f. anorg. Chem. XV. S. 204. 1897. 2. Versuche zur Darstellung neuer Metallverbindungen öes Acetylens und Benzols. Münchener Disertation; Zeitschr. f. anorg. Chem. XVI. S. 471. 1898. 3. Kolloidales Silber. Chem. Berichte XXXV. S. 281, 4066 und 4070. Zeitschr. f. d. physikal. und chem. Unterricht (Mach-Poske) XVI. S. 285. 1903. Natur und Schule 1903 S. 361. 4. Kolloidales Acetylenkupfer, Zeitschr. f. anorg. Chem. XXXIV. S. 453 1903. 5. Darstellung des Acetylensilbers. Mach-Poske Zeitschr. XVII. S. 292 1904. 6. Chem. Unterrichts-Versuche. Ebenda XIV. 1906. 7. Bemerkungen zum Allotropiebegriff Ebenda XXIV. S. S. 89 1911. 8. Versuche zur Umwandlung des gelben Phosphors in die rote Modifikation Ebenda XXVII S. 102. 1914. Unterricht. 9. Zur Frage nach dem Magnetismus des Schwefeleisens. Natur und Schule 1903. S. 59. 10. Wärmeentbindung beim Zerfall des Wasserstoffsuperoxyds und des Ace- tylens in Gegenwart katalytischer Stoffe. Ebenda 1903. S. 171. 11. Zwei einfache Vorrichtungen zum Auffangen von Gasen. Ebenda 1904. S 146. über den Diamant. Ebenda 1904. S. 239 u. 292 12. Chemische Kleinigkeiten. Mach-Poske Zeitschr. XVII. 1904. S 352 u. XVIII 13. Chemische Unterrichtsversuche. Ebenda XIX. 1906. [S- 20. 14. Lehrgang der Chemie und Mineralogie für höhere Schulen. I. II. III. Nbg. 1907 (2. Aufl. 1909). 15. Kleine Schulversuche. I. Der Arbeitsklotz; II. Das Cooper-Rohr; III. Das abgeänderte Voltameter. Mach-Poske Zeitschr. 1914—16. 16. Vorstufe und Unterstufe des Lehrgangs der Chemie. Nbg. 1916 u. 1918. (2. Aufl. 1927). 17. Hilfsbuch und Merkbüchlein zum ersten Unterricht i. d. Chemie. Nbg. 1924. Pädagogik. 18. Chem. Unterricht und Sprachbildung. Wiss. Beil. z. Jahresbericht der Kreis- oberrealschule Nbg. 1919. 19. Zum Neuaufbau der Oberstufe unseres Chemie-Unterr. B. -Zeitschr. Real- schulwesen 1921. S. 35. 20. Ein Wort zum Chemieunterr. a.d. höh. Schulen. Zeitschr. angew. Chem. 1922. 21. Zur Schulreform. Zur Lage d. chem. und naturkundl. Unterr. i. Bayern. Unterr. Blätter f. Math. u. Naturw. XXXIV. 1927. Berlin. - ABHANDLUNGEN NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT ZU NÜRN5ERG XXIII. Band 3. Heft Geologische Untersuchungen im Bereiche des fränkischen Grundgipses von Florian Heller Mit 6 Tafeln 1930 NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG GEOLOGISCHE UNTERSUCHUNGEN IM BEREICHE DES FRÄNKISCHEN GRUNDGIPSES VON FLORIAN HELLER MIT 6 TAFELN JEW YORK .iOTANICAl, - 1930 NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG Vorwort Die hier vorgelegte Arbeit entstand in den Jahren 1926 — 28 und ist das Er- gebnis zahlreicher Untersuchungen, die ich im Bereiche des fränkischen Grund- gipses anstellte. Die chemischen Analysen wurden im Laboratorium des Minera- logisch-geologischen Instituts der Universität Erlangen ausgeführt. Meinem hochverehrten Lehrer, dem Herrn Geheimen Rat Professor Dr. Hans Lenk, der mir bei meiner Arbeit vielseitige Unterstützung und Förderung zuteil werden ließ, gestatte ich mir auch an dieser Stelle meinen ergebensten Dank auszusprechen. Großen Dank schulde ich ferner Herrn Dr. Paul Dorn, der mir ebenfalls manche wertvolle Anregung gab. Erklärung der beigegebenen Abbildungen Fig. Nr. 1 und 2: Quellfalten des Gipses mit eingepreßter Mergelschieferunterlage. (Winds- heim, Bruch Müller.) Fig. Nr. 3 : Große Falte im Steinbruch Müller -Windsheim. Fig. Nr. 4: Kernstück der großen Falte mit zerbrochener Steinmergelbank. Fig. Nr. 5: Geologische Orgeln. (Windsheim, Bruch Haberstroh.) Fig. Nr. 6: Freigelegtes Orgelfeld. (Windsheim, Bruch Haberstroh.) Fig. Nr. 7 : Nachgesackte Mergelschichten im Steinbruch Hellmitzheim. (Verkarstung des Gipses bis zur vollständigen Auflösung.) Fig. Nr. 8: Schichtfugenplatte mit Erosionsrillen. (Strudelform.) J /a nat. Gr. Fig. Nr. 9 : Schichtfugenplatte mit Randlinie. (Durch Vereinigung zweier Strömungsrichtungen entstanden.) */« nat. Gr. Fig. Nr. 10: Schichtfugenplatte (Bodenplatte) mit Zerschneidungen und Pilzfelsenbildungen. Zirka l /s nat. Gr. Fig. Nr. 11: Schichtfugenplatte. Zirka 1 /s nat. Gr. Fig. Nr. 12: Verwitterte Keupermergel mit „Schwarzerde"-bändern im Steinbruch Weid- Winds- heim. (Ausfüllung ehemaliger Schichtfugengerinne.) Sämtliche Aufnahmen vom Verfasser. Inhaltsverzeichnis Seite Vorwort III Erklärung der beigegebenen Abbildungen IV Einleitung 49 Fränkischer Grenzdolomit und Grundgips 49 Profile 51 Die Steinmergelbänke des Grundgipses 58 Die Entstehung der dolomitischen Steinmergelbänke 62 Die Gipsablagerungen 64 Die Bildung des Anhydrits 64 Die Entstehung der Gipslager 65 Die Lagerungsverhältnisse des Grundgipses 66 Petrogenese einiger Bänke 67 Die Muschelgipse 67 Der Flasergips 68 Das Quarzitbänkchen von Windsheim 69 Paläontologischer Teil 69 Die Quellungserscheinungen im Gips 76 Die Auslaugungsdiagenese im Grundgips 79 Die Kristallisation des Gipses 80 Mechanische Sprengwirkungen des sekundär kristallisierenden Gipses 81 Die Karsterscheinungen im Grundgips 82 Erosions- und Lösungserscheinungen in Schichtfugen 89 Schwarzerdeähnliche Bildungen im Gipskeuper 92 Die Seekreideablagerungen 97 Zusammenfassung 109 Literaturverzeichnis 111 EINLEITUNG Mein Arbeitsgebiet umfaßt jenen Teil des fränkischen Gipskeupers, der von den Städten Neustadt a.A., Windsheim, Rothenburg, Uffenheim und Iphofen begrenzt wird. Als Kartenunterlage benützte ich den topographischen Atlas von Bayern 1: 50000, und zwar die Blätter Windsheim, Scheinfeld und Rothenburg. Meine Untersuchungen beschäftigten sich hauptsächlich mit dem Werden und Vergehen der Gipslager des Grundgipses. Über die Entstehung derselben konnte nur wenig Neues gesagt werden. Um so dankbarer war das Studium aller jener Erscheinungen, die mit der Abtragung und Zerstörung des Gipses in Zusammen- hang stehen ; denn auf diesem Gebiete wurde in Franken bisher wenig gearbeitet. Wenn im folgenden von Grundgips die Rede ist, so ist damit stets der Schichten- komplex zwischen dem Grenzdolomit und der Bleiglanzbank gemeint. Fränkischer Grenzdolomit und Grundgips Die Unterlage des Grundgipses bildet in unserem Arbeitsgebiet überall der gutentwickelte Fränkische Grenzdolomit, der den Lettenkohlenkeuper nach oben abschließt. Über dem Grenzdolomit liegen in der Regel bunte Mergel (Keuperletten) von mehreren Metern Mächtigkeit; dann erst folgen die Gips- ablagerungen des Gipskeupers. Stellenweise fehlen die trennenden Mergel, so daß der Grundgips dem Grenzdolomit unmittelbar aufliegt. In diesem Falle zeigt der Grenzdolomit in seinen oberen Schichten eine deutliche Vergipsung, die zuweilen ziemlich tief hinuntergeht. Es besteht kein Zweifel, daß der Gips des Grenzdolomits aus dem Grundgips stammt. Gipshaltige Sickerwässer haben den porösen, luckigen, zelligen Grenzdolomit allmählich vergipst. Diese Ver- gipsung ist also keine primäre, sondern eine sekundäre Erscheinung. Eine Lö- sung des Dolomits und Verdrängung der schwer löslichen Karbonate durch Gips hat nicht stattgefunden ; wir haben es nur mit einer Infiltration von Gips zu tun. Über die Grenze zwischen Lettenkohle und Gipskeuper gehen die Ansichten stark auseinander. Die petrographischen Verhältnisse deuten darauf hin, daß sie zwischen dem weitverbreiteten Grenzdolomit und dem Grundgips bzw. dessen bunten Mergeln zu suchen ist. In paläontologischer Hinsicht freilich ist die Grenzführung etwas schwieriger ; denn viele Fossilarten der Lettenkohle erscheinen «=» bereits im Muschelkalk und gehen auch noch in den Grundgips und darüber g? hinauf. Auf Grund des Fossilinhaltes müßte die Grenze Lettenkohle-Gipskeuper in den Grundgips oder sogar noch etwas höher hinauf verlegt werden, wenn wir !2 nicht die ganzen in Frage kommenden Ablagerungen überhaupt zum Muschel- CD kalk stellen wollen. In Franken hat man aber seit Thürachs Zeiten den paläonto- => logischen Funden im Gipskeuper keine so große Bedeutung beigemessen wie ** 4 50 im benachbarten Württemberg. Hier legte man besonderes Gewicht auf das Auftreten der Myophoria goldfussi, die man als das wichtigste Leitfossil des Grenzdolomits ansah. Meines Erachtens hat Myophoria goldfussi als Leitfossil keinen besonders hohen Wert, da sie ja nicht auf den Grenzdolomit beschränkt bleibt, sondern wie bereits erwähnt auch im obersten Muschelkalk, in der un- teren Lettenkohle, im Flammendolomit und in dem vielumstrittenen Grundgips auftritt. Zeller (107 S. 43) leugnet das Vorkommen von Myophoria goldfussi im Grund- gips, d.h. er will alle Schichten, welche dieses Fossil enthalten, insbesondere die Muschelbänke im Gips, zum Grenzdolomit gezählt wissen. Auch die älteren württembergischen Autoren ziehen den fränkischen Grund- gips wegen seiner fossilführenden Steinmergelbänke zum Grenzdolomit. Gegen diesen Versuch, den größten Teil der Gipsablagerungen Frankens zur Letten- kohle zu stellen, wandte sich bereits Thürach (88). Nach ihm ist der Gips, in dem die Muschelbänke liegen, eine primäre Bildung. In Württemberg dagegen vertrat man lange Zeit die Ansicht, daß er sekundär entstanden sein müsse durch nachträgliche Vergipsung des Grenzdolomits. Daß stellenweise eine Vergipsung stattgefunden hat, soll nicht geleugnet werden und wurde auch eingangs bereits erwähnt. Wo aber wasserundurchlässige Mergelschichten zwischen Grenzdolomit und Gips eingeschaltet sind — und das ist in Franken an vielen Stellen der Fall — , kann man von einer Vergipsung des unterlagernden Grenzdolomits nichts wahr- nehmen. Der fränkische Grundgips mit seinen Muschelbänken dürfte also wirklich eine primäre Bildung sein. Große Verwirrung entstand, als man im fränkischen Grundgips nach der in Baden und Südwürttemberg so charakteristischen Mauchach- oder Myoconcha- bank suchte. Über die Höhenlage dieser Bank wurden wiederholt abweichende Angaben gemacht. Nach Weigelin (100) und Pfeiffer (54) liegt sie 1,50 — 2 m über dem Grenzdolomit. Silber (80) gibt an, daß die Bank in einer zirka 1 ,50 — 2 m mächtigen Mergellage anzutreffen sei. Nach Frank (16) dagegen liegt die Myo- conchabank 3,50 m über dem Grenzdolomit. Pfeiffer (54) wollte in Thürachs Profilen von Nordheim (III Nr. 14) und Windsheim (IV Nr. 11) die Mauchach- bank wieder erkennen. Das war ein Irrtum, der dadurch entstand, daß man den schwäbischen oder Rottweiler Grenzdolomit dem fränkischen Grenzdolomit gleich erachtete. Als Klingler (38) behauptete, daß die Mauchachbank zwischen dem Rottweiler- und dem Fränkischen Grenzdolomit nach Norden zu auskeile, schloß Pfeiffer (56) sich dieser Ansicht an. Erst Prosi 1 (60) hat durch seine Untersuchungen einwandfrei nachgewiesen, daß der Fränkische Grenzdolomit im Norden mit der Mauchach-(Myoconcha-) bank im Süden identisch ist. Die Mauchachbank liegt aber in Baden und Süd- württemberg schon mitten in Gipsablagerungen, während der ihr äquivalente Fränkische Grenzdolomit in Nordwürttemberg und Franken erst die Unterlage der mächtigen Gipsbänke bildet. Der Schwäbische und der Fränkische Grenz- 1 Da mir die Arbeiten von Klingler und Prosi nicht zur Verfügung standen, mußte ich mich auf die Angaben von Hennig, Frank und andere stützen. 51 dolomit sind also streng auseinander zu halten. Der letztere ist wesentlich jünger als der erstere. Während im Süden bereits die Eindampfung der Meeresbecken und die Gipsausscheidung erfolgte, lagerten sich im Norden immer noch Sedi- mente der Lettenkohle ab. Einen wichtigen stratigraphischen Horizont bilden die grünen oder grauen, auch gelbgrünen Mergel, die sowohl die Mauchach-(Myoconcha-)bank als auch den Fränkischen Grenzdolomit Nordwürttembergs unterlagern. Auch in un- serem Arbeitsgebiete liegen unter dem Grenzdolomit mehrere Meter mächtige graugrüne bis gelbgrüne Mergelschichten. Diese Übereinstimmung im strati- graphischen Aufbau liefert wohl den besten Beweis, daß Fränkischer Grenz- dolomit und südschwäbische Mauchachbank zur gleichen Zeit zur Ablagerung kamen und somit vollständig identisch sind. Bisher wurde die Mauchachbank dem Grundgips zugerechnet, der Fränkische Grenzdolomit aber zur Lettenkohle gestellt. Nachdem beide Bildungen äqui- valent sind, muß eine neue Grenzlinie zwischen Gipskeuper und Lettenkohle gezogen werden. Läßt man die Lettenkohle mit dem Rottweiler (schwäbischen) Grenzdolomit abschließen, so muß die Grenze in Franken nach unten verschoben und der Fränkische Grenzdolomit samt den darunter liegenden gelbgrünen Mer- geln zum Gipskeuper gezogen werden. Will man aber weiterhin den Fränkischen Grenzdolomit als Abschluß der Lettenkohle gelten lassen, so muß in Baden und Südwürttemberg die Grenze so weit nach oben verlegt werden, daß die Mauchach- bank noch in die Lettenkohle fällt. Es läßt sich darüber streiten, welche Grenzführung die bessere ist. Frank (16) hat den Vorschlag gemacht, um eine Übereinstimmung mit den Verhältnissen in Baden und Südwürttemberg herbeizuführen, wo bereits unter der Mauchach- bank Gips auftritt, die so viel umstrittene Zone des Fränkischen Grenzdolomits noch zum Grundgips zu stellen. In Franken wird man sich dagegen sträuben, weil hier der Gips erst über dem Grenzdolomit auftritt und zudem, wie schon erwähnt, meist durch eine Mergel- schicht von ihm scharf getrennt ist. Da wir in Franken eine dem schwäbischen Grenzdolomit vergleichbare leitende Schicht nicht haben, so wird man bei uns der bisherigen Grenzführung den Vorzug geben und auch weiterhin die Letten- kohle mit dem Grenzdolomit abschließen lassen. Es folgen nunmehr die Profile der wichtigsten, in unserem Arbeitsgebiete beobachteten Aufschlüsse. Profile I. Windsheim (Bruch Haberstroh) Hangendes: Rote, graue und grünliche Mergel 1 . Gipsbank 0,45 m 2. Graue Mergel 1,25-1,30 m 3. Gipsbank 0,45-0,50 m 4. Graue Mergel 0,35-0,40 m 4* 52 5. Gipsbank 0,80-1,00 m 6. Graue Mergelschiefer 1,00 m 7. Kristalline Gipslage 0,13—014 m S.Dünne Mergelschieferlage mit Fasergipsschnüren . . . .0,12m 9. Dichter, hellgrauer Gips mit dünnen Mergelstreifen in den unteren Partien 1 ,90 m 10. Graue, dolomitische Mergelschiefer, nach oben zu durch Gips mehr und mehr verfestigt 0,06—0,07 m (f) 11. Grauer, braungefleckter, schwach toniger Steinmergel (fossilführend) 0,06—0,08 m 12. Graue Mergelschiefer mit Fasergipsschnüren 0,01—0,03 m 13. Dichter bis feinkörniger Gips, durchzogen von grauen Gipsspatschichten 0,52—0,72 m 14. Gelbbrauner, überaus lockerer, oolithischer Steinmergel oder weißer Gips mit vielen kleinen, grauen, oolithischen Dolomitkörnchen und größeren, abgerundeten Dolomit- stückchen (Muschelgips) 0,07—0,23 m (e) 15. Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, durch dünne Mer- gelzwischenlage geteilt (fossilführend) 0,10—0,25 m (Obere harte Bank zirka 0,10 m, Mergelzwischenlage 0,03— 0,07 m, untere harte Bank 0,07— 0,08 m.) Die Mergellagen mit Fasergipsschnüren . 16. Flasergips 0,00—0,37 m (b)17. Hellgrauer, dichter bis körniger Felsengips mit Gipsspatlinsen 2,50—3,00 m (d)18. Grauer, oft kristalliner Gips mit Mergeleinlagerungen und Fasergipsschnüren, manchmal auch mit Steinmergelbänk- chen. (Die unterste Lage stellenweise als oolithische Bank entwickelt.) 0,20—0,30 m (c) 19. Gelblichgrauer Steinmergel, oft stark gebogen (fossilführend). Manchmal mit Fasergipsschnüren. Die Unterseite dieser Steinmergelbank mit eigenartigen Vertiefungen, in die sich zapfenförmige Gebilde der darunterliegenden kristallinen Gipsschicht einfügen 0,10—0,13 m 20. Gips, kristallin mit eigenartigen Zapfen 0,02—0,04 m (a)21. Weißer, wenig grauer, dichter Gips (Felsengips) in mehreren Lagen. In den untersten Lagen vereinzelte gelbliche, dünne Dolomitbänkchen 1,60— 2,00 m Liegendes: Grauer Steinmergel. II. Windsheim (Bruch Müller) Hangendes: Graue Mergel, nach oben mehr oder weniger in Humus übergehend 1 . Dichter, hellgrauer bis weißer, gebankter Gips 1,90— 2,00 m 2. Graue, dolomitische Mergelschiefer, oben manchmal mit kleinen Gipsbänkchen (0,01—0,02 m mächtig). Darüber 53 zuweilen weitere dünne Mergelschichten. Mergel mit Faser- gipsschnüren 0,05—0,09 m (f) 3. Grauer, braungefleckter, schwach toniger Steinmergel (fos- silführend) 0,05-0,07 m 4. Graue Mergelschiefer 0,02—0,03 m 5. Dichter Gips 0,70-0,77 m (e) 6. Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, durch dünne Mergel- zwischenlage geteilt (fossilführend) 0,20—0,25 m (Obere harte Bank zirka 0,08 m, Mergelzwischenlage 0,04— 0,07 m, untere harte Bank 0,10—0,12 m.) Die Mergelzwi- schenlagen mit Fasergipsschnüren 7. Flasergips 0,00—0,10 m (An einigen Stellen war der Übergang von Mergeln zum Fla- sergips besonders schön zu sehen.) (b) 8. Dichter Felsengips mit vereinzelten Gipsspatlinsen .... 2,15— 2,25 m (d) 9. Folge von oolithischem Gips, Steinmergeln ; oder Mergeln (c) mit Fasergips und Gipsspatschichten, stark gewellt . . . 0,00—0,22 m (a)10. Gips mit Gipsspatschichten, nicht weiter aufgeschlossen . III. Windsheim (Bruch Weid) Hangendes: Keupermergel in Ackerboden übergehend (g) 1 . Dolomitisches Quarzitbänkchen, mehr oder weniger zu- sammenhängend, mit Fischresten 0,00—0,02 m 2. Graue Mergel, stark verwittert 0,30—0,32 m 3. Vereinzelte Gipsblöcke, von Mergel umgeben (sog. ,, Hocker") 0,62—0,80 m 4. Graue Mergel mit Fasergipsschnüren 0,30—0,40 m 5. Gipsbänkchen 0,02-0,04 m 6. Grauer Mergel mit gelblichen Flecken und Fasergips . . . 0,70—0,72 m 7. Gipsbänkchen 0,08 m 8. Graue Mergelschiefer mit Fasergipsschnüren 0,12 m 9. Dichter, weißer bis hellgrauer Gips mit dünnen Mergelstrei- fen in den unteren Partien 1 ,86 m 10. Graue, dolomitische Mergelschiefer, nach oben Gips auf- nehmend 0,07-0,08 m (f) 11. Grauer, braungefleckter, schwach toniger Steinmergel (fos- silführend) 0,05-0,08 m 12. Graue Mergelschiefer mit Fasergipsschnüren 0,01—0,03 m 13. Dichter, weißer bis grauer Gips mit Gipsspatlinsen .... 0,74—0,76 m (e)14. Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, durch dünne Mergel- zwischenlage geteilt (fossilführend) 0,21— 0,22 m (Obere harte Bank 0,05—0,08 m, Mergelzwischenlage 0,03— 0,04 m, untere harte Bank 0,10—0,12 m.) 15. Flasergips 0,00-0,25 m (b) 16. Hellgrauer, dichter bis körniger Felsengips 2,25 m 54 (c) 17. Hell-dunkelgrauer Steinmergel oder Mergel mit Fasergips- schnüren, überaus unregelmäßig und stark gebogen . . . 0,00—0,05 m (a) 18. Weißer bis grauer, dichter Gips (Felsengips) in mehreren Lagen, mit auffallend vielen Gipsspatlinsen. Nach unten kristallin werdend 1,90— 2,00 m 19. Grauer Steinmergel (fossilführend). IV. Windsheim (Steinbruch am Galgenberg) (e) 1. Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, durch dünne Mergel- zwischenlage geteilt 0,16—0,19 m (Obere harte Bank 0,06m, Mergelzwischenlage 0,05 m, untere harte Bank 0,07 m) 2. Flasergips . 0,00-0,25 m (b) 3. Dichter, weißer Felsengips in mehreren Lagen 2,25 m (Hier zur Gewinnung von Werksteinen ausgebeutet.) V. (Burgbernheim) Ackererde. l.Gips mit Lösungserscheinungen, stellenweise gewellt. . . 1,10— 1,30m 2. Graue Mergelschiefer 0,15—0,22 m (f) 3. Stark verwitterter Steinmergel 0,12—0,17 m 4. Graue Mergelschiefer 0,04—0,05 m 5. Gipslage 0,15 m 6. Gelbliches Steinmergelbänkchen 0,01 m 7. Gips, nach unten allmählich Bänder von Steinmergeln auf- nehmend 0,23—0,25 m | 8. Grauer Steinmergel, unten abschiefernd 0,10 m ^ '1 9. Harter Steinmergel mit Spuren der Sprengwirkung durch auskristallisierten Gips 0,21—0,25 m 10. Gips, plattig brechend 1,50 m 1 1. Felsengips. . . . aufgeschlossen 0,50 m (b)- (VI. Nordheim (nach Thürach) 1. Weißer Gips mit grauen Mergelstreifen 0,50 m 2. Graue schiefrige Mergel 0,04 m 3. Weißes, stark gefaltetes Gipsbänkchen 0,04 m 4. Graue, schiefrige, oft gipshaltige Mergel 0,15—0,22 m (f) 5. Grauer, braungefleckter, dolomitischer Steinmergel mit Fischschuppen 0,08—0,11 m 6. Hellgrauer, gebänderter Gips, sehr stark gefaltet .... 0,30—0,48 m 7. Gelblicher, wenig gefalteter Gips 0,17—0,02 m 8. Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel in 0,01 — 0,03 m dicken Bänkchen mit Myophoria goldfussi; die Bank wech- selt mit Nr. 7 in der Mächtigkeit ab 0,03— 0,12 m 55 9. Weißer bis hellbrauner Gips, gefaltet 0,50—0,60 m (e) 10. Grauer Steinmergel in 0,01 — 0,03m dicken Bänkchen . . 0,08— 0,12 m 1 1 . Flasergips 0,00-0,25 m (b)12.Weiß und grau gebänderter, dichter, geschlossener Gips, etwas gefaltet 2,25— 2,30 m (d)13. Graue Bank, bestehend aus weißem Gips und vielen kleinen 0,2 — 1 mm großen, oolithischen Dolomitkörnern und ein- zelnen 0,01 — 0,03 m dicken Steinmergelbänkchen mit Myo- phoria goldfussi, Myophoria transversa und vielen Stein- kernen kleiner Gastropoden 0,40—0,50 m (c) 14. Hellgraue, dolomitische Steinmergelbank mit Myophoria goldfussi, die Unebenheiten der Unterlage ausfüllend . . . 0,08— 0,16 m (a) 15. Weißer, in schönen Quadern brechender Gips mit vielen Gipsspatlinsen, nicht gefaltet 1,95— 2,00 m 16. Grauer und gelbbrauner Dolomit. VII. Hellmitzheim (Bahnhof) Ackererde. 1 . Mehrere Meter meist graue Mergelschiefer mit einzelnen Gipsbänken. 2. Gipsbank (Plattengips) 1,00 m 3. Gipsbänkchen (1 cm) mit dunkel gefärbten Mergelschiefer- zwischenlagen wechsellagernd, leicht gewellt 0,60 m 4. Graue Mergelschiefer 0,50 m 5. Mergelschiefer und dünne Gipsbänkchen wechsellagernd . 0,50 m 6. Gipsbänkchen, unten allmählich Mergelschieferlagen auf- nehmend 0,15 m 7. Mergelschiefer mit Gipseinlagerungen 0,20 m 8. Plattiger Gips 0,30 m 9. Sehr harter, oolithischer Steinmergel oder Gips mit Stein- mergeleinschlüssen (fossilführend) 0,50—0,65 m übergehend in 10. Grauer Steinmergel 0,14—0,20 m (stellenweise Einlagerungen von gewelltem Gips) .... 0,10 m 1 1 . Gips mit Steinmergeleinschlüssen oder Steinmergel mit Oolithen (fossilführend) 0,20-0,30 m 12. Graue Mergelschiefer 0,05 m 13. Graue Mergeleinlagerungen, stellenweise Gips 0,10 m 14. Grauer Steinmergel mit vielen dünnen Gipseinlagerungen, unrein 0,65-0,72 m (Gips durch Sprengwirkung aufgenommen, splittrig zer- fallend.) 15. Mergelschiefer 0,02-0,03 m (f?) 16. Steinmergel, stark zerklüftet 0,12 m 56 17. Mergelschiefer 0,04—0,05 m 18. Gips 0,80—0,85 m (e) 19. Steinmergel und Mergelschiefer 0,04—0,11 m 20. Flasergips 0,00—0,16 m (b)21. Felsengips aufgeschlossen 1,20 m VIII. Hellmitzheim (neuer Bruch) 1. Mergel, mehrere Meter mächtig. 2. Plattengips 0,90— 1,00 m übergehend in (f) 3. Grauer, stellenweise stark zerfressener Steinmergel . . . 0,10—0,15 m 4. Gips mit Mergellagen, leicht gewellt 0,26—0,33 m 5. Stark verfestigter Mergel 0,06—0,07 m (Horizontale und vertikale Fasergipsschnüre.) (e) 6. Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, oft stark oolithisch, durch dünne Mergelzwischenlage geteilt 0,26—0,30 m (Obere harte Bank 0,15 — 0,17 m, Mergelzwischenlage 0,04 bis 0,05 m, untere harte Bank 0,10 — 0,12 m. Stellenweise Aufteilung in obere und untere Steinmergelbank, mit Gips- schicht als Zwischenlage.) 7. Gipslage, nur stellenweise vorhanden 0,00—0,15 m (Scharfe Grenze Mergel:: Gips.) 8. Unreiner Gips 0,32—0,40 m 9. Grauer Steinmergel 0,12—0,16 m 10. Plattiger Gips, unten durch Aufnahme von Steinmergel- geröllen allmählich oolithisch werdend, stark gebogen . . 0,90 m 1 1 . Oolithische Lage und Steinmergel 0,09— 0,10 m 12. Grauer Steinmergel 0,04— 0,06 m 13. Flasergips 0,00-0,21 m (b).14. Felsengips 2,00—2,10 m d?)15. Steinmergel] ungenügend 0,10 m 16. Gips J aufgeschlossen 0,23 m (c) 17. Steinmergel, mit schönen Erscheinungen der Sprengwir- kung durch auskristallisierten Gips 0,23—0,50 m (a) 18. Felsengips .... aufgeschlossen 1,50 m IX. (Markt Einersheim) 1. Mergel und Steinmergel, stark verwittert (f) 2. Grauer Steinmergel 0,08 m 3. Blaugraue Mergel 0,25 m 4. Gips, unten oolithisch werdend 0,10 m 5. Gips mit Steinmergeleinschlüssen oder oolithischer Stein- mergel mit viel Gips 0,10 m (e) 6. Grauer Steinmergel, nach unten Gips aufnehmend . . . 0.30 m 57 7. Mergelschieferlage 0,05 m (b) 8. Reiner Gips in mehreren Bänken 2,40 m 9. Gips mit vielen Oolithen oder Steinmergel, oolithisch, mit Gips, nach unten mehr und mehr in Steinmergel übergehend 0,68—0,70 m (c) 10. Grauer Steinmergel, dicht, unregelmäßig auf dem Gips auf- lagernd 0,09-0,11 m (a)ll. Felsengips aufgeschlossen 1,68— 1,70 m X. Endsee (Bahnhof) l.Rote Mergelschiefer j stellenweise 2,00 m 2. Rote und grüne Mergelschiefer l mit 0,80 m 3. Violette Mergel | Gipseinlagerungen . . . 1,30 m 4. Schiefriger Gips 0,30 m 5. Rote, graue und andersfarbige, wenig feste Mergel . . . 3,70 m 6. Unreiner, rötlicher und bräunlicher Gips 0,80 m 7. Graugrüne, wenig feste Mergel 1,45 m 8. Gipsbank 0,50 m 9. Mergelschiefer mit Gipsschnüren 2,20—2,30 m 10. Fester Gips in zwei Bänken 1,15— 1,50 m übergehend in 1 1 . Gips mit Steinmergeleinschlüssen 0,45—0,50 m 12. Stark verfestigte Mergel mit Gerollen und Fischresten . . . 0,04 m 13. Graugrüne Mergel 0,15 m (e?) 14. Steinmergel, stellenweise als Muschelgips (fossilführend) . . 0,70 m 15. Mergel und Gips 0,20 m (b) 16. Felsengips in mehreren Lagen 5,00— 5,30 m (davon 0,00 — 0,10 m Muschelgips) 17. Mergel 0,01-0,06 m 18. Gips mit Gipskristallen 0,20-0,40 m (a)19. Felsengips mehrere m i XI. (Gebsattel bei Rothenburg) In Humus- und Schwarzerdeböden zirka 0,25 m Gips. 1. Graue Mergel 0,17 m (e) 2. Grauer Steinmergel 0,11 m 3. Graue Mergel und Gips 0,20-0,25 m 4. Graue Mergel 0,10-0,12 m (b) 5. Gips in mehreren Lagen 3,50 m (c) 6. Grauer Steinmergel, stark gebogen 0,00— 0,10 m (a) 7. Gips in mehreren Lagen 2,00 m übergehend in Muschelgips nicht weiter aufgeschlossen. Die Aufschlüsse der eben gebrachten Profile haben verschiedene Höhenlage, sind aber in ihrer Gesteinsausbildung ziemlich gleichbleibend. Dagegen ist die 58 Mächtigkeit der Gips- und Mergelbänke äußerst wechselnd. Deshalb ist eine Parallelisierung mit einigen Schwierigkeiten verbunden. Thürach hat versucht, alle von ihm gebrachten Gipskeuperprofile miteinander in Einklang zu bringen. Die einander entsprechenden Schichten hat er in seinen Profilen mit den gleichen Buchstaben versehen. Ich folge seinem Beispiel, wenn es auch schwer ist, in weit voneinander entfernten Aufschlüssen gleiche Schichten wieder zu erkennen. Wie sehr verschieden die Schichtenfolge selbst in benachbarten Aufschlüssen sein kann, zeigt ein Vergleich der beiden Hellmitzheimer Profile, die nur einige hundert Meter voneinander entfernt sind. Gut brauchbar ist die von Schuster zuerst angewandte Gliederung in Platten- und Felsengips. In jedem tiefer aufgeschlossenen Gipsbruch fällt auf, daß massige Fel- sengipse von dünnen Bänken des Plattengipses überlagert werden. Erstere schim- mern bläulich, letztere zeigen einen mehr grauen bis weißlichen Farbton. Beide werden durch Steinmergelbänke (Grind) geschieden. Der Felsengips bildet kom- pakte Massen , die nur selten von kleinen Steinmergelbänken unterbrochen werden . Die Steinmergelbänke des Grundgipses Die Steinmergelbänke des oberen Gipskeupers wurden schon öfter chemisch und petrographisch untersucht, die fossilführenden Steinmergel des Grundgipses aber in dieser Beziehung stark vernachlässigt. Dies hat mich veranlaßt, den letzteren etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken und einige analytische Unter- suchungen vorzunehmen. Dabei stellte sich heraus, daß die Steinmergelbänke stark mit sekundär ausgeschiedenem Gips durchsetzt sind, so daß nur ver- hältnismäßig wenige Steinmergel ein einigermaßen richtiges Bild der ursprüng- lichen chemischen Zusammensetzung geben können. Zur Untersuchung wurden nur schwach vergipste bzw. gipsfreie Proben ver- wendet ; beigemengte Gipsschüppchen und Fasergipsschnüre wurden nach Mög- lichkeit zuvor entfernt. Die Analysen hatten folgendes Ergebnis: Probe I Mergelzwischenlage aus dem hellgrauen, dolomitischen Steinmergel, Profil III Nr. 14 (Windsheim, Bruch Weid) Gewicht % CaO 15,50 MgO 9,68 Fe 2 3 2,34 A1 2 3 7,80 S0 3 Spur Si0 2 24,08 Unlöslich 14,75 Glühverlust 25,71 99,86% Umrechnung CaC0 3 27,67 CaS0 4 Spur MgC0 3 20,32 Fe 2 3 2,34 A1 2 3 7,80 Si0 2 24,08 Unlöslich 14,75 H 2 2,90 99,86°, o 59 CaO . MgO . Fe 2 3 A1 2 3 SO, . Probe II Graue, dolomitische Mergelschiefer, Profil III Nr. 10 (Windsheim, Bruch Weid) Gewicht % 13,92 8,58 2,31 3,78 Spur Si0 2 33,30 Unlöslich 17,71 Glühverlust 21,06 100,66% Umrechnung CaC0 3 24,85 CaS0 4 Spur MgC0 3 18,01 2,31 3,78 Si0 2 33,30 Unlöslich . 17,71 0,70 Fe 2 3 A1 2 3 H 2 100,66% Probe III Grauer, braungefleckter, schwach toniger Steinmergel, Profil III Nr. 11 (Windsheim, Bruch Weid) Gewicht % CaO . MgO . Fe 2 3 A1 2 3 - SO, . 23,31 14,59 2,06 3,10 Spur Unlöslich 20,40 Glühverlust 35,69 99,15°/ Umrechnung CaC0 3 41,62 CaS0 4 Spur MgC0 3 30,63 2,06 3,10 Unlöslich 20,40 HX> 1,34 Fe 2 3 A1 2 3 99,15% Probe 5 IV Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, Profil I Nr. 15, oberste Schicht (Windsheim, Bruch Haberstroh) Gewicht % 24,18 16,54 1,82 1,58 Spur 11,16 Unlöslich 5,69 Glühverlust 38,45 99,42% CaO . MgO . Fe 2 3 A1 2 3 . SÖ 3 . Si0 9 . Umrechnung CaC0 3 43,08 CaS0 4 Spur MgC0 3 34,73 Fe 2 3 A1 2 3 SiO, 1,82 1,58 11,16 Unlöslich 5,69 1,35 99,42% H 2 60 Probe V Hellgrauer, dolomitischer Steinmergel, Profil I Nr. 15, unterste Schicht (Windsheim, Bruch Haberstroh) Gewicht % CaO 28,08 18,15 1,33 1,07 2,12 5,68 Unlöslich 2,59 Glühverlust 40,93 MgO . Fe 2 3 Al a 8 so 3 . SiO, . 99,95% Umrechnung CaC0 3 47,50 CaS0 4 3,60 MgC0 3 38,11 1,33 1,07 Si0 2 ' 5,68 Unlöslich 2,59 0,07 Fe 2 3 A1 2 3 H 2 99,95% Probe VI Gelblichgrauer Steinmergel Profil I Nr. 19 (Windsheim, Bruch Haberstroh) Gewicht % CaO 26,64 MgO . Fe 2 3 A1 2 3 so 3 . SiO, . 18,19 1,50 1,05 1,09 6,79 Unlöslich 4,06 Glühverlust 40,41 Umrechnung CaC0 3 46,21 CaS0 4 1,85 MgC0 3 38,19 Fe 2 3 1,50 A1 2 3 1,05 Si0 2 6,79 Unlöslich 4,06 0,08 H 2 99,73% 99,73°/ Grauer Steinmergel Profil Gewicht % CaO MgO Fe 2 3 A1 2 3 SÖg Si0 2 Unlöslich 3,67 Glühverlust 40,45 Probe VII I Liegendes (Windsheim, Bruch Haberstroh) Umrechnung CaC0 3 46,55 CaS0 4 4,01 MgC0 3 37,59 1,47 0,59 27,72 17,90 1,47 0,59 2,36 5,40 Fe 2 3 A1 2 3 Si0 9 . 5,40 Unlöslich 3,67 0,28 H 2 99,56% 99,56°/ Wie aus vorstehenden chemischen Analysen hervorgeht, handelt es sich bei unseren Mergeln und Steinmergeln durchweg um dolomitische Gesteine. Die 61 wesentlichen Komponenten sind MgC0 3 , CaC0 3 , Tonerde und Si0 2 (feinster Sand). Daneben enthalten sie noch kleinere Mengen von Fe 2 3 bzw. Fe(OH) 3 , Al(OH) 3 , Phosphate und Sulfide. Einige Bänke enthalten auch etwas primären Anhydrit bzw. Gips. Harte Steinmergelbänke und weiche, schüttige Mergel wechsellagern mit Gips. Die harten Steinmergel enthalten mehr Karbonate, die Mergel dagegen mehr tonige Bestandteile. Feinkörnige, dolomitische Gesteine mit 5 — 35% Ton- gehalt dürfen wir als Steinmergel bezeichnen. Überschreitet aber der Tongehalt 35%, so verliert das Gestein seine Festigkeit und geht in gewöhnliche Mergel über. Die weichen Schichten verwittern viel leichter als die harten Bänke, wes- halb die letzteren im Steinbruch gewöhnlich gesimsartig hervortreten. Weiche Mergel zeigen schilferigen, harte Steinmergel dagegen glatten, oft muscheligen Bruch. Die Farbe ist meist grau bis grünlich, seltener sind rote und violette Mergel. Solche finden sich besonders in höheren Lagen und enthalten dann nur noch wenig Gipseinlagerungen. Die feste Beschaffenheit der Steinmergel, das Fehlen aller Anzeichen einer nachträglichen mechanischen Sackung und von Schwundrissen verrät, daß der Dichtezustand sich nach der Ablagerung nur noch wenig geändert hat. Außer vereinzelten organischen Resten enthalten die Steinmergel Bleiglanz, Zink- blende und Zersetzungsprodukte von Eisenkies. Ferner zeigen manche Bänke kleine Einsprengunge von grauem Anhydrit und Gips, die leicht auswittern, wodurch dem Gestein ein eigentümliches, löcheriges Aussehen verliehen wird. Besonders auffallend sind Oolithe, die in vielen Steinmergeln in großer Menge beobachtet werden können. Unter dem Mikroskop erweisen sich die Steinmergel als äußerst feinkörnig. Die feinen Schüppchen und Körnchen sind nicht oder nur sehr wenig miteinander verwachsen. In der feinkörnigen Grundmasse liegen vereinzelte Erzkörner, hauptsächlich Bleiglanz und Zinkblende, aber auch Eisenerze, die von einem Oxydationshof umgeben sind. Die eingeschlossenen Muschelschalen sind sämtlich in Gips umgewandelt. Die Vergipsung kann ebensogut primär als sekundär er- folgt sein. Genaueres läßt sich hierüber nicht sagen. Die schon erwähnten kleinen, dunklen Einsprengunge von Anhydrit und Gips dürfen wir aber sicher als pri- märe Bildung ansehen ; denn sie sind so fest mit dem Steinmergel verzahnt, daß eine nachträgliche Ausfüllung von später entstandenen Hohlräumen wohl aus- geschlossen ist. Wahrscheinlich handelt es sich um Kristallisationen, die den Be- ginn der späteren Anhydritbildung andeuten. Die bereits erwähnten Oolithe sind mehr oder weniger rund. Sie bestehen aus demselben feinkörnigen Material wie die Hauptmasse des Gesteins und müssen daher als Pseudo-Oolithe bezeichnet werden. Durch ihre dunklere Färbung heben sie sich aber deutlich ab. Wahrscheinlich sind sie bitumenreicher als das um- gebende Gestein; damit kann auch die Tatsache erklärt werden, daß sie viel schwerer verwittern. Die Pseudo-Oolithe sind fast durchweg dicht. Eine dunklere Außenzone (Pigmenthülle) umschließt einen helleren Kern. Nur in den seltensten Fällen enthalten sie kleinere oder größere Körner von Anhydrit bzw. Gips. In 62 der Hauptsache dürften die Oolithe anorganische Bildungen sein. Die dunkle Färbung dürfte daraufhinweisen, daß die Bildung in einer an organischen Kollo- iden reichen Masse erfolgte. Die Entstehung der dolomitischen Steinmergelbänke Die Entstehung des Dolomits ist ein Problem, das trotz vieler Laboratoriums- versuche bis heute noch nicht restlos gelöst ist. Die älteren Autoren glaubten, daß zur Bildung des Dolomits hoher Druck bzw. hohe Temperaturen unbedingt erforderlich seien. Nach Pfaff (53) soll in Meerestiefen, die einem Druck von 40 — 200 Atmosphären entsprechen, durch die Einwirkung von Magnesiumsalzen auf kohlensauren Kalk bei gleichzeitiger Anwesenheit von NaCl eine Dolomiti- sierung erfolgen, deren Intensität mit der Stärke der Konzentration des Meeres- wassers zunimmt. Alle dolomitischen Gesteine, die mit Gips und Steinsalz ver- gesellschaftet sind, sollen auf diese Weise entstanden sein. Dazu würden also auch die Steinmergelbänke des Grundgipses gehören. Die fossilen Einschlüsse lassen aber erkennen, daß wir es hier nicht mit der Bildung eines tiefen Meeres zu tun haben. Auch die neueren Meeresforschungen haben ergeben, daß Dolomit nur in Meeren mit geringer Tiefe sich bildet. H. Fischer (12), Linck und seine Schüler (1) haben durch ihre Untersuchungen nachgewiesen, daß die allermeisten Dolomite keine primäre Bildung darstellen, sondern als Umwandlungsprodukte anderer Sedimente anzusprechen sind. H. Fischer (12) konnte feststellen, daß selbst unter extremsten Verhältnissen (stärkste Konzentration und höchste Temperatur) aus Meerwasser durch den Einfluß von Ammonkarbonat nur wenig MgC0 3 primär ausgefällt werden kann. Auf diese Weise können also wohl schwach dolomitische Mergel entstehen, nicht aber Steinmergel und Dolomite. Linck (44) erhielt aus einer Lösung MgCl 2 , MgS0 4 durch Vermischung mit einer Lösung von (NH 4 ) 2 C0 3 und Zugabe von gelöstem CaCl 2 einen gallertigen Niederschlag, der beim Erwärmen kristallin wurde. Die chemische Analyse er- gab eine ähnliche Zusammensetzung, wie sie der natürliche Dolomit zeigt. Trotz- dem hatte Linck nicht Dolomit, sondern nur ein Mischsalz Calcium-Magnesium- karbonat gewonnen, das ausschließlich aus runden oder ovalen, z.T. unvoll- kommen ausgebildeten Sphärolithen bestand. Dieselben erinnern uns an die bereits erwähnten Oolithe mancher Steinmergelbänke. Klements Erklärungsversuch (37) setzt das Vorhandensein eines festen kalk- reichen Bodenkörpers voraus. Nach ihm entsteht Dolomit durch Einwirkung konzentrierter Lösungen von MgS0 4 auf Aragonit bei gleichzeitiger Anwesenheit von konzentriertem NaCl und hoher Temperatur. Diese Bedingungen sollen in der Natur gegeben sein, wenn vom offenen Meere abgeschnürte Wasserbecken sich stark erhitzen und konzentrieren. Für die Verhältnisse zur Zeit der Ablage- rungen des Grundgipses wäre eine solche Erklärung wohl denkbar. Die Aus- fällung von Gips bzw. Anhydrit beweist, daß eine erhebliche Konzentration der Salzlösungen stattgefunden hat. Der Ausscheidung des Gipses (Anhydrits) aber 63 muß die Ausfällung der Eisensalze und des kohlensauren Kalkes vorausgegangen sein. Dadurch wird der Bodenkörper geschaffen, auf den im Sinne Klements die konzentrierten Salzlösungen (MgS0 4 , NaCl) einwirken könnten, um schließlich Dolomit zu erzeugen. Ob aber die hohen Wassertemperaturen (über 60°), die Klement zur Dolomitbildung benötigt, in der Natur ebenfalls gegeben waren, ist äußerst fraglich. Vielleicht spielt ein bisher wenig beachteter Faktor eine große Rolle, nämlich die Zeit. Wie gesagt, die Entstehung des Dolomits ist noch nicht ganz geklärt. Jeden- falls wirken dabei die verschiedensten Faktoren zusammen : Kalkhaltiger Bodenkörper, organische und anorganische Kolloide, große Mengen von Ammoniak und Ammonsalzen, sonstige organische Stoffe und Verbindungen, Konzentration der Salze, hauptsächlich der Mg-Salze, hohe Temperatur und hoher Druck. Bei der Dolomitbildung der Steinmergel des Grundgipses spielen nach meinem Dafürhalten Ammoniak und Ammonsalze eine ganz besonders wichtige Rolle. Dies geht auch daraus hervor, daß alle Versuche Lincks, kalkige Bodenkörper durchMg-Salze in Dolomit zu verwandeln, ergebnislosverliefen, sobald Ammoniak ausgeschaltet wurde. Ammonsalze bilden sich bekanntlich bei der Verwesung organischer Stoffe. Solche müssen auch im Schlamm des Grundgipsmeeres in großer Menge vor- handen gewesen sein. In der Tat finden wir in den Steinmergeln Reste von Fischen und Bivalven. Die merkwürdigen, rhizocorallienähnlichen Wülste be- weisen das Vorhandensein von Würmern, die im Schlamm ihre Gänge gegraben haben. Wie groß aber mag erst das Heer der Organismen gewesen sein, die ohne Hinterlassung von Resten oder Lebensspuren im Meere zugrunde gingen? Nicht zu unterschätzen ist vor allem auch die Tätigkeit der Bakterien, die selbst bei verhältnismäßig weit fortgeschrittener Konzentration des Meerwassers immer noch Kalk abscheiden können. Auch die Schwermetallsulfide: Bleiglanz, Zink- blende und die Zersetzungsprodukte des Eisenkieses, die wir in den Steinmergeln finden, beweisen, daß eine Verwesung organischer Körper stattgefunden haben muß, wodurch H 2 S, C0 2 , Ammoniak und Ammonsalze in großen Mengen ent- standen. Der Schlamm des Meeresbodens, aus dem sich später die Steinmergelbänke bildeten, bestand wohl zu einem großen Teil aus organogenem Fällungskalk, der stark mit organischen Kolloiden und Ammonsalzen durchsetzt war. Möglicher- weise enthielt er auch schon geringe Mengen von kohlensaurem Magnesium. Die eigentliche Dolomitisierung des Sediments dürfte aber erst begonnen haben, als mit der fortschreitenden Eindampfung des Meerwassers eine starke Konzen- tration der Salze eintrat. Dies scheinen mir auch die zahlreichen Gips- bzw. Anhydriteinsprenglinge zu beweisen, die in den Steinmergeln auftreten. Die durch die Verwesungsprozesse gebildeten Ammonsalze, insbesondere das Ammon- karbonat wirkten nun auf MgS0 4 und MgCl 2 zersetzend ein, es entstand MgC0 3 , 64 das als Bikarbonat in Lösung blieb. Durchtränkten nun diese Mg-Bikarbonat- lösungen den organogenen Kalkschlamm, so mußten sie mit den Gelen und Kolloiden in Berührung kommen, worauf sie absorbiert wurden. Nach den Er- gebnissen der kolloidchemischen Forschung gilt es als sicher, daß dort, wo Gele in Ablagerungen sich anreichern, basisches Magnesiumkarbonat dem Wasser entnommen wird. In welcher der drei uns bekannten Modifikationen der kohlensaure Kalk in dem kalkigen Bodenkörper vorlag, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Die Gipsablagerungen Wie schon im stratigraphischen Teil ausgeführt wurde, zeigt der Gips der Grundgipsschichten eine zweifache Ausbildung. Die unteren, massigen Felsen- gipse sind ziemlich einheitlich in Farbe und Struktur. Die weniger mächtigen Lagen des Plattengipses zeigen eine Wechsellagerung vieler heller und dunkler Gipsbänder. Einige Gipsbänke enthalten als besonders auffällige Erscheinung große idiomorph ausgebildete Gipskristalle. Unter dem Mikroskop ist das Ge- füge des Gipses grano-lepidoblastisch. Der Felsengips ist weniger grobkörnig als der Plattengips. Beim Anschliff des letzteren treten verschiedenfarbige kleine Bänder auf, die jedoch im Dünnschliff wieder verschwinden. Wahrscheinlich ist dies auf Unterschiede in der Dichte des Gesteines zurückzuführen. Auffallend sind die häufigen Einschlüsse von Anhydrit, die auch Thürach, Weigelin und Fischer aus dem Grundgips angeben. Hier handelt es sich offenbar um Reste, die bei der Umwandlung des Anhydrits in Gips übriggeblieben sind. Daß eine solche Umwandlung nachträglich stattgefunden hat, beweisen auch die häufigen, wellen- förmigen Biegungen der Gipslager. Die Bildung des Anhydrits Bis zum Jahre 1900 bestand allgemein die Anschauung, daß Anhydrit sich nur bei sehr hoher Temperatur bilden könne ; denn künstliche Herstellung ge- lang nur, wenn die mit NaCl gesättigte Gipslösung einer stärkeren Erhitzung ausgesetzt wurde. Heute weiß man, daß die Natur solch hohe Wärmegrade nicht benötigt, um Anhydrit zu erzeugen. Die höchste Temperatur des Meeres- wassers wird in der Gegenwart mit 35° C angegeben. Wir dürfen mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß diese Höchsttemperatur auch in der geologischen Ver- gangenheit nicht wesentlich überschritten wurde. Nach Arrhenius und Lachmann (3) erreicht die Temperatur bei der Bildung der Salzlagerstätten niemals 25°, vermutlich sogar niemals 20°. Die Umwandlung primär ausgeschiedenen Gipses in Anhydrit vollzieht sich nach van't Hoff und Weigert (92) bei gleichzeitiger Anwesenheit konzentrierter Chlornatriumlösungen bei 25°. Bei einer Temperatur über 25° fällt CaS0 4 , bei Anwesenheit von NaCl- Lösungen sofort als Anhydrit aus. Es steht fest, „daß man von 25° an bei der natürlichen Salzlagerbildung im wesentlichen mit Anhydrit zu tun hat und 65 das Auftreten von Gips unberücksichtigt bleiben kann. Wir haben deshalb mit einem Mittelwert 30° als Bildungstemperatur von Anhydrit bei Anwesenheit von Chlornatrium gerechnet." Wenn Kochsalz nicht vorhanden ist, so ist eine Temperatur von mindestens 65° erforderlich, um Gips in Anhydrit zu verwandeln. Übertragen wir das auf den Grundgips, so folgt daraus, daß ohne Anwesenheit von NaCl eine Überlagerung mit mindestens 1500 m Deckschichten angenommen werden müßte, um die zur Umwandlung primär ausgeschiedenen Gipses not- wendige Temperatur zu erzeugen. Wir dürfen aber annehmen, daß im Grundgips- meer sich nicht nur Gips, sondern auch Chlornatrium ausgeschieden hat. Wenn auch jetzt der größte Teil des leicht löslichen Steinsalzes und der Kalisalze na- mentlich in den oberen Schichten nahezu vollständig verschwunden ist, so ver- rät sich doch der Salzgehalt des Bodens durch gelegentliche Salzausblühungen und salzhaltige Quellen. Wir wissen nun nach den Untersuchungen van't HofTs und seiner Schule, daß bei Anv/esenheit von Steinsalz eine Umwandlung des Gipses in Anhydrit schon bei 30° erfolgen kann. Das würde etwa einer Gesteins- decke von 700 m Mächtigkeit entsprechen. Nies (51) hat die Anhydritbildung des Grundgipses auf ähnliche Weise zu erklären versucht ; denn er spricht von einer Versenkung der Schichten bis zu der zur Erhöhung der Temperatur not- wendigen Tiefe und hierdurch bedingten Umwandlung des Gipses in Anhydrit. Meines Erachtens ist aber die Annahme einer so gewaltigen Schichtenfolge über dem Grundgips gar nicht notwendig. Wir können die Bildung des Anhydrits ja auf viel einfachere Weise erklären, wenn wir annehmen, daß im Grundgipsmeer bei einer Temperatur von 25 — 30° Anhydrit sich primär abgelagert hat. Daneben mag gleichzeitig eine Umwandlung des bereits vorhandenen wasserhaltigen Gipses, der bei tieferer Temperatur zur Ausscheidung kam, in Anhydrit statt- gefunden haben, und zwar unter dem Einfluß konzentrierter NaCl-Lösungen, die sicher vorhanden waren. Die Entstehung der Gipslager Über das Zustandekommen der mächtigen Gipslager im Grundgips gehen die Meinungen noch stark auseinander. Thürach (88) führt sie auf die Verdunstung eines Binnenmeeres zurück, in welches zeitenweise der Ozean eindrang (Stein- mergelbänke). 1 Auch Weigelin (100) vertritt eine solche Anschauung. Dem kann entgegengehalten werden, daß durch Eindampfung eines abgeschnürten Meeres unmöglich solch mächtige Gipsablagerungen erfolgen können; denn 1000 m Meerwasser würden heute beim Verdunsten erst 1 m Gips zurücklassen. Wir müß- ten also ungeheuerliche Tiefen annehmen, wenn wir die Entstehung der 6 — 8 m mächtigen Gipslager auf diese Weise erklären wollten. Die eingeschlossene Fauna der Steinmergel zeigt aber, daß die Sedimente des Grundgipses Ablagerungen eines Flachmeeres sind. Deshalb erklären Fraas (15), 1 Eine ständige Verbindung mit dem offenen Meere durch eine kleine Pforte wird von Thürach nicht angenommen. 66 Pfeiffer (54) und Silber (80) die Gipslager als Absätze großer Lagunen, in welche der Rest des Salzgehaltes des Muschelkalkmeeres, der noch im Boden steckte, zusammengeschwemmt wurde. Gips und Salz sollen durch Regenwasser im Boden gelöst, die Lösung kapillar an die Oberfläche gesaugt worden sein, wobei das ver- dunstende Wasser Gips und Steinsalz als Ausblühungen zurücklassen mußte, die bei neuen Regengüssen wiederum gelöst und schließlich in die germanische Senke verfrachtet wurden. Gegen diese Art der Erklärung lassen sich ebenfalls verschiedene Einwände vorbringen ; denn es tauchen Fragen auf, die schwer zu beantworten sind. Warum nahm der stark ausgetrocknete Boden mit den Niederschlägen nicht auch die ausgeblühten Salze wieder auf? Wie konnten die geringen Mengen von Gips und Salz, die das sich zurückziehende Muschelkalkmeer hinterließ, solche mäch- tigen Gipslager bilden? Die beste Erklärung liefert nach meiner Meinung die Ochseniussche Barren- theorie und die Annahme der Existenz eines Unter- und Oberstroms. Nach dieser Theorie brachte ein Oberstrom von der Rhonesenke her das Meerwasser in die Becken, worin nach erfolgter Konzentration der Gips zur Ausfällung kam. Der Unterstrom dagegen führte die leichter löslichen Salze wieder dem offenen Meere zu. Ein Teil des Gipses mag allerdings auch vom Festlande stammen ; denn sicher haben die Flüsse ebenfalls gelösten Gips in die Senken und Becken getragen. Die zwischen den Gipslagern eingeschalteten Steinmergelbänke führe ich mit Thürach u.a. auf gelegentliche Einbrüche des Ozeans zurück. Als die Abschnürung vom offenen Meere eine vollkommene wurde, zogen sich die salzhaltigen Wasser in die tiefsten Teile des großen Beckens zurück und wurden dort allmählich vollständig eingedampft. Es darf wohl angenommen werden, daß auch bei uns in Franken Kochsalz und vielleicht auch Kalisalz aus- geschieden wurde, wenn wir dieselben auch nicht mehr gut nachweisen können. Die Salzlager fielen einer späteren Auslaugung bis auf geringe Reste zum Opfer und nur einige salzhaltige Quellen verraten uns ihre ehemalige Existenz. Die Lagerungsverhältnisse des Grundgipses Die Schichten des Grundgipses streichen in unserem Gebiet nicht überall gleichmäßig durch, sondern keilen oft plötzlich aus und werden durch Mergel ersetzt. Manche Autoren (Nies 51, Schuster 76) glauben deshalb, der Gips habe sich in Form von Linsen in Vertiefungen des Meeresbodens abgelagert. Andere (Thürach 87, Wagner 99 usw.) sind der Ansicht, daß die Gipsablagerungen erst nachträglich durch Verkarstung in einzelne Stöcke zerschnitten worden seien, so daß wir heute nur noch die Reste eines früher einheitlichen Gipsflözes vor uns hätten. Auch ich bin der Meinung, daß die sogenannten Gipslinsen oder Gipsstöcke ursprünglich unter sich zusammenhingen. 1 Sie bildeten einst die Ausfüllung der tiefsten Senke des ehemaligen abgeschnürten Meeresbeckens. Diese Senke hatte eine sehr unregelmäßige Form, war bald schmäler, bald breiter 1 Vgl. die oben gegebenen Profile. 67 und besaß dementsprechend gewaltige Ein- und Ausbuchtungen. An den tiefsten Stellen (wohl in der Mitte des Beckens) mußten naturgemäß die mächtigsten Gipsablagerungen erfolgen. Gegen den Rand der großen Senke mußten die Gips- bänke immer schwächer werden. Wo aber Bodenschwellen (bestehend aus früher abgelagerten Mergelschichten) landzungenartig ins Beckeninnere vorsprangen, da konnte überhaupt keine Gipsausscheidung stattfinden. So lassen sich ganz ungezwungen die auffallenden Mächtigkeitsschwankungen, sowie das häufige Auskeilen und Wiederauftauchen der Gipsschichten erklären. Später kam dazu noch eine weitgehende Verkarstung, die einzelne Teile vom Hauptstock loslöste, so daß sie heute in Form von Linsen im Mergel eingesprengt erscheinen. Die mächtigsten Gipslager befinden sich bei Windsheim, Hellmitzheim und Endsee. In den dortigen Steinbrüchen lassen sich darum auch die eigenartigen Lagerungsverhältnisse des Grundgipses am besten studieren. In den dazwischen liegenden Gebieten ist der Gips nur geringmächtig entwickelt ; an vielen Orten fehlt er vollständig. Der tiefste Punkt des alten Meeresbeckens dürfte bei Winds- heim gewesen sein. Ganz zutreffend vergleicht Schuster die Form des in unserem Arbeitsgebiete abgelagerten Gipses mit einer Schaufel, deren Stielansatz bei Windsheim liegt. Petrogenese einiger Bänke Die Muschelgipse Wegen ihres großen Fossilreichtums verdienen die sogenannten Muschel- gipsbänke ganz besondere Beachtung. Sie treten stratigraphisch in verschiedenen Höhenlagen auf und lassen sich nicht auf große Entfernungen hin verfolgen, weil sie gewöhnlich sehr rasch wieder auskeilen. Während in den Steinmergeln Ver- steinerungen nur selten auftreten — eine Ausnahme bildet Myophoria gold- fussi — , drängt sich in den Muschelgipsbänken fast die gesamte Fauna des Grund- gipses auf engem Räume zusammen. Ihren Namen verdanken die Bänke den zahlreichen kleinen und allerkleinsten Schnecken, welche von den Steinbruch- arbeitern als „Muscheln" bezeichnet werden. Der Muschelgips ist petrographisch keine einheitliche Bildung; denn bald setzt sich das Gestein aus mehr oder weniger stark gipshaltigen Steinmergeln zu- sammen, bald besteht es aus Gips, dem wechselnde Mengen von karbonatischen Bestandteilen in Form von Oolithen und kleinen, abgerundeten Steinmergel- resten beigemengt sind. Zuweilen finden sich in diesem Gips auch größere Stein- mergeltrümmer, die sich leicht herauslösen lassen. Der typische Muschelgips zeigt unter dem Mikroskop in einer granoblastischen Gipsgrundmasse zahlreiche Dolomitkörnchen, Oolithe und Schneckchen, ver- einzelt auch Anhydritreste. Die Oolithe sind meist vollkommen rund und aus mehreren konzentrischen Schalen zusammengesetzt. Gewöhnlich umhüllt eine dunklere Zone einen helleren Kern, doch kommt zuweilen auch der umgekehrte Fall vor. Manchmal sind mehrere Oolithe zusammengewachsen und von einer gemeinsamen Hülle umschlossen. Nicht selten erscheinen kleine, längliche Stein- 5* 68 mergelstückchen, die vollständig mit Gipskristallen erfüllt sind. Möglicherweise verdanken diese eigenartigen Gebilde ihre Entstehung kalkabscheidenden Algen. Ebenso häufig sind abgerundete Stückchen und Oolithe, die durchgehende Risse mit Gipsausfüllung zeigen. Wahrscheinlich handelt es sich hier um rein mecha- nische Sprengwirkung, hervorgerufen durch den Volumendruck des in feinen Spältchen auskristallisierenden Gipses. Die Karbonateinschlüsse sind in der Regel am Rande glatt und nur selten korrodiert. Mitunter besitzen sie eine Gips- hülle, welche aus senkrecht zur Oberfläche gestellten Kristallenen besteht. Wie ist nun dieser Muschelgips entstanden? G. Fischer (11) glaubt, daß eine metasomatische Verdrängung von Karbonat durch Gips stattgefunden habe. Wegen des Vorkommens von kleinen Anhydrit- resten nimmt er eine direkte Metasomatose Anhydrit-Erdalkalikarbonate an . Diese Deutung scheint mir nicht richtig zu sein ; denn wenn wirklich eine metasomatische Verdrängung vorläge, dürften die Steinmergeleinschlüsse sich nicht so leicht aus der Grundmasse herauslösen lassen als es tatsächlich der Fall ist. Sie müßten mit dem Gips viel fester verwachsen sein, ja sogar in ihn übergehen. Der Gips er- scheint aber lediglich als Bindemittel, das die Steinmergelstückchen und Stein- kerne der Fossilien zusammengekittet hat. Man könnte auch annehmen, daß eine Vergipsung der Steinmergel durch ein- gedrungenes, gipshaltiges Wasser und eine mechanische Zerreißung und Lockerung des Gesteins durch die Ausdehnung des auskristallisierten Gipses stattgefunden habe. Am natürlichsten aber erscheint mir die Annahme, daß die fossilreichen gipsführenden Steinmergelbänke und die sogenannten Muschelgipse Strand- bildungen darstellen. Die Brandung des Meeres (Einbruch einer neuen Meeres- transgression) mag an geeigneten Stellen abgerundete und leicht bewegliche Ge- steinstrümmer (zerstörte Steinmergelbänke) und die mit Schlamm erfüllten Ge- häuse abgestorbener Meerestiere in großen Mengen zusammengeschwemmt haben. Je nachdem nun diese lockeren Ablagerungen später mit Kalkschlamm zugedeckt oder durch Gips (Anhydrit) verkittet wurden, mußten daraus fossil- reiche Steinmergelbänke oder Muschelgipse entstehen. Man kann also die Bildung dieser merkwürdigen Schichten auch ohne Zuhilfenahme einer Metasomatose erklären. Der Flasergips Die durch die Mergelstreifen stark verunreinigten Gipsschichten hat Thürach mit dem Namen „Flasergips" bezeichnet. Sie sind fast in jedem Steinbruch zu sehen ; doch ist ihre Mächtigkeit großen Schwankungen unterworfen. Stellenweise sind sie überhaupt nicht zur Ausbildung gekommen. Die Struktur des Flaser- gipses ist pseudobreeeiös. Die unregelmäßig geformten Gipstrümmer sind von einer Mergelhülle umgeben. Von Anhydrit ist im Dünnschliff keine Spur zu ent- decken. Offenbar ist der primär abgeschiedene Anhydrit vollständig in Gips umgewandelt. Nach Thürach sind die Flasergipse dadurch entstanden, daß heftig einströ- mendes Meerwasser die bereits gebildeten Gipsschichten aufwühlte und zerstörte 69 und die Trümmer mit Mergeln vermengte. Diese Deutung dürfte richtig sein; denn überall da, wo Flasergips auftritt, zeigen die unterlagernden Gipsschichten eine unregelmäßige Oberfläche. Über horizontal gelagertem, unversehrtem Gips treten dagegen keine Flasergipse auf. Das Quarzitbänkchen von Windsheim In Profil III tritt ein gelbliches, grobkörniges, dolomitisches Sandsteinbänkchen auf, in dem vereinzelte Fischreste gefunden werden (Nr. 1). Dasselbe dürfte mit der Schicht übereinstimmen, die Thürach von den Gipsbrüchen bei Opfer- baum und Bergtheim (Profil II Nr. 12) angibt. Das Bänkchen liegt in Mergel eingebettet und setzt sich aus vielen kleinen, meist bikonvexen Linsen zusammen. Das Material besteht, wie Dünnschliffe erkennen lassen, aus kleinen Mergel- geröllen und mehr oder weniger abgerundeten, kaum verzahnten Quarzkörnern, die durch mergeliges Zement fest verkittet sind. Wahrscheinlich handelt es sich um die Ausfüllungen ehemaliger Rippelmarken. Paläontologischer Teil Fossile Wurmröhren von Rhizocoralliden Die Steinmergelbänke des Grundgipses sind manchmal (Profil 1 1 1 Nr. 1 1 und 14) auf der Unterseite mit eigenartigen Wülsten bedeckt, für die man keine andere Erklärung weiß, als daß es ausgefüllte Wurmröhren sein müssen. Diese Bildungen verlaufen ganz unregelmäßig und teilweise überlagern sie einander. Hebt man eine Platte des Gesteins von der Unterlage ab, so sieht man deutlich, wie die Wülste in den weichen Mergeln der liegenden Schicht eingebettet sind. Gewöhnlich sind sie fest mit dem Hangenden verwachsen und gehen ohne erkennbare Grenze in den Steinmergel über; zuweilen aber liegen sie frei und lassen sich dann leicht aus dem Liegenden herausnehmen. Andere organische Reste sind in den Steinmergeln mit Rhizocoralliden-Wülsten selten ; nur hier und da erscheint eine Myophoria goldfussi oder ein kleiner Kno- chenrest. Der größere Teil der Wülste ist unregelmäßig schlangenförmig ge- wunden, manchmal auch verzweigt. Andere sind so stark gekrümmt, daß die beiden Enden sich kreuzen und einander überlagern. Seltener sind U-förmig gebogene Wülste mit einem Verbindungsstück, der so- genannten Spreite. Die schlangenförmig gewundenen Wülste sind auf ihrer Oberfläche mit er- habenen Netzstreifen versehen, die bald größere, bald kleinere Maschen bilden. Ähnliche Bildungen sind in der Literatur beschrieben unter dem Namen : Rhizo- corallium jenense Zenker. Ursprünglich als Hornschwämme gedeutet, erblickt man heute in ihnen fast allgemein die ausgefüllten Röhren eines wurmartigen Tieres. Die Entstehung der netzigen Streifung ist noch nicht ganz geklärt. Die meisten Forscher halten die Netzskulptur, die nur oberflächlich ist und sich nicht ins Innere erstreckt, für Scharr- oder Kratzspuren (Fuchs 18 S.421, Douville 10 70 S. 369—370). Reis (63) S. 249 glaubt, daß sie von den grabenden Tieren absicht- lich hervorgerufen seien, um rauhe Stellen für den Einbau der anorganisch- organischen Röhrenhülle zu gewinnen. Die rezenten Rhizocoralliden bohren sowohl im festen Gestein, als auch im weichen Schlamm und im lockeren Sand. Unsere Bildungen dürften wohl auf die wühlende Tätigkeit von Schlammbewohnern zurückzuführen sein. Im zähen pla- stischen Schlamm können sie bei ihrer Wühlarbeit wohl Kratzspuren hinter- lassen haben ; daß aber durch Kratzen die charakteristische Netzskulptur ent- standen sein soll, das will doch nicht recht einleuchten. Wir müssen daher nach einer anderen Entstehungsmöglichkeit Ausschau halten. Bekanntlich kleiden viele rezente Rhizocoralliden ihre Röhren mit Schleimhäuten aus, um dem Bau eine gewisse Festigkeit zu verleihen. So erwähnt z. B. Richter (68) S. 206, daß Polydora im Sand schleimige Wohnungen baue und daß es ihm auch geglückt sei, Fetzen dieser schleimigen Bauten aus dem Sande auszuspülen. Auch die fossilen Rhizocoralliden dürften ihre Gänge und Röhren im zähen Schlamm mit Schleimhäuten versehen haben. Nach dem Trocknen werden solche Häute per- gamentartig und schrumpfen ein, so daß Runzeln entstehen. Möglicherweise sind durch solche Runzeln der Röhrenhülle die Netzstreifen entstanden. Man könnte aber auch daran denken, daß die Tiere beim Bau der Hülle zunächst ein Netz von gröberen Schleimfäden gezogen und dann auf dieses Gerüst eine dünne Schleimschicht aufgetragen haben, so daß die Oberfläche eine netzige Skulptur erhalten mußte. Das eigentümliche Maschenwerk der Streifen findet sich zu- weilen auch in den Zwischenräumen nicht zusammengehöriger Wülste. Hier dürfte es sich um losgerissene Fetzen der Schleimbauten handeln, die beim Ausräumen der Hohlräume mit ins Freie gelangten. Selbstverständlich läßt sich auch hierüber nichts Sicheres sagen. Das Rätsel der Netzstreifen bleibt vorläufig noch ungelöst und es müssen noch viel eingehendere Untersuchungen und Beobachtungen an lebenden Rhizocoralliden angestellt werden, um eine befriedigende Erklärung der Entstehung der merkwürdigen Netzstreifen geben zu können. Die U-förmig gebogenen Wülste sind, wie gesagt, seltener. Der Bau bildete einst eine hufeisenförmige Tasche (Spreite) mit einer Erweiterung am Rande. Auf dieser Spreite fehlen an unseren Exemplaren die Netzstreifen, dagegen sind parallel laufende bogenförmige Linien vorhanden. Richter (68 S. 204, 207 und 21 1) erklärt diese Linien für Zuwachsstreifen, die beim fortgeschrittenen Bau der Höhlung als Reste früherer Scheitelbögen stehen geblieben sind. Unter der glatten Oberfläche der Schenkelwülste, manchmal auch unter der Spreite sind kleine elliptische Körperchen eingebaut, deren Größe ziemlich gleich bleibt (zirka 1 mm breit und 1—2 mm lang). Über diese Baukörperchen, die wohl auch zur Ver- steifung der Röhrenhülle dienten, hat Reis (63 S. 236) eingehendeUntersuchungen angestellt; doch weiß man bis heute noch nichts Endgültiges über die Natur derselben. Dünnschliffe, die ich anfertigte, zeigten nur, daß die Baukörperchen aus dem Material der Steinmergel zusammengesetzt sind. Manche Autoren glauben, daß es sich um Koprolithen handle, die von den Rhizocoralliden als Bausteinein 71 die schützende Hülle an besonders gefährdeten Stellen eingefügt worden seien. Andere (Reis 64 S. 628) dagegen sehen diese ovalen Körperchen als eigens zu Bauzwecken verfertigt an. Tatsächlich gibt es Würmer (Terebella figulus u.a.), die Schlamm verschlucken und denselben in geformten Partikelchen durch den Mund wieder ausscheiden, um sie als Bausteine zu verwenden. Netzleisten und Baukörperchen scheinen sich gegenseitig auszuschließen. Je- denfalls ist auffallend, daß letztere überall da fehlen, wo die beschriebene Netz- skulptur vorhanden ist. Brachiopoda Lingula tenuissima Bronn Mit Lingula tenuissima Bronn muß Lingula zenkeri v. Alb. zu einer Gesamtart vereinigt werden, denn eine natürliche Trennung ist nicht gut möglich. Der Er- haltungszustand der Windsheimer Formen, die meist nicht die Größe typischer Exemplare erreichen, läßt leider etwas zu wünschen übrig. Ihre Hauptverbreitung hat Lingula tenuissima in der Steinmergelbank Nr. 6 Profil II, wo sie massenhaft erscheint. Unmittelbar darüber beginnt sofort der Gips; damit erklärt sich auch das plötzliche Verschwinden der Lingula. In den tiefer gelegenen Schichten des Steinmergels tritt Lingula nur vereinzelt auf. Lingula tenuissima fand sich ferner im Profil I Nr. 15, sowie Profil III Nr. 14 und 19. In der letztgenannten Bank hatten die Schälchen eine bläulich-weiße Färbung. Thürach erwähnt aus dem Grundgips nur einmal das Vorkommen der Lingula tenuissima, und zwar in seinem Profil II Nr. 18. Lamellibranchiata Gervillien sind äußerst selten und befinden sich meist in einem derart schlechten Erhaltungszustand, daß eine Bestimmung mit großen Schwierig- keiten verbunden ist. Doch kann mit Sicherheit gesagt werden, daß alle bis jetzt beobachteten Formen der Gruppe der Gervillia substriata Credn. angehören. Zeller hat in der Lettenkohle drei Arten von Gervillien nachge- wiesen, nämlich Hoernesia (Gervillia) socialis v. Schloth., Gervillia subcostata Goldf. und Gervillia substriata Credn. Die beiden erstgenannten kommen im Grundgips nicht vor, wenigstens sind sie bis heute noch nicht gefunden wor- den. Die beobachteten Formen zeigen einen Achsenwinkel von nur 30 — 35 Grad und damit kennzeichnen sie sich als zu Gervillia substriata gehörig. Der Muschelgips (Nr. 14) des Profils I enthält zwei Varietäten der Gervillia substriata, nämlich eine etwas größere mit Radialstreifung, die durch die Umwandlung der Schale in Gips leider etwas an Deutlichkeit eingebüßt hat: Gervillia substriata Credn. var. lineata Goldf. und eine kleinere ohne Radialstreifung, mit konzentrischen Streifen versehene Form: Gervillia sub- striata var. tenuicostata Zeller. Beide Varietäten nur im Windsheimer Profil I Nr. 14. Aus der gleichen Bank gibt auch Thürach eine Gervillia lineata Goldf. an. 72 Pecten (Velopecten) albertii Goldf. Von dieser seltenen Art liegen einige gut erhaltene Stücke vor. Sie erreichen meist nicht 1 cm Durchmesser. An einem stark gewölbten Exemplar aus Profil I Nr. 14 ist am äußersten Rande noch etwas von einer feinen Radialstreifung zu erkennen. Ein weiterer Steinkern aus Profil I Nr. 11 zeigt die feine Radial- streifung sehr deutlich. Wieder andere dagegen besitzen nicht die geringste Spur von Streifung. Nach Alberti ist die Verschiedenheit der Radialstreifung auf die mehr oder weniger starke Abnützung der Schale zurückzuführen. Die Ausgangsform Pecten inaequistriatus Goldf. mit sehr deutlichen Streifen, läßt sich an Steinkernen nicht mehr erkennen. Dagegen kann man Pecten albertii Goldf. und den völlig streifenlosen Pecten obliteratus Schaur. auffinden. Ver- hältnismäßig zahlreich fand sich Pecten albertii im Profil VII Nr. 9. Thürach gibt diese Art an im Profil I Nr. 14. Nucula goldfussi v.Alb. Ein Dolomitsteinkern von 1 1 mm Länge und 9 mm Höhe dürfte zu dieser Art gehören. Vorkommen: Profil I Nr. 14. Myophoria goldfussi v.Alb. Die häufigste Art im Grundgips. Sie tritt fast in sämtlichen Steinmergeln auf. Manche Schichten sind vollständig aus Myophorien aufgebaut. Die besterhalte- nen Exemplare fanden sich im Profil I Nr. 14. Manche Stücke hatten auf den Rippen in der Nähe des Randes deutlich sichtbare konzentrische Linien und zeigten deshalb eine schöne Dornenbildung. Die Individuen aus dieser Schicht erreichen ganz besondere Größe (Länge bis 17 mm). Myophoria intermedia Schaur., vulgaris Schloth., transversa Bornem. Die Unterscheidung dieser drei einkantigen Arten bereitet oft große Schwie- rigkeiten, weil sie durch Übergänge miteinander verbunden sind. Größe, Art der Berippung, Schärfe der Kanten und Umriß geben kein brauchbares Unter- scheidungsmerkmal. Am leichtesten noch läßt sich eine Trennung durchführen, wenn man den sog. Seebachschen Quotienten zu Hilfe nimmt (Verhältnis der Entfernung der Nebenkante von der Arealkante zur Länge der Arealkante). Doch auch dieses Unterscheidungsmerkmal ist nicht konstant, so daß es nach Rübenstrunk (69 S.198) sehr fraglich ist, ,,ob die Myophoria vulgaris, trans- versa und intermedia weiterhin als selbständige Arten angesehen werden dür- fen". Wahrscheinlich handelt es sich um eine einzige Art, welche ihre Form je nach den Lebensbedingungen ändert. In brackischen Gewässern erscheint sie als Myophoria transversa, in marinen dagegen als vulgaris oder intermedia. Im Grundgips findet sich Myophoria intermedia nicht häufig. Der See- bachsche Quotient beträgt bei typischen Stücken 1 : 4 bzw. 1 : 5. Zwischen den beiden Rippen befindet sich eine sanft ausgehöhlte Furche. 73 Vorkommen: Profil I Nr. 14 (von hier gibt sie auch Thürach an) und Profil X Nr. 14. Die zweite Form des Grundgipses muß zu Myophoria vulgaris gestellt werden. Ihre Trennung von Myophoria transversa ist trotz der Beschreibungen von Bornemann, Seebach, Schauroth, Zeller u. a. überaus schwierig. Der Seebachsche Quotient beträgt bei Myophoria transversa 1: 1,8 — 1:2, bei Myophoria vulgaris 1 : 2,24 — 1 : 2,79. Außerdem soll sich Myophoria trans- versa durch die quer verlängerte Form, die abgerundete Hauptkante und die gestrecktere Gestalt von Myophoria vulgaris unterscheiden. Die Windsheimer Form besitzt in ihren größten Exemplaren eine Länge von 42 mm und eine Breite von 34 mm. Die Hauptkante ist bald abgerundet, bald scharf. Der Seebachsche Quotient beträgt fast 1 : 3, nähert sich also ziemlich dem der Myophoria vulgaris. Nachdem dieser Quotient das Hauptunterschei- dungsmerkmal bildet, müssen wir die Formen des Grundgipses zu Myophoria vulgaris stellen. Selbst die kleineren Exemplare neigen mehr zu vulgaris als zu transversa. Ähnlich verhalten sich die Stücke, die aus den Steinmergelbänken stammen. Beim besterhaltenen Exemplar ist sogar eine, wenn auch schwach angedeutete dritte Kante zu erkennen, so daß man an Myophoria raibliana Boue et Desh. erinnert wird. Die meisten Myophorien des Grundgipses gehören also zu Myo- phoria vulgaris, wenn sie auch nicht immer in typischer Ausprägung vorkommen. Typische Myophoria transversa fehlt; einzelne stark abweichende Formen könnte man vielleicht als cfr. transversa bezeichnen. Myophoria vulgaris ist eine marine, Myophoria transversa eine brackische Form. Das Fehlen der letzteren beweist, daß der Grundgips eine marine Ab- lagerung ist. Vorkommen : Vergipste Schalen : Profil I Nr. 14; Profil X. Steinkerne: Profil III Nr. 11 und 14. Auch in der Münchener Staatssammlung liegt eine Myophoria aus Winds- heim, die als Myophoria vulgaris bestimmt wurde. Myophoria cfr. struckmanni Stromb. Zu dieser Art dürfte ein vergipstes Schalenexemplar aus Profil I Nr. 14 gehören. Gastropoden Im sog. Muschelgips (Profil I Nr. 14) kommen winzige Schneckchen in unge- heurer Anzahl vor. Man gewinnt sie am leichtesten, wenn man einige Proben des Gesteins im Wasser auflöst. Die Steinkerne der Schneckchen, die fast durchweg in Dolomit umgewandelt sind, bleiben im Lösungsrückstand zurück und können dann ohne weitere Mühe ausgesucht werden. Aus dem reichen Material konnten mit Sicherheit nachgewiesen werden : Rissosa gregaria Schloth. Neritaria cognata Gieb. 74 Rissoa giebeli Schauroth. Omphaloptycha pusilla Schmid. Oonia minima Schmid Actaeonina sp. Aber auch größere Schnecken kommen in der gleichen Schicht vor. Es seien erwähnt: Polygyrina gracilior Schaur. = Rissoa dubia var. gracilior Schaur. Ein schöner Steinkern von schlanker Form mit sieben Umgängen. Rissoa strombecki var. genuina Schaur. Wahrscheinlich synonym mit Holopella multitorquata Münst. Dazu gehört ein Gehäusefragment, das noch vier Umgänge aufweist. Undularia (Rissoa) scalata var. conica Schaur. Kegelförmige Schneckchen mit fünf bis sechs vollständig ebenen Umgängen. Von Thürach in derselben Schicht gefunden. Undularia (Rissoa) cfr. scalata var. genuina Schaur. Wahrscheinlich gehört dazu ein Steinkern von 15 mm Länge und sechs Um- gängen. Von Thürach ebenfalls angegeben. Rissoa dubia var. subplicata Schaur. Zeigt eine deutliche Skulptur, bestehend aus kleinen Rippen. Vertebrata Pisces Hybodus sp. Hierher gehören verschiedene Zahnspitzen, die nicht näher bestimmt werden können (Profil I Nr. 14). Acrodus minimus Ag. bzw. Acrodus lateralis Ag. Kleine Zähnchen mit durchlaufendem Querkiel, die Schmelzrippen der Ober- fläche breit und deutlich. Mangels reicheren Materials läßt sich eine einwand- freie Bestimmung nicht vornehmen. Wahrscheinlich handelt es sich um Acro- dus minimus Ag., der auch aus dem Lettenkohlenkeuper angegeben wird. Palaeobates angustissimus Ag. Ungekielte, flach gerundete Zähne mit punktierter Oberfläche (Profil I Nr. 14 und Profil III Nr. 14). Saurichthys sp. Nur ein winziger Zahn (Profil II Nr. 6). 75 Colobodus frequens Dames Verschiedene Schuppen und Zähne, die bisher unter den verschiedensten Namen beschrieben wurden, wie Tetragonolepis triasicus Winkler. Colobodus maximus Qu. Eine Schuppe mit sechs hinten in Spitzen ausgezogenen Rippen (Profil III Nr. 14). Reptilia Nothosaurus sp. Einzelne Wirbel und Zähne. Die wenigen Reste genügen nicht zur genauen Bestimmung der Art. (Profil I Nr. 14, Profil II Nr.6, Profil III Nr. 11 und 19.) Pflanzenreste Ziemlich selten werden Pflanzenreste im Gips gefunden. Vereinzelt tritt in den untersten Bänken eine Conifere auf mit nadeiförmigen, oben abgerundeten oder auch schwach zugespitzten Blättern, die an der Basis lange am Stengel entlang laufen. Es handelt sich um Voltzia fraasi Schütze, die schon öfter mit Widdringtonites keuperianus Heer verwechselt wurde. Die Angabe Thürachs, daß auch Widdringtonites im Windsheimer Grundgips vorkomme, muß daher noch auf ihre Richtigkeit nachgeprüft werden. Verbreitung der Arten Grundgips Lettenkohlen- keuper Oberer Muschelkalk + . — ■ + + + + + + substriata + + substriata + + + + + + + + + + + + + + + + + + i + + + + ? + + + Rhizocorallium Lingula tenuissima Bronn Gervillia substriata Credn. var. lineata Goldf Gervillia substriata Cred. var. tenuicostata Zeller Pecten (Velopecten) albertii Goldf. . . . Nucula goldfussi Alb Myophoria goldfussi Alb Myophoria intermedia Schaur Myophoria vulgaris Schloth Myophoria transversaBornem . ,nicht typisch Myophoria cfr. struckmanni Stromb. . . Rissoa gregaria Schloth Neritaria cognata Gieb 76 Rissoa giebeli Schaur Omphaloptycha pusilla Schmid Oonia minima Schmid Actaeonina sp Polygyrina gracilior Schaur Rissoa strombecki var. genuina Schaur. . Undularia (Rissoa) scalata var. conica Schaur Undularia (Rissoa) scalata var. genuina Schaur Rissoa dubia var. subplicata Schaur. . . . Hybodus sp Acrodus minimus Ag Palaeobates angustissimus Ag Saurichthys Colobodus frequens Dames Colobodus maximus Qu Nothosaurus sp Voltzia fraasi Schütze Aus der vorstehenden Liste ist zu ersehen, daß sämtliche Arten des Grund- gipses entweder schon im Muschelkalk oder wenigstens in der Lettenkohle auf- treten. Auch geht daraus hervor, daß keine einzige nicht marine Art vorhanden ist. Gervillia substriata und Myophoria vulgaris haben zwar ganz nahe Ver- wandte in brackischen Ablagerungen, doch sucht man diese im Grundgips ver- geblich. Myophoria goldfussi und Pecten albertii sind Bewohner des küsten- nahen Flachmeeres oder der Küste, desgleichen die zahllosen Gastropoden. Estheria, ein Vertreter der nicht mehr rein marinen Fauna, die im oberen Gips- keuper so überaus häufig auftritt, fehlt im Grundgips vollständig. Lingula tenuissima kommt sowohl in marinen als auch in brackischen Faunengesell- schaften vor. Auch die meisten Wirbeltiere, z. B. Palaeobates angustissimus, Acrodus minimus, Nothosaurus, Colobodus tragen marinen Charakter. Fassen wir das alles zusammen, so ergibt sich, daß die Tierwelt des Grundgipsmeeres eine rein marine ist. Mit jeder neuen Transgression müssen marine Arten in die zeitweise vom offenen Ozean abgeschnürten Grundgipssenken eingewandert sein. Brackische und halbmarine Formen fehlen vollständig. Grundgips Lettenkohlen- keuper Oberer Muschelkalk + + — + + — + + — i — — + + + + + — + + — + + — 4_ i + — + + + + + + i + — — + i 1 + — l + + i + + Die Quellungserscheinungen im Gips Die Grundgipsschichten zeigen vielfach Lagerungsstörungen, die sich als eigentümliche Verbiegungen und Stauchungen dünner Gipsbänder bemerkbar machen. Zweifellos handelt es sich um Quellungserscheinungen. Bekanntlich 77 findet bei der Umwandlung des Anhydrits in Gips durch Wasseraufnahme eine Volumvermehrung von ca. 33% statt. Durch die Auflockerung der Masse wird zugleich eine Änderung des spez. Gewichtes hervorgerufen (2,3 statt 2,9). Die Aufquellung des Gesteins löst einen gewaltigen Druck aus, dessen Wirkungen leichteren tektonischen Bewegungen gleichkommen. Binder (5) konnte die Wirkungen dieses Druckes besonders gut beobachten beim Bau des Weinsberger Tunnels an der Bahnstrecke Crailsheim— Heilbronn. Die stärksten Tragbalken konnten dem Druck des aufquellenden Anhydrits nicht Widerstand leisten und knickten zusammen, so daß der Bau mit den denkbar größten Schwierigkeiten verbunden war. Die Verbiegungen und Stauchungen im Grundgips werden heute fast allgemein auf solche Quellungen zurückgeführt. Anders verhält es sich mit den Faltungen im Gekröseanhydrit des Muschelkalks, die Reis in seiner Arbeit (62) beschreibt. Die Entstehungsursache dieser Verbiegungen ist nicht in Aufquellungen durch Wasseraufnahme, sondern in einfachen, primären Rutschungen des Anhydrits kurz nach der Sedimentation zu suchen. Die Faltungserscheinungen im Grundgips treten immer wieder im Gips selbst auf. Anhydritbänder fehlen vollständig. Die letzten Zeugen des einstigen Vor- handenseins mächtiger Anhydritlager liegen nur noch in den Restvorkommen kleiner Anhydritkristalle im dichten Gips vor. In den Windsheimer Gipsbrüchen lassen sich die Faltungserscheinungen des aufgequollenen Gipses besonders gut studieren, weniger allerdings im Felsen- gips als im Plattengips. Der tieferliegende Felsengips zeigt fast gar keine Fal- tung, was ich auf die größere Mächtigkeit der hangenden Schichten, auf eine dadurch bedingte langsamere Umwandlung des Anhydrits und auch auf die größere Geschlossenheit der Schichten zurückführen möchte. Die schwächeren, gebänderten Bänke des Plattengipses dagegen sind viel deutlicher gefaltet, namentlich dort, wo sie auf Steinmergelbänken und Mergelschichten aufruhen. Vermutlich bewirkten diese nahezu wasserundurchlässigen Schichten eine starke Ansammlung des Grundwassers. Dies aber hatte eine starke Quellung des An- hydrits zur Folge. Das sein Volumen vermehrende Gestein suchte sich nun nach allen Seiten hin auszudehnen, stieß aber überall auf großen Widerstand. Schließ- lich mußte es nach der Seite des geringsten Druckes (nach oben) ausweichen. An besonders schwachen Stellen erfolgte daher eine Aufwölbung der Schichten und es entstand die charakteristische Faltung und Stauchung, die sonst nur durch tektonische Vorgänge erzeugt wird. Die weichen Mergel der Unterlage wurden bei der Aufwölbung des Gipses infolge plötzlicher Entspannung in den entstandenen Hohlraum hineingepreßt und schwollen deshalb an solchen Stellen mächtig an (Fig. Nr. 1/2). Eine auffällige Erscheinung ist das allmähliche Ausklingen der Falten nach oben hin. Zuletzt verschwindet jede Faltung und die horizontale Lagerung ist wiederhergestellt. Um dies zu erklären, müssen wir annehmen, daß die unteren Anhydritschichten, die auf den wasserundurchlässigen Mergeln ruhten, viel rascher in Gips sich umwandelten als die höheren. Je weiter sich die Anhydrit- 78 schichten von den Mergelbänken entfernten, desto weniger kamen sie mit Wasser in Berührung und desto gleichmäßiger und langsamer mußte ihre Auf- quellung und Hebung erfolgen. Mit der Aufwölbung ging offenbar eine horizontale Bewegung der aufquellen- den Schichten Hand in Hand. Dafür spricht die Erscheinung, daß der höchste Punkt der Falten gewöhnlich nicht in der Mitte liegt, sondern etwas seitlich verschoben ist. Die Wirkung zweier verschiedener Bewegungsrichtungen zeigt besonders schön die große Falte im Steinbruch Müller- Windsheim (Fig. Nr. 3), wo es selbst zu Gekrösefaltung des Gipses gekommen ist. Auf dem gleichen Bilde sehen wir auch, wie durch die Gewalt eines plötzlich frei gewordenen Druckes eine nahezu senkrechte Stellung der Gipsschichten hervorgerufen wor- den ist. Das Kernstück der großen Falte enthielt eine zertrümmerte Stein- mergelbank (Fig. Nr. 4). Das läßt darauf schließen, daß gerade an jener Stelle ein ganz besonders starker Druck von unten her erfolgt sein muß, dem der feste Steinmergel nicht widerstehen konnte und deshalb zerbrach. Derartige Stö- rungen sind ziemlich selten. Nur Nies (51) berichtet über eine ähnliche Beobach- tung, die er in einem Steinbruch bei Hüttenheim machen konnte. Gewöhnlich sind die Steinmergelbänke nur ganz wenig in Mitleidenschaft gezogen und bilden die ungestörte Basis der Gipsfalten. Auf größeren, für den Abbau frei- gelegten Flächen kann man nicht selten über den Steinmergeln die Gipsfalten als Erhebungen beobachten. Die abgedeckte Fläche erinnert an eine flachwellige Hügellandschaft. Eine Abhängigkeit von tektonischen Störungslinien, denen die Falten folgen müßten, war nirgends festzustellen. Die Falten erheben sich ganz unregelmäßig und beweisen, daß hier Schwächezonen im Verband des Gips- flözes vorliegen. Eine interessante Beobachtung, die ich im Steinbruch Weid-Windsheim machen konnte, gibt einigen Aufschluß über die Vorgänge bei der Quellung des Gipses. Über der Steinmergelbank Nr. 14, die nicht von Mergelschichten über- lagert ist, zeigte der noch flach auf dem Steinmergel aufruhende Gips vor der aufsteigenden Falte an einzelnen Stellen Rutschstreifen. Diese können nur durch den harten Steinmergel, über welchen der Gips hinweggleiten mußte, hervorgerufen worden sein. Die bandförmigen Rutschflächen verlaufen nicht gerade, sondern zeigen eine leichte Biegung. Dies läßt darauf schließen, daß die quellenden Gipsschichten so lange eine drehende und zerrende, horizontale Bewegung hatten, bis sie nach Überwindung des Gebirgsdruckes durch Zer- reißung und Aufwölbung den Weg nach oben fanden. Wir verdanken die Rutsch- streifen lediglich dem glücklichen Umstand, daß keine Mergelschichten vor- handen waren. In der Regel bilden aber weiche Mergel die Unterlage des Gipses und dann können Rutschspuren nicht erwartet werden. Aber auch zwischen den einzelnen Gipsbändern innerhalb der Falten sind kleine Rutschstreifen sichtbar. Diese Erscheinung beweist, daß bei der Aufquellung eine ungleich- mäßige Bewegung der einzelnen Bänder stattgefunden hat. Bruchlose Faltung kommt nur in beschränktem Maße vor. Fast stets ist die Faltung mit Bruch verbunden, so daß die Falten eigentlich aus mehreren ein- 79 zelnen Stücken zusammengesetzt sind. Die Bruchstellen häufen sich ganz be- sonders an den höchsten Erhebungen der Falten, am Scheitelpunkt. Hier sind die Falten außerdem noch von vielen kleinen, oft gleichgerichteten Rissen und Spältchen durchzogen, die sehr oft die großen Bruchspalten kreuzen. Fast immer sind die Spalten und Risse nachträglich mit großen Gipskristallen wieder ausgeheilt worden. Die vielfachen Lagerungsstörungen im Bereiche des Grundgipses können also, wie die bisherigen Untersuchungen ergeben haben, nur auf die Volum- vermehrung zurückgeführt werden, die das Gestein bei der Umwandlung des Anhydrits erfuhr. Von subaquatischen Rutschungen während oder kurz nach der Sedimentation kann nicht die Rede sein. Die Auslaugungsdiagenese im Grundgips Das Problem der Auslaugungsdiagenese findet in letzter Zeit erhöhte Beach- tung. Durch die verdienstvolle Arbeit Spitz' und Wepfers (101) wurde die Auf- merksamkeit darauf gelenkt und so sind bereits aus den verschiedensten For- mationen Beispiele hierfür bekannt geworden. Auch im Grundgips begegnen wir Erscheinungen, die auf Auslaugungsdiagenese zurückgeführt werden müssen. Die leichte Löslichkeit der Gesteine hat Stoff- wanderungen zur Folge; was auf der einen Seite aufgelöst und weggeführt wird, wird an anderer Stelle wieder abgesetzt. Uns interessiert hier in erster Linie die Veränderung der Steinmergelbänke, welche, obwohl schwerer löslich als der Gips, ebenfalls angegriffen werden. Die Veränderung des Gesteins ist verschieden, je nachdem die Auslaugung flächenhaft oder räumlich arbeitet. Auf flächenhafte Auslaugung führe ich zurück die schwankende Mächtigkeit der Steinmergelbänke, ihre Stauchungen und Verbiegungen, sowie ihr stellenweise vollständiges Aus- setzen. Die dunklen, tonigen Streifen, die das Gestein durchziehen, verraten, daß eine Auflösung und Wegführung stattgefunden hat. Die in ihrer Mächtigkeit reduzierten und ihres Bindemittels teilweise beraubten Bänke leisten quellendem Anhydrit keinen großen Widerstand und werden daher leicht verbogen und gestaucht. Ähnliche Erscheinungen zeigt das Wellengebirge des Muschelkalks. Die wellige Struktur ist hier nach Spitz und Wepfer auf ein Zusammensacken bzw. Absacken des tonig mergeligen , ausgelaugten Gesteins zwischen den noch nicht ausgelaugten, festen Karbonatgesteinsresten zurückzuführen. Auch die Wärme spielt bei den Lösungsvorgängen eine wichtige Rolle. Die durch den Druck der Deckschichten oder durch den Quellungsdruck erzeugte Wärme erhöht die Löslichkeit des Gesteins und beschleunigt die Auslaugungs- tätigkeit des C0 2 -haltigen Wassers. Die Auslaugung der Steinmergel hinterläßt dunkel gefärbte Mergelschmitzen oder Schlieren. Im Dünnschliff zeigen sich rasch auskeilende, oft stark gewellte Tonhäutchen, die an Mikrostylolithen erinnern. Sie enthalten als Einlagerung Gips und zahlreiche Erzkörner. Gerade die letzteren kennzeichnen die Lösungs- 80 bahnen des Wassers in den unzähligen kleinen und größeren Spältchen des Ge- steins. Ihre Anhäufung in den tonigen Flasern läßt erkennen, daß eine beträcht- liche Menge des Gesteins aufgelöst und v/eggeführt wurde. Ob durch die Auflösung des Gesteins nur eine Anreicherung der Erze oder auch eine Vergrößerung der Erzkörner durch neu zugeführte Minerallösungen erfolgte, ist schwer zu ent- scheiden. Durch Gabelung und Wiedervereinigung zweier Lösungsflächen werden Kerne unversehrten Gesteins von tonigen Häutchen eingeschlossen. Anschliffe lassen diese Erscheinung besonders deutlich hervortreten. Seltener finden sich in den Steinmergeln echte Stylolithen und stylolithische Linien. Die Größe der Stylolithen erreicht meist nur 1 cm. Ihre Köpfe tragen eine dünne Kappe dunkler Auflösungsrückstände. Einzelne Stylolithen sind mit deutlichen Längsstreifen versehen. Die Stylolithen gehen, wie diesWagner (98) besondes hervorhebt, aus den welligen, durch tonige Rückstände gekennzeich- neten Lösungsbahnen (Drucksuturen) hervor. Sie sind weiter nichts als die zu Zapfen vergrößerten, unregelmäßigen Erhebungen der Lösungsflächen, die durch Druckwirkung bei den Lösungsvorgängen in die leichter angreifbare Gegenseite hineinwachsen. Eine ganz merkwürdige Verzahnung von grobkristallinem Gips und Stein- mergel konnte ich im Steinbruch Haberstroh-Windsheim beobachten (Pro- fil I Nr. 19 und 20). Der Steinmergel ist stellenweise auf seiner Unterseite durch Auflösung stark reduziert und mit rundlichen, unregelmäßigen Vertiefungen ver- sehen. Der kristalline Gips dagegen zeigt rundliche Erhebungen, die sich ganz genau in die Vertiefungen der darüberliegenden Steinmergelbank einfügen. Der- artige Verzahnungen, die man nicht als Stylolithen bezeichnen kann, sind meines Wissens bisher noch nicht beschrieben worden. Die Erklärung ihrer Entstehung bereitet einige Schwierigkeiten. Wahrscheinlich hat durch die lösende Tätigkeit desWassers eine starke Zerstörung der ursprünglich auf dichtem Gips aufruhenden Steinmergelbank stattgefunden, so daß zwischen Steinmergel und Gips eine klaffende Lücke entstand. Später dürfte der so entstandene Hohlraum mit allen Vertiefungen in den beiderseitigen Wänden mit kristallinem Gips ausgefüllt und ausgeheilt worden sein. Zu dieser Annahme berechtigt die Tatsache, daß überall da, wo kein kristalliner Gips auftritt, die Steinmergelbank viel mächtiger und vollständig unversehrt ist und direkt auf dichtem Gips aufliegt. Die Kristallisation des Gipses Die leichte Löslichkeit des Gipses hat eine große Wanderungsfähigkeit des- selben zur Folge. Der gelöste Gips wird vom Wasser weggeführt und kommt an anderen Stellen durch Auskristallisieren wieder zum Absatz. So werden Sprünge und Risse, die durch Quellung des Gipses oder infolge tektonischer Vorgänge entstanden sind, häufig mit Gipskristallen wieder ausgeheilt. Ebenso sind Schicht- fugen nicht selten mit schönen Gipsrosetten bedeckt. Auch in Hohlräumen, die der Quellung und Lösung ihre Entstehung verdanken, werden zuweilen gut aus- 81 gebildete, prismatische Kristalle angetroffen. Besonders schöne Kristalle konnte ich in Profil III Nr. 16 beobachten. Diese Schicht wurde durch Lösungsvorgänge teilweise stark zerfressen. Die Folge ist eine Anhäufung toniger Lösungsrück- stände, die sich später durch Auskristallisieren von Gips wieder verfestigten. In Vertiefungen liegen einzelne prismatische Kristalle von 2 — 3 cm Länge, sowie größere Kristallaggregate von ovalem Umriß. Die letzteren bestehen aus zahl- reichen Einzelindividuen der bekannten dicktafeligen Ausbildung. Sie sind alle in gleicher Richtung angeordnet, so daß Längsfläche an Längsfläche und Prisma an Prisma zu liegen kommt. Dieser merkwürdige Bau legt die Vermutung nahe, daß es sich eigentlich nicht um Aggregate, sondern um größere Einzelkristalle handelt, die aus Subindividuen aufgebaut sind, aber wegen ungenügender Stoffzufuhr nicht zur vollen Raumerfüllung gelangten. (Daher die scheinbar ovale Form.) Auffallend ist ferner das Vorkommen großer, dunkler, idiomorpher Kristalle, die allseitig von dichtem Gips eingeschlossen sind. Ihre Form ist bald kugelig, bald oval. Sie zeigen Risse und Sprünge, die mit hellfarbigen Gipskristallen wieder ausgeheilt wurden. Die Untersuchung dieser eigenartigen Kristalle hat ergeben, daß sie noch Reste von Anhydrit enthalten. Dies läßt daraufschließen, daß die Zerreißung der Kristalle auf nachträgliche Quellung der eingeschlossenen An- hydritreste zurückgeführt werden muß. Die Entstehung der Kristalle erfolgte sicher nicht auf Kosten der dichten Gipsgrundmasse. Wir müssen vielmehr an- nehmen, daß sich die Kristalleinschlüsse direkt aus dem Anhydrit bildeten. Mechanische Sprengwirkungen des sekundär kristallisierenden Gipses Verschiedene Erscheinungen im Grundgips deuten darauf hin, daß eine Zer- sprengung des Gesteins durch sekundär auskristallisierten Gips stattgefunden hat. Am deutlichsten zeigen sich diese Sprengwirkungen in einzelnen Steinmergel- bänken, die von zahlreichen unregelmäßigen, nahezu horizontal verlaufenden Rissen und Sprüngen durchzogen sind (z. B. Hellmitzheim). Auf tektonische Vorgänge können diese Risse nicht zurückgeführt werden; denn dazu sind sie viel zu unregelmäßig. Ebensowenig kann der Druck, welcher bei der Umwandlung des Anhydrits in Gips auf die Steinmergelschichten ausgeübt wird, dafür ver- antwortlich gemacht werden ; denn wo aufquellender Gips die darüberlagernden Steinmergel zerbricht, verlaufen die Sprünge mehr in vertikaler Richtung. Die erwähnten Risse sind mit Gipskristallen ausgefüllt. Das läßt daraufschlie- ßen, daß durch Kristallisation und damit verbundener Ausdehnung des Gipses eine Zersprengung des Gesteins verursacht wurde. Gipshaltiges Wasser dringt durch haarfeine Spältchen ins Gestein und scheidet nach erfolgter Konzentration Gipskristalle aus. Diese bewirken durch Sprengung eine Erweiterung der Klüfte. Neue Gipszufuhr bewirkt weitere Aufspaltung und Zerreißung. So wird das ur- sprünglich feste Gestein immer mehr gelockert und zerspalten. 1 Der ausgeschie- dene Gips kittet die einzelnen Trümmer wieder fest zusammen, so daß im Laufe 1 Diese Kristallisationssprengungen erinnern an die Sprengwirkungen des Frostes. 82 der Zeit eine vollständige Ausheilung erfolgt. Viele Steinmergel zeigen diese interessante Erscheinung. Manche Sprünge sind noch nicht vollständig ausgeheilt, manche dagegen enthalten eine so regelmäßige Gipseinlagerung, daß Schichtung vorgetäuscht wird. Die Karsterscheinungen im Grundgips Karstformen im Gips wurden bisher nur selten beschrieben. Dies hat seinen Grund hauptsächlich darin, daß große, ausgedehnte Gipsvorkommen in Deutsch- land verhältnismäßig nicht häufig sind. Am bekanntesten sind die Gipsablage- rungen des Zechsteins am Harzrande, die wegen ihrer Verkarstungserscheinungen eine gewisse Berühmtheit erlangt haben. Aus dem Grundgips des süddeutschen Keupers wurden wohl vereinzelte Lö- sungserscheinungen beschrieben, doch wurden keine eingehenderen Untersuchun- gen hierüber angestellt. Der Gipskarst des Grundgipses ist daher ein Neuland für die Karstforschung. Er fand bisher wenig Beachtung, weil er in der Landschaft nicht besonders auffällt und die unterirdischen Hohlräume nur schwer zugänglich sind. Auch erreicht er in keiner Weise die Großartigkeit der Karsterscheinungen im Harz. An der Oberfläche macht sich die Verkarstung des Gipses nur wenig bemerkbar, wenn nicht zufällig Deckeneinstürze und Erdfälle vorhanden sind. Die zutage tretenden Gipsfelsen verwittern sehr rasch zu Scherben infolge ihrer feinen Schich- tung, namentlich unter dem Einfluß der winterlichen Temperaturschwankungen. Man kann an diesen Gipsbrocken kleine Regenrillen beobachten, auf die hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll. Viel großartiger sind die Phänomene der Verkarstung, die wir in den zahl- reichen Steinbrüchen des Grundgipses beobachten können, wenn die deckenden Schichten der Keupermergel durch die Steinbrucharbeit entfernt sind. Penck(52 S. 175) unterscheidet zwei Arten des unter Tage liegenden Karst- phänomens. Wenn der Karst mit seinen Verwitterungsprodukten bedeckt ist, nennt man ihn „bedeckten Karst" (Ed. Richter). Hat aber die Verkarstung unter einer unlöslichen Gesteinsdecke stattgefunden, so spricht man mit Katzer vom „unterirdischen Karst". Letzteren bezeichnet Lozinski (47 S. 708) als „Kryptokarst", Gradmann als „subkutanen Karst". Beide Arten lassen sich jedoch nicht immer scharf trennen ; denn sie gehen ineinander über. Sämtliche Karsterscheinungen des Gipskeupers müssen dem unterirdischen Karst zugerechnet werden. Meist sind die Gipslager von Keupermergeln und deren Verwitterungsprodukten bedeckt, die normalerweise wenig Wasser durchlassen. Während der warmen Jahreszeit trocknet aber der zähe Mergelboden sehr stark aus und bekommt breite Risse und Sprünge, die nicht selten bis zu einem Meter in die Tiefe gehen. In Regenzeiten schließen sie sich langsam, nachdem sie vorher ungeheure Mengen Wasser verschluckt haben. Das eingedrungene Wasser beginnt dann in der Tiefe seine zerstörende und auflösende Tätigkeit. 83 Wie schon erwähnt, hat der Gips bei seiner Entstehung aus Anhydrit durch Wasseraufnahme gewaltige Volumzunahme und als deren Folge eine starke Zerklüftung erfahren. Ein Teil der beobachteten Klüfte ist allerdings auch tek- tonisch bedingt, wie aus ihrer Streichrichtung ersichtlich ist. Die Sprengklüfte haben einen unregelmäßigen Verlauf. Bald sind es klaffende Risse, bald haarfeine Spältchen, die sich oft rasch wieder im Gestein verlieren. Diese unregelmäßige Klüftung ist charakteristisch für Gipslager, die erst nachträglich aus Anhydrit entstanden sind und unterscheidet sich ganz wesentlich von den Klüften der Kalkgesteine. Sie ist auch von größter Bedeutung für die Bildung der Karst- formen ; denn die zahlreichen Klüfte im Gipsgestein liefern dem eindringenden Wasser große Angriffsflächen und Abflußbahnen. Durch die lösende Tätigkeit des Wassers erweitern sich die Spalten zu trichter-, sack- oder schlotförmigen Vertiefungen, die man als Orgeln bezeichnet (Fig. Nr. 5). Diese Orgeln laufen in der Regel nach unten spitz zu und endigen schließlich in Klüften, wenn sie nicht direkt auf horizontale Schichtfugengerinne stoßen. Ist in einem Gipsbruch das Hangende, bestehend aus Keupermergel und Verwitterungsrückständen, be- seitigt, so heben sich vom weißen Gipsgestein deutlich rundliche, dunkle Flecken ab. Es sind die noch zugeschütteten Orgeln, die mit Mergel und Verwitterungs- schutt erfüllt sind. Nach Entfernung des lockeren Ausfüllungsmaterials erscheinen die Orgeln als unregelmäßige Trichter oder Röhren im Gips. Unser Bild Fig. Nr. 6, das so lebhaft an die Karstlandschaft Istriens erinnert, stellt ein im Steinbruch Haberstroh- Windsheim freigelegtes Orgelfeld dar. Die obersten Ränder der Röhren sind mit vertikalen Rillen bedeckt, die als kleinste Lösungsformen anzusprechen sind. Die Wände sind verhältnismäßig glatt. Die weniger widerstandsfähigen und mehr tonigen Schichten sind stärker angegriffen und zeigen zahlreiche Löcher und Buckel. Ist der Wechsel zwischen weichen und härteren Schichten besonders stark, so sind die Wände der Röhren mit ringartigen Wülsten versehen. Manchmal zeigen die Röhrenwandungen auch stärkere Korrosionserscheinungen. Sie fühlen sich dann rauh an und werden stellenweise von kleinen, senkrecht verlaufenden Rinnen zerfurcht. Während oben jede feinere Skulptur bereits verwischt ist, sind die unteren Partien der Orgelwände überaus unregelmäßig zerfressen. Jeder einzelne von oben herab- sickernde Wassertropfen sucht sich seinen eigenen Weg. Dadurch entstehen zahl- reiche wirr durcheinander laufende Rillen und Löcher. Besonders wirksam wird die zerstörende Tätigkeit des Wassers, wenn die senkrechten Röhren mit hori- zontal verlaufenden Höhlensträngen zusammentreffen. Die starke Wasserführung dieser Hohlräume begünstigt die Korrosion in besonders starkem Maße und es entstehen Zacken, Durchbohrungen und allerlei andere zierliche Filigranformen. Die Orgeln sind überaus mannigfaltig nach Größe und Form. Die kleineren Röhren haben rundliche oder elliptische Öffnungen. Größere Röhren dagegen sind meist unregelmäßig und zweifellos durch Vereinigung mehrerer kleinerer Orgeln entstanden. Sie können bisweilen ganz beträchtliche Dimensionen an- nehmen. So beobachtete ich im Steinbruch Weid- Windsheim unter Steinmergel eine Riesenorgel mit einem Durchmesser von 5,30 m zu 2,50 m. Auch Tiefen bis 6* 84 zu 3 m sind nicht selten. Das Wachstum nach der Tiefe wird, wie ich mich wieder- holt überzeugen konnte, durch Steinmergel- und Mergelbänke, die als Zwischen- lagen auftreten, auf die Dauer nicht aufgehalten. Sobald die Aushöhlung unter- halb der trennenden Mergelbank größere Fortschritte gemacht hat, stürzt das schwerer lösliche Gestein in die Tiefe, und die beiden bisher getrennten Orgeln vereinigen sich zu einer einzigen. Wie erklärt sich nun die Ausfüllung der Gipsorgeln? Hoffmann (31) hält die Orgeln im Zechsteingebiet des Harzes für Karrenbildungen, die „im Diluvium durch lösende Tagewässer gebildet sind und deren Erhaltung wir nur der als- baldigen Bedeckung durch den diluvialen Lehm verdanken". Grewingk (25) sieht in den Orgeln des devonischen Gipses bei Riga Strudel- und Sickerwasserlöcher, die dem Schmelzwasser des Gletschereises ihre Entstehung verdanken und von diesem mit gelbem, geschiebeführendem Sand ausgefüllt wurden. Penck (52), der sich ebenfalls mit dem Karstphänomen des Harzes beschäftigte, unterscheidet zwischen Orgeln am Hang, die gleich nach der Entstehung von Gekriech zuge- schüttet wurden, und Säcken auf der Hochfläche, die sich unter einer Decke bildeten, die sofort nachsackte. Nach Haefke (27) sind sowohl die Orgeln des Harzes als auch die Säcke (zu- sammengewachsene Orgeln) der Hochfläche durch Nachsacken der Decken- schichten ausgefüllt worden. Meine Beobachtungen im fränkischen Gipskeuper lassen nur die eine Deutung zu, daß es sich hier um Nachsackungserscheinungen handelt. Bodengekriech und nachträgliche Einschwemmung scheiden aus. Die stehengebliebenen Gipsblöcke, welche die Steinbrecher „Hocker" nennen, sitzen im Gipskeupermergel. Wenn die Mergel durch Wasser eingeschwemmt worden wären, müßte die Schichtung in den Orgeln nahezu horizontal verlaufen. Dies ist aber nicht der Fall. Überall, wo Vertiefungen im Gipsgestein sich bemerkbar machen, schmiegen sich die darüberliegenden Mergelschiefer mit ihrer ganzen Schichtung denselben eng an. Über den Hockern, den Resten des einst zusammen- hängenden Gipsflözes, befinden sich die Mergel noch in horizontaler, ungestörter Lagerung. In den tiefen Orgeln aber ist das nachgesackte Deckengestein ver- bogen und teilweise zerrissen und zeigt eine auffallende Steilstellung. Noch merk- würdiger werden die Verhältnisse, wenn der Gips durch Auslaugung vollständig entfernt ist. Dann setzt sich das Deckengestein an die Stelle des aufgelösten Gipses, ist aber so unregelmäßig hin- und hergebogen, daß man an eine Faltung, hervorgerufen durch quellenden Gips, oder an subaquatische Rutschungen den- ken könnte (Fig. Nr. 7, aufgenommen in einem Steinbruch bei Hellmitzheim). Daß eine Aufquellung nicht stattgefunden hat, beweist die horizontale Lagerung der Mergel an jenen Stellen des Bruches, woselbst der Gips noch unverändert zwischen Mergelbänken eingebettet liegt und keinerlei Auslaugung erfahren hat. Es besteht somit kein Zweifel, daß lediglich durch langsames Nachsacken der Deckschichten die auffällige Lagerung der Mergel verursacht wurde. Diese Nachsackungserscheinungen beweisen einwandfrei, daß die Orgeln unter einer zusammenhängenden Decke von Keupermergeln sich bildeten. Die Orgel- felder stellen keine fossilen Landoberflächen dar, die mit Verwitterungsschutt 85 zugedeckt wurden, sondern sind eine Bildung des sogenannten Kryptokarstes oder unterirdischen Karstes, der erst dann zutage tritt, wenn er durch Menschen- hand seiner Decke beraubt wird. Trotz ihrer subterranen Entstehung gehören die Orgelfelder den Karrenformen an; sie sind weiter nichts als unterirdische Karrenoberflächen . Wie schon erwähnt, setzt sich das Ausfüllungsmaterial der Orgeln in der Haupt- sache aus Mergeln zusammen, die durch Beimengung zahlreicher Humusstoffe eine tiefschwarze Färbung annehmen. Sind die hangenden Mergelschichten nur von geringer Mächtigkeit, so besteht die Ausfüllung teilweise auch aus Ackererde. Die Orgelbildung ist auch heute noch nicht zum Stillstand gekommen. In den stehengebliebenen Gipsblöcken werden durch die auflösende Tätigkeit des Was- sers neue Vertiefungen, Näpfe und Röhren angelegt, bis schließlich nur noch schwache Pfeiler die zahlreichen Orgeln trennen. Zuletzt fallen auch diese tren- nenden Pfeiler; die Röhren wachsen zusammen und bilden ganz große Säcke, von den Steinbrucharbeitern ,, Erdlöcher" genannt. Solch große Hohlformen konnten besonders schön im Steinbruch Haberstroh beobachtet werden. Des öfteren hatten sie nachstehende Form: /*"-"\__ Man s * ent deutlich, wie die kleineren Röhren von den grö- f..' Ss \ ßeren angeschnitten werden und wie sie miteinander verwach- l / \ sen. Meist sind die Verwachsungsstellen durch Abrundung V J undeutlich gewor- den, doch sind zuweilen zwischen zwei vereinigten Orgeln auch noch kleine scharfkantige Vorsprünge vorhanden. Ganz große Hohlformen rufen schließlich an der Oberfläche der Landschaft gewisse Veränderungen hervor, weil das nachsackende Material der Deckschichten die Hohlformen nicht mehr ganz auszufüllen vermag. So entstehen Mulden und Schüsseln, dolinenartige Gebilde, die in der Landschaft wegen der geringen Mächtigkeit der Gipslager allerdings weniger auffallen als die Dolinen der Kalk- gebirge. Dohnen können auf zweierlei Weise entstehen, entweder durch allmähliche Auflösung des Tiefengesteins und gleichzeitiges Nachrutschen der hangenden Schichten oder durch plötzlichen Einsturz unterirdischer Hohlräume. Man spricht deshalb von Lösungsdolinen und Einsturzdolinen. Für die meisten Dolinen im Kalk wird heute die Einsturztheorie, die in Tietze ihren eifrigsten Vertreter hatte, abgelehnt. Dagegen bekennt man sich zur Ansicht Cujvics, der die über- wiegende Mehrzahl der Kalkdolinen der Auslaugungstätigkeit des atmosphäri- schen Wassers zuschreibt und sie als Oberflächenerscheinungen betrachtet. Unter den Begriff Lösungsdolinen fallen auch die bisher beschriebenen mulden- förmigen Vertiefungen im Grundgips des Gipskeupers. Im Gipskarst kommen aber auch nicht selten echte Einsturzdolinen oder Erdfälle vor. Meyn bezweifelte die Möglichkeit solcher Erdfälle in Gipsgebieten, weil seiner Auffassung nach (48) die massige Natur des Gipses, die unregelmäßige Zerklüftung, sowie die weiche und zähe Beschaffenheit des Gesteins keinen Einsturz zulasse. Sollte sich wirklich einmal ein Einsturz ereignen, so könnte er sich nicht bis an die Oberfläche fort- setzen. Die neuere Forschung hat jedoch durch einwandfreie Beobachtungen 86 festgestellt, daß tatsächlich im Gips des öfteren Deckeneinstürze unterirdischer Hohlräume erfolgen, die zur Bildung von Erdfällen führen. Auch im Grundgips des Windsheimer Gebietes kommen gar nicht selten solche Einstürze mitten in der Ackerflur vor. Sogar Unglücksfälle haben sich dabei nach den Schilderungen der Grundstücksbesitzer zugetragen, indem Tiergespanne während des Pflügens mit in die Tiefe gerissen wurden. Die Erdfälle ereignen sich besonders häufig in der Gegend zwischen Nordheim und Herbolzheim. Unterirdische Wasserstränge haben dort ein ziemlich großes Gebiet durch Auflösung des Gipses unterhöhlt. In der Landschaft zeigen sich eigentümliche Mulden, die nur auf Einsturz unter- irdischer Hohlräume zurückgeführt werden können. Die meisten Erdfälle mögen schon vor mehreren Jahrzehnten, ja vielleicht Jahrhunderten entstanden sein. Im Laufe der Zeit wurden sie wieder mit Schutt erfüllt, so daß nur noch kleine, flache Vertiefungen übrig geblieben sind. Im Jahre 1924 bildete sich in einem Acker bei Nordheim ganz plötzlich ein neuer Erdfall. Sein Umriß war fast kreis- rund, der Durchmesser betrug zirka 5 m, die Tiefe zirka 3 m. Das Profil zeigte oben Ackererde, dann tiefgründigen Verwitterungsboden, aus welchem Gips- felsen hervorragten. Der Schuttkegel war ebenfalls fast kreisrund, nach allen Seiten gleichmäßig abfallend und rings mit Wasser umgeben. Nach Lozinski (47 S. 717) ist die Form eines Erdfalls abhängig von der Mächtigkeit der darüber- lagernden Lehm- oder Schuttdecke. Wenn das Lehmmaterial den ganzen Erd- fall nicht auszukleiden vermag, so ist die Form assymetrisch, indem auf der einen Seite der entblößte Gips sehr steil oder senkrecht abfällt, auf der anderen dagegen der nachsinkende Lehm eine mäßig steile Neigung annimmt. Eine stär- kere Lehmdecke hat nach demselben Autor einen kreisrunden Umriß und eine regelmäßige Trichterform zur Folge. . . . ,,Da der Lehm in der Regel eine gleich- mäßig lockere Beschaffenheit besitzt, strebt er von allen Seiten der im Ge- wölbe des Hohlraums entstandenen Öffnung in demselben Maße zu und dadurch bildet sich auf der Lehmoberfläche ■ — genau wie in einer Sanduhr — eine trich- terförmige Bodensenkung." Der Nordheimer Erdfall gleicht keinem dieser beschriebenen morphologischen Typen. Trotz der geringen Schuttdecke hat er einen regelmäßigen Umriß. Das in die Tiefe gestürzte Material ist nicht trichterförmig, sondern kegelförmig an- gehäuft. Das dünne Gipsgestein, das die Last der Lehmdecke nicht mehr tragen konnte, ist an den Bruchstellen ringsum sichtbar. Beim Einsturz ist also die Gipsdecke des Hohlraums mit der Überlagerung gleichmäßig in die Tiefe ge- sunken. Der Erdfall stimmt vollständig überein mit einer Einsturzdoline, wie sie Knebel (39 S. 148) in seiner Höhlenkunde abgebildet hat. Vom Schuttkegel aus konnte man ein Stück weit in die unterirdischen Hohl- räume eindringen. Sie waren ziemlich hoch mit kristallklarem Wasser erfüllt, das keinerlei Fließbewegung erkennen ließ. In der Höhle ist offensichtlich der Grundwasserspiegel angeschnitten . Wenige Meter von obigem Erdfall entfernt zieht eine längere, flußartig ge- wundene Mulde durch das Gelände, ein blindes Tälchen ohne oberirdischen Wasserlauf. Dasselbe kann ebenfalls nur durch Einsturz unterirdischer Hohl- 87 räume entstanden sein. Es handelt sich dabei um eine Reihenanordnung mehrerer Erdfälle über einem unterirdischen Wasserstrang. Besonders auffallend sind die stehengebliebenen abgerundeten Kuppen, die wie große Maulwurfshügel aus der Mulde aufragen. Diese Gipshügel sind nicht bloß geologisch, sondern auch bo- tanisch interessant, weil hier das seltene Federgras Stipa pennata, ein Steppen- relikt, noch zahlreich vorkommt. Der neu entstandene große Erdfall ist heute nicht mehr zugänglich. Er ist zum Teil verfallen und wegen der Gefahr des Hineinstürzens vom Grundstück- besitzer mit Reisig zugedeckt und eingeplankt worden. Es wurden aber zwei andere Eingänge entdeckt, die bequemer das unterirdische Höhlensystem be- fahren lassen. Möglicherweise waren sie einmal zugleich die Austrittsstellen des Grundwassers in früheren Zeiten. Beim ersten Besuch der Höhlen konnte wegen des hohen Standes des Grundwassers nicht weit vorgedrungen werden. Beim zweiten und dritten Besuch jedoch waren infolge langandauernder Trockenheit die Wasserverhältnisse günstiger geworden. Der Wasserspiegel hatte sich be- deutend gesenkt, so daß es an einigen Stellen sogar möglich war, die Höhlen trockenen Fußes zu begehen. Dabei konnte auch eine genauere Durchforschung der Hohlräume vorgenommen werden. Sie sind durchschnittlich nicht ganz 2 m hoch und ihr Verlauf (Hauptrichtungen: W-O, ferner NW-SO; im westlichen Teile der Höhle häufig NO-SW) läßt deutlich erkennen, daß sie auf mehrere tektonische Spalten zurückzuführen sind. Hinsichtlich ihrer Entstehung weichen sie von den bisher bekannt gewordenen wasserführenden Gipshöhlen des Harzes stark ab. Diese letzteren sind fast sämtlich durch unterirdische Flüsse gebildet. Nur die berühmten Mansfelder Schlotten, die erst durch Bergbau in großer Tiefe (zirka 600 m) erschlossen wurden, können nicht durch Flußläufe ausgewaschen sein. Freiesleben (17), der sich eingehend mit diesen Karsterscheinungen im Harz beschäftigt hat, kommt zu dem Schluß, daß die Mansfelder Schlotten durch Auslaugung der im Gips eingeschlossenen Salznester entstanden sein müssen. Penck (52 S. 183) vertritt die Anschauung, daß diese Tiefenhöhlen durch wenig bewegtes, zusammenhängendes Karstwasser infolge Auflösung des Gipses ge- bildet wurden. Auch die vielbesuchte, nur wenige Meter unter dem Talniveau liegende Barbarossahöhle am Fuße des Kyffhäuser, die ebenfalls erst durch Bergbau erschlossen wurde, soll nach Penck auf die gleiche Weise entstanden sein. Dies bestreitet Haefke (27 S. 121), der sämtliche Höhlen, die ans Talniveau gebunden sind, nicht mehr als Karstwasserhöhlen gelten läßt. Nach ihm ist die Barbarossahöhle ebenso wie die anderen Gipshöhlen des Harzes eine Flußwasser- höhle. In den Nordheimer Schlotten wurde, wie bereits erwähnt, kein fließendes Wasser angetroffen, obwohl die Hohlräume ganz nahe an die Oberfläche heran- reichen. Hier haben wir es mit Grundwasser in gewöhnlichem Sinne zu tun. Dieses Grundwasser erfüllt das ganze Gipskeupergebiet in zusammenhängender Weise. Seine Höhenlage, Strömungsrichtung und Strömungsgeschwindigkeit ist wie überall so auch hier von der lokalen Austrittsstelle abhängig (Ehequellen bei Krautostheim). Es erstreckt sich auch durch die infolge ihrer starken Zer- 88 klüftung und Schichtung wasserdurchlässigen Gipsflöze. Im Niveau des Grund- wasserspiegels und seiner negativen und positiven Schwankungswerte findet die relativ stärkste Zirkulation statt. Gleichzeitig erfolgt hier auch stärkste Auflö- sung. Das gewissermaßen in den Grundwasserspiegel hereinhängende, gering- mächtige Gipsflöz bildet naturgemäß seichtesten Karst. Von einer Flußwasser- höhle könnte man sprechen, wenn das Wasser geschlossen als Bach den Gips je- mals passiert hätte. Das war aber niemals der Fall. Die labyrinthartigen Ver- zweigungen der Gänge lassen deutlich genug erkennen, daß eine langsame Lösung und Auslaugung durch Grundwasser an sämtlichen Kluftfugen des Gipsgesteins stattgefunden haben muß. Flußhöhlen folgen immer einem Hauptspaltenzug. Die Nebenspalten werden gewöhnlich vom fließenden Wasser nicht zur Zirku- lation benützt. Wenn eine Ausweitung derselben erfolgt, so kann sie nur auf die lösende Tätigkeit des Grundwassers zurückgeführt werden. Wir kommen nun zu den Lösungserscheinungen, die das Grundwasser in den Schlotten schuf. Die unterirdischen Gänge zeigen oft schön gerundete Formen, die künstlich hergestellte Stollen vortäuschen. Wo mehrere solche Stränge zu- sammenlaufen, stehen Pfeiler, wie von Menschenhand gemeißelt. Man glaubt in einem unterirdischen Klosterkreuzgang sich zu befinden. Wände, Pfeiler und Decken sind mit den prächtigsten Korrosionsformen bedeckt. Nirgends aber zeigt sich der erodierende Einfluß fließenden Wassers. Die schalenförmigen Aus- nagungen an den Wänden und die rundlichen Näpfchen an der Decke bilden Formen von wundervoller Reinheit. Die Lösungsformen an der Decke verraten uns, daß das Wasser bei sehr hohem Stand den Höhlenstrang vollständig er- füllt. An manchen Stellen sind Einstürze erfolgt und die Gänge haben dadurch eine wesentliche Verbreiterung erfahren. Die aus dem Wasser ragenden Gesteins- trümmer tragen ebenfalls die Spuren der Korrosion. Auf der Oberfläche sind sie flächenhaft angeätzt; die Unterseite dagegen weist wieder mehr oder weniger tiefe Näpfchen auf. Den Höhlenboden bedeckt eine tiefe Lehmschicht, die zum Teil von den tonigen Verwitterungsrückständen des Gipses gebildet wird, zum Teil aber auch Deckeneinstürzen und geologischen Orgeln, die in die unter- irdischen Hohlräume einmünden, ihre Entstehung verdankt. Der Wasserstand ist starken Schwankungen unterworfen. Zu Zeiten starker Wasserführung füllt das Wasser den ganzen Hohlraum aus, wie die bereits beschriebenen Korrosions- formen an der Decke beweisen. In trockenen Perioden fällt der Wasserspiegel beträchtlich. Diese Schwankungen bilden m. E. eine Hauptursache der Decken- einstürze. Solange das Wasser die Höhle vollständig ausfüllt, wird die Decke von den Wassermassen getragen und kann wegen des allseitig wirkenden Druckes kein Einsturz erfolgen. Wenn aber das Wasser sinkt und der Druck nach oben aufhört, kann infolge starker Belastung oder Erschütterung der Oberfläche die Decke zu Bruch gehen, namentlich wenn Sprünge und Risse im Gestein den Zusammenhang der Schichten bereits gelockert haben. Etwa 1 km von unseren Höhlen entfernt befinden sich drei starke Quellen, deren Abfluß die Ehe bilden. Es sind klare Quelltöpfe von fast kreisrunder Form mit steil abfallenden Rändern und beträchtlicher Tiefe (1 Lotung ergab 2,20 m). 89 Ihre Gestaltung verdanken die Quelltöpfe der lösenden Tätigkeit des ausflie- ßenden Wassers. Nach Form, Lage und Wasserspende handelt es sich um typische Karstquellen. Daß eine Verbindung mit unterirdischen Hohlräumen besteht, läßt sich deutlich an einigen seitlichen Löchern erkennen. Wahrscheinlich sind diese Quelltöpfe die Austrittsstellen des Grundwassers unseres Höhlensystems. Doch muß erst durch Färbungs- oder Salzungsversuche noch nachgewiesen werden, ob unsere Vermutung richtig ist. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß ähnliche Höhlenbildungen, wie sie der Karst des Gipskeupers zeigt, auch von Penck am Priesterstein im südlichen Harz beobachtet wurden. Die dortigen Höhlen liegen etwas tiefer unter der Erdober- fläche (zirka 15 m), haben aber keine so große Ausdehnung. Penck (52) führt sie ebenfalls auf Auslaugung durch Grundwasser zurück im Gegensatz zu Haefke (27), der ihnen den Charakter von Karstwasserhöhlen abspricht, weil seiner Meinung nach alle ans Talniveau gebundenen Höhlen als Flußwasser- höhlen angesehen werden müssen. Erosions- und Lösungserscheinungen in Schichtfugen Zu den auffallendsten Kleinformen der Verkarstung gehören die Erosions- und Korrosionserscheinungen in den Schichtfugen. Die bereits beschriebenen Orgeln und Klüfte münden in horizontale Hohlräume des Gipses ein. Es sind dies die erweiterten Schichtfugen der Gipsflöze, zugleich die Abfuhrbahnen des durch die Orgeln und Vertikalklüfte eingedrungenen Sickerwassers. Sohle und Decke der Schichtfugen sind oft nur wenige cm voneinander entfernt; doch können auch Fugen bis zu 20 cm Höhe und darüber beobachtet werden. Das durchströmende Wasser hat in diesen Schichtfugen sowohl auf der Sohle als namentlich auch an der Decke eine Menge der schönsten Reliefbildungen ge- schaffen, die im nachfolgenden beschrieben werden sollen. Wir beobachten Rillen, Grate, Wirbelbildungen, Bohrungen, Überschneidungen, Verwischungen von Rillen neben besonders stark ausgeprägten Vertiefungen, Vereinigung zweier Systeme von Rillen, Grübchen und anderes mehr. Diese interessanten Karstformen scheinen bisher noch wenig Beachtung ge- funden zu haben; denn ich konnte in der Literatur hierüber nichts finden. Wohl beschreibt Goldschmidt (24) ähnliche Figuren an den Küstensteinen aus kohlensaurem Kalk von Lovrana in Istrien, aber diese verdanken ihre Ent- stehung der erodierenden und lösenden Tätigkeit des bewegten Meereswassers und nicht unterirdischen Wasserläufen. Es fehlen darum die prächtigen Erosions- und Lösungserscheinungen, die sich nur an Höhlendecken bilden können, wenn die Hohlräume vollständig mit Wasser erfüllt sind. Das Sickerwasser, das durch die Klüfte und Orgeln des Gipses eindringt, trifft auf die Schichtfugen. Dieselben laufen meist nicht horizontal, sondern sind etwas geneigt und infolge der Auf- quellung des Gesteins bei der Umwandlung des Anhydrits in Gips wellenförmig gebogen. In den engsten Schichtfugen arbeitet das lösende Wasser infolge der Adhäsion nur flächenhaft ; es greift sowohl die Decke als auch die Sohle in gleicher 90 Weise an, vergrößert die Schichtfugen und gleicht kleine Unebenheiten aus. So- bald die Fugen etwas erweitert sind, gerät das Sickerwasser in eine langsame Fließbewegung. Die erodierende Tätigkeit des fließenden Wassers setzt ein und arbeitet zahlreiche parallellaufende Vertiefungen (Rillen) und Erhöhungen (Grate) heraus, eine Form, die wir als Rillenform bezeichnen möchten. Die Rillen können wir besonders schön und rein an der Decke beobachten. Bei der Bildung der Erosionsrinnen spielt die Härte des Gesteins eine große Rolle. Weiche Stellen fallen leichter der Zerstörung anheim als härtere und werden darum stärker aus- genagt. Letztere leisten dem Angriff des erodierenden Wassers länger Widerstand und verursachen wohl auch die Richtungsänderung der Rillen. Wenn mehrere Gerinne zusammenstoßen, bilden sich Wirbel und Strudel, die ganz eigenartige Erosionsformen herausmodellieren. Fig. Nr. 8 zeigt solche Wirbelformen. An der Grenzlinie der Strömungen erfolgt eine Stauung und Ablenkung des Wassers ; es bilden sich daher Grate. Treffen sich zwei Ströme in einem spitzen Winkel, so bleibt nicht selten vor der Vereinigung ein erhöhtes Stück stehen, das in eine zungenförmige Kante ausläuft. Goldschmidt (24) bezeichnet dieselbe Randlinie (Fig. Nr. 9). Solange die Ströme getrennt fließen, bildet jeder seine eigenen Rillen. Sofort nach der Vereinigung suchen sie sich gegenseitig zu beeinflussen. Der stärkere Strom trägt den Sieg davon und verwischt die Erosionsformen des schwächeren oder zerstört sie auch ganz. In größeren Schichtfugen finden, her- vorgerufen durch die fortdauernde Tieferlegung der unterirdischen Gerinne, fort- währende Verlagerungen, Überschneidungen und Verwischungen der Rillen statt (Fig. Nr. 10). An der Decke erscheinen immer noch die schon erwähnten Rillen und Grate. Je größer die Fugen werden, um so ausgeglichener werden sie und desto langsamer fließt auch das Wasser, so daß schließlich gar keine Fließbewe- gung mehr zu beobachten ist. Die Erosion hört fast ganz auf; das stagnierende Wasser aber setzt seine lösende Tätigkeit fort. Die alten Rillen werden verwischt und zerstört, es bleiben kleine pilzförmige Inselchen stehen (Fig. Nr. 10 rechte Ecke). Bei fortschreitender Zerstörung lösen sich auch diese Inselflächen auf und es entstehen auf den Gipstafeln ähnliche Miniaturgebirge, wie sie Goldschmidt (24) an seinen bereits erwähnten Küstensteinen beschreibt. Werden durch reiche Niederschläge oder durch Verstopfung einzelner Abzugs- bahnen die großen Schichtfugen ganz mit Wasser erfüllt, so erscheinen neue Lö- sungsformen an der Decke. Die früher durch Erosion gebildeten Rillen lösen sich auf in rundliche oder eckige Grübchen. Nicht selten bilden sie unregelmäßige Sechsecke, die etwas an Bienenwaben erinnern. An der Decke größerer Hohlräume zeigen sich ferner Verwitterungserschei- nungen, die zum Teil auf die Wirkungen des Tropfwassers zurückgeführt werden müssen. Das aufgelöste Material wird mit dem fallenden Wassertropfen weg- geführt. Es bleiben an der Decke wiederum kleine teils unregelmäßige geformte Inselchen, teils pilzförmige Hervorragungen stehen, die von einer aufgerauhten Zone umgeben sind. Während nämlich alle Erosions- und Korrosionsformen glatte Oberflächen besitzen, sind die Bildungen, die durch Tropfwasser geschaffen werden, rauh und körnig. 91 Wie aus vorstehenden Ausführungen ersichtlich ist, läßt sich eine gewisse Abhän- gigkeit der Erosions- und Lösungsformen von derWeite der Schichtfugen feststellen . Die schönsten und reinsten Formen erscheinen stets an der Decke. Auf der Sohle des Hohlraums sammeln sich stellenweise die Lösungsrückstände des Gipses, die mergeligen Beimengungen und die vom Wasser mitgeführten Ver- unreinigungen und bilden eine Schutzschicht für die darunter liegenden Lösungs- formen des Gipses. Nicht selten sind die Rillen der Bodenplatten mit neu ausgeschiedenen Gips- kristallen ausgefüllt. Diese letzteren verdanken ihre Entstehung einer Konzen- tration des Sickerwassers. Teilsweise sind die Kristalle bereits wieder zerstört oder nur noch durch kleine Reste angedeutet. Dies läßt darauf schließen, daß zu Zeiten starker Wasserführung eine Wiederauflösung erfolgte. Die obersten Schichtfugen sind namentlich dort, wo Orgeln einmünden, mit ,, Gipsasche" (Verwitterungsrückstände des Gipses) und humusreichem, schwar- zem Ton erfüllt. Diese Stoffe können nur durch die Orgeln eingedrungen und vom Sickerwasser in die Tiefe geführt worden sein. Auch kompakte Gipsmassen, die aufweite Strecken hin keine Orgel aufweisen, enthalten mitunter derartige Ein- schwemmungen. Dies ist besonders schön zu sehen in einem Gipsbruch bei Hell- mitzheim (Profil VIII). Dort tritt mehrere Meter unter der Ackererde in einer Gipswand plötzlich eine Schichtfuge (23 cm hoch) auf, die ganz mit tiefschwarz gefärbtem Ton und „Gipsaschestreifen" erfüllt ist. Auch hier läßt sich einwand- frei nachweisen, daß das Ausfüllungsmaterial durch eine allerdings sehr weit entfernte Orgel eingeschwemmt worden ist. Oft zeigt sich in den Schichtfugen eine Wechsellagerung von breiten „Schwarz - erde"bändern und schmalen auskeilenden Streifen von gelblichweißer „Gips- asche". Diese Bildung beruht wohl auf jahreszeitlichen Schwankungen der Was- serführung. Die starken Niederschläge der nassen Jahreszeit führten feinste Tonteilchen als Wassertrübe in die unterirdischen Gerinne, während in den trockenen Zeiten durch Gipsverwitterung eine Ansammlung von „Gipsasche" stattfand, die später an manchen Stellen zusammengeschwemmt wurde, so daß sie sich als weißes Band über die schwarzen Tone legte. Zuweilen treten auch in ungeschichteten Mergellagen schwarze Tonbänder auf. Sie keilen öfter aus, erscheinen jedoch immer wieder in der gleichen Höhe und bilden an manchen Stellen umgekehrt trichterförmige Verlängerungen nach oben (Fig. Nr. 12). Diese schwarzen Bänder sind die Ausfüllungen ehemaliger Schichtfugen, die trichterförmigen Gebilde hingegen, die Ausfüllung kleiner Hohlräume zwischen Gipshockern und nachgesackten Mergeln. Durch die fortschreitende Verwitterung sind später auch die letzten Hocker verschwunden und an ihre Stelle die nach- gesackten Mergel getreten. Die Unterbrechungen sind darauf zurückzuführen, daß die unterirdischen Gerinne nicht in schnurgerader Richtung verliefen, son- dern wie ein oberirdischer Bach zahlreiche kleine Krümmungen im Gipsgestein machen mußten. Im Steinbruch wird daher nicht das ganze Gerinne freigelegt, sondern nur einzelne Teile desselben. 92 Die eingeschwemmten schwarzen Tonbänder aber haben sich als die Ausfüllung einstiger Hohlräume im Gips erhalten und sind so die Zeugen der ehemaligen Schichtfugengerinne. Die umgekehrten schwarzen Trichter im Mergel sind somit als Randklüfte zu bezeichnen. Die nachfolgende Skizze, die im Steinbruch Weid aufgenommen wurde, mag ihre Entstehung veranschaulichen. Erklärungen: 1 = Gips, 2 = Nachgesackte Mergel, 3 = Humifizierte Mer- gel („Schwarzerde"). Schwarzerdeähnliche Bildungen im Gipskeuper Eine besonders auffällige Erscheinung im Bereiche des Gipskeupers unseres Untersuchungsgebietes sind die an manchen Stellen auftretenden tiefschwarzen Böden. Merkwürdigerweise werden sie in der Literatur kaum erwähnt. Nur Schuster (76) kommt darauf zu sprechen. Er bezeichnet diese Bildung als schwar- zen Lehm, der aus Mergelschiefern entstanden sei, und bemerkt darüber in einer Fußnote (S.49): ,,Die Ursache der tiefen Schwarzfärbung der Mergelschiefer über von Wasser angegriffenen Gipslagern ist noch nicht bekannt. Der schwarze Boden, der offenbar nicht humos ist, ist für Gips im Untergrund geradezu bezeichnend." Wie ich mich überzeugen konnte, bildet dieser schwarze Boden über Gips keine zusammenhängende Decke. Wir finden ihn nur in Vertiefungen und Mulden, in geologischen Orgeln sowie in Erdfällen. Die Farbe schwankt zwischen tief- schwarz und grau. In gut aufgeschlossenen Profilen sieht man deutlich eine Ab- nahme der Schwarzfärbung nach unten zu. Nach oben geht der schwarze Boden allmählich in Ackererde über. Seine Struktur ist verschieden, bald bröckelig, bald prismatisch. Die oberen Schichten zerbröckeln leichter als die unteren, was wohl auf die weiter fortgeschrittene Verwitterung zurückzuführen ist. In der Hauptsache besteht die schwarze Erde aus Ton. Beim Schlämmen finden sich kleinere Mengen von Quarz, sowie Zirkon und Anatas, also Mineralien die auch im Keupermergel angetroffen werden. Ferner sind vorhanden kleine Kalkkonkretionen und Gipskristalle. Durchzogen ist der schwarze Boden von Wurzelfasern. Im Steinbruch bei Hellmitzheim konnte ich folgendes Profil aufnehmen: 1 . Ackerboden .... 1 ,20 m 2. Tiefschwarzer Ton . 0,40 m 3. Rotbraune Tonlage . 0—0,05 m 4. Weniger dunkler Ton 1 ,60 m Liegendes: Keupermergel. 93 An anderen Stellen erreicht die Mächtigkeit der schwarzen Tone sogar 3 — 4 m. Um festzustellen, ob der schwarze Boden wirklich nicht humos ist, wie Schuster glaubt, habe ich ihn eingehend chemisch untersucht. Er bildet festgefügte Brocken, die selbst beim Kochen und bei der Behandlung mit Wasserstoffsuper- oxyd nicht in ihre feinsten Bestandteile zerfallen wollen. Eine Probe wurde der trockenen Destillation unterworfen. Dabei ergab sich ein Destillat, das in der Hauptsache aus Wasser bestand, aber auch organische Stoffe enthielt. Dieselben verbreiteten einen durchdringenden naphtalinähnlichen Geruch und zeigten alkalische Reaktion. Weitere Proben wurden mit Kalilauge behandelt. Es stellte sich geringe Braun- färbung ein, die in ihrer Stärke wieder je nach der Färbung des untersuchten Materials wechselte. Im angesäuerten Filtrat erfolgte nach längerem Stehen eine Ausflockung der in Lösung gegangenen Humussäuren. Bei der Behandlung mit Ammoniak trat keine Verfärbung ein, Schwefelsäure färbte sich je nach dem wechselnden Humusgehalt mehr oder weniger schwarz. Noch deutlicher waren die Reaktionen, wenn die zu untersuchenden Boden- proben vorher durch Salzsäure von karbonatischen Bestandteilen befreit und dann bis zum Verschwinden der Chloridreaktion mit Wasser ausgewaschen worden waren. Nun ergab eine Behandlung mit Kalilauge eine viel stärkere Braunfärbung der Lauge als vorher. Auch durch Ammoniak konnte ein stark dunkelgefärbtes Filtrat gewonnen werden. In beiden Fällen wurde durch Ansäuern mit Salzsäure Ausflockung der Humusstoffe hervorgerufen. Das Ausziehen der Humusstoffe mit Ammoniak konnte so lange fortgesetzt werden, bis das Material eine graugrüne Färbung (ähnlich dem Mergelboden, aus dem es durch Verwitterung entstanden ist) zeigte. Es besteht also kein Zweifel, daß die Färbung der schwarzen Böden auf Humus- stoffe zurückzuführen ist. Vielleicht hätte sich auf dem beschriebenen Wege auch eine quantitative Bestimmung des Humusgehaltes ermöglichen lassen (Methode Grandeau). Auf ihre Anwendung wurde verzichtet, weil sie allzu große Fehler- quellen in sich birgt. Ein Teil der Humusstoffe geht nämlich mit den Karbo- naten und Sesquioxyden gleichzeitig in Lösung, so daß die Bestimmung un- genau wird. Das Verhalten der mit Salzsäure vorbehandelten Bodenproben gegenüber Ammoniak läßt deutlich erkennen, daß die dunkle Färbung nur auf beigemengte organische Stoffe zurückgeführt werden kann. Eine rein mineralische Dunkel- färbung durch Manganverbindungen kommt nicht in Betracht; denn die che- mische Analyse ließ nur Spuren von Mangan erkennen. Die Versuche, die mit karbonatfreien Proben durchgeführt wurden, zeigen, daß die Humusstoffe an Karbonate, besonders an kohlensauren Kalk, gebunden sind, daß demnach Kalk- humate vorliegen. Adsorptiv nicht gebunden sind nur verhältnismäßig kleine Mengen von Humus- stoffen, wie die leichte Braunfärbung der Kalilauge durch lufttrockene Boden- proben beweist. Die chemische Analyse hatte folgendes Ergebnis: 94 Gewicht % I II CaO . . . . MgO. . . . Fe 2 3 . . . A1A . . . Mn 3 4 . . . S0 3 . . . . Lösliche Si0 2 Unlöslich . . Glühverlust . 2,57 4,10 4,79 9,86 0,77 Spur 0,28 62,86 13,94 1,61 0,93 3,98 3,61 0,43 Spur 0,32 80,46 8,19 III 1,48 2,59 4,77 7,52 0,56 75,69 7,37 I II III CaC0 3 CaS0 4 -2H 2 MgC0 3 Fe 2 3 ai 2 o 3 Mn 3 4 Lösliche Si0 2 Unlöslich Organische Substanz n. Knop H 2 4,58 Spur 8,61 4,79 9,86 0,77 0,28 62,86 3,28 4,14 2,97 Spur 1,95 3,98 3,61 0,43 0,32 80,46 1,47 4.44 2,64 5,43 4,77 7,52 0,56 75,69 1,21 2,16 IV 2,33 3,45 3,30 10,42 Spur 0,14 68,96 10,66 99,17% 99,53% 99,98% 99,26% Umrechnung IV 4,00 0,29 7,24 3,30 10,42 Spur 68,96 1,09 3,96 99,17% 99,53°/ 99,98% 99,26% Nr. I : Von Hellmitzheim (bröckelig körnig; tiefschwarz). Nr. II: Von HeHmitzheim aus ca. 3 m Tiefe (prismatisch). Nr. III: Von Hellmitzheim aus obigem Profil Nr. 2 (klumpig). Nr. IV: Von Gebsattel bei Rothenburg (körnig; tiefschwarz). Wie läßt sich nun die Bildung dieser „Schwarzerde" im Gipskeuper erklären? Auffallend ist zunächst die Tatsache, daß alle schwarzen, humushaltigen Böden nur in muldenförmigen Vertiefungen angetroffen werden. Diese Er- scheinung läßt vermuten, daß bei ihrer Bildung das Wasser eine hervorragende Rolle gespielt haben muß. Eine Anreicherung mit Humusstoffen ist nur mög- lich, wenn die Zersetzung der abgestorbenen Pflanzenreste langsam und un- vollständig vor sich geht. Die Erfahrung lehrt, daß bei Trockenheit eine so rasche Zersetzung der Pflanzenreste erfolgt, daß nur ganz geringe Mengen von Humus übrigbleiben. Nur unter Wasser und unter teilweisem Luftabschluß können sich größere Mengen von Humusstoffen bilden, so daß eine Humifizie- rung des unterlagernden Gesteines erfolgen kann. 95 Daß im Windsheimer Gau einst große Wasseransammlungen (Seen) vor- handen waren, beweist das Auftreten der Seekreide, die im folgenden Kapitel zu behandeln ist. Auch der Grundwasserspiegel muß ehedem ein höheres Niveau eingenommen haben, wie die bereits besprochenen Karsterscheinungen in den Schichtfugen der Gipslager beweisen dürften. Ein Steigen des Grundwassers in Zeiten reicherer Niederschläge setzte wohl auch die unteren Teile der geologi- schen Orgeln, die mit den Schichtfugen in Verbindung standen, unter Wasser. Es bildeten sich tiefe Wasserlöcher im Gips, in denen sich Humusstoffe an- sammelten, die dann die Humifizierung der Ausfüllungsprodukte (verwitterte Keupermergel) herbeiführten. In tieferen Lagen des Gipskeupers trifft man heute noch derartige Wasserlöcher gar nicht selten an. In kleinen Bodenver- tiefungen der Keupermergel bildeten sich sumpfige Stellen, in denen ebenfalls die Humifizierung der Unterlage erfolgen konnte. Die schwarzerdeähnlichen Bildungen des Gipskeupers sind nicht auf Gips allein beschränkt. Ganz ähnliche Ablagerungen treten über Seekreide auf und zwar in noch viel größerem Maßstabe. Hier dürfte es sich wohl um fossilen Faulschlamm (Sapropel, Detritusgyttja, Lebermudde) handeln, der sich im Postglazial bildete, nachdem die Seekreideablagerung zum Abschluß gekommen und bereits eine Verflachung der Seen eingetreten war. Der Faulschlamm leitete die allmähliche Verlandung der Seen ein, die heute sämtlich verschwunden sind. Zur Bildung von größeren Flachmooren scheint es nicht mehr gekommen zu sein, wenn auch vereinzelt Ansätze hierzu vorhanden sind, die sich durch kleine Torfeinstreuungen im Boden verraten. Im folgenden gebe ich die Analyse eines Faulschlammbodens über Seekreide von Nordheim: Gewicht % CaO. MgO Fe 2 3 A1 2 3 4,26 3,58 5,66 9,67 Mn 3 4 0,25 S0 3 Spur Unlöslich 56,35 Glühverlust 19,62 Umrechnung CaC0 3 7,60 CaS0 4 - 2H 2 Spur MgC0 3 7,51 5,66 9,67 0,25 Fe 2 3 A1 2 3 Mn 3 4 99,39% Unlöslich 56,35 Organische Substanz (Elementaranalyse) . . . 4,00 8,35 H 2 99,39% Die Umsetzung der organischen Reste erfolgte in allen Fällen meist unter vollständiger Zerstörung der Struktur. Nur manchmal fanden sich kleinere oder größere Stückchen verkohlter Pflanzenteile. Das Bodenprofil im Hellmitz- heimer Bruch zeigt eine dünne Schicht von rotbrauner Färbung mit zahlreichen eingeschlossenen Kohlenresten. 96 In welche Zeit die Entstehung der schwarzen, humosen Böden fällt, läßt sich nur vermuten. Es wird wohl eine Periode mit reichen Niederschlägen gewesen sein. Als solche kommt nur die sogenannte „Atlantische Zeit" 1 des Post- glazials in Betracht. Die Bildung schwarzerdeähnlicher Böden hörte auf, als ein Klimawechsel eintrat, der die „Subboreale Zeit" 1 (trockene Steppenzeit) einleitete. Unter den heutigen klimatischen Verhältnissen bildet sich im frän- kischen Gipskeuper wohl keine „Schwarzerde" mehr. Schwarzerde findet sich in Deutschland an vielen Orten, immer aber ist das Vorkommen an Niederungen gebunden. Es seien nur einige Fundstellen erwähnt. Stadler (82) beschreibt Schwarzerde aus der Passauer Gegend. Diese Schwarz- erde ist humifizierter Löß, der unter dem Einfluß stagnierender Gewässer ent- standen ist. Reis (65 S.167) erwähnt Schwarzerde aus der Umgegend von Mün- chen, die ebenfalls ihre Entstehung dem Löß verdankt. Linstow (45 S.130) berichtet über Schwarzerde von Köthen in Anhalt, die entstanden ist durch Humifizierung von Löß und Geschiebemergel. Ich suchte diesen letztgenannten Fundort auf, um die mitteldeutsche Schwarzerde aus eigener Anschauung kennenzulernen. Sie weicht hinsichtlich ihrer Farbe und ihrer Struktur von der Windsheimer Schwarzerde ab ; denn sie ist mehr braun und von viel locke- rer, krümeliger Beschaffenheit. Zurückführen möchte ich dies auf die Eigenart des Muttergesteins, aus dem diese Schwarzerde sich gebildet hat. Die mittel- deutsche Schwarzerde lagert nämlich zumeist auf Geschiebelehm und Löß, die Windsheimer „Schwarzerde" hingegen auf schwerem Keupermergel und Gips. Die russischen Bodenforscher lassen die deutsche Schwarzerde nicht als typische Schwarzerde gelten; sie behaupten, daß in einem humiden Klima, wie es Deutschland gegenwärtig besitzt, die Schwarzerde eine Veränderung erfahren muß. Sie sprechen deshalb von veränderter Schwarzerde oder degradiertem Tschernosem. Nach den Anschauungen der Russen soll der echte Tschernosem nur in Ländern mit ausgesprochen kontinentalem Klima unter Beteiligung einer krautartigen Steppenvegetation entstehen. Wassermangel im Sommer und strenger Frost im Winter sollen einen völligen Abbau der Pflanzenreste verhin- dern, so daß Humus in reichen Mengen im Boden verbleibt. Diese Ansicht wird heute auch von vielen deutschen Forschern geteilt (Hohenstein 33, Ramann 61, Stremme 84). Andere namhafte Forscher aber bestreiten die Richtigkeit dieser Anschauung und verweisen auf die Tatsache, daß unter gewöhnlichen Bedin- gungen im trockenen Klima sich niemals so große Mengen von Humusstoffen ansammeln können, wie sie die stellenweise mehrere Meter mächtige russische Schwarzerde enthält (Lang 42, Linstow 45 u. a.). Sie sind der Ansicht, daß Schwarzerde sich nur unter Wasser bei teilweisem Abschluß der Luft gebildet haben kann. Die russische Steppe ist heute das Hauptverbreitungsgebiet der Schwarzerde und darum glauben die russischen Bodenforscher, daß eine reiche Steppenvegetation und ein ausgesprochenes Steppenklima notwendig ist zur Bildung der Schwarzerde. Sie übersehen dabei aber meiner Ansicht nach, daß 1 Vgl. Gams-Nordhagen, Postglaziale Klimaänderungen und Erdkrustenbewegungen in Mittel- europa (20). 97 die Schwarzerde eine fossile Bildung ist und eine Neubildung in den heutigen Steppenländern nicht mehr erfolgt. Der Streit über die Entstehung der russischen Schwarzerde (Tschernosem) wird noch lange dauern. Für die fränkische „Schwarzerde" im Bereich des Gipskeupers aber besteht wohl kein Zweifel mehr, daß sie in einer Zeit mit hu- midem Klima durch Humifizierung der verwitterten Keupermergel unter Wasser bei teilweisem Luftabschluß entstanden ist. Die Seekreideablagerungen An mehreren Stellen unseres Arbeitsgebietes liegt unter dem tiefschwarzen Faulschlammboden eine feinerdige Kalkablagerung, die gewöhnlich erst beim Ausheben von Gräben zutage tritt. Die Untersuchung hat ergeben, daß es sich um sogenannte Seekreide handelt. Über die Entstehung der Seekreide und ähnlicher Kalkablagerungen herr- schen in der Literatur zahlreiche Unklarheiten und teilweise sogar Widersprüche, weshalb es notwendig erscheint, auf diese Bildungen etwas näher einzugehen und die Begriffe Kalktuff, Alm, Seekreide und Quellkalk eindeutig festzulegen. Gemeinsam ist allen diesen Ablagerungen der hohe Prozentsatz an kohlen- saurem Kalk. Der Wassergehalt ist starken Schwankungen unterworfen. Frischer Alm und Seekreide können 10 — 40% Wasser enthalten, während KalktufT trotz seiner großen Porosität nur ganz geringe Wasseraufnahmefähigkeit besitzt. Als weitere Beimengungen kommen in Betracht: Magnesium, Eisen, Alkalien, Kieselsäure und Tonerde. Doch sind diese nur von untergeordneter Bedeutung und lediglich als Verunreinigungen aufzufassen. Viel wichtiger ist der Gehalt an Humusstoffen, der manchmal bis zu 8% betragen kann. Durch chemische Analysen lassen sich Kalktuff, Seekreide und Alm in den meisten Fällen nicht unterscheiden. Von vielen Autoren wird als Unterscheidungsmerkmal der Ge- halt an Magnesium angegeben. Alm und Seekreide sollen stets weniger als 1% Magnesiumoxyd enthalten. Größere Mengen als y 2 % sind nach Thurn (90) erst nachträglich als Magnesiumsilikate in die Ablagerungen gelangt. Nach Ansicht des Genannten rufen solche Magnesiumbeimengungen eine Veränderung des physikalischen Zustandes hervor, indem sie Verhärtung verursachen, wodurch lockere Kalkbildungen in Kalktuffe übergeführt werden. Somit wäre also ein Magnesiumgehalt bis zu y 2 % charakteristisch für Alm und Seekreide, ein höherer für Kalktuff. Wie jedoch Klähn (36 S. 390— 340) an Kalktuffen aus dem fränkischen Jura zeigen konnte, kann der Magnesiumgehalt bis auf ganz ge- ringe Spuren zurückgehen, ohne daß eine Änderung des physikalischen Zu- Standes eintritt. H.Fischer (13 S. 230) beschreibt eine magnesiumreiche See- kreide von Garbenteich im Vogelsberg, die ihren Magnesiumgehalt (21,80% MgO) der Zersetzung der Olivine im Basalt verdankt. Leider läßt sich aus der Beschreibung nichts über die physikalischen Eigenschaften dieser Seekreide in Erfahrung bringen. Ich glaube aber, daß es sich um einen Süßwasserdolomit handelt. 98 Ein Vergleich verschiedener Analysen von Alm (Seekreide hier inbegriffen) und Kalktuff zeigt deutlich, daß die Annahme, der Magnesiumgehalt bedinge die physikalischen Eigenschaften des Kalksediments, vollständig unbegründet ist. Kalktuff der nur Spuren von Magnesium aufweist, kann trotzdem seine Härte behalten, während Seekreide (Alm) mit doppelt so viel Magnesium locker bleibt. Aus den vorstehenden Ausführungen geht also klar hervor, daß die chemische Untersuchung nicht ausreicht, wenn wir eine genaue Einteilung und Klassi- fizierung der Süßwasserkalkablagerungen vornehmen wollen. Insbesondere kann der schwankende Magnesiumgehalt nicht als brauchbares Einteilungsmoment benützt werden. Wir müssen neben den chemischen vor allem die physikali- schen Eigenschaften berücksichtigen; denn sie allein liefern unseres Erachtens sichere Unterscheidungsmerkmale, die eine scharfe Trennung von Kalktuff, Alm und Seekreide ermöglichen. Der Kalktuff kann in der verschiedensten Ausbildung auftreten. Bald ist er dicht und fest, bald porös und weniger zusammenhängend. Häufig sind Hohl- räume anzutreffen, die von umkrusteten Pflanzenteilen herrühren. Auch Blatt- abdrücke kommen nicht selten vor. Nie läßt sich Kalktuff zwischen den Fingern zerreiben, auch nicht in den weichsten Varietäten; dies ist wohl das wichtigste Unterscheidungsmerkmal gegenüber allen Seekreiden und Almen. Die Fähig- keit, Wasser aufzunehmen, fehlt dem Kalktuff fast vollständig. Beim Verwit- tern zerfällt er nicht, sondern löst sich nur allmählich wieder auf. Wegen seiner großen Wetterfestigkeit eignet er sich besonders gut als Bau- und Zierstein. Alm und Seekreide, die sich in ihren physikalischen Eigenschaften nicht un- terscheiden, bilden im frischen Zustand eine breiige, zähe Masse, die dem Wasser in hohem Grade die Durchlässigkeit versagt. Sobald sie aber durch Senkung des Grundwasserspiegels oder durch andere Vorgänge aus dem Bereich des Wassers kommen, trocknen sie allmählich aus und bekommen dadurch eine lockere und feinkörnige Beschaffenheit. In diesem Zustande lassen sie sich mühelos zwischen den Fingern zu feinstem Pulver zerreiben. Wegen der Fein- heit des Kornes sind Alm und Seekreide befähigt, große Wassermengen aufzu- nehmen und lange Zeit zurückzuhalten. Den Atmosphärilien gegenüber zeigen sie ein ganz anderes Verhalten als der Kalktuff. Wenn Alm und Seekreide ver- wittern, zerfallen sie vollständig und liefern deshalb einen vorzüglichen Kalk- dünger. Eine wichtige Rolle spielt bei ihnen, wie schon erwähnt, der Humus- gehalt. Durch die größere oder geringere Menge der humosen Stoffe lassen sich die physikalischen Verschiedenheiten vieler Alm- und Seekreidebildungen er- klären. Die humusarmen oder humusfreien Varietäten sind in getrocknetem Zustand mürbe, zerreiblich und rauh. Die humusreicheren dagegen gehen beim Trocknen aus einem weichen Brei unter starker Volumverminderung in eine knorpelige bis hornartige Substanz über. Die älteren Autoren, wie Sendtner(78), Senft (79) und andere, die einen Unterschied zwischen Alm und Seekreide noch nicht kannten, behaupteten, der Alm sei amorph. Unter dem Mikroskop zeigt aber die Seekreide wie der Alm eine mehr oder weniger gut ausgeprägte kristal- 99 line Beschaffenheit. Schon die gallertige oder schleimige Masse des Anfangs- stadiums besteht in der Hauptsache aus Krümeln oder Klümpchen, die sich aus Sphäriten zusammensetzen. Manche Ablagerungen (z.B. die Seekreide von Nordheim) enthalten auch größere Körner, die aus kleinen Kalkspatrhom- boedern aufgebaut sind. Seltener finden sich in der mikrokristallinen Grund- masse kleine, 1 — 2 mm große Einzelkristalle von Calcit (Seekreide von Grett- stadt). Auf Grund der physikalischen Eigenschaften können wir also typischen Alm und typischen Kalktuff leicht auseinanderhalten. Schwierigkeiten entstehen nur dann, wenn es sich darum handelt, Kalktuffe von sandig-körniger Be- schaffenheit und Alme mit gröberem Gefüge zu trennen. Das beste Unterschei- dungsmerkmal ist in diesem Falle das Verhalten des Gesteins beim Zerreiben zwischen den Fingern. Münichsdorfer (49) schlägt vor, den unzerreiblichen, feinkörnigen Kalktuff als ,, Tuffsand" zu bezeichnen, den grobkörnigen, aber leicht zerreiblichen Alm dagegen mit dem Ausdruck ,, tuffiger Alm" zu be- nennen. Seekreide und Alm zeigen hinsichtlich ihrer physikalischen Eigen- schaften keine Unterschiede. Um sie trennen zu können, müssen wir uns noch etwas mit der Entstehungsweise der verschiedenen Kalkablagerungen be- schäftigen. Kalktuff bildet sich stets, wenn kalkhaltige Wässer als Quellen zutage treten und einen Teil ihrer Kohlensäure an die Luft abgeben, so daß das Cal- ciumbikarbonat nicht mehr in Lösung bleiben kann und als kohlensaurer Kalk ausfallen muß. Dabei wirkt auch die Vegetation am Quellenrand mit, die eben- falls durch Kohlensäureentzug bei der Assimilation eine Kalkausfällung ver- ursacht. Die Kalkausscheidung kann sowohl subaerisch als auch subaquatisch erfolgen. Eine Fällung durch Humusstoffe scheint beim Kalktuff ausge- schlossen zu sein. Alm entsteht in Mooren, wenn unter dem Einfluß von Humussolen kohlen- saurer Kalk ausgeschieden wird. Er ist somit eine rein anorganische Bildung. Die hier und da eingeschlossenen Conchylien, meist Landschnecken, haben keinerlei Mitwirkung bei der Kaikabscheidung; denn sie sind erst nachträglich in die Almablagerung verfrachtet worden. Seekreide ist eine Ablagerung offener, stagnierender Gewässer. Hier wird der Kalkabsatz durch die Lebenstätigkeit von Wasserpflanzen, hauptsächlich Characeen und Wassertieren (Conchylien) bewirkt. Die Ausscheidung erfolgt also zum größten Teil auf organischem Wege. Nach den bisherigen Ausführungen ist also der Kalktuff ein Quellabsatz, der Alm eine Moorbildung und die Seekreide eine Ablagerung größerer stehen- der Gewässer. Wenn Seekreide in einem Moorprofil vorkommt, so bildet sie die Unterlage der Torfschichten, und dies weist darauf hin, daß das Moor durch Verlandung eines ehemaligen Sees entstanden ist. Alle seekreideartigen Bildungen, die in Mooren als Zwischenlagen auftreten, sind nicht echte Seekreide, sondern Alm. Die jeweilige Prüfung der physikalischen Eigenschaften der Kalkablagerun- 100 gen sowie die Untersuchung der eingeschlossenen Tier- und Pflanzenreste wird auch in zweifelhaften Fällen Aufschluß geben über die Art der Entstehung und so eine richtige Klassifikation ermöglichen. Betrachten wir nunmehr das Vorkommen der Seekreide bei Nordheim am Fuße des Steigerwaldes. Durch die weite fruchtbare Ebene, die von Schilfsand- stein- und Blasensandsteinhöhenzügen eingeschlossen wird, fließen heute nur noch einige armselige Wässerlein, die der Ehebach sammelt. Einige, wie der Irrbach, versiegen im Sommer fast ganz. Der größte Teil der Niederschläge ge- langt nicht in diese Wasserläufe, sondern versickert im stark zerklüfteten Gips, der an vielen Stellen offen zutage tritt und der von zahlreichen unterirdischen Wassersträngen durchzogen wird. An den tiefstgelegenen Stellen treten wiesen- moorähnliche Bildungen auf, die von Entwässerungsgräben durchzogen sind. Bei der Anlage dieser Gräben kommt überall Seekreide zum Vorschein. Über- lagert wird sie von einer mehr oder weniger mächtigen Humusablagerung von tiefschwarzer Farbe, die wir weiter vorne bereits als Faulschlammbildung kennengelernt haben. Auch die tiefgelegenen Äcker, die ihre große Frucht- barkeit diesem Faulschlammboden verdanken, enthalten Seekreide; durch die Wühlarbeit der Maulwürfe tritt sie überall zutage. In einem frisch ausgehobenen Graben konnte ich folgendes Profil aufnehmen : Wiesenboden (Humusdecke): 10 cm, schwarzer Faulschlammboden: 30 cm, Gelbliche Seekreide aufgeschlossen: 20 cm. Durch eigene Grabung konnte ich eine Mächtigkeit der Seekreideablagerung bis zu 1,40 m feststellen. Doch scheint dieselbe noch tiefer hinabzugehen, da ich das Liegende mit dem Spaten nicht erreichen konnte. Bei dem Bau einer neuen Brücke über den Irrbach zwischen Krautostheim und Herbolzheim wurde eben- falls Seekreide angeschnitten. Durch die Arbeiter erfuhr ich, daß in der weißen Erde, die sie ,,Schnallaputzi", d.i. Putzmittel für Pferdegeschirr, nennen, ein Schacht von ca. 3 m Tiefe angelegt wurde, ohne daß es möglich war, einen festen Baugrund zu erreichen. Selbst die eingetriebenen Holzpfähle von 5 m Länge stießen noch auf keinen Widerstand. Wir dürfen also annehmen, daß die Gesamtmächtigkeit der Ablagerung mindestens über 3 m beträgt. Beim Graben in der Seekreide fiel mir ein starker Schwefelwasserstoffgeruch auf, der nach der Tiefe immer mehr zunahm. Die Farbe der frischen, schmierigen, stark mit Wasser durchsetzten Seekreide ist fast gelb, doch nimmt sie beim Abtrocknen einen mehr weißlichen Ton an. Die eingeschlossene Fauna und Flora beweist, daß die Ablagerung in einem größeren stehenden Gewässer zum Absatz kam. Stellenweise fanden sich fetzenartige Einlagerungen von Faul- schlamm, die wohl erst nachträglich durch ihre Schwere in die noch weiche gallertige Seekreide einsanken. An fossilen Einschlüssen fanden sich zahlreiche Reste von Characeen, ins- besondere die hübschen spiralumwundenen Oogonien, ferner eine große Anzahl von Mollusken und Ostrakoden. 101 Die Mollusken, die nach Geyer (21) bestimmt wurden, setzen sich aus folgen- den Arten zusammen: Bythinia tentaculata L. s. h., 1 Radix ovata Drap. s. h., Limnaea stagnalis L. s. s., Valvata cristata Müll. s. h., Planorbis planorbis L. s. h., Paraspira spirorbis L. n. h., Armiger crista f. nautileus L. n. s., Physa fontinalis L. n. h. Pisidium personatum Malm h., Pisidium casertanum Poli h., Succinea pfeifferi Rossm. h., Vertigo antivertigo Drap, h., Pupilla muscorum Müll. s. s., Euconulus trochiformis Montagu s.S., Vallonia pulchella Müll. s. s., Wie aus vorstehender Liste ersichtlich ist, bestehen die eingeschlossenen Reste in der Hauptsache aus Tieren, die im Wasser leben. Nur vereinzelt treten Land- schnecken auf, wie Succinea pfeifferi, die bekanntlich aber auch auf Wasser- pflanzen vorkommt, sowie Vertigo antivertigo, Pupilla muscorum, Euconulus trochiformis und Vallonia pulchella, die mit Vorliebe auf feuchten Wiesen oder an den Rändern von Seen sich aufhalten und daher leicht in die Ablagerun- gen der Seen eingeschwemmt werden können. Ostrakoden, die bisher in Seekreide nur selten beobachtet wurden, fanden sich nach dem Schlämmen in zahllosen Mengen. Herr Dr. K. Hucke-Templin hatte die große Güte, das gesammelte Ostra- kodenmaterial in liebenswürdiger Weise zu bestimmen. Für seine Bemühungen sei ihm auch an dieser Stelle nochmals bestens gedankt. Er konnte folgende Arten feststellen : Cyprinotus salina Brady?, Candona fabäeformis Fischer, Candona parallela G. W. Müller, Paracandona euplectella Br. u. Norm., Notodromas monacha O. F. Müller, Cypridopsis aculeata Lilljeborg. Im Schlämmrückstand fanden sich ferner neben zahlreichen Oogonien von Chara ganz vereinzelt weiße rundliche Körnchen von kohlensaurem Kalk, die aus lauter winzig kleinen Kalkspatrhomboedern zusammengesetzt sind. Um die Zusammensetzung der Seekreide genau kennenzulernen, wurde eine chemische Analyse angefertigt. Als Analysenmaterial benutzte ich eine mög- 1 s. h. = sehr häufig, s. s. = sehr selten, n. h. = nicht häufig, n. s. = nicht selten, h. = häufig. 102 liehst reine, von allen Molluskenschalen und sonstigen Beimengungen befreite Probe. Die pulverisierte Substanz wurde bei etwas über 100° bis zur Entfernung des H 2 getrocknet. Die Analyse ergab: Gewicht % Umrechnung Glühverlust 44,30 Unlöslich 0,24 Si0 2 0,20 Fe 2 3 + A1 2 3 0,27 CaO 52,99 MgO 0,12 S0 3 2,50 100,62% CaC0 3 91,50 CaS0 4 - 2H 2 5,37 MgC0 3 0,25 Fe 2 3 + A1 2 3 0,27 Unlöslich 0,24 Si0 2 0,20 Organische Substanz ... 1,08 H 2 0(Rest) 1,71 100,62% Der Glührückstand war vollständig weiß. Beim Erhitzen der Substanz im Glühröhrchen machte sich ein unangenehmer Geruch bemerkbar, der am besten mit dem Geruch kalter Zigarrenasche verglichen werden kann. Bei der Behand- lung mit Salzsäure erfolgte eine Ausscheidung der organischen Bestandteile. Eine Schwefelwasserstoffentwicklung trat nicht ein; dies ist insofern auffallend, als bei der Entnahme der Proben aus dem Boden sich Schwefelwasserstoffgeruch deutlich bemerkbar machte. Offenbar ist das freigewordene Gas sofort in die Luft entwichen. Mit Kalilauge behandelt zeigte sich intensive Braunfärbung. Beim Ansäuern dieses Kalilaugenauszugs mit HCl erfolgte erst nach längerem Stehen eine Ausflockung der gelösten organischen Stoffe. Auch mit Ammoniak ließ sich die organische Substanz vollständig entfernen, so daß zur Bestimmung des Humusgehalts die Grandeausche Methode Anwendung finden konnte. Eine Ausflockung des Organischen beim Ansäuern mit Salzsäure fand hier jedoch nicht statt. Woher stammt nun der kohlensaure Kalk unserer Seekreideablagerung? Der naheliegendste Gedanke ist wohl der, daß der kohlensaure Kalk durch Auslau- gung der dolomitischen Gesteine des Gipskeupers gewonnen wurde. Bei dieser Auslaugung wird zunächst der leichter lösliche kohlensaure Kalk weggeführt; dann gehen aber auch größere oder geringere Mengen von Magnesiumkarbonat in Lösung, die in den Ablagerungen der Gewässer sich wieder finden müssen. Die chemische Analyse unserer Seekreide hat aber ergeben, daß nur ganz geringe Spuren von MgC0 3 (0,25%) vorhanden sind. Ich glaube daher, daß dolomitische Gesteine bei der Lieferung des kohlensauren Kalkes nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen. Zwar hat Klähn in seiner Arbeit erwähnt (36), daß die aus mag- nesiumhaltigen Wässern hervorgegangenen Kalkablagerungen ebenfalls nur einen geringen Prozentsatz des ursprünglichen Magnesiumkarbonatgehaltes aufweisen. Doch handelt es sich hier um kalktuffähnliche Absätze, die sofort als feste Masse ausgefällt wurden. Die Seekreide hingegen wird als humose und organogene, 103 gelartige Masse ausgeschieden, die aus magnesiumhaltigem Wasser nicht un- beträchtliche Mengen von Magnesiumkarbonat aufnehmen kann. Auffallend ist nun die Tatsache, daß die chemische Analyse der Seekreide neben 0,25% MgC0 3 noch 2,50% S0 3 (auf CaS0 4 ■ 2H 2 umgerechnet = 5,37%) ergeben hat. Das läßt daraufschließen, daß die Seekreide nicht aus dolomitischen Gesteinen, sondern aus Gips hervorgegangen ist. Es ist dies um so wahrschein- licher, als rings um Nordheim Gips in großen Mengen auftritt und dortselbst das Hauptgestein des Bodens bildet. Das dortige Gipslager enthält zahlreiche vom Wasser ausgelaugte Höhlen, in denen sich wie schon erwähnt die inter- essantesten Karsterscheinungen studieren lassen . Das gipshaltige Wasser, das heute noch das weitverzweigte Höhlensystem durchzieht, mag einst in jenen großen See geflossen sein, in dem die Seekreide zur Ablagerung kam. Möglicherweise hat das durch Verwesung organischer Stoffe entstandene Ammonkarbonat Gips in kohlensauren Kalk übergeführt nach der Gleichung: CaS0 4 + (NH 4 ) 2 C0 3 = CaC0 3 + (NH 4 ) 2 S0 4 . Eine Umwandlung des Gipses in kohlensauren Kalk kann aber auch dadurch erfolgt sein, daß durch die Zersetzung großer Mengen organischer Substanz zu- nächst eine Reduktion des gelösten Gipses zu Calciumsulfid stattfand. Das neu- gebildete CaS wird bei Anwesenheit von Kohlensäure und Wasser schließlich in kohlensauren Kalk übergeführt: CaS + C0 2 + H 2 = CaC0 3 + H 2 S. Der dabei freiwerdende Schwefelwasserstoffentweicht zum Teil in die Luft, zum Teil aber wird er auch vom Wasser absorbiert und bleibt dann der Seekreide- ablagerung erhalten. Auf diesen Umstand ist auch der intensive Geruch, der sich beim Herausgraben der frischen Seekreide bemerklich macht, zurückzuführen. Ein Teil des Gipses kann jedoch bereits im Innern der mit Wasser erfüllten Schlotten des Gipslagers eine Umsetzung in kohlensauren Kalk erfahren haben. Zu dieser Annahme berechtigen gewisse Beobachtungen, die ich in allerjüngster Zeit in diesen Wasserhöhlen machte. Auf der Oberfläche des stagnierenden Was- sers hatten sich zahlreiche kaum % mm dicke Kristallplättchen gebildet. Stellen- weise bedeckten sie den Grund in 20 — 30 cm Mächtigkeit als geschichtete Ab- lagerungen. Außer geringen Mengen von Lehm und einigen Gipsbröckchen waren keine weiteren Verunreinigungen darin enthalten. Daß in einer nicht konzen- trierten Lösung solche Mengen von Kristallen sich ausscheiden können, ist eine überaus merkwürdige Erscheinung. Unter das Mikroskop gebracht, erwiesen sich die Kristallplättchen als ein zierliches Haufwerk kleinster Skalenoeder. Die che- mische Untersuchung dieser Plättchen ergab, daß sie nicht aus Gips bestanden, wie man wegen des überall vorhandenen Gipsgesteins vermuten könnte, sondern aus kohlensaurem Kalk. Schwefelsäure konnte nur in ganz geringen Spuren nach- gewiesen werden, obwohl Gips im Wasser in größeren Mengen aufgelöst enthalten ist. Die leichte Löslichkeit des in großen Massen vorhandenen Gipses einerseits, die geringe Mächtigkeit der viel schwerer löslichen Steinmergelbänke des Grund- gipses andererseits lassen nur die eine Deutung zu, daß die merkwürdigen Kristall- 104 plättchen aus Gips entstanden sein müssen. Die Reduktion des Gipses zu Cal- ciumsulfid (CaS) und die weitere Umwandlung in kohlensauren Kalk (CaC0 3 ) erfolgt wahrscheinlich durch organische Stoffe, die im Gips schon enthalten sind, oder mit dem durch die Orgeln eindringenden Wasser erst zugeführt werden. Der leichter lösliche Gips zwingt schließlich den kohlensauren Kalk, sich in Kristallplättchen auszuscheiden. Der bei den Umsetzungsprozessen freigewordene Schwefelwasserstoff wird zum Teil im Schlamm festgehalten, zum Teil entweicht er in die Luft. Der inten- sive Geruch nach Schwefelwasserstoff ist bei schönem Wetter gewöhnlich nicht wahrnehmbar, dagegen um so deutlicher bei Witterungsumschlag. Zuweilen er- folgen dann auch Gasaushauchungen, wie ich sie zum Beispiel im Oktober dieses Jahres besonders gut in den „Blautöpfen" der Ehequellen beobachten konnte. Das sonst kristallklare Wasser erfuhr plötzlich eine milchige Trübung und gleich- zeitig stiegen Gasblasen auf, die ein eigentümliches, schwaches Geräusch ver- ursachten und einen deutlichen Schwefelwasserstoffgeruch verbreiteten. Die Gasentwicklung wiederholte sich mehrmals nach längeren oder kürzeren Pausen und fand stets an den gleichen Stellen statt. Jedesmal wurde durch die auf- steigenden Gasblasen grauweißer Schlamm mit heraufgerissen, der die Trübung des Wassers verursachte. Nach einigen Minuten hörten die Gaseruptionen auf und das Wasser wurde wieder vollständig klar. Auch beim Aufwühlen des Schlam- mes, der den Boden der Quellen bedeckt, machte sich der intensive Geruch des Schwefelwasserstoffes deutlich bemerkbar. Es ist wohl kaum daran zu zweifeln, daß die großen Mengen des Gases weniger durch Verwesung organischer Reste auf dem Grunde der Quellen, als vielmehr durch Reduktion des Gipses im Gips- lager selbst entstanden sind. Ähnliche Beobachtungen, nur noch in größerem Ausmaß, konnte auch Liebe (43) in den Geraer Schlottentümpeln anstellen. Daß Seekreide aus Gips durch chemische Umsetzung entstehen kann, beweisen auch Beobachtungen, die in Livland gemacht wurden. Nach Doß (9) finden sich bei Dünhof und Pullandorf ausgedehnte Lager von Seekreide (Wiesenkalk) und Kalktuffen im Gebiete des devonischen Gipses. Die ganzen Lagerungsverhält- nisse und der nachweisbare beträchtliche Gehalt an S0 3 (0,91 — 1,83%) zwingen dort ebenfalls zu dem Schluß, daß diese Bildungen nur aus Gips entstanden sein können. Aus Deutschland sind derartige Seekreidebildungen meines Wissens noch nicht bekannt geworden. Wenn wir nun die fränkischen und livländischen Seekreiden nach ihren Ana- lysenergebnissen miteinander vergleichen, so zeigt sich eine merkwürdige Über- einstimmung. Nur der Gipsgehalt ist bei uns größer (2,50%) als in Livland (0,92-1,83%). Doß nimmt an, daß eine Reduktion des festen Gipses zu Calciumsulfid schon im Gipslager durch die darin vorhandenen Bitumina stattfindet. Ich selbst bin eher der Ansicht, daß diese Umwandlung erst den gelösten Gips betroffen hat. Selbstverständlich können nicht alle Seekreideablagerungen, die etwas Sulfat enthalten, auf die gleiche Reduktion zurückgeführt werden; denn es bildet sich bekanntlich Schwefelsäure auch bei der Oxydation von Schwefelwasserstoff, be- 105 sonders in stagnierenden Gewässern, bei der Verwesung von Tierleichen und bei der Reduktion von Sulfiden. Es müssen also alle Verhältnisse, insbesondere die geologische Beschaffenheit der Umgebung, genau geprüft werden, wenn wir uns über die Entstehung einer solchen Ablagerung Klarheit verschaffen wollen. Unter dem Mikroskop erscheint die Seekreide nicht als amorphes, sondern kristallinisches Gebilde. Die einzelnen Kristallindividuen bestehen aus Calcit, nicht aus Aragonit und sind vollkommen homogen. Von Gipskriställchen zeigte sich keine Spur. Auch beim Kochen mit Wasser konnte keine Schwefelsäure- reaktion nachgewiesen werden. Daraus folgt, daß weder Verwachsungen von Gips mit Calcit vorliegen, noch Mutterlaugenreste vorhanden sind. So bleibt nur noch die eine Möglichkeit, die Kristalle als Mischungsanomalien zu erklären, wie das auch Doß (9) in seiner Arbeit über livländische Seekreiden tut. H.Vater hat auf Grund zahlreicher Laboratoriumsversuche in seiner Schrift „Über den Einfluß der Lösungsgenossen auf die Kristallisation des Calcium- karbonates" (95) nachgewiesen, daß Mischkristalle durch vollständige Vermi- schung zweier chemisch verschiedener, nicht isomorpher Stoffe entstehen können. Wie aus einer brieflichen Mitteilung Vaters an Doß (9 S. 135) hervorgeht, ent- halten die bei Anwesenheit von CaS0 4 künstlich hergestellten Calcitkristalle einen auffallend hohen Prozentsatz von schwefelsaurem Kalk, der nicht auf Einschlüsse von Mutterlaugen zurückgeführt werden kann. Sie gleichen also ganz den natürlichen Calcitkristallen der Nordheimer Seekreide. Darum glaube ich annehmen zu dürfen, daß die letzteren natürliche Mischkristalle sind, die nicht nur aus Calcit, sondern auch aus Gips aufgebaut sind, bzw. im Calcit mole- kulare Beimengungen von nicht umgesetztem CaS0 4 • 2H 2 enthalten. Auch die größeren Calcit, ,körner", die zirka 3 mm Durchmesser erreichen, wurden einer Untersuchung unterzogen. Leider fanden sie sich nur selten. Durch die chemische Untersuchung dieser Körner hoffte ich Näheres über eine eventuelle Beimengung von schwefelsaurem Kalk zu erfahren. Deshalb wurden die aus- geschlämmten Körner zunächst gründlich gereinigt, in Salzsäure gelöst und die Lösung mit Baryumchlorid versetzt. Es ergab sich aber keine Sulfatreaktion. Daraus schließe ich, daß diese Calcitkörner keine molekulare Beimengung von Gips enthalten und eine sekundäre Bildung sind, die erst nach der erfolgten Ab- lagerung der Seekreide entstanden, vielleicht auch heute noch entstehen. Seekreide kommt nicht nur bei Nordheim vor, sondern auch an vielen anderen Stellen des Windsheimer Gaues. Vor mehreren Jahren stießen Arbeiter bei Fluß- regulierungsarbeiten an der Aisch auf eine ,, lößartige, sehr hell gefärbte Ablage- rung mit vielen Schnecken" . Ich konnte diesen Aufschluß selbst nicht mehr sehen, doch erhielt ich einige der gesammelten Schnecken (Bythinia tentaculata L. und Planorbis) und konnte das anhaftende Gestein deutlich als Seekreide erkennen. Später fand ich bei Windsheim Seekreide noch an mehreren Stellen, und zwar immer in frisch ausgehobenen Gräben unter schwarzer faulschlammähnlicher Decke. Eine Analyse der Windsheimer Seekreide wurde schon früher von Wiesner (103) angefertigt. 106 Berechnet auf: CaC0 3 88,988% CaO 1,592% MgC0 3 1,350% Ca 3 (P0 4 ) 2 0,210% CaS0 4 2,830% Es wurde festgestellt: Si0 2 1,900% Fe 2 3 0,340% AU0 3 0,870% CaO 52,710% SrO Spur MgO 0,640% KoO Spur Na 2 0,066% Cl 0,075% P 2 5 0,095% SÖ 8 1,660% C0 2 39,865% H 2 Ö 1,210% Organische Substanz . . 0,569% 100,000% Nach Wiesner war der Glührückstand dunkelgrau gefärbt. Beim Glühen ergab sich ein „penetranter" Geruch unter gleichzeitiger Abgabe von alkalisch rea- gierendem Wasser. Es entwichen brennbare Gase und braune Teerkörper schie- den sich ab. Beim Lösen in Salzsäure war Geruch nach Schwefelwasserstoff deutlich wahrnehmbar. In Salzsäure löste sich die Seekreide unter Abscheidung organischer Körper. Kalilauge färbte sich braun ; nach dem Ansäuern des Filtrats entstand ein geringer, brauner, flockiger Niederschlag von Ulminsäure. Leider hat Wiesner keine genaue Fundortsangabe gemacht und die Analysen- ergebnisse nicht weiter ausgewertet. Wenn wir nun die Windsheimer und Nordheimer Seekreide miteinander ver- gleichen, so finden wir in beiden nur ganz geringe Mengen von MgC0 3 gegen- über einem viel größeren Gehalt an CaS0 4 • 2H 2 0. Die Entstehung muß also hier wie dort die gleiche gewesen sein. Die Seekreide bezog den kohlensauren Kalk in der Hauptsache durch chemische Umsetzung aus dem massenhaft vor- handenen Gips, während die dolomitischen Gesteine des Gipskeupers als Kalk- lieferanten nur eine nebensächliche Rolle spielten. Da die Umgebung von Nord- heim und Windsheim fast die gleichen geologischen Verhältnisse aufweist, so kann uns die nahezu vollständige Übereinstimmung der beiden Seekreide- ablagerungen nicht weiter überraschen. Über das Alter der Seekreide läßt sich nichts Bestimmtes sagen ; denn die ein- geschlossene Molluskenfauna enthält nur Arten, die auch heute noch leben. Ähn- lich verhält es sich mit dem Ostrakodenmaterial. Herr Dr. Hucke teilte mir auf Anfrage ausdrücklich mit, daß sämtliche Arten auch noch rezent vorkommen. Wahrscheinlich bildete sich die Seekreide in jener feuchten Periode des Post- glazials, dieBlytt und Sernander mit dem Namen „Atlantische Zeit" belegt haben. Die in jene Zeit fallende Senkung des Baltikums (Litorinasenkung) bewirkte ein Feuchterwerden des europäischen Klimas. Ein starkes Ansteigen des Grundwasser- 107 spiegeis begünstigte die Bildung neuer Quellen und neuer Seen und schuf so die Vorbedingungen zur Entstehung gewaltiger Mengen von Seekreide und Kalktuff. Am Ausgang der atlantischen Zeit scheint ein Rückgang der Seen und eine all- mähliche Verlandung derselben stattgefunden zu haben ; denn die Seekreidebildung hörte auf und Faulschlammablagerungen legten sich als schützende Decke darüber. Im Bereiche des fränkischen Gipskeupers findet sich Seekreide auch noch an anderen Orten, so besonders südlich von Schweinfurt bei Grettstadt. Die Grett- städter Moorwiesen, die durch ihre eigenartige Flora eine gewisse Berühmtheit erlangt haben, sind durch Verlandung stehender Gewässer entstanden. Man nimmt an, daß diese die Reste des alten Mainlaufes darstellen, der einst viel weiter östlich floß. Besonders gut aufgeschlossen ist die Seekreide am Unkenbach nahe der Unkenmühle. Aber auch zahlreiche Maulwurfshügel und frisch an- gelegte Gräben fördern Seekreide ans Tageslicht und lassen erkennen, daß diese ein ziemlich großes Gebiet bedeckt. Wie bei Nordheim und Windsheim, wird auch hier die Seekreide von Faulschlammboden überlagert. In der Literatur fand ich über die Grettstädter Seekreide nur eine kurze Notiz von Kittler. Derselbe erwähnt in seiner Arbeit „Zur Entstehungsgeschichte der Mainlandschaft um Schweinfurt", daß unter Moorboden Kalktuffe vorkommen. Diese sogenannten ,, Kalktuffe" sind aber nichts anderes als Seekreide, also keine Quellenbildungen, sondern Ablagerungen stagnierender Gewässer. Das be- weisen am besten die Einschlüsse. Gelegentlich eines flüchtigen Besuches der interessanten Lokalität konnten folgende organische Reste nachgewiesen werden : Ostrakoden: Cypris reptans Baird. Candona parallela G.W.Müller. Cypridopsis aculeata Lilljeborg. Paracandona euplectella Br. u. Norm. Mollusken: Bythinia tentaculata L. s. h. Radix ovata Drap. s. h. Bathyom- phalus contortus L.s.s. Zahlreiche Oogonien und Stengelteile von Characeen. Die Bestimmung der Ostrakoden hat auch hier in liebenswürdiger Weise Herr Dr. Hucke-Templin vorgenommen. Die Grettstädter Seekreide enthält außerdem vereinzelte Sandkörner und win- zige, aber makroskopisch noch erkennbare, gelbgefärbte Calcitkonkretionen und wohlausgebildete Calcitkristalle. Unter dem Mikroskop zeigte die Seekreide von Grettstadt die kristalline Beschaffenheit noch viel deutlicher als die von Nord- heim. Die Analyse ergab: Gewicht % Umrechnung Glühverlust 43,09 Unlöslich 0,17 Fe 2 3 + A1 2 3 0,21 CaO 53,71 MgO 0,12 S0 3 2,48 99,78% CaC0 3 92,82 CaS0 4 ■ 2H 2 5,32 MgC0 3 0,25 Fe 2 3 + A1 2 3 0,21 Unlöslich 0,17 Organische Substanz . . . 0,43 H 2 0,58 99/78% 108 Vergleichen wir nun die beiden Vorkommen von Grettstadt und Nordheim, so ergibt sich hinsichtlich ihrer chemischen Zusammensetzung eine nahezu völlige Übereinstimmung. Insbesondere sind die Werte für MgC0 3 vollständig gleich; der Gehalt an CaS0 4 • 2H 2 zeigt nur ganz geringfügige Unterschiede. Bemer- kenswert ist der geringe Prozentsatz von MgC0 3 (nur 0,25%). Bei der Grett- städter Seekreide ist dies um so auffälliger, als in allernächster Nähe neben Gips auch Grenzdolomit auftritt, der an mehreren Stellen gut aufgeschlossen ist. Der Kalk der Seekreide stammt auch hier in der Hauptsache aus dem Gips, der durch organische Verbindungen in kohlensauren Kalk übergeführt und dann ausgefällt wurde. Dabei wurden in ähnlicher Weise wie beim Nordheimer Vor- kommen beträchtliche Mengen nicht umgewandelten Gipses (5,32%) als mole- kulare Beimengungen aufgenommen. Die fast reinweiße Grundmasse enthält, wie schon erwähnt, vereinzelte, gelb- gefärbte Calcitkonkretionen und Kristalle, die bis zu 3 mm groß werden können. Die Einzelkristalle zeigen steile, negative Rhomboeder von zirka — 5y 2 R. Eine goniometrische Messung der Flächen war leider nicht möglich. Sämtliche Flächen sind nämlich aus kleinsten Subindividuen aufgebaut, die je nach der Erhaltung der Kristalle mehr oder weniger scharf hervortreten. Der Aufbau aus Subindi- viduen erinnert an die von mir beschriebenen Calcitkristalle aus fränkischen Höhlen (29). So liegt der Gedanke nahe, daß es sich auch hier um Kristalle handelt, die durch Lösungsgenossen beeinflußt sind. Der Lösungsgenosse kann aber nur Gips sein. Die mikrochemische Untersuchung der größeren Einzel- kristalle ergab allerdings keinerlei Anhaltspunkt für die Richtigkeit unserer Annahme. Sulfatreaktion trat bei der Behandlung mit Baryumchlorid nicht ein. Vielleicht ist dies auf den verhältnismäßig geringen Gipsgehalt zurückzuführen. Woher rührt nun die auffällige Gelbfärbung der Calcitkristalle? Der Gehalt an Eisenoxyden ist viel zu gering, um eine solche Färbung hervorzurufen. So bleibt nur übrig, an eine Färbung durch organische Stoffe zu denken. Aus der Natur sind mehrere Beispiele bekannt, daß Minerallösungen mit geringen Mengen eines organischen Farbstoffes zu homogenen Gemischen kristallisieren können. Auch künstliche Kristalle zeigen mitunter eine gelbe bis braune Färbung, die durch organische Stoffe verursacht ist. So erhielt Vater (95, 1893, S.450) bei der Her- stellung künstlicher Calcitkristalle wiederholt neben farblosen auch dilut gefärbte Exemplare. Er führt diese Erscheinung ebenfalls auf organische Stoffe zurück. Um nun den Nachweis zu erbringen, daß die Calcitkriställchen unserer See- kreide wirklich Humusstoffe enthalten, wurden einige derselben erhitzt. Sie ver- färbten sich zunächst dunkelbraun bis schwarz; dann aber v/urden sie rein weiß. Offenbar wurden die Humusstoffe durch das Erhitzen in Kohlenstoff verwandelt und dieser schließlich zu Kohlensäure oxydiert. Die mikroskopisch kleinen Kristallenen, die weniger deutlich gelb gefärbt sind, zeigten genau dasselbe Verhalten, woraus zu entnehmen ist, daß auch sie Humusstoffe aufgenommen haben. Unsere Untersuchung hat also ergeben, daß die Seekreide aus Misch- kriställchen von Calcit und Gips besteht und daß dieselben auch kleine Mengen organischer Farbstoffe beigemischt enthalten. 109 Zusammenfassung Am Ende der Lettenkohlenzeit dringt das Meer in einem gewaltigen Vorstoß in die germanische Senke, in der bisher hauptsächlich brackische Sedimente zur Ablagerung kamen, ein. Es bildete sich die von Südbaden über Württemberg bis nach Franken und Thüringen verbreitete Myoconcha = Mauchachbank, die wir als Fränkischen Grenzdolomit bezeichnen. Später wurde durch eine auf- tauchende Barre das heutige Gipskeupergebiet vom offenen Meere abgeschnürt, doch blieb eine schmale Pforte bestehen, welche die Verbindung mit dem Meere aufrechterhielt. Unter dem Einfluß eines ariden Klimas erfolgte im abgeschnür- ten Becken eine Konzentration des Meerwassers. Es kam zu einer Ausscheidung von kalkigen Ablagerungen, die mit den bereits vorhandenen organogenen Kal- ken sich zu Dolomit umwandelten. Mit fortschreitender Eindampfung wurde Anhydrit ausgeschieden. Ein Oberstrom sorgte immer wieder für Zufuhr neuen Meereswassers, dem durch Konzentration weiterhin Anhydrit entzogen wurde. Ein Unterstrom schaffte das schwere, konzentrierte Salzwasser wieder ins offene Meer hinaus. Die fortgesetzte Ausscheidung von Anhydrit erzeugte im Laufe der Zeit die Bänke des Grundgipses, die erst später in Gips umgewandelt wurden. Immer wieder versuchte das Meer durch neue Einbrüche die Herrschaft an sich zu reißen. Bereits gebildeter Anhydrit (Gips) und dolomitische Steinmergel wurden von den Fluten zerstört und zertrümmert, an anderen Stellen wieder abgesetzt und vermengt (Flasergips, Muschelgips). Mit jedem Meereseinbruch kam neues Tierleben in die zeitenweise abgeschnürten Meeresbecken (fossil- führende Steinmergelbänke). Durch weitere Hebung der Barre wurde das Becken vollständig vom Meere abgetrennt. Bei weiterer Konzentration des Wassers kam es zur Ausscheidung der leicht löslichen Steinsalze (salzhaltige Quellen). Mergel- schiefer überdeckten die Ablagerungen des einstigen Meeres und schützten das Salz vor Auslaugung. Darüber lagerten sich in unendlich langen Zeiträumen die übrigen Schichten des Bunten Keupers. Die Abtragung dieser Keuperschichten ist in unserem Arbeitsgebiet heute wieder soweit fortgeschritten, daß die ehemaligen Anhydritablagerungen des Gipskeupermeeres an vielen Stellen zutage treten. Durch Aufnahme von Wasser hat sich der Anhydrit zum weitaus größten Teile in Gips umgewandelt (Quell- faltung des Gipses). Anhydritreste sind nur noch in kleineren Mengen vorhanden. Der Gips wird gelöst, fortgeführt und stellenweise wieder abgesetzt. Quellfalten- risse, tektonische Spalten und Schichtfugen werden mit Gipskristallen wieder ausgeheilt. Die leichte Löslichkeit des Gesteins hat eine starke unterirdische Verkarstung zur Folge. Es bilden sich geologische Orgeln, Schichtfugengerinne und unterirdische Hohlräume, in denen sich Grundwasser ansammelt. Durch Deckeneinstürze entstehen Erdfälle. In niederschlagsreichen Perioden (atlantische Zeit?) erfolgten Grundwasser- austritte. Die kesselartige Landschaft wurde an den tiefsten Stellen überflutet und bildete Seen, in welchen der aufgelöste Gips durch organische Stoffe in 110 kohlensauren Kalk umgewandelt und durch die Tätigkeit von Algen als Seekreide ausgeschieden wurde. Der Wasserreichtum bewirkte über Gips eine Humi- fizierung von Keupermergeln, wodurch die fruchtbaren, schwarzerdeähnlichen Böden des Windsheimer Gaues gebildet wurden. Eine Klimaänderung am Aus- gang der atlantischen Zeit verursachte einen allgemeinen Rückgang der Seen und eine allmähliche Verlandung derselben. Faulschlammablagerungen legten sich als schützende Decke über die Seekreide. Stellenweise kam es auch zu kleinen Wiesenmoorbildungen . Literaturverzeichnis 1. 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TAFEL III Fig. 5. Geologische Orgeln Fig. 6. Freigelegtes Orgelfeld Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXIII. Bd. TAFEL IV k ,^-V « Fig. 7. Nachgesackte Mergelschichten. Verkarstung des Gipses bis zur vollständigen Auflösung Fig. 8. Schichtfugenplatte mit Erosionsrillen Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XXIII. Bd. TAFEL V Fig. 9. Schichtfugenplatte mit Randlinie Fig. 10. Schichtfugenplatte (Bodenplatte) mit Zerschneidungen und Pilzfelsenbildungen Abh. d. Nat. Ges. Nürnberg XX11I. Bd. TAFEL VI 1 «•*»►* .x* Fig. 11 Schichtfugenplatte Fig. 12. Verwitterte Keupermergel mit Schwarzerdebändern (Ausfüllung ehemaliger Schichtfugengerinne) ABHANDLUNGEN DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT zu NÜRNBERG XXIII. Band . 4. Heft Johann Karl Osterhausen Lebensbild eines Nürnberger Arztes um die Wende des i 8. und 19. Jahrhunderts Dargestellt von Dr. HANS KIRSTE 1 9S 1 Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg Johann Karl Osterhausen Lebensbild eines Nürnberger Arztes um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts Dargestellt von Dr. Hans Rirste J93 1 Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg Dr. med. Johann Karl Osterhausen 1765-1839 Gründer der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg v ■ v l c ; BOTANICAI) GARDEN I ch habe mir die Aufgabe gestellt, in kurzen Zügen die Lebensgeschichte des Nürnberger Arztes Johann Karl Osterhausen zu schildern. Dieser ausge- zeichnete Arzt, der vor rund 92 Jahren in Nürnberg nach einem arbeitsreichen Leben verstarb, ist neben dem freilich nur verhältnismäßig kurze Zeit in Nürn- berg tätigen Dr. von Hoven zweifellos die bedeutendste Ärztepersönlichkeit des damaligen Nürnbergs, in dem er 48 Jahre ärztlich wirkte, gewesen. Seit etwa 5 Jahren bin ich bemüht Quellenmaterial für eine Lebensgeschichte die- ses Mannes zusammenzutragen. Als mein Ureltervater erweckte er von jeher in mir ein begreifliches, lebhaftes Interesse für seine Persönlichkeit, ein Inter- esse, das durch mündliche Erzählungen meines Großvaters Johann Merkel und meiner Mutter Helene Kirste gefördert wurde. Ich hoffe aber auch mit meiner Schilderung ein allgemeines Interesse erwecken zu können, weil wir bei dieser Lebensbeschreibung einen nicht uninteressanten Einblick in den Geist der Zeit um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts, der durch die Worte: „Aufklärung und Romantik" kurz gekennzeichnet ist, gewinnen können. Johann Karl Osterhausen wurde am 11. März 1765, an einem Montag, als der älteste Sohn des Pfarrers Samuel Osterhausen in Artelshofen im Pegnitztal ge- boren. In der lieblichen Gegend der Hersbrucker Berge verlebte J. K. Oster- hausen seine Jugendjahre, erst in Artelshofen, dann in Happurg, bis der als tüchtiger Geistlicher geschätzte Vater im Jahre 1774 als Diakonus an die Kirche von St. Lorenz berufen wurde. Das Aufwachsen auf dem Lande in seinen ersten 9 Lebensjahren war sicherlich für den hochbegabten Knaben nicht ohne Wir- kung für seine spätere Entwicklung. Die Liebe zur Natur, die Osterhausen zeit- lebens sich bewahrte, und die sein Streben nach Naturerkenntnis und sein nie erlahmendes Interesse für die Naturwissenschaften beseelte, wurde sicherlich bereits in jenen frühen Jahren durch die unmittelbare Berührung mit der Na- tur, wie sie das Landleben ermöglicht, erweckt. Als der Neunjährige dann nach Nürnberg kam, hatte er noch lange mit der Sehnsucht nach den Freuden der Natur zu kämpfen, wie uns berichtet wird. Der Vater unseres Osterhausen, der INI bisher ganz allein den Unterricht seines Sohnes in der Hand hatte, gab in Nürn- berg diesen zunächst nicht in eine öffentliche Schule, sondern unterrichtete ihn bis zum 14. Lebensjahr gemeinsam mit Hauslehrern. Der Vater soll ein stren- ger Lehrer gewesen sein, der seinen Schüler zum Studium der lateinischen, griechischen und hebräischen Sprache mit Ernst anhielt, Er muß aber auch ein sehr trefflicher Lehrer gewesen sein, denn er verstand es bei seinem Schüler großes Gefallen an den alten Sprachen zu erwecken und in ihm den Grund für die tiefen philologischen Kenntnisse zu legen, die den späteren Doktoran- den befähigten, bei der Abfassung seiner geschichtlichen Dissertation über die antike Sekte der Pneumatiker eine sehr große Zahl antiker Autoren im Urtext zu lesen und durchzuarbeiten. Mit 14 Jahren trat Osterhausen in die Mittelschule ein, nicht in die obere Schule desEgidiengymnasiums, sondern in die sogenannte Spitalschule, eine der drei in Nürnberg vorhandenen Trivialschulen, die zur damaligen Zeit in ihrem Lehrplan und mit ihrer Berechtigung zum Universi- tätsstudium sich kaum von dem von Melanchthon gegründeten Gymnasium unterschieden. Einen trefflichen Lehrer fand er hier in der Person des Rektors Johann Scheuber, dem Osterhausen, wie er sich ausdrückt, die Bildung und Richtung seines Geistes vornehmlich verdankte. Als Scheuber 1781 sein Rek- torat mit der viel besser dotierten Pfarrstelle eines Landgeistlichen vertauschte, trat Osterhausen in die Lorenzerschule über, wo er wieder das Glück hatte, einen besonders tüchtigen Lehrer in der Person des dortigen Rektors, Georg Thomas Serz, zu finden. Auch S er z muß ein ausgezeichneter Schulmann gewesen sein. Seinen zahlreichen Schülern, die die Universität bezogen, wurde nachgerühmt, daß sie sich vor anderen durch gründliche Sprachkenntnisse auszeichneten. 1783 hatte Osterhausen die Lorenzerschule absolviert, und im September dieses Jahres schickte er sich an, die Nürnberger Universität Altdorf zu beziehen. Bevor wir jedoch Osterhausen auf die Hochschule begleiten, muß des 1781 geschlossenen Freundschaftsbundes mit dem fast gleichalterigen Johann Benjamin Erhard Erwähnung getan werden. Diese Freundschaft war für Osterhausen sowohl, wie für Erhard von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die geistige Entwick- lung beider; sie hat auch gedauert in unverminderter Treue bis zum Tode Er- hards im Jahre 1828. Erhard hat dieser Freundschaft in seiner Selbstbiographie ein schönes Denkmal gesetzt, wenn er am Ende seines Lebens schreibt: „Keine Fügung des Schicksals hat je unsere Herzen getrennt, kein Schein von Glauben an Untreue uns in unserem Vertrauen irre gemacht und wenn wir auch einige Male miteinander unzufrieden waren, so war doch nie der leiseste Verdacht von Unredlichkeit in unsere Seele gekommen." Johann Benjamin Erhard war ein hochbegabter, origineller Mensch, dessen Persönlichkeit den bedeutendsten Zeitgenossen eindrucksvoll erschien, was am besten ersichtlich ist, wenn man das liebevolle Eingehen Varnhagen von E n s e s auf Erhards Leben berücksich- tigt, dem dieser einen dicken Band seiner biographischen Denkmale in den „Denkwürdigkeiten des Philosophen und Arztes Johann Benjamin Erhard" ge- widmet hat. In diesem Werke sind 103 Briefe Erhards an Osterhausen, freilich leider nur ein Brief Osterhausens an Erhard abgedruckt. Diese Briefe gewähren einen recht interessanten, wertvollen Einblick in das Innenleben zweier hoch- begabter, durch schwärmerische Freundschaft miteinander aufs innigste ver- bundenen Jünglinge. Erhard's Leben und Entwicklungsgang war in vieler Hin- sicht ein außergewöhnlicher. 1 766 geboren, also ein Jahr jünger wie Osterhausen, war er der Sohn eines wohlhabenden, off enbar künstlerisch veranlagten Scheiben- ziehermeisters. Als Jüngling sollte er zunächst das Gewerbe des Vaters erler- nen und betreiben. Erhard tat dies auch zunächst und fand in dem väterlichen Beruf Befriedigung. Daneben aber war der junge Mann von glühendem Inter- esse für die "Wissenschaften, vor allem für Mathematik, Sprachen, Naturwissen- schaften und Medizin erfüllt. In seinen Mußestunden gab er sich ernstem wissen- schaftlichen Studium hin, einem Studium, das vorzugsweise philosophisch orientiert, eine uns unverständlich gewordene breite Unterlage anstrebte. Bei dieser unermüdlichen geistigen, vornehmlich autodidaktischen Fortbildung war ihm die Freundschaft Osterhausens, der ihm durch seine systematische geistige Erziehung wohl in mancher Beziehung ein willkommener Wegweiser sein konnte, von größtem Wert. Zur Medizin gelangte Erhard, der nach dem Er- scheinen der Hauptwerke Immanuel K a n t s sich mit Begeisterung deren Studium widmete und zeitlebens ein begeisterter Anhänger des Königsberger Philosophen blieb, durch den älteren Siebold, damals Professor in Würzburg, der den be- gabten Jüngling bewog, in Würzburg das Studium der Medizin aufzunehmen. So verbrachten die beiden Freunde das Jahr 1788 als Medizinstudenten in Würz- burg. Dann trennten sich aber ihre Wege. Während Osterhausen nach Berlin ging, zog Erhard nach Jena, dort die Wertschätzung eines Wieland, Herder, Schiller und Goethe findend. Danach folgten große Reisen nach Dänemark, Italien und in Deutschland. In Königsberg weilte er längere Zeit bei Kant und verkehrte mit ihm in so vertrautem Umgang, daß der große Philosoph einmal erklärte, daß er von allen Männern, die Königsberg besucht hätten, sich keinen besseren zum täglichen Umgang wünschte als Erhard. Als Erhard schließlich in die heimatliche Universität Altdorf zurückgekehrt war, promovierte er dort 1792 über ein philosophisch- medizinisches Thema: „Idea organi medici" und hatte nun eigentlich vor, sich in der Vaterstadt als Arzt niederzulassen. Das damalige Collegium medicum machte ihm jedoch wegen des ungewöhnlichen, von dem Herkömmlichen stark abweichenden Ganges seines Studiums den Ein- tritt in die Nürnberger Ärzteschaft strittig und gab dadurch den Anlaß, daß Erhard bald Nürnberg den Rücken kehrte, um sich nach mancherleiVersuchen zur Gründung einer Existenz nach Berlin zu wenden, wo er einer der angesehen- sten praktischen Arzte wurde und eine nicht unerhebliche Rolle in dem ge- bildeten Berlin zu Anfang des 19. Jahrhunderts spielte. Der philiströse klein- liche Kastengeist, der das Nürnberger Collegium medicum Ende des 18. Jahr- hunderts kennzeichnete und der Nürnberg eines hochbedeutenden Sohnes be- raubte, veranlaßte Osterhausen, seiner Empörung Ausdruck zu geben, indem er eine sehr witzige, beißende Satire gegen das Collegium medicum drucken ließ, betitelt : „Einige wohlgemeinte Vorschläge, wie ein medizinisches Collegium auf die zweckmäßigste und vollkommenste Weise einzurichten sei, eine Rede, ge- halten in einer Versammlung rechtgläubiger Ärzte, von einem rechtgläubigen Arzt." Wie mannhaft hier Osterhausen öffentlich seiner Überzeugung Ausdruck verleiht und gegen die Zurücksetzung seines Freundes Stellung nimmt, verdient Anerkennung. Nun zum weiteren Entwicklungsgang Osterhausens. Als Osterhausen 1783 als junger Student die heimatliche Universität Altdorf bezog, sollte er nach dem Wunsch des Vaters Theologie studieren. Ursprünglich schien er auch eine ge- wisse, durch die Tradition im Elternhaus genährte Neigung zur Theologie ge- habt zu haben. Jedoch die mit dem Freunde Erhard getriebenen philosophischen Studien und die geringe Neigung, die Osterhausen exegetischen Schriften ent- gegenbringen konnte, veranlaßten ihn auf der Universität sich zunächst fast ausschließlich philosophisch- philologischen Studien hinzugeben. Er hörte phi- losophische Kollegien bei den Professoren Nagel, Will und Meyer und be- schäftigte sich eingehend mit griechischer und hebräischer Sprache. Osterhausen war drauf und dran, Philologe zu werden, als welcher er in der damaligen Zeit freilich keine Aussicht zu einem Brotstudium gewinnen konnte. Seine Neigung zur Arzneiwissenschaft wurde geweckt, als er im Nürnberger Anatomischen Theater, in den Räumen des Katharinenklosters, einer Leichenzergliederung, wie sie jährlich einige Male für die Barbiere abgehalten zu werden pflegten, beiwohnte. Die Einblicke in den inneren Bau des menschlichen Körpers, die seinem nach Klarheit verlangenden Geist durch die Sektion gegeben wurden, begeisterten ihn außerordentlich, so daß er nunmehr nur den einzigen Wunsch kannte, Medizin zu studieren. Er widmete sich also im zweiten Altdorf er Studien- jahr naturgeschichtlichen Studien und besonders anatomischen Demonstrationen. Der Vater wollte zwar zunächst nichts davon wissen, daß der Sohn der Theo- logie den Rücken kehren wollte, wohl aus dem Grunde, weil er keine Möglichkeit sah, bei seiner großen Familie (er hatte 4 Söhne und 4 Töchter) die nötigen Mittel für das schon damals kostspielige Medizinstudium aufzubringen. Als jedoch Professor Vogel und auch der Vater des Freundes Erhard bei Pfarrer Oster- hausen sich für das Vorhaben des Studenten verwendeten und als es sich er- möglichen ließ, daß die theologischen Stipendien auch dem Mediziner gewährt wurden, dawaren die Widerstände beseitigt und Osterhausen jun. konnte sich nun ausschließlich dem Medizinstudium zuwenden. Mit größtem Eifer arbeitete er bei den Medizinprofessoren Vogel, Hof mann, Wittwer und Acker- mann, die dem strebsamen hochbegabten Jüngling ihre Freundschaft schenkten. Hof mann und Ackermann scheinen vor allem Einfluß auf Osterhausen gewonnen zu haben. Hofmann, ein praktischer Mediziner, der als Gründer einer Altdorfer Poliklinik sich ein besonderes Verdienst erwarb, wurde von Osterhausen auf allen seinen Krankenbesuchen begleitet. Durch Hofmann scheint Osterhausen für die praktische Medizin, der er ja sein späteres Leben widmete, gewonnen zu sein. Ackermann indessen, der zu seiner Zeit als einer der besten Medizin- historiker galt und der heute noch in der Geschichte der Medizinhistorie als einer der ersten Ärzte gerühmt wird, die die medizinischen Quellen der Antike wissenschaftlich erschlossen, gewann naturgemäß auf den von der Philologie herkommenden Studenten einen großen Einfluß. Auf seine Anregung hin ist wohl eine Übersetzung der Diätetik des Galen im Jahre 1788 entstanden, ferner die Wahl der Osterhausenschen Doktorarbeit, die sich mit der antiken Sekte der Pneumatiker beschäftigte. Mit ungeheurem Fleiß hat Osterhausen die alten Quellen in den Ursprachen studiert und eine historische Darstellung, die wohl auch heute noch Wert besitzt, gegeben. Bevor jedoch dies geschah, sah sich unser Student noch auf anderen Universitäten um. "Wie schon erwähnt, finden wir ihn 1 788 mit seinem Freunde Erhard in Würzburg. Dort wurde unter Siebolds Leitung eifrig Anatomie und Chirurgie getrieben und bei Wilhelmi im Julius- spital ein praktisches Klinikum gehört. Osterhausen und Erhard lebten in einem Kreise von begabten Jünglingen, die ernsthaft bestrebt waren, sich zu unter- richten, dabei aber fröhlicher Erholung nicht abgeneigt waren. 1789 ging es dann nach Berlin, das damals zwar noch keine Universität, aber bedeutende klinische Lehranstalten besaß. Hier fühlte sich Osterhausen nicht sonderlich wohl, so daß er 1790 im April Berlin wieder verließ, um das nördliche Deutsch- land und die Rheingegenden zu bereisen. Von Straßburg aus kehrte er nach Altdorf zurück. Daß die Wahl des Medizinstudiums für Osterhausen die richtige war und seiner Veranlagung am meisten entsprach, dafür zeugt ein Brief aus dem Jahre 1785, in dem er schreibt: „Ich habe wohl mit Grund jetzt Ursache mich für den Glücklichsten der Sterblichen zu halten. Ich besitze die Liebe und das Vertrauen meiner Freunde, den Beifall und die Achtung meiner Lehrer." 1790, nach sieben Universitätsjahren, schloß Osterhausen inAltdorf sein medi- zinisches Studium ab mit einem Examen rigorosum, wie es damals hieß, und mit seiner obenerwähnten Dissertation. Dieser Arbeit sind 8 Thesen beigefügt, die von dem Doktoranden ausgewählt und verteidigt werden mußten. Da sie einen Einblick in die medizinische Anschauungsweise des Verfassers und seiner Zeit gewähren, sind sie nicht ohne Interesse. Eine der Thesen lautet: „Ein Arzt mag noch so gute theoretische Anschauungen besitzen; Haupterfordernis ist, daß er ein Praktiker sei." Eine andere: „Ich halte es mit dem Grundsatz der Empiriker, der nach dem Bericht des Celsus lautet: Die Kenntnis der Ur- sache einer Krankheit ist weniger wichtig, als die Behebung einer Krankheit/' Das praktische Können des Arztes erscheint dem jungen Mediziner also wich- tiger, wie die wandelbaren, fast immer in Einseitigkeiten verstrickten Theorien, eine Anschauungsweise, die auch heute noch Geltung hat, wie damals. Über speziellere Fragen gehen folgende Thesen: „Die Entzündung der Leber bleibt oft unerkannt, da der an ihr Erkrankte nur wenig Schmerzen empfindet." Das klinische Bild derLebercirrhose, das bekanntlich Laennec aufstellte, war damals noch unbekannt. Infolgedessen verstand man es noch nicht, die Wassersucht bei der chronischen Leberentzündung als Pfortaderstauung aufzufassen. Weiter- hin: „Das Fehlen des Hymens ist kein absolut sicheres Zeigen der Entjung- ferung" oder: „Nächtliche Pollutionen sind zu den natürlichen männlichen Ausscheidungen zu rechnen." Zum Aderlaß, der Ende des 18. Jahrhunderts noch eine überaus große Rolle spielt, nimmt Osterhausen Stellung, wenn er den Satz verteidigt: „Die Notwendigkeit einer Venäsektio wird nicht durch die Stadien der Schwangerschaft bestimmt, sondern ist allein gegeben, wenn eine Blutüberfüllung (Plethora) vorhanden ist." Auch mit der Krisenlehre setzt sich unser Doktorand auseinander, wenn er sagt: „Die Lehre von den kritischen Tagen gibt dem Praktiker bei der Therapie der Erankheiten das beste Licht." Der Gedanke, der aus diesem Satz spricht, daß die sorgsame Beobachtung des Krankheitsverlaufes dem Arzt die beste Richtschnur für seine Heiltätigkeit gebe, hat an Geltung auch heute nichts verloren. Am ersten Juni 1791 zog Osterhausen in Nürnberg ein, um sich als praktischer Arzt niederzulassen. Nicht lange danach, im August, schreibt er an Erhard: „Ich fühle, daß mit den akademischen Jahren meine schönen Tage dahin sind und drückende Verhältnisse auf mich einstürmen, wiewohl ich von Glück zu sagen habe, denn seit ich hier bin, habe ich immer Patienten gehabt, dafür schika- nieren mich auch meine Herren Kollegen. Bis jetzt bin ich noch nicht in ihre Zunft aufgenommen und, Gott weiß, was geschieht und wie sauer sie mir es noch machen." Es dauerte jedoch nicht mehr lange, bis Osterhausen auch Mitglied des Kollegiums der Nürnberger Ärzte wurde. Am 9. November 1791 mußte er sich nach dem Brauch der damaligen Zeit noch einem Examen vor dem Nürn- berger Ärztekollegium unterziehen. Er hatte die Brusteingeweide einer bei Lichtenhof auf der Straße verstorbenen fremden Weibsperson zu demonstrieren. Bei diesem specimen anatomicum sowohl, als bei dem am 12. Dezember 1791 gehaltenen collegium practicum hat er allen Erfordernissen dergestalt Genüge geleistet, daß er als künftiges Mitglied des Kollegiums aufs beste empfohlen werden konnte. Recht wohl scheint sich Osterhausen im Collegium medicum übrigens nicht gefühlt zu haben. Der enge Kastengeist, der hier herrschte, und die verknöcherte medizinische Dogmatik, die einer geistlosen Brech-, Purgier- und Aderlaßmethode huldigte, konnte den kritisch denkenden, nach neuen Gedanken Umschauhaltenden jungen Arzt nicht befriedigen. Osterhausen hatte sich ebenso wie Erhard den als ketzerisch verschrienen Brownschen Lehren wohl als einer der ersten Ärzte in Nürnberg mit Entschiedenheit zugewendet. Mit der Brownschen Lehre hatte es folgende Bewandtnis: Diese Doktrin, die im Anfang des 19. Jahrhunderts einen sehr großen Einfluß, vornehmlich auf die praktischen Mediziner in Deutschland ausübte, und die sogar heute noch in manchen medizinischen Begriffen und in der medizinischen Nomenklatur fortlebt (die Begriffe Atonie, Asthenie, Neurasthenie, reizbare Schwäche des Nervensystems gehören hierher), hatte in ihrer einfachen einleuchtenden Art, wie sie die Lebens- und Krankheitsvorgänge erklärte, etwas Bestechendes. Nach ihr ist das Leben kein spontaner, von selbst erfolgender, sondern ein nur durch Reize erzwungener und erhaltener Zustand. Die Reize sind entweder äußere, wie Wärme, Luft etc., oder innere, Muskelzusammenziehung, gemütliche Erregung und ähnliches. Das Leben beruht auf der Fähigkeit des Organismus, auf diese Reize zu reagieren, auf der Erregbarkeit. Ein mittlerer Grad von Erregbarkeit bedeutet Gesundheit. Abweichungen nach der einen wie der an- deren Seite sind krankhaft. Die Therapie hat das Ziel, die abnorme Erregbar- keit durch beruhigende oder stimulierende Mittel auf das Normalmaß zurück- zuführen. Die rationelle Grundlage dieser uns heute primitiv anmutenden Lehre bildeten die Forschungsergebnisse des großen Physiologen Haller, der bekannt- lich den Begriff Irritabilität, d. h. Erregbarkeit der lebendigen Substanz, prägte. Wenn Osterhausen sich auch als entschiedenen Anhänger des Brownschen 8 Systems bekannte, so gab er doch sicherlich der Erfahrung am Krankenbett ihr Recht. Möglichst unvoreingenommene Krankenbeobachtung und eine vernünf- tige Empirie leiteten wohl immer sein ärztliches Tun. Ob er sich später wie manche seiner Freunde und Zeitgenossen vom Brownismus ab wandte, dafür konnte ich kein Zeugnis finden. Es erscheint mir aber wahrscheinlich. Interes- sant ist übrigens — und darum möge es hier angefügt sein — die Art, wie Erhard seine in späteren Jahren erfolgte Abkehr von der Brownschen Lehre motivierte. Er gab nicht zu, daß er den Sätzen Browns aus bloßem Irrtum angehangen sei, sondern er war der Meinung, die Stimmung des menschlichen Organismus und der Charakter der Krankheiten selbst verändere sich, und es sei daher anzu- nehmen, daß eine ärztliche Methode, die wir jetzt verwerfen müssen, zu ihrer Zeit vollkommen zweckmäßig gewesen sei. Diese maßlose Überschätzung der wandelbaren Theorie, gegenüber dem in kurzen Zeitspannen doch gewiß un- wandelbaren Ablauf der Naturvorgänge, ist uns heute unverständlich. Daß Oster- hausen die von Meßmer vertretenen Lehren des Magnetismus und Somnambu- lismus, ebenso die Hahnemannsche Homöopathie entschieden ablehnte, ist durch einen Zeitgenossen (Prof. Daumer) verbürgt. Wenn Osterhausen in seinen medizinischen Anschauungen von denen seiner Kollegen abwich, so trat er auch in anderer Beziehung in Gegensatz zu dem Kollegium. Es handelte sich um eine an sich zwar ziemlich belanglose, aber doch für beide Teile recht be- zeichnende Angelegenheit. Osterhausen hatte sich herbeigelassen, mit einem Wundarzt, namens Pell er, ein Krankenkonzil abzuhalten. Die Wundärzte, die damals die praktische Chirurgie ausübten, galten als Heilbeflissene niederer Ordnung, denn die damaligen Doktoren der Medizin hielten es unter ihrer Würde praktische Chirurgie zu treiben. Infolgedessen vergab sich ein Doktor der Medizin etwas in seiner Standeswürde, wenn er mit einem Wundarzt sich beriet. Daß Osterhausen sich von dem Vorurteil des Kastengeistes der Ärzteschaft freimachte, wenn es die Umstände erforderten, zeugt von schöner, hoch anzu- rechnender Vorurteilslosigkeit. Die Folge dieses Streites war die, daß Oster- hausen ein Jahr lang aus dem Collegium medicum ausschied, ob freiwillig oder gezwungen, kann ich nicht angeben. Jedenfalls gab der Arger über diese An- gelegenheit auch mit Veranlassung zu der vorhin bereits erwähnten Satire. Als schließlich 1808 das Medizinische Kollegium aufgelöst wurde, was eine Folge der am 15. September 1806 erfolgten Einverleibung der ehemals freien Reichsstadt Nürnberg ins Königreich Bayern war, trauerte Osterhausen diesem Verlust nicht nach. Denn in der Tat war das Collegium medicum in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens nur noch einSchatten seiner ehemaligen Bedeutung. Man kann dies deutlich sehen, wenn man die Akten des Kollegiums aus dieser letzten Zeit durchsieht und folgende Worte liest, die den spießbürgerlichen Geist des damaligen Nürnberger Ärztevereins kennzeichnen. Der Dekan Preu lädt am 4. Januar 1792 seine Kollegen folgendermaßen zwecks Abhaltung wissenschaftlicher Sitzungen ein: „Lassen Sie uns einen simplen Club von Ärzten errichten, wobei man ohne allen Zwang monatlich zusammenkommt, an einem dritten Ort eine Pfeife Toback raucht, ein Glas Bier oder ein Schöppchen Wein trinkt und etwas Kaltes ißt, von 5 — 8 Uhr, wo man aber zum Gesetz macht, kein Spiel zu spielen, sondern sich bloß zu unterreden, hauptsächlich von Sachen, welche unsere Kunst betreffen." Zu diesen Zusammenkünften scheint es jedoch nicht gekommen zu sein. Bei der Auflösung des Kollegs wurden die gesamten Akten dem Dr. Osterhausen überlassen, durch dessen Schwiegersohn, den praktischen Arzt Dr. Philipp Göschel, sie in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Besitz des ärztlichen Lokalvereins gelangten. Diese als geschichtliche Quelle überaus wichtigen Aufzeichnungen finden sich heute noch im Besitz des Nürnberger Ärztlichen Vereins. Osterhausen scheint sich bald eine auskömmliche Praxis erworben zu haben, die er am Heumarkt alte Nr. S 568, dem heutigen Theresienplatz, ausübte, später von 1819 ab in der Adlerstraße, alte Nummer L 317. — Nach einer schriftlichen Mitteilung Johann Merkels soll Osterhausen in Nürnberg der erste Arzt ge- wesen sein, der regelmäßig mit eigener Kutsche und Pferden zu seinen Kranken- besuchen fuhr. Diese erste Doktorchaise wurde sogar im Bild von der Meister- hand Johann Adam Kl eins festgehalten. Leider existiert das Bild nicht mehr. 1792 wurde Osterhausen die ärztliche Versorgung des Armen- und Waisen- hauses übertragen, ferner der Unterricht am Anatomischen Theater für die Wundärzte. Geburtshilfe scheint er nicht ausgeübt zu haben, jedenfalls wird er in den Nürnberger Adreßbüchern nicht als Geburtshelfer geführt. Von 1823 anbisan seinLebensende versah Osterhausen nebenamtlich die Stelleeines Anato- mielehrers an der Kgl. Kunstschule zu Nürnberg. Der erste Direktor der Kunst- schule, Reindel, hatte ihn bei der Regierung für diese Stelle vorgeschlagen als einen durch seine Gelehrsamkeit sowohl, als auch durchsein langjähriges segens- reiches Wirken in Nürnberg in rühmlichem Andenken stehenden Mann. Gegen eine Vergütung von 100 Gulden hatte Osterhausen im Winter die Osteologie, im Sommer die Myologie zweimal wöchentlich, Dienstags und Freitags, vorzu- tragen. Oberhalb des Himmelstores an der Burg war ihm vom Magistrat ein Zimmer eingeräumt worden, in dem gelegentlich Sektionen und Demonstrationen an Leichen stattfanden. Zum Beweis, wie allgemein geschätzt das ärztliche Urteil Osterhausens war, diene noch die Tatsache, daß er im Jahre 1830 zusammen mit dem Stadtgerichtsarzt Dr. Preu aufgefordert wurde, über den rätselhaften Findling Kaspar Haus er ein ärztliches Gutachten abzugeben. Das Kgl. Kreis- und Stadtgericht Nürnberg, veranlaßt durch den höchsten richterlichen Beamten des Regierungsbezirks, den berühmten Kriminalisten Paul Anselm von Feuer- bach, hatte sich an Preu und Osterhausen gewendet mit dem Ersuchen, den ungegründeten Verdacht des Polizeirates Merk er, daß Kaspar Hauser ein Betrüger sei, durch ein medizinisch- wissenschaftliches Gutachten zu widerlegen Das Ansinnen war insofern merkwürdig, als die geforderte Widerlegung eines Verdachtes ein objektives Gutachten von vornherein illusorisch machte. Das sehr ausführliche Gutachten Osterhausens ist im Druck erhalten und durch die Liebenswürdigkeit des bedeutenden Kaspar-Hauser-Kenners Prof. Dr. Ley mir zugänglich gemacht wordeu. Es ist abgedruckt in den authentischen Mitteilungen über Kaspar Hauser von Dr. Julius Meyer, Ansbach 1872. So interessant dieses 10 Gutachten bezüglich der subtilen Detailbeschreibung ist, so kann man sich beim Lesen doch des Eindrucks nicht erwehren, daß ihm der Charakter einer streng objektiven Schilderung fehlt. Die vorgefaßte Meinung, daß Kaspar Hauser das Opfer eines Verbrechens sei, beherrscht Osterhausen wie Preu und Feuerbach und viele andere vollkommen. Es ist eben für den Arzt ebenso schwierig wie für den Juristen, sich von gefühlsmäßigem Vorurteil völlig freizuhalten. In der Kaspar-Hauser-Literatur wird Osterhausens Gutachten von derjenigen Rich- tung, die in Kaspar Hauser einen Schwindler sieht, scharf kritisiert. Wer kann sagen mit Recht oder Unrecht? Kurios ist übrigens die im Kaspar-Hauser Schrift- tum vertretene Meinung, daß alle in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts verstorbenen Männer, die, wie Feuerbach und Osterhausen, an ein an Hauser verübtes Verbrechen glaubten, einem Giftmord zum Opfer gefallen seien. Wer die näheren Umstände der letzten Krankheit und des Todes bei Feuerbach und Osterhausen kennt und nüchtern würdigt, muß von der vollkommenen Haltlosig- keit solcher verstiegenen Behauptungen überzeugt sein. Bevor wir auf die literarischen Arbeiten Osterhausens und auf seine Be- teiligung an der Gründung der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft und an der Gründung der Physikalisch-medizinischen Sozietät zu Erlangen näher eingehen, noch ein paar kurze Worte über seine familiären Verhältnisse. 1795 heiratete Osterhausen die Tochter des Predigers Mörl, die geschiedene Frau des Hofrats Siebenkees, eines tüchtigen Juristen, der sich besondere Verdienste um die Erforschung der Geschichte Nürnbergs erworben hat. Diese Verbindung mit der nicht unbedeutenden Frau, die ihren Gatten und sieben Kinder verließ, um die Ehefrau Osterhausens zu werden, ist charakteristisch für die Auffassung, die die damalige Zeit sich über Liebe und Ehe bildete. Es galt zu jener Zeit, wie Varnhagen v o n E n s e, der Romantiker, einmal schrieb, eine Religion der Liebe, in der jedes echte Gefühl für heilig angesehen wurde. Diesem Ge- fühl zu folgen, hielt man für Pflicht, ihm zu widerstreben, für Haß und Gemein- heit. Und dieses Gefühl wurde sogar von Siebenkees respektiert. Er blieb auch nach der Scheidung von seiner Frau der intime Freund Osterhausens, in dessen Haus er aus und ein ging bis zu seinem Tode. Auch zwischen den Familien Osterhausens und Siebenkees' bestanden weit über den Tod Osterhausens und Siebenkees' hinaus bei Kindern und Kindeskindern engste freundschaftliche Beziehungen, wie uns aus handschriftlichen Aufzeichnungen Johann Merkels überliefert wird. Wir Heutigen können für eine solche Auffassung, die in den Kreisen der Romantiker, wie bekannt, von vielen ausgezeichneten Männern und Frauen geteilt wurde, kein rechtes Verständnis aufbringen. Die oben an- geführten Worte Varnhagens geben uns aber immerhin einen Schlüssel, um die Einstellung jener Menschen zu ihrem Gefühlsleben und um die praktischen Konsequenzen, die sie daraus zogen, würdigen zu können. Sie lehren uns diese Einstellung unserer Vorfahren nicht kurzerhand als unmoralisch zu verdammen. DieEhe Osterhausens war eine sehr glückliche. Das gastliche Haus amTheresien- platz vereinigte oft geistreicheMänner, wie den Dichter undTheologen Wit s ch e 1, den Maler Kreul, den witzigen Ministerialrat Brunn er und andere. Leider 11 dauerte diese Ehe nur zehn Jahre. Im Jahre 1804 verstarb Susanne Marie Osterhausen an den Folgen eines Brustkrebses. Interessant ist, daß auch die beiden Töchter Osterhausens aus dieser Ehe in verhältnismäßig jungen Jahren an demselben Leiden zugrunde gingen. Erst spät, im Jahre 1813 konnte sich Osterhausen entschließen, eine zweite Ehe einzugehen, und zwar mit der Tuch- händlerstochterWilhelmine Krieger, verwitweter Förster, dieihm zweiTöchter schenkte, von denen die eine die Mutter des Dr. Karl Gosche 1, die andere die Mutter des Dr. Johann Merkel und des bedeutenden Anatomen, Professor Friedrich Merkel, in Göttingen wurde. Im Jahre 1797 erlebte Osterhausen die Freude, Goethe in Nürnberg kennen- zulernen, wie wir aus einem Brief Osterhausens an Erhard am 30. November 1797 erfahren. Da dieser Brief allgemeineres Interesse verdient, möchte ich ihn hier ohne Kürzung anführen. Er lautet: „ Goethe war über 8 Tage hier. Ich sprach ihn und fand nichts von dem Stolz, den man ihm vorwirft. Wir sprachen von Schiller. Er sprach mit Enthusiasmus von ihm und seinen philosophischen Ideen, und bedauert, daß er sie nicht bekannt machte, hoffte aber, daß er noch im Stande sein würde ihn dazu zu überreden. Ob die Welt viel dabei gewinnen wird, wenn sie den Probestücken in den Hören gleichen? Ich sagte ihm, daß ich bedauere, Schiller nicht persönlich kennengelernt zu haben, indem er nicht zu Jena war, als ich da war, und als er zu Nürnberg war, wo er bei Dir war, wäre ich nicht hier gewesen. Als ich Deinen Namen nannte, fragte er mit Leb- haftigkeit: ,Was macht Erhard? Ist er hier, das ist auch ein vortrefflicher Kopf.' Ich sagte ihm auch von Deiner Orts- und Geschäftsveränderung. Er entgegnete: ,Ein so trefflicher Kopf, wie dieser, kann sich in alle Sättel werfen.' Daß ich mir gegen Goethe auf Deine Freundschaft viel zu Gute that, wirst Du mir nicht verdenken. Er sagte gleich Anfangs unserer Unterhaltung zu mir: ,Sie finden wohl unter den Nürnberger Ärzten wenig Unterhaltung, denn sie scheinen sich nicht sonderlich mit Gelehrsamkeit und Literatur abzugeben'; worauf ich mich auch expektorierte und als wir von Dir sprachen, so sagte ich: ,Sie können die hiesigen Arzte daraus vollkommen kennen lernen, wenn ich Ihnen sage, daß sie den Dr. Erhard deswegen nicht in ihr Collegium aufnahmen, weil er nicht zunft- mäßig drei Jahre auf Universitäten war." Osterhausen lernte Goethe bei einem Mahl im Roten Roß kennen anläßlich Goethes dritten Aufenthaltes in Nürnberg, der sich über 9 Tage vom 6. bis 15. November 1797 erstreckte. An diesem Mahl nahmen außer Osterhausen mehrere Kaufleute, einige Grafen, Patrizier, Juristen, Offiziere und eine Reihe von Ge- sandten des Fränkischen Kreises teil. Von den zahlreichen Tischgenossen scheint der hochgebildete, gelehrte, damals 32 jährige Arzt einen besonderen Eindruck auf Goethe gemacht zu haben, da der Dichter in einem Brief vom 31. Januar 1798 an den Kaufmann Paul Wolfgang Merkel besondere Grüße an den hei- teren Herrn Pestilenziarius aufträgt. Es ist mir nicht zweifelhaft, daß damit Osterhausen gemeint ist, der als Armenarzt die Infektionskranken des Nürn- berger Schauhauses zu betreuen hatte und in dieser Eigenschaft den alten in den Akten des Collegium medicum überlieferten Titel eines Medicus Pestilen- 12 ziarius führte, einen Titel, der einer offiziellen Geltung allerdings entbehrte. Wir kommen nun zu den geistigen Bestrebungen und zur literarischen Tätig- keit Osterhausens. Osterhausen war der Typus eines gelehrten Arztes. Es war ihm innerstes Bedürfnis, ständig sich nicht nur fachwissenschaftlich weiterzu- bilden, sondern auch allen möglichen geistigen Strebungen seiner Zeit nach- zugehen und durch ernstliches gründliches Studium sein Wissen zu erweitern und zu vervollkommnen. Bis lange nach Mitternacht soll der strebsame Arzt täglich in seiner Bibliothek, die er sein Heiligtum nannte, geweilt haben, unter seinen geliebten Büchern oder mit der Gänsefeder in der Hand, mit schrift- stellerischen Arbeiten beschäftigt. Zur damaligen Zeit, als es noch keine leicht zugänglichen öffentlichen Bibliotheken gab, war die eigene Bibliothek des Ge- lehrten ein treues Spiegelbild seiner geistigen Neigungen. Wenn auch die kost- bare Büchersammlung Osterhausens nach seinem Tode leider in alle Winde verstreut worden ist, so radikal, daß es mir trotz langjährigen Suchens nicht gelungen ist, auch nur ein einziges Buch aus Osterhausens Besitz zu finden, so besitzen wir doch von einem Zeitgenossen, dem Pfarrer Wilder, aus dem Jahre 1827 eine uns interessierende Schilderung jener Bücherei. Wilder schreibt in seinem Handbüchlein: „Nürnberg für Fremde und Einheimische" 1827: „Die bedeutendste Privatbibliothek ist die des ausübenden Arztes Dr. Osterhausens. Sie ist fast über alle Fächer verbreitet, Medizin, alte Literatur, Klassiker, Deut- sche Literatur, alte und neue norische Schriften, alte und seltene Ausgaben frühererer altdeutscher Gedichte, eine große Zahl von Autograf en und Schriften Huttens und anderer aus dem Reformationszeitalter, Zeitschriften und viele an- dere ausgezeichnete Werke." Für die außerordentliche Teilnahme, die Oster- hausen den literarischen Erzeugnissen seiner Zeit entgegenbrachte, ist uns ein hübsches Zeugnis in einer Druckschrift aus dem Jahre 1811 erhalten, in der Osterhausen sich eingehend mit dem Nürnberger Kunst- und Buchhandel seiner Zeit befaßt. Die Veranlassung zu dieser Schrift war dadurch gegeben, daß ein Reisender namens Nemlich in einer im Druck erschienenen „Reisebe- schreibung durch die Schweiz und verschiedene Gegenden Deutschlands" auf Grund falscher Informationen den Nürnberger Kunst- und Buchhandel in un- verantwortlicher Weise verächtlich machte. Osterhausen hält es als Unpar- teiischer für seine Pflicht, gegen solche Verleumdungen energisch Front zu machen. Bei dieser Gelegenheit entrollt der Verfasser ein interessantes Bild des Nürnberger Verlagsbuchhandels seiner Zeit, der meines Erachtens nicht uner- hebliches Interesse für die Geschichte des Nürnberger Buchhandels besitzen dürfte. Wie Osterhausen in seiner Satire gegen das Collegium medicum öffent- lich gegen Ungerechtigkeit zu Felde zieht, so protestiert er hier gegen offen- sichtliche leichtfertige Verleumdung und gibt uns einen neuen Beweis seines Gerechtigkeitssinnes und seiner Wahrheitsliebe. Auf literarischem Gebiet betätigte sich Osterhausen mit naturgeschicht- lichen, philosopischen, ästhetischen und geschichtlichen Arbeiten, vornehm- lich durch Rezensionen in der Jenaschen, Halleschen und anderen Literatur- zeitungen. 13 Von Osterhausens medizinischen Schriften haben wir bereits seine Doktor- arbeit, die sich mit der römischen Sekte der Pneumatiker beschäftigte, sowie seine Satire auf das Collegium medicum erwähnt. Eine Reihe kleinerer Ab- handlungen sind zerstreut in fachwissenschaftlichen Zeitschriften niedergelegt, so eine Arbeit über das praktische Gefühl in Röschlaubs Magazin, eine treffliche Übersetzung der Galenischen Schrift von der Erhaltung der Gesundheit in Witwers Archiv für die Geschichte der Arzneikunde. Ferner verfaßte er klei- nere Schriften, die sich in sehr klarer allgemeinverständlicher Sprache über das Verhalten bei Krankheiten und über den Bau des menschlichen Körpers ausließen. Sein medizinisches Hauptwerk erschien in Buchform und trug den Titel „Über medizinische Aufklärung". Leider ist von diesem Werk nur der erste Band in Zürich 1798 bei Heinrich Geßner erschienen. Der zweite Band, der im Manuskript fertiggestellt war, ist nicht mehr im Druck erschienen. Leider ist diese Handschrift, in der Osterhausen sein medizinisches Glaubens- bekenntnis abgelegt haben soll, verschollen. Mit diesem Werk, das auf diese Weise ein Torso geblieben ist, wollen wir uns näher beschäftigen, da es einer- seits von erheblichem zeitgeschichtlichen Interesse ist und anderseits Gedan- ken enthält, die auch heute noch Geltung haben. Der erste Teil gibt eine ziem- lich eingehende Darstellung der Geschichte des medizinischen Aberglaubens. Der zweite Teil sollte nach dem im Vorwort geschilderten Plan untersuchen, welche Ursachen es seien, welche die medizinische Aufklärung, d. h. die Be- kämpfung des Aberglaubens in medizinischen Dingen verhinderten und wie dem entgegenzuarbeiten sei. Mit einer gewissen stolzen Freude bekennt sich Osterhausen als ein Sohn des 18. Jahrhunderts, des aufgeklärten, des philosophi- schen Säkulums. Osterhausen ist der Meinung, daß dieses Jahrhundert vor sei- nen Vorgängern einen Vorzug verdiene. Er schreibt: „Eine heitere Morgenröte hat die düsteren Schatten der finsteren Nacht des Aberglaubens und der Un- wissenheit verdrängt und verkündet einen schönen Tag." Freilich führt er be- scheidener fort: „Diese Morgendämmerung ist noch lange nicht das helle Tages- licht selbst. Wann aber der Tag anbrechen, ob nicht dieses heitere Morgenrot durch Nebel und Wolken wieder verdunkelt wird, wer vermag dies aus dem verwickelten Gang des Schicksals vorher zu verkünden." Unter Aufklärung ver- steht Osterhausen mit Kant, dessen Einfluß auch auf ihn, ähnlich wie bei sei- nem Freund Erhard, von größter Bedeutung war, das Heraustreten des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.UnmündigkeitistdasUnvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursachen derselben nicht am Mangel des Ver- standes, sondern der Entschließung und des Mutes liegen, sich seiner ohne Lei- tung eines andern zu bedienen. Osterhausen unterscheidet zwischen wissen- schaftlicher und Volksaufklärung. Unter wissenschaftlicher Aufklärung sei zu verstehen die Erwerbung so vieler Kenntnisse von einer Wissenschaft, als man nötig hat, um einen allgemeinen Überblick über dieselbe zu erlangen, ohne sie selbst zu erlernen oder auszuüben, wodurch man aber in den Stand gesetzt wird, zu wissen, wie man es anzufangen hat, wenn man sie selbst erlernen wollte, und 14 was man in ihr zu suchen hat. Sache des Gelehrten, dem die Aufgabe des Lehrers und Erziehers des Menschengeschlechtes zufällt, ist es, sich in diesem Sinn auszubilden, damit er dem Aberglauben im allgemeinen und dem Aberglauben in medizinischen Dingen steuern könne. Osterhausen verhehlt sich die Schwierig- keiten nicht, die einer wahrhaften wissenschaftlichen Aufklärung im Wege stehen. Pflicht der wissenschaftlich Aufgeklärten ist es, Volksaufklärung zu treiben. Die weltbürgerlich Unmündigen — so definiert Osterhausen den Begriff Volk — sollen dahin gebracht werden, daß sie vom Aberglauben im allgemeinen und von Vorurteilen in medizinischen Dingen befreit werden. Unbedingt er- forderlich zur Beförderung der Aufklärung überhaupt sei Denk- und Presse- freiheit in weitestem Sinn. Und da Osterhausen wie Rousseau der Überzeugung ist, daß der junge Weltbürger gut und unverdorben aus den Händen der Natur käme, und nur durch den Einfluß der Menschen entarte, so habe bei der Jugend die rechte Erziehung und der rechte Unterricht im Sinne der Aufklärung ein- zusetzen. Osterhausen begrüßt daher den Gedanken, der zu seiner Zeit praktisch öfters verwirklicht wurde, den Kindern Gesundheitskatechismen in die Hand zu geben, in denen Diätetik in weitestem Sinne und Gymnastik gelehrt wurde. Die vorhandenen Lehrbücher dieser Art genügten allerdings, nach Osterhausens Meinung, ihrem Zweck nur ungenügend. Einmal rügt Osterhausen, daß die meisten derartigen Bücher von Nichtärzten geschrieben seien, die nicht tief genug Einsicht gewonnen hätten in die in Betracht kommenden Fragen. Weiter beleuchtet Osterhausen die Gefahr, die darin liege, daß die Verfasser, auch die- jenigen aus ärztlichen Reihen, sich in Einzelheiten leicht zu sehr auf bestimmte dogmatische und einseitige Meinungen festlegten und damit manches Vorurteil verbreiteten. Der Gesundheitskatechismus, wie er ihn wünscht, soll vornehmlich hygienische Wahrheiten, die unbestreitbaren Wert besäßen, eindringlich vortra- gen. Nachdem die Naturgeschichte des Menschen behandelt sei, soll die Wichtig- keit der Reinlichheit für die Erhaltung und Beschützung der Gesundheit aufs eindringlichste betont werden, und vor allem soll jenes Prinzip der Diätetik, das Osterhausen als das höchste einschätzt, in den Vordergrund der Lehre gerückt werden. Osterhausen formuliert dieses Prinzip folgendermaßen: ,,Man gewöhne den Menschen von der ersten Jugend an auf die Empfindungen zu achten, welche der Einfluß der von außen auf seinen Körper wirkenden Ursachen, wir könnten auch sagen Reize, in ihm hervorbringt. Man lehre den Menschen jeden Reiz, durch dessen Einwirkung auf seinen Körper er ein Mißbehagen oder eine unangenehme Empfindung bemerkt, sogleich zu vermeiden. Aus dieser Darstellung ist deutlich das Bekenntnis Osterhausen's zu den Lehren Browns erkennbar. Schließlich betont der Verfasser noch, daß ein solches Buch auch Regeln zu enthalten habe, wie man sich in Krankheiten verhalten müsse. Diese Vorschriften sollen aber weder therapeutische noch diätetische sein, denn diese zu besorgen, sei Geschäft des Arztes. Es sollen Klugheitsregeln sein, die vor allem darin gipfeln sollen, rechtzeitig den Arzt, den Fachmann für die Behebung der Krankheiten, zu Rate zu ziehen. Dies sind in kurzen Zügen dargestellt, die Gedankengänge des Einleitungskapitels. Wir sehen, wie Osterhausen unter dem 15 Einfluß Rousseauscher und Brownscher Ideen schreibt, wie er aber trotzdem in zweifellos origineller Weise zu dem Thema der medizinischen Aufklärung sich äußert. Es ist schade, daß Osterhausen nicht dazu kam, einen Gesundheits- katechismus, wie er ihm vorschwebt, zu verfassen. Die folgenden Kapitel des Buches geben eine Geschichte des Aberglaubens in der Medizin. Schonungslos verurteilt er die tausenderlei Formen des Aberglaubens, dem er mit großer Gelehrsamkeit überallhin nachgespürt hat. Da er rein verstandesmäßig den Maßstab der Vernunft anlegt, kann er natürlich nicht sagen, wie in dem Wust phantastischer Vorstellungen auch manches Goldkorn richtiger Erfahrung steckt. Ebenso bleibt ihm die hochinteressante psychologische Genese primitiver medi- zinischer Vorstellungen verborgen. Erst unsere neueste Zeit hat uns gelehrt den Aberglauben und das Vorurteil in anderem Lichte zu sehen, als wie es einer Zeit möglich war, die an alles den Maßstab der verstandesmäßigen Ver- nunft legte. Trotzdem aber ist die Lektüre sehr aufschlußreich, schon allein wegen der Fülle des dargebotenen Materials. Bevor wir von den medizinischen Schriften Osterhausens, über die noch mancherlei zu sagen wäre, Abschied nehmen, müssen wir noch bei einer sehr bemerkenswerten, originelle Gedanken enthaltenden Arbeit verweilen. Sie trägt den Titel: „Einige Ideen über vergleichende Pathologie" und wurde als Vortrag vorgelesen am 22. Juli 1809 in einer Sitzung der vor kurzem gegründe- ten Erlanger Physikalisch-medizinischen Sozietät. Bei dieser sehr interessanten Arbeit müssen wir noch ein wenig verweilen. Zwischen dem Buch über die medizinische Aufklärung und den Ideen über vergleichende Pathologie liegen 10 Jahre. Aber welcher Wandel in der Weltanschauung und demzufolge auch in der Stellungnahme zu medizinischen Problemen hatte sich in diesem Jahr- zehnt vollzogen. Um 1800 etwa setzt in der Medizin jene geistige Bewegung ein, die man unter dem vieldeutigen Namen Romantik zu bezeichnen pflegt. Wie der Medizinhistoriker Diepgen trefflich ausführt, war es die Freude an der Spekulation, an historischen Studien und das Bedürfnis, Vergangenes für die Lösung von Gegenwartsfragen zu nützen, die der geistigen Einstellung der Medizin ein neues Gepräge gaben. Die Aufklärung mit ihrem nüchternen, we- nig befriedigenden Materialismus hatte enttäuscht. Nun fällt man in das an- dere Extrem und setzt an die Stelle des kritischen Verstandes die, man kann wohl sagen, hemmungslose Spekulation. Man läßt, der Sehnsucht des Herzens folgend, die Phantasie schweifen, man hofft, die Probleme der Naturwissen- schaften, die Rätsel des Krankheitsgeschehens, intuitiv, statt experimentell zu lösen. Der Gedanke drängt sich wohl uns allen auf, daß wir jetzt an einem ähn- lichen Wendepunkt der geistigen Betrachtungsweise stehen, wie unsere Ur- elterväter um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert. An allen Ecken und Enden wird von einer Krise in der Medizin gesprochen, die Intuition wird in den Himmel gehoben, und eine bedeutende Monographie aus dem Medi- zingeschichtlichen Institut in Leipzig, über romantische Medizin, die kürzlich erschien, spricht davon, daß der Medizinhistoriker jetzt erst imstande sei, die geistesgeschichtliche Bedeutung der romantischen Medizin vor 100 Jahren 16 zu würdigen, was den Medizinhistorikern noch der jüngeren Vergangenheit wegen ihrer materialistisch eingestellten Weltanschauung durchaus unmöglich gewesen sei. Wir sehen hier wieder einmal den höchstinteressanten Vorgang, daß die Wissenschaft, wie überhaupt das Geistesleben, in seiner Entwicklung nicht kontinuierlich fortschreitet, sondern bei ihrer Entwicklung in eigentüm- lich gesetzmäßiger Weise einem Phasenwechsel, vergleichbar der Ein- und Ausatmung, unterworfen ist. Als um das Jahr 1800 sich dieser geistige Um- schwung in der Medizin vollzog, war Osterhausen 35 Jahre alt, zehn Jahre äl- ter als Schelling und 14 Jahre älter als Oken, die in den Naturwissenschaften und der Medizin die sogenannte naturphilosophische Richtung inaugurierten und zu ihrer, freilich nur kurzen Blüte führten. Osterhausen steht den neuen Lehren kritisch gegenüber. In seiner Einleitung weist er mit Nachdruck dar- auf hin, daß die Arzneiwissenschaft eine Erfahrungswissenschaft sei, wenn auch in der heutigen Zeit die Führer der Medizin diese Wahrheit vergäßen. Die Er- kenntnis des Wesens des Lebens liege außerhalb des menschlichen Wissens. Infolgedessen sei eine Erklärung des Lebens nicht möglich, nur durch die An- schauung können die Lebensäußerungen unserem Verständnis nähergebracht werden. Das Leben sei an Form gebunden, und gekettet an die Form, wirke es bereits in den Mineralien, augenscheinlicher mache es sich bemerkbar bei Pflan- zen und Tieren. Wenn hier Osterhausen in den Mineralien Lebewesen erblickt, so hat er die Ansicht der Naturphilosophen sich zu eigen gemacht. Ebenso, wenn er davon redet, daß alle Lebewesen Teile des sogenannten Erdorganis- mus seien und allen Lebensformen eine gemeinsame Basis zugrunde läge. Die Idee der Goetheschen Urpflanze hat hier wohl Einfluß auf sein Denken geübt. Die Wissenschaft vom Leben wird nun nach Osterhausen nicht durch Speku- lation, wie dies Schelling und Oken versuchen, gefördert, sondern durch ver- gleichende Anatomie, durch vergleichende Physiologie und vergleichende Patho- logie. Osterhausen betont, daß an eine Wissenschaft der vergleichenden Patho- logie noch gar nicht gedacht worden sei. Es ist interessant, daß Ludolf Krehl, der bedeutende jetzt noch in Heidelberg wirkende innere Kliniker, in dem Vorwort der neuesten Auflage seiner Pathologischen Physiologie ebenfalls von der Notwendigkeit einer vergleichenden Pathologie der Pflanzen und der Tiere spricht. Er spricht dieselben Gedankengänge wie Osterhausen, die ihm allerdings nicht bekanntgewesen sein dürften, aus. Bevor Osterhausen von ver- gleichender Pathologie handelt, definiert er den Begriff der Pathologie. Unter Pathologie, sagt Osterhausen, habe man die Abweichungen der Lebenserschei- nungen von ihrer Norm zu verstehen. Die vergleichende Pathologie hat jene Abweichungen der Lebenserscheinungen bei sämtlichen Organismen zu be- obachten, zu vergleichen, undsiehatfestzustellen,wasj e derFormbesondersund was allen gemeinsam zukommt. Für die Methodik der neuen Wissenschaft stellt Osterhausen folgendeGesichtsp unkte auf: „Notwendigsei vor allem eineMaterial- sammlung auf breitester Basis." Der Einfluß der Kultur auf die Organismen — er denkt an Haustiere und Hauspflanzen — muß studiert werden, ebenso wie dieVer- schiedenheit der Lebensäußerungen d er selben Gattung unter verschiedenen 17 Himmelsstrichen. Ferner der Einfluß der Witterung, der Jahreszeiten auf die Lebensäußerungen. Osterhausen stellt sich nun vor, daß man bei solchen For- schungen gemeinschaftliche Gesetze auffinden würde, und schließlich auf diese Weise, wie er sich ausdrückt, dem höchsten Prinzip der Pathologie auf die Spur käme.Es würde sich widerspiegeln im vegetativen Leben der Pflanze, im vegetati- ven und sensoriellen Leben der Tiere. Ein solches höchstes Prinzip könnte nach seiner Meinung durch anhaltendes Forschen und vereinigtes Bestreben gefunden werden. Ein solches Prinzip wäre imstande, der Arzneiwissenschaft ihren Rang als Wissenschaft zu begründen und zu sichern. Ich bin lange bei dieser Arbeit verweilt, weil sie mir als die bedeutendste literarische Schöpfung Osterhausens erscheint, die wohltuend in ihrer Klarheit absticht von weitaus den meisten medizinischen Erzeugnissen der damaligen Zeit. Es sind zweifellos originelle Gedanken, die der Verfasser in diesem seinem Wissenschaftsprogramm aus- spricht. Auch heute sind sie nur zum kleinsten Teil in Taten umgesetzt, so daß wir auch jetzt noch nicht im entferntesten von einer ausgebauten Wissenschaft der vergleichenden Pathologie, höchstens von Ansätzen hierzu reden können. Wir verlassen jetzt den medizinischen Schriftsteller Osterhausen und wenden uns anderen Bestrebungen des vielseitigen Mannes zu. Osterhausens reger Geist beschränkte sich nicht nur auf rein medizinische Dinge,sondern zeitlebens beschäf- tigte er sich eingehend mit naturwissenschaftlichen Fragen. Osterhausens Ver- dienste um die Naturwissenschaften bestehen nicht in literarischen Leistungen, sondern darin vor allem, daß es vornehmlich seinen Bemühungen zu danken war, daß in Nürnberg die Naturhistorische Gesellschaft, die heute nach 130 Jahren noch blüht, gegründet wurde. Wie Friedrich Knapp uns mitteilt, hatte Professor Johann Wolf, der ein ausgezeichneter Vogelkenner war, schon um 1800 den Ge- danken geäußert, daß man eine Naturhistorische Gesellschaft errichten solle, welche aus hiesigen Ärzten, Forstmännern und anderen Freunden der Natur- geschichte bestehen sollte. Sein Plan kam aber erst zustande, als Osterhausen sich 1801 des Wolfschen Gedankens annahm und in eben diesem Jahr am 22. Oktober Johann Wolf und den gemeinschaftlichen Freund Jakob Sturm — er hat als Kupferstecher und Naturforscher die große Aufgabe, die deutsche Fauna undFlora in Bildern herauszugeben, durchgeführt — bei sich versammelte. Der 22. März 1802 kann als Gründungstag der Gesellschaft angesehen werden, da an diesem Tag der Plan zur Organisation der Gesellschaft entworfen und das erste Protokoll geführt wurde. Ein kleiner Kreis von begeisterten Liebhabern der Natur fand sich nun in regelmäßigen Zeitabständen, gar oft in Osterhausens Haus, zusammen, um sich durch Vorträge und Besprechungen gegenseitig Be- lehrung in naturgeschichtlichen Fragen zu spenden. Insonderheit war man darauf bedacht, die lokale Tier- und Pflanzenwelt zu studieren. Dieser Gedanke vor allem führte, wie Sie wissen, zu wertvoller wissenschaftlicher Arbeit, auch in der Folgezeit bis zum heutigen Tag. Wie aus den von Osterhausens Hand geführten Protokollen hervorgeht, scheint dieser nicht nur ein erfahrener Bo- taniker, sondern auch ein guter Fischkenner gewesen zu sein. Leider war die damalige Zeit den Bestrebungen der Naturfreunde nicht sonderlich günstig. 18 Der spekulativ gerichtete Geist der Zeit hatte nicht viel Sinn für schlichte Natur- beobachtung, und so kam es denn, daß die Gesellschaft nicht zu sonderlicher Blüte gelangte. Ja, in den dreißiger Jahren war es soweit, daß man sich ge- zwungen sah, die Gesellschaft aufzulösen. Es geschah dies am 28. April 1836, wohl sehr zum Schmerz des greisen, einzig noch lebenden Gründungsmitgliedes, Osterhausen. Der Keim aber, den die drei Naturfreunde gelegt hatten, erwachte 10 Jahre später im Jahre 1846 zu neuem Leben, als die fortschreitenden natur- wissenschaftlichen Erkenntnisse wieder ein allgemeineres Interesse der Natur- geschichte wachriefen. Wenn wir heute dankbar uns erinnern, was die Natur- historische Gesellschaft in den 130 Jahren ihres Bestehens an lokaler natur- geschichtlicher Erforschung und an Verbreitung naturwissenschaftlicher Kennt- nisse geleistet hat, so dürfen wir die Verdienste Osterhausens, der die Initiative zur Gründung dieser segensreichen Gesellschaft gab, nicht vergessen. Die Frühzeit der Naturhistorischen Gesellschaft hat durch den Naturphiloso- phen Gotthilf Heinrich Schubert, den späteren Erlanger Professor für Natur- geschichte, der von 1809 — 1816 als Rektor des Realinstituts in Nürnberg lebte, eine reizvolle Schilderung erfahren. Als der bedeutendste Naturforscher des kleinen Kreises erschien ihm, der sogleich die freundlichste Aufnahme fand, J. Jakob Sturm. Osterhausen aber „sei der gelehrteste von allen Teilnehmern gewesen und durch seine Gelehrsamkeit sowie vielfache Belesenheit ein Orakel für die andern. Er brauchte nicht in seiner großen kostbaren Bibliothek das nachzuschlagen, was die Schriftsteller des klassischen Altertums oder des Mittel- alters über einzelne, durch ihre Eigenschaften ausgezeichnete Pflanzen, oder über die ihnen bekannten Tiere oder Steine gesagt hatten, sondern er trug das meiste davon in dem sicheren Schatz seines Gedächtnisses. Bei diesem seinem seltenen Wissen war der Mann so bescheiden, daß er selber nicht zu wissen schien, wie so viel er wisse." Schubert schreibt über sein Verhältnis zum Verein: „Die Aufnahme in den Verein der Naturforscher zu Nürnberg ist für mich von wichtigeren Folgen gewesen, als es die Ernennung zum Mitglied einer der welt- berühmtesten Akademien der Wissenschaft hätte sein können. Ich lernte mich dort begnügen ein Lehrling zu sein, der an dem aufmerksamen, gründlichen Be- trachten der Elemente der Naturerkenntnis seine Lust findet und nicht mehr in Höhen mich versteigen wollte, für deren Durchflug meine wächsernen Flügel nicht geeignet waren." Auch an einer anderen wissenschaftlichen Gründung war Osterhausen be- teiligt, nämlich an der Gründung der Physikalisch-medizinischen Sozietät in Erlangen. Im Jahre 1808 unter den drückenden Verhältnissen der französischen Okkupation, die seit 1806 auf den fränkischen Fürstentümern lastete und Er- langen unmittelbar unter französische Herrschaft gebracht hatte, wurde von Christian Friedrich Harle s s (1773 — 1853) der Plan zur Errichtung einer Me- dizinischen Gesellschaft in die Tat umgesetzt. Der Zweck der Sozietät sollte sein: „Gemeinschaftliche Beförderung und Erweiterung der Medizin und Phy- siologie in ihrem ganzen Umfang und mit Einschluß ihrer nächstverwandten Hilfswissenschaften, also mit Inbegriff der Anatomie sowohl, als der Vorzugs- 19 weisen sogenannten Physik und der Chemie, in ordnungsmäßigen Versamm- lungen und Arbeiten der Mitglieder der Sozietät" (so zu lesen im Statut von 1808 und 1809). In erster Linie sollte die Gesellschaft Ärzte und Chirurgen, daneben aber auch Physiker, Chemiker und Pharmazeuten zu ihren Mitgliedern zählen. Von den ordentlichen Mitgliedern wurde gefordert, daß sie „für den Zweck der Sozietät tätige und durch wissenschaftliche Bearbeitung ihrer Fächer verdiente Männer sein müssen". Ernst Gras er betonte bei der 100- Jahr-Feier der heute noch blühenden Sozietät, daß die Erlanger Gründung einer Medizi- nisch-naturwissenschaftlichen Gesellschaft eine der ältesten ihrer Art gewesen sei und, daß es eine rühmliche Tat der Gründer war, den ihrer Zeit voraus- eilenden Gedanken verfolgt zuhaben, der wissenschaftlichen Medizin die sichere Grundlage der exakten Naturwissenschaften unter Verwertung ihrer Methoden zu geben. Eine Societas medico-philosophica hätte damals nähergelegen. Wenn auch die Naturphilosophie, dem Geist der Zeit entsprechend, eine gewisse Rolle in der Gesellschaft gespielt hat, so wurde doch, wie aus den interessanten Pu- blikationen der Mitglieder in den ersten Abhandlungen ersichtlich ist, von An- fang an jener oben angeführte Grundgedanke einer Verknüpfung der Medizin mit den exakten Naturwissenschaften nicht außer acht gelassen. Der Denkungs- art Osterhausens, der zu den 15 Gründungsmitgliedern zählte, mochten diese Grundsätze sehr wohl entsprochen haben. Wie wir gesehen haben, hat er sich auch aktiv an den Bestrebungen der Gesellschaft beteiligt. Übrigens war er der einzige Nürnberger Arzt unter den Gründern. Osterhausen beschränkte sich jedoch nicht nur auf medizinisch-naturwissen- schaftliches Gebiet. Seine Neigung zu den geschichtlichen Studien führte ihn zur eingehenden Beschäftigung mit der Geschichte Nürnbergs. Hier hat zweifel- los sein Freund Siebenkees, der schätzenswerte Arbeit zur Erforschung der Geschichte Nürnbergs geleistet hat, anregend auf ihn eingewirkt. Einen Nieder- schlag fanden Osterhausens Studien über die Lokalgeschichte in einer in dem neuen Taschenbuch von Nürnberg 1819 niedergelegten Arbeit über die Ge- schichte Nürnbergs. In knapper, klarer, flüssiger Sprache schildert Osterhausen hier, was man zu seiner Zeit über Nürnbergs Geschichte wußte. Noch eines Verdienstes Osterhausens, wieder auf einem anderen Gebiet ge- legen, mag hier gedacht werden. Osterhausen war zusammen mit seinem Freund Witschel einer der ersten, der die Bedeutung des Nürnberger Volksdichters G rubel erkannt hat. In einem Brief an Pfarrer Witschel heißt es einmal: „Grübel war der Kundigste, der dem pegnesischem Blumenorden Ehre gemacht hat." Und wenn wir uns die Manuskripte der Grübeischen Gedichte, die sich im Germanischen Museum befinden, ansehen, so findet man häufig Änderungen und Streichungen, die größtenteils von der Hand Osterhausens herrühren. Es ist zwar mit Herrn Pfarrer Käppel, der in einem mir freundlichst zur Verfügung gestelltem Manuskript über seine Grübelstudien berichtet, anzunehmen, daß Osterhausen nicht auf eigene Faust, sondern zusammen mit Witschel diese Änderungen vorgenommen hat, wir können aber hieraus ersehen, wie eingehend sich der Nürnberger Arzt mit Grübeis Dichtkunst beschäftigt hat. In den letzten 20 Jahrzehnten seines Lebens scheint sich Osterhausen mit Vorliebe literaturge- schichtlichen Studien gewidmet zu haben. Die Zusammensetzung seiner Privat- bibliothek, von der wir schon gehört haben, führt uns zu dieser Vermutung. Es ist rührend, wenn wir in den Aufzeichnungen seiner Tochter Wilhelmine G öschel lesen, wie der greise Osterhausen, dem nach seinem 70. Lebensjahr das Augen- licht fast gänzlich erloschen war, in seinem Lehnstuhl sitzend mit Vorliebe Gedichte zitierte, darunter besonders eindrucksvoll den Abschied des blinden Dichters Pfeffel an seine Familie mit der Strophe: „Nur sucht mich nicht in meinem Grabe, nein, mein Gedächtnistempel sei die Halle, wo ich sorgenfrei mich oft mit Euch gefreuet habe." Dieser Gedächtnistempel war für ihn seine Bibliothek und sein Studierzimmer. Bis fast zu seinem 70. Lebensjahr erfreute sich Osterhausen einer dauerhaften, guten Gesundheit. In seinen letzten Lebensjahren hatte er fast ganz sein Augen- licht eingebüßt. Zu diesem Leiden gesellte sich in seinem 74. Jahr eine Wassersucht, die ihn in den letzten 4 Monaten seines Lebens ans Zimmer fesselte. Am 2. November 1839 erlöste den edlen Mann der Tod von den Qualen seines Herzleidens. Osterhausens sterbliche Überreste wurden auf dem Johannisfriedhof im Grab Nr. 1629 beigesetzt, wo auch seine erste Gattin bestattet worden war. Der liegende Barockgrabstein zeigt ein schönes Bronzeepitaph mit dem Mörlschen Wappen und der Beschriftung: Gustav Philipp Mörls, Predigers bei St. Sebald wie auch seiner Frauen und Leibeserben Begräbnis 1744. Leider meldet keinerlei Inschrift, daß hier auch Osterhausens Grabstätte sich findet. Der eingangs erwähnte Friedrich Wilhelm von Hoven, auf dessen ein- gehende, sehr lesenswerte Autobiographie ich hinweisen möchte, schreibt über Osterhausen : „Osterhausen ist mir unter den Nürnberger Ärzten der liebste, nicht nur weil ich ihn für den gelehrtesten unter ihnen halte, sondern weil ich an ihm einen der bestenMenschenkennenlernte,die mir je vorgekommen sind. "Der schöne Charakterzug echter Herzensgüte ist uns auch aus Familienbriefen und hand- schriftlichen Aufzeichnungen seiner Tochter und seiner zweiten Frau über- liefert. Dieser Zug ist auch daraus ersichtlich, daß Osterhausen in den Jahren allgemeiner Not über ein Jahr lang täglich in seiner Küche die damals aufge- kommene Rumfordsche Suppe in großen Mengen herstellen und an Arme der Stadt verteilen ließ. Ich bin am Ende meiner Ausführungen angelangt. Ich habe das schlichte Leben eines gelehrten Arztes geschildert, das zwar arm an äußeren Ereignissen, aber reich an geistigem Inhalt ist. Die hohe geistige Kultur, die die Gebildeten der damaligen Zeit auszeichnete und von der unsere Zeit leider viel eingebüßt hat, spiegelt sich auch in der Persönlichkeit Osterhausens. Er war eine Zierde seiner Vaterstadt und seines Standes und darum schien es mir am Platze zu sein, zum erstenmal eine eingehendere Schilderung seines Lebens und Wirkens gegeben zu haben. 21 Literatur über Osterhausen und seine Zeit 1. Acta collegii medici Bd. VI, Handschrift aufbewahrt im Nürnberger Ärztlichen Verein. 2. Will-Nopitsch: Nürnberger Gelehrtenlexikon. Nürnberg 1806. 3. Dechambre: Dictionaire encyclopedique des sciences medicales. 4. Callisen, Adolf Karl Peter: Medizinisches Schriftstellerlexikon der jetzt lebenden Ärzte. Band XIV. pag. 205. Band XXXI. pag. 109. 5. Hoven, Wilhelm von: Autobiographie. Nürnberg bei Schräg. 6. Varnhagen von Ense: Biographische Denkmale, 9. Teil: Denkwürdigkeiten des Philo- sophen und Arztes Johann Benjamin Erhard. 7. Wilder: Nürnberg für Fremde und Einheimische. Handbüchlein 1827. 8. Schubert, Gottlieb Heinrich: Der Erwerb aus einem vergangenen und die Erwar- tungen von einem zukünftigen Leben. 2. Bd. Erlangen 1855. 9. Gründungsprotokolle der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft. Manuskript im Besitz der Naturhistorischen Gesellschaft. 10. Göschel, Wilhelmine: Erinnerungen aus meinem einfachen Leben. Manuskript. 11. Göschel, Wilhelmine: Tagebuch. Manuskript. Die beiden letzten Manuskripte be- finden sich in Familienbesitz. 12. Gurlt-Hirsch. Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker. Wien 1888. 13. Festschrift der Nürnberger Naturhistorischen Gesellschaft zu ihrem 100jährigen Jubiläum 1901. Dort biographischer Abriß über Osterhausen von A. Heerwagen. 14. Festschrift der physikalisch-medizinischen Societät zu Erlangen zur Feier ihres 100jährigen Bestehens am 27. Juni 1908. Erlangen bei Menke 1908. 15. Hirschfeld, Ernst: Bomantische Medizin, Kyklos Jahrbuch für Geschichte und Philo- sophie der Medizin, Band 3. 1930. 16. Diepgen, Paul: Deutsche Medizin vor 100 Jahren. 1923. Schriften Johann Karl Osterhausens 1. Galens Schrift von der Erhaltung der Gesundheit. Übersetzung Wittwers Archiv für diie Geschichte der Arzneikunde. Bd. 1. Nürnberg 1790. Enthält das 7. bis 11. Kapitel. 2. Dissertatio exhibens Sectea Pneumaticorum medicorum historiam. Altdorf 1791. 3. Über medizinische Aufklärung, 1. Teil. Zürich bei Heinrich Geßner 1798. 4. Einige wohlgemeinte Vorschläge, wie ein medizinisches Kollegium auf die zweck- mäßigste und vollkommenste Weise einzurichten sei. Eine Rede, gehalten in einer Versammlung rechtgläubiger Ärzte von einem rechtgläubigen Arzt. Herausgegeben, zum Druck befördert und also ans Licht gestellt von Simon Ratzenberger jun. Sulzbach 1798. 5. Über das praktische Gefühl. Röschlaubs Magazin zur Vervollkommnung der theo- retischen und praktischen Heilkunde. Teil I. Frankfurt 1799. 6. Medizinische Beobachtungen über die zu Livorno anno 1804 herrschende Seuche von Gartan Palloni. Aus dem Italienischen übersetzt in Hufelands und Harleß' neuem Journal der ausländischen medizinisch-chirurgischen Literatur. Bd. 3. Nürnberg und Sulzbach 1805. 22 7. Recensionen in der Gothaischen, Würzburgischen gelehrten Zeitung sowie in der Erlanger Literatur-Zeitung. 8. Über vergleichende Pathologie. Vortrag, gehalten in der physikalisch-medizinischen Societät zu Erlangen am 22. Juni 1809. Gedruckt im 1. Band der Veröffentlichungen der Societät. 9. Abriß der Geschichte der Stadt Nürnberg, gedruckt im Taschenbuch der Stadt Nürn- berg 1818. Ebenda: Topographische und statistische Mitteilungen über die Stadt Nürnberg. 10. Gutachtlicher Bericht des prakt. Arztes Dr. Osterhausen in Nürnberg vom 31. Dezem- ber 1830 über Kaspar Hauser, dem Kreis- und Stadtgericht Nürnberg erstattet. Abgedruckt bei Dr. Julius Meyer: Authentische Mitteilungen über Kaspar Hauser. Ansbach bei Seybold 1872. 11. Einige Worte zur Widerlegung der Darstellung des Kunst- und Buchhandels zu Nürnberg in Nemnichs Reise durch die Schweiz und verschiedene Gegenden Deutsch- lands. Nürnberg 1811. 12. Briefe Osterhausens an seine Familie, an Erhard, Varnhagen von Ense, Witschel. 23 ABHANDLUNGEN DER NATURHISTORISCHEN GESELLSCHAFT ZU NÜRNBERG XXIV. Band (Sonderband) - Das südlich-kontinentale Element in der Flora von Bayern mit besonderer Berücksichtigung des Fränkischen Stufenlandes von Dr. Konrad Gauckler 1930 NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG DAS SÜDLICH-KONTINENTALE ELEMENT IN DER FLORA VON BAYERN MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DES FRÄNKISCHEN STUFENLANDES VON KONRAD GAUCKLER 19 3 NATURHISTORISCHE GESELLSCHAFT NÜRNBERG INHALTSVERZEICHNIS. Vorwort V Einleitung: Das südlich-kontinentale und das atlantische Element in der Flora und Vegetation Europas 1 H a u p 1 1 e i 1 : 1. Begriffsbestimmung und Einteilung des südlich-kontinentalen Elementes nach Gesamtverbreitung und Formationsangehörigkeit 4 II. Geographische Übersicht über das Untersuchungsgebiet und dessen Einzellandschaften 6 III. Die einzelnen Arten des südlich-kontinentalen Elementes und ihre Verbreitung in den Landschaften des Untersuchungsgebietes . . 8 a) Pflanzen der Steppenheide 8 b) Pflanzen des Steppenheidewaldes 37 c) Pflanzen des Auwaldes und des Kleebwaldes 52 d) Pflanzen der Flachmoore und Anwiesen 54 Schlußteil: Zusammenfassende Betrachtung und Gesamtergebnisse 59 I. Areal, Formationszugehörigkeit und Ökologie 59 II. Übersicht über die Verbreitung der südlich-kontinentalen und der atlantisch-subatlantischen Arten in den Landschaften des Untersuchungs- gebietes (Tabellen und Kurventafeln) 62 III. Die verschiedenartige Ausbildung des südlich-kontinentalen Elementes in den einzelnen Landschaften und die Bedingungen und Ursachen hierfür 73 Literaturverzeichnis 107 »Vi VORß , >•-//, VORWORT. Bei der Wichtigkeit, welche das südlich-kontinentale Florenelement in der Pflanzengeographie Europas, in der Landschaftskunde und in der menschlichen Siedlungskunde besitzt, war eine zusammenfassende Bearbeitung dieser Pflanzen- gruppe in Bayern schon längst eine dringende Forderung, die z. B. auch im Jubiläumsband der Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 1 öffent- lichen Ausdruck fand. Die vorliegende Arbeit sucht nun die eigenartige Verbreitung der südlich- kontinentalen Pflanzen in Bayern darzustellen, die Gründe der Verbreitungs- tatsachen zu erörtern und schließlich in Kürze die Einwanderung dieser inter- essanten geographischen Gruppe der europäischen Flora in die zum rechts- rheinischen Bayern gehörigen Landschaften Süddeutschlands zu besprechen. In dem westlich angrenzenden, württembergischen und badischen Anteil Süd- deutschlands ist jene Arbeit durch die Ergebnisse der pflanzengeographischen Durchforschung von Württemberg, Baden und Hohenzollern von J. Eichler, R. Gradmann und W. Meigen, die in ihren beiden letzten Heften (Stuttgart 1914 und 1926) die südlich-kontinentale Gruppe behandeln, bereits glänzend gelöst worden. Soweit die südlich-kontinentale, früher auch als pontisch-medi- terran oder xerotherm bezeichnete Florengruppe in Frage kommt, soll vor- liegende Abhandlung den bisher fehlenden Anschluß für das östliche Süd- deutschland bilden. Durch eine reiche Zahl sorgfältiger Florenwerke und floristischer Notizen (siehe Literaturübersicht und Inhaltsangaben der einzelnen Bände der Berichte und Mitteilungen der Bayerischen Botanischen Gesellschaft) ist in Bayern bis in die jüngste Zeit wertvolles Material für pflanzengeographische Bearbeitung zusammengetragen worden. Geographische Betrachtungen über die südlich-kon- tinentalen Arten der heimischen, bayerischen Flora sind bisher nur teilweise angestellt worden und knüpfen sich an die Namen Sendtner, Gradmann, Drude, Hegi, Vollmann, Frickhinger, Süßenguth, Scherzer, Heller, Bauer und in neuester Zeit besonders K. Troll, W. Troll, Kaiser u. a. Es wurden aber hierbei stets nur einzelne Teilgebiete oder bestimmte Arten sehr summarisch und vielfach unter anderem Gesichtspunkt behandelt. Ursprünglich war es die Absicht des Verfassers, lediglich das fränkische Stufenland mit dem mittelfränkischen Becken zu bearbeiten, da ihm dieses durch langjährige Begehung am besten bekannt ist. Doch wurden zum Zwecke des einheitlichen Gesamtüberblickes auch das ostbayerische Grenzgebirge und das südbayerische Alpenvorland von der Donau bis zum Fuß der Alpen in die Untersuchung mit einbezogen, obwohl dem Verfasser für letzterwähnte Land- 1 Voümann, Fr., Geschichte der Bayer. Bot. Ges. 1890—1915, in Berichte der Bayer. Bot. Ges. Bd. XV, München 1915 S. XXV. VI Schäften nicht so viele und ausgedehnte Eigenbeobachtungen zur Verfügung stehen wie für erstere. Jedoch glaubt der Verfasser auch hier eingreifen zu dürfen, da eine allgemeine Übersicht für die südlich-kontinentale Florengruppe in Bayern noch nicht vorliegt. Es sei aber an dieser Stelle zur Ergänzung für Südbayern auf die prächtigen, unlängst erschienenen vegetationskundlichen, pflanzengeo- graphischen und geographischen Abhandlungen von K. Troll und W. Troll ver- wiesen, desgleichen auf manche Veröffentlichung der Bayerischen Botanischen Gesellschaft in München. Mit großem Dank erinnert sich der Verfasser mancher Hilfe, die ihm bei seinen Untersuchungen zuteil wurden. Wertvolle Anregung, ideelle und praktische Unter- stützung dankt er vor allem seinen verehrten Lehrern Herrn Prof. Dr. K. Noack, Vorstand des Botanischen Instituts der Universität Erlangen, und Herrn Prof. Dr. R. Gradmann, Vorstand des Geographischen Instituts der Universität Er- langen. Diesen beiden Herren, sowie der pekuniären Unterstützung durch die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft und meiner Vaterstadt Nürnberg verdanke ich auch die Möglichkeit zu pflanzengeographischen Forschungsreisen nach Südosteuropa, sowie nach Süd-, West- und Nordeuropa. Mit Dankbarkeit gedenke ich ferner mancherlei Hilfe, die von der Botanischen Sektion der Natur- historischen Gesellschaft in Nürnberg, vom Botanischen Verein in Nürnberg und von vielen hier ungenannten Einzelpersonen kam. Eine wertvolle, sachliche Förderung verdanke ich besonders dem Entgegenkommen der Naturhistorischen Gesellschaft in Nürnberg, die mir die in ihrem Besitz befindlichen, nachgelassenen Kartierungen des Nürnberg-Erlanger Florengebietes durch den besten Kenner der mittelfränkischen Flora, den verstorbenen Korpsstabsveterinär A. Schwarz, zur Verfügung stellte. Die Veröffentlichung der Arbeit, die — ■ um Umfang und Druckkosten nicht allzu groß werden zu lassen — leider nur unter starker Kürzung der Verbreitungs- angaben im Texte und unter Weglassung der Pflanzenverbreitungskarten er- folgen konnte, ermöglichten in dankenswerter Weise namhafte pekuniäre Zuschüsse von selten der Stadt Nürnberg, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu München und des Botanischen Vereins Nürnberg. Es ist für den Verfasser eine angenehme Pflicht, auch an dieser Stelle dem Stadtrat von Nürnberg, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zu München sowie dem Botanischen Verein zu Nürnberg seinen herzlichsten Dank zum Ausdruck zu bringen. EINLEITUNG. Ein höchst bemerkenswerter Zug in der Pflanzenwelt Europas ist die Ver- änderung, die sich beim Fortschreiten von Südosten nach Nordwesten zeigt. Im Artenbestand der Flora, wie in der von ihr gebildeten Vegetation tritt hiebei ein charakteristischer Wechsel ein. Viele Pflanzen, die im südöstlichen, südlichen und zentralen, also im süd- lich-kontinentalen Europa verbreitet sind, schließen bei Annäherung an das nord- westliche, atlantische Europa ihr Verbreitungsgebiet in auffallender Häufigkeit mit Nordwestgrenzen ab. Umgekehrt finden viele in den atlantischen Küsten- ländern Europas häufige Pflanzen vor Erreichung des kontinentalen Europa durch eine südöstlich gerichtete Verbreitungsgrenze das Ende ihres Areals. Dieser Wechsel der Arten wirkt sich im äußersten Südosten wie im äußersten Nordwesten so stark aus, daß es zur Bildung ganz anderer Pflanzenbestände, ganz neuer Assoziationen und Formationen kommt. Es entstehen dadurch im atlantischen Gebiet die typisch atlantischen Ericaceen-Heiden und Hochmoore, während im südlich-kontinentalen Gebiet die echten, baumlosen, gras- und kräuterreichen Steppen erscheinen. Im mittleren Gebiet, das sich wie auch das atlantische Gebiet durch den Besitz der Wälder auszeichnet, findet je nach den örtlichen Bedingungen eine mehr oder weniger starke Abschwächung der beiden Gegensätze statt, es können eigenartige Übergänge, aber auch hochinteressante, durch besondere Umstände begünstigte Vorstöße der beiden Extreme beobachtet werden. Diese auffällige, von Südost nach Nordwest und umgekehrt erfolgende Veränderung im floristischen Artbestand und in der Vegetation Europas be- einflußt den botanischen und den allgemeinen Charakter ganzer Landschaften in bedeutsamer Weise. Es ist daher selbstverständlich, daß die Pflanzengeo- graphie der Verbreitung der auf das südöstliche und südliche Europa beschränkten Pflanzen, eben der südlich-kontinentalen Florengruppe, wie auch der sich gegen- sätzlich verhaltenden, atlantischen Gruppe große Aufmerksamkeit zugewandt hat und sich ihrer bei der Gliederung des europäischen Florengebietes bedient. Forschungen haben gezeigt, daß die geschilderte Verschiedenheit in der Flora und Vegetation Europas größtenteils direkt und indirekt klimatisch bedingt ist. Das Klima, das einen entscheidenden Einfluß auf Boden und Pflanzen aus- übt, erfährt in Europa in Richtung von Nordwesten nach Südosten eine gesetz- mäßige Änderung. Einerseits herrscht in den nordwestlichen, dem atlantischen Ozean benachbarten Ländern ein niederschlagreiches, sommerkühles und winter- mildes Klima, während andererseits im Südosten, im Innern der europäisch- asiatischen Landmasse ein niederschlagarmes, sommerheißes und winterkaltes Klima sich auswirkt. Die direkten Wirkungen des atlantischen Klimas mit seiner Feuchtigkeit und dem Fehlen niedriger Winter- und hoher Sommertemperaturen zeigen sich vor allem im sehr reichlichen Vorkommen von immergrünen Pflanzen, wie Ericaceen, Ulex europaeus, Hex aquifolium und durch die Entstehung aus- gedehnter Hochmoore. Auch gelangen in den Ländern mit ozeanischem Klima, abgesehen vom Bereich der eigentlichen Meeresküsten und der Erica-Ulex- Heiden und Hochmoorgebiete, schattige Laubwälder, die vornehmlich von Fagus silvatica gebildet werden, zu mächtiger Entfaltung. Dazu kommt als wichtige indirekte Wirkung für die Pflanzenwelt eine spezifische Beeinflussung der Boden- bildung durch das feuchte, atlantische Klima. Die reichlichen Niederschläge veranlassen eine Auslaugung der Nährstoffe im Boden, die mit der Zeit zu einer Nährstoffarmut des Wurzelstandortes der Pflanzen führt. Des weiteren erfährt — besonders in den kühleren, nördlichen Gegenden und in den montanen Regionen — der Rückstand abgestorbener Pflanzenteile eine ungenügende Zer- setzung, die den stark sauren Rohhumus liefert. Gänzlich versauerte Podsol- boden mit der wurzelfeindlichen Ortsteinschicht, der ausgelaugten Bleicherde- schicht und der aufgelagerten, adsorptiv ungesättigten Rohhumusdecke, sowie die etwas weniger verarmten Braunerdeböden sind die Ergebnisse feucht-kühler Klimazonen in Nordwest-, Nord- und teilweise auch in Mitteleuropa. Die sauren Podsolboden sind die eigentlichen Wuchsgebiete der atlantischen Ericaceen- Sträucher, der Sphagnum-Arten, wie der übrigen Hochmoorpflanzen und der nordischen Nadelwälder. Die sich den podsoligen Bleicherden nach Südosten und Süden anschließenden Braunerdeböden sind die typischen Standorte der meso- phytischen, sommergrünen, schattigen Laubwälder Nordwest- und Mitteleuropas. Ganz anders sind die Auswirkungen des Kontinentalklimas Südosteuropas. Die zunehmende Winterkälte schließt immergrüne Pflanzen aus. Der steigende Mangel an Niederschlägen und ihre ungleiche Verteilung bei erhöhter Ver- dunstung infolge der sommerlichen Hitze und der trockenen Winde machen den Baumwuchs langsam unmöglich. Der Wald lichtet sich immer mehr; in seine Vorposten dringt die Steppe ein und schließlich herrscht durchwegs die baumlose, lichtüberflutete Steppe, deren xerophytische Gräser, Kräuter und Halbsträucher durch äußere und innere Anpassungen verschiedenster Art Som- mer- und Winterdürre überstehen können. Da die Stärke der Verdunstung und die geringen Niederschläge ein tieferes Eindringen von Feuchtigkeit in den Boden verhindern, können die Produkte der Mineralverwitterung nicht mehr in die Tiefe und zum Grundwasser entführt werden; sie bleiben in den oberen Bodenschichten und reichern sich dort an. Die Humusstoffe solcher Böden werden durch Basenadsorption in einen gesättigten, neutralen, koagulierten Zustand übergeführt. Fast alle Böden in ausgeprägt südlich-kontinental gelegenen Gebieten sind daher mit wenigen Ausnahmen von neutraler bis alkalischer Reaktion. Auch kalkarme Silikatböden nehmen dort keine ungünstig hohen Säuregrade an. Dies bewirkt, daß die südöstlichen und südlichen Pflanzen vor- züglich an trockene, neutrale bis alkalische (meist kalkreiche) Böden und wegen des Mangels geschlossener dichter Wälder zugleich an sonnige, lichte Standorte in der Mehrzahl angepaßt sind, während die atlantischen Pflanzen zum großen Teil auf nährstoffarmen (kalkarmen), oft stark sauren und feuchten, beschatteten Böden erscheinen, ja dort geradezu am besten konkurrenzfähig sind. Im mittleren Europa, dem breiten Übergangsgebiet zwischen den rein atlan- tischen und den ausgeprägt kontinentalen Ländern, herrscht ein bunter Wechsel in den klimatischen Werten, die bald mehr der einen, bald mehr der anderen Seite zuzuzählen sind. Orographische und edaphische Verhältnisse sind hier von sehr großem Einfluß auf lokale Klima- und Bodenbildung. Berggebiete, die sich den Westwinden entgegenstellen, können infolge der erhöhten Niederschläge und Temperaturmäßigung eine Klimaänderung zur atlantischen Seite hin er- zeugen, während Beckenlage eine Verschiebung der Niederschlags- und Tem- peraturwerte in kontinentaler Richtung bewirkt. Die chemische und physikalische Beschaffenheit des anstehenden Gesteins (z. B. Silikatgestein oder Kalkstein, wasserhaltender Ton oder durchlässiger Sand) verstärkt oder schwächt die kli- matische Tönung des engeren Standortes ab und beeinflußt sehr die Art der Bodenbildung. So kommt es, daß eine örtliche Änderung orographischer und edaphischer Verhältnisse auch eine Änderung in der Häufigkeit des Auftretens südlich-kontinentaler oder atlantischer Pflanzen zur Folge hat, die sich oft zu einer gesetzmäßigen Gegensätzlichkeit steigert und einzelnen Landschaften ein besonderes Gepräge gibt. Die historischen Rückwirkungen der Klimaänderungen der Glazial- und Postglazialzeit, Konkurrenzverhältnisse der Pflanzen unter- einander, der Eingriff der menschlichen Kultur in die Natur sowie das Spiel des Zufalls vermehren noch weiter das Faktorengewirr. Die interessante Ver- breitung des südlich-kontinentalen 1 Florenelementes in Bayern zu schildern, die Ursachen derselben soweit als möglich zu erklären, soll im folgenden ver- sucht werden. 1 Die Bearbeitung der atlantisch-subatlantischen Gruppe wird später nachfolgen. Begriffsbestimmung und Einteilung des südlich- kontinentalen Elementes. Wie bereits aus der Einleitung hervorgeht, wird hier der Begriff „südlich- kontinentales Element" in rein geographischem Sinn 1 gebraucht. Demzufolge umfaßt das südlich-kontinentale Element eine Gruppe von Pflanzen, deren Haupt- verbreitungsgebiet im südöstlichen, südlichen und zentralen Europa liegt und die das nordwestliche und nördliche Europa meiden. Das Areal dieser Pflanzen schließt zum mindesten also Irland, Schottland, Mittel-, West- und Nord- england, Nordwestfrankreich, Nordwestdeutschland, West-, Mittel- und Nord- skandinavien aus; es endet in Richtung gegen Nordwest- und Nordeuropa mit charakteristischen Nordwest- oder Nordgrenzen. Nach Süden und Osten gehen die südlich-kontinentalen Pflanzen verschieden weit. Soweit sie nicht über das Donaugebiet und über das nördliche Mittelmeergebiet hinausgehen, werden sie als „zentraleuropäisch" bezeichnet. Reicht das Areal nach Osten bis nach Süd- und Mittelrußland oder gar bis Asien, so erhalten sie die Bezeichnung „südöstlich". Oft ist dabei das Areal auch über die Mittelmeerländer ausgedehnt, doch liegt der Schwerpunkt der Gesamtverbreitung dieser Untergruppe stets im Südosten. Pflanzen, die in den Mittelmeerländern und in den südlichen Teilen des mittleren Europa verbreitet sind und noch diesseits der Nord- und Ostsee mit einer Nordgrenze endigen, werden der Untergruppe mit südlichem Verbreitungsgebiet zugerechnet. Vereinzelt erscheinen ihre Angehörigen auch im südlichsten England. Die Ausdrücke „pontisch", „pannonisch", „sarmatisch", „aquilonar", „meri- dional", „mediterran", „submediterran" werden von manchen Autoren 2 teilweise in obiger Bedeutung von südöstlicher und südlicher Verbreitung angewendet, teil- weise sind sie aber mit genetischen und ökologischen Vorstellungen belastet worden, die eine rein geographische Auffassung dieser Begriffe verwischt haben, teilweise sind sie auch unzweckmäßig, wie z. B. „mediterran", welches Wort doch am besten für die Charakterpflanzen des eigentlichen Mediterran-Gebietes vor- behalten bleibt. Deshalb wurden im Anschluß an R. Gradmann die nicht miß- verständlichen Ausdrücke „südöstlich", und „südlich verbreitet" gewählt. Was die vertikale Verbreitung anbelangt, so müssen alle in Betracht kom- menden Pflanzen innerhalb der Stufe des Weinbaues verbreitet sein, wenn auch manche von ihnen bis in die Hochgebirgsstufe aufsteigen können. Reine Ge- birgspflanzen sind von allen drei Untergruppen ausgeschlossen. 1 Eichler, Gradmann, Meigen, Ergebnisse der pflanzengeogr. Durchforschung von Württem- berg, Baden, Hohenzollern. 1914. H. 6 S. 323 Anm. 1. Sterner, The Continental dement inthe flora oi South Sweden. 1922. S. 229. Walter Hrch., Einführung in die allgem. Pflanzengeographie Deutschlands. 1927. S. 27, 35—40. 2 S. z. B. Ludwig, O., Das pontische und aquilonare Element in der Flora Schlesiens. Englers Botan. Jahrbücher 58. 1923. „Bei aller Verschiedenheit im einzelnen wird somit die südlich-kontinentale Gruppe doch von gewissen sehr charakteristischen gemeinsamen Zügen um- schlossen. Dazu gehört die Verbreitung nach unten und nach Süden bis min- destens ins Weinbaugebiet und ganz besonders die Zurückhaltung gegenüber dem europäischen Nordwesten, Nordwestfrankreich, Irland, Schottland, Mittel-, West- und Nordengland, Mittel- und Nordskandinavien und auch Nordwest- deutschland; also ein südlicher und zugleich ein kontinentaler Zug, wodurch die gewählte Benennung ihre Rechtfertigung findet." (R. Gradmann.) Im Hinblick auf ihre Stellung innerhalb der Vegetation müssen die Arten des südlich-kontinentalen Elements verschiedenen Pflanzenverbänden zugewiesen werden. Da nun für die topographische Verteilung der südlich-kontinentalen Pflanzen die Gebundenheit an bestimmte Formationen (Assoziationskomplexe) sehr wesentlich ist, soll nach der Formationszugehörigkeit die Gliederung der ganzen Gruppe vorgenommen werden. Hiebei mag gleich bemerkt werden, daß Adventiv- und Ruderalpflanzen, sowie Ackerunkräuter nicht aufgenommen worden sind, da ihr Vorkommen viel zu vielen Zufälligkeiten ausgesetzt ist. Es sind nur Arten zur Untersuchung gelangt, die der heimischen Flora ursprünglich und ohne Zutun des Menschen angehören. Von diesen ist eine große Zahl der sonnigsten und trockensten Formation Mitteleuropas, der Steppenheide, 1 eigentümlich. Dieselbe stellt in ihrer typischsten Ausbildung, wie sie an einzelnen edaphisch und klimatisch besonders begünstigten Stellen des Untersuchungsgebietes sich vorfindet, nichts anderes dar als kleine, eng begrenzte und vom Hauptgebiet getrennte, mittel- europäische Vorkommnisse (Exklaven) der echten Kraut-Gras-Steppen Südost- europas. Ihre Charakterpflanzen, welche später ausführlich besprochen werden, sind die nämlichen Arten, die größtenteils auch in den eigentlichen Steppen- distrikten Rußlands tonangebend sind. In ihrer reinsten Ausprägung ist die Steppenheide baumlos und aus einer reichen Mischung xerophytischer und meist südöstlich und südlich verbreiteter Arten zusammengesetzt. Die meisten ihrer Komponenten haben ein hohes Lichtbedürfnis und ertragen ausgezeichnet große Trockenheit. Vereinzelt vermag die Steppenheide auch in ganz lichte Eichen- und in sonnige Föhrenbestände einzudringen, eine Erscheinung, die im Waldsteppengebiet des Südostens häufig zu beobachten ist. Die Arten mit eng- stem Anschluß an die Steppenheide bilden ihre Leitpflanzen, die übrigen, weniger streng an die Steppenheide gebundenen Arten, die z. B. auch an Stand- orte wie Wald- und Wegränder oder an sonnige Raine übertreten, werden Steppenheidepflanzen mit freierem Anschluß genannt. Nicht wenige südlich- kontinental verbreitete Arten erscheinen vornehmlich in sonnigen Gebüschen von Corylus Avellana, Cornus sanguinea, Cornus mas, Crataegus, Ligustrum vul- gare, Prunus spinosa, Rosa spec. usw., in lichten Laubwäldern, gebildet zumeist 1 Näheres über den Namen Steppenheide siehe Gradmann, R., in „Ergebnisse der pflanzen- geogr. Durchforschung von Württemberg, Baden, Hohenzollern"; und Garns, H., in „Heide und Steppe". Erschienen in Repert. spec. regni vegetabilis. Beiträge zur Systematik und Pflanzen- geographie IV, 1927. aus Quercus Robur, Carpinus Betulus, Tilia, seltener Fagus und in Föhrenwäl- dern mit grasigem Unterwuchs. Da diese Formationen in naher Beziehung zur Steppenheide stehen und manche Pflanze mit ihr gemeinsam haben, auch unter sich viele Mischungen eingehen, so erhalten sie nach Gradmann die Bezeich- nung „Steppenheidewald". Der Steppenheidewald erfährt in Form der lichten Eichenwälder mit Steppenunterwuchs in den Donauländern und im nördlichen Südrußland größte Verbreitung. Desgleichen besitzen die trockenen Föhren- wälder mit krautgrasigem Boden wuchs eine weite Verbreitung in den Kontinental- gebieten. Lichte Eichenwälder, Föhrenwälder und auch Birkenwälder bilden ja die äußersten Vorposten der Wälder des mittleren Europas gegen die Steppen und mit Steppeninseln gemischt stellen sie die Waldsteppenzone des südöst- lichenRußlands dar. Die noch übrigen Arten dessüdlich-kontinentalen Elements — die also weder der Steppenheide noch dem Steppenheidewald zugehörig sind — verteilen sich auf die Formationen der schattigen, mesophytischen Laubwälder, auf die Talwiesen, auf die Wiesenmoore und feuchten Uferbestände. Ihre Be- deutung ist sowohl der Zahl als auch der topographischen Verbreitung nach geringfügig. Geographische Übersicht über das Untersuchungsgebiet und dessen Einzellandschaften. Um die Verbreitung der südlich-kontinentalen Florengruppe im Untersuchungs- gebiet am zweckmäßigsten darstellen zu können, wird jede hieher gehörige Art nach ihrem Vorkommen in den einzelnen natürlichen Landschaften, in die das rechtsrheinische Bayern zerfällt, besprochen werden. Zu diesem Zweck sei der Verbreitungsdarstellung eine geographische Übersicht über die unterschiedenen wichtigsten Einzellandschaften vorangestellt. Politisch umfaßt das behandelte Gebiet Bayern rechts des Rheins, ohne sich jedoch streng an die Staatsgrenzen zu halten, da diese öfters natürlich Zu- sammengehöriges trennen oder neue, außerbayerische Landschaften eben noch anschneiden. So fällt die Aschaffenburger Untermainebene mit dem Westfuß des Spessarts weg, weil sie als Ausläufer des Mainzer Beckens der Ober- rheinischen Tiefebene zugewiesen werden muß; desgleichen wird der baye- rische Anteil an der Rhön, am Thüringer Wald, am Vogtland und der Franken- wald nicht behandelt, da sie zu eng mit dem mitteldeutschen Gebirgsland ver- knüpft sind, um davon losgelöst zu werden. Unberücksichtigt blieb ferner Bayerns schmaler Besitz an den Alpen. Andererseits greift die Untersuchung auf das ganze Taubergebiet und damit auf den nordöstlichsten Teil von Württemberg und Baden über. Ebenso sind die südlichsten Teile der thüringischen Land- kreise Meiningen und Hildburghausen, die noch in das Grabfeld oder in andere Teile der zum Main entwässerten Fränkischen Platte hereinragen, sowie das neubayerische Koburger Land in die Untersuchung einbezogen worden. Bei landschaftsgeographischer Betrachtung lassen sich in dem umschriebenen Arbeitsgebiet drei Großlandschaften, nämlich das Fränkische Schichtstufenland, das Ostbayerische Grenzgebirge und das Bayerische Alpenvorland unterscheiden, die ihrerseits in eine Anzahl von gut charakterisierten Einzellandschaften zer- fallen, welche für unseren Gebrauch, zur pflanzengeographischen Verbreitungs- darstellung, sehr zweckdienlich sind. 1. Das Fränkische Schichtstufenland. Die Schichten des Buntsandsteins, des Muschelkalkes, des Keupers und des Jura beteiligen sich an seinem geologischen Aufbau; daneben gelangen auch Ablagerungen der Kreide, des Tertiärs und des Diluviums (Sand und Löß) zu örtlicher Bedeutung. Durch das allmähliche Einfallen der Trias- und Juraschichten nach Osten und Südosten sowie durch den regelmäßigen Wechsel von hartem und weichem Gestein, von Sandstein, Tonen, Mergel, Kalkstein usw., gaben diese geologischen Formationen nach teilweiser Abtragung im Laufe geologischer Zeiträume Anlaß zur Entstehung von äußerst verschiedenartigen Einzelland- schaften, die sich mit scharfen Scheidelinien streifenförmig von West nach Ost ablösen. Es sind dies: der Spessart, die Fränkische Gäulandschaft, das Keuperbergland, das Mittelfränkische Becken, das Liasvorland der Fränkischen Alb, die Fränkische Alb selbst und schließlich die Oberfrän- kisch-Oberpfälzische Senke. 2. Das Ostbayerische Grenzgebirge. Sein mächtiger Urgebirgswall grenzt Bayern und damit das Untersuchungs- gebiet gegen Osten ab. Dieses waldbedeckte Mittelgebirge gliedert sich in das Fichtelgebirge und den Böhmerwald, dessen bayerischer Anteil als Oberpfälzer Wald und Bayerischer Wald unterschieden wird. 3. Das Bayerische Alpenvorland. Es erstreckt sich vom Nordfuß der Alpen bis zum südlichsten Abbruch der Schwäbisch-Fränkischen Alb und zum Südfuß des Bayerischen Waldes und baut sich aus sandigen, kiesigen, tonigen und mergeligen Ablagerungen der Tertiär- zeit auf, die aber — besonders in der Nähe der Alpen — von mächtigen Schuttmengen eiszeitlicher, alpiner Gletscher und Gletscherströme überschüttet und streckenweise auch mit Löß und Sanddünen bedeckt wurden. In langsamem Abfall senkt es sich vom Rand der Alpen zur Donau hin. Das Donautal selbst bildet nicht streng die Nordgrenze, da der Donaustrom wiederholt in Strom- engen die Fränkische Alb (zwischen Stepperg — Neuburg und zwischen Neu- stadt — Regensburg) und das Urgebirge des Bayerischen Waldes (zwischen Vils- hofen — Passau — Jochenstein) durchbricht und dadurch Teile der Fränkischen Alb und des Ostbayerischen Grenzgebirges auf die rechte Donauseite zu liegen kommen, während andererseits das Alpenvorland bei Dillingen und Ingolstadt auf die linke Donauseite übergreift. Es lassen sich im Alpenvorland folgende Teillandschaften unterscheiden: 8 Die Moränenlandschaft im Süden in nächster Nachbarschaft der Alpen, gekennzeichnet durch den bunten Wechsel von Endmoränenwällen und Grund- moränenhügeln, von großen und kleinen, oft mit Seen gefüllten Mulden und Zungenbecken, die größtenteils ein Ergebnis der letzten Eiszeit sind. Die Schotterlandschaft, deren ebene Flächen die Schmelzwasserablage- rungen der einzelnen Eiszeiten darstellen, die durch die Flüsse während der Interglazial- und Postglazialzeiten wieder zerschnitten, in Terrassen verwandelt und auch teilweise umgelagert wurden, so daß Deckenschotterterrassen, Hoch- terrassen und jungglaziale Niederterrassen unterschieden werden. Das Tertiärhügelland als dritte Teillandschaft des Alpenvorlandes ist ein flachhügeliges, einförmiges Gelände, das sich im Norden langsam zum Donau- tal absenkt und zungenartig von der Schotterlandschaft, die längs der Alpen- flüsse bis in das Donautal vorstößt, durchdrungen wird. 1 Die einzelnen Arten des südlich-kontinentalen Elementes und ihre Verbreitung in den Landschaften des Untersuchungsgebietes. 2 Pflanzen der Steppenheide. Andropogon ischaemum L. Südliches Verbreitungsgebiet. Tropisch bis montan. Spessart: im Inneren bis auf den Standort bei Frammersbach fehlend, ver- einzelt im Maintal, von der Untermainebene her aufwärts bis Langenprozelten vordringend. — Fränkische Gäulandschaft: selten bei Wertheim, Karlstadt, Volkach, Eltmann. — Keuperland: im Bergland fehlend, tritt aber vereinzelt im Tal der Mittl. Ebrach bei Burgebrach und Burgwindheim auf. — Mittelfränkisches Becken: aus dem Maintal über Bamberg — Strullendorf — Hirschaid eindringend und zerstreut bis Zirndorf bei Fürth und Roßtal vordringend. — Fränkische Alb: im Donauzug ziemlich verbreitet, besonders in der Steppenheide sonniger Weiß- jurahänge des Donautales (vom Keilstein bei Regensburg bis Stepperg und Bertoldsheim aufwärts) und des Altmühltales (von Kelheim über Riedenburg, Beilngries, Kipfenberg bis Eichstätt); im Nordzug sehr selten an der Ehrenbürg bei Forchheim und bei Pottenstein. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erst am Südrand des Bayerischen Waldes längs der Donau am Wal- hallaberg und bei Passau auftretend. — Alpenvorland: zerstreut im donaunahen Teil des Tertiärhügellandes und auf den Niederterrassen der Schotterlandschaft 1 Landschaftskundliche Charakterisierung und kartographische Darstellung der hier unter- schiedenen Landschaftengeben: Gradmann, R., „Süddeutschland" in„E. v. Seydlizsche Geographie" Hundert- Jahr- Ausgabe I.Bd. Deutschland 1925. Troll, K.: Die natürlichen Landschaften des rechts- rheinischen Bayerns. (Geographischer Anzeiger Jahrg. 1926, Heft 1/2 mit Karte.) 2 Die geographischen und topographischen Verbreitungsangaben konnten leider nur sehr ge- kürzt zum Abdruck kommen. Einzelheiten über die Verbreitung der Arten sind im Botan. Institut Erlangen, bzw. bei der Naturhistor. Gesellschaft Nürnberg hinterlegt. längs Donau, Lech und Isar (z. B. bei Ulm, Rain, Unterhausen, Ingolstadt, Augs- burg, Regensburg, Straubing, Landshut, Volkmannsdorf, Deggendorf usw., früher auch bei München); in der Jungmoränenlandschaft fehlend. — Stipa pennata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut, meist in der Steppenheide sonniger Muschelkalk- und Lößhänge des Maintales und auf trockenen Gipsstöcken des Gipskeupergebietes (Triefenstein, Krainberg und Kalbenstein bei Karlstadt, Retz- bach, Thüngersheim, Veitshöchheim, Würzburg, Randersacker, Sulzheim — Grett- stadt, Nordheim bei Uffenheim, Külsheim bei Windsheim). — Fränkische Alb: sehr zerstreut im südlichsten Teil des Donauzuges an felsigen Weißjurakalkhängen längs Donau- und unterem Altmühltal (Keilstein bei Regensburg, Mading, Kel- heim, Weltenburg, Randeck bei Neuessing, Finkenstein bei Neuburg an der Donau). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern völlig fehlend, erst am Süd- fuß des Bayerischen Waldes gegen das Donautal bei Donaustauf erscheinend. — Alpenvorland: sehr selten und nur im trockensten Teil der Niederterrassen- Schotterlandschaft des unteren Isartales (Rosenau bei Dingolfing, Schwaigen bei Mamming, Obermoos bei Plattling). 1 Stipa capillata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut an sonnigen Muschelkalk- und Lößhängen des Maintales vom Krainberg und Kalbenstein bei Karlstadt über Retzbach, Thüngersheim, Ravensberg, IIb bis zum Stein bei Würzburg, ferner auf den trok- kensten Gipsstöcken des Gipskeupergebietes bei Unterspießheim-Grettstadt, Sulz- heim, Nordheim bei Uffenheim und Külsheim bei Windsheim. — Phleum Boehmeri Wibel. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Spessart: noch nicht beobachtet. — Gäulandschaft: verbreitet. — Keuperland: 2 im Innern selten bis fehlend, erscheint meist nur an den Hängen der größeren Täler. — Mittelfränkisches Becken: selten. — Fränkische Alb: sehr verbreitet auf Jurakalk und Dolomit, seltener auf Doggersandstein und sandiger Über- 1 An den meisten aufgeführten Standorten handelt es sich um die mehr südlich verbreitete ssp. Stipa mediterranea (var. pulcherrima C. Koch), doch kommen in der Frank. Gäulandschaft öfters auch Formen vor, die sich sehr der ssp. St. eupennata Asch, et Gr. var. Joannis Cel. nähern. 2 Der Ausdruck „Keuperland" ist hier im geographischen (nicht im geologischen) Sinne gebraucht. Große Teile des unteren Gipskeupergebietes gehören infolgedessen der Frank. Gäu- landschaft an; die Keuperformationsanteile, welche das engere Regnitzbecken säumen, sind dem Mittelfränkischen Becken zugeteilt. So umgreift das Gebiet des „Keuperlandes" im wesent- lichen die Keuperhöhen der Haßberge, des Steigerwaldes und der Frankenhöhe. Daher wäre vielleicht der Ausdruck „Keuperbergland" besser, wenn nur nicht die östliche Abdachung der Steilstufe der Keuperhöhen infolge der Flachheit und der geringen Höhe des Geländes größ- tenteils so wenig Berglandcharakter hätte. 10 deckung. — Oberfränkische-Oberpfälzische Senke: selten bis zerstreut, häufiger nur an den Hängen des Maintales und auf den Jura- und Muschelkalkschollen. Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erst am Südfuß am Donau- hang bei Tegernheim, Deggendorf usw. auftretend. — Alpenvorland: besonders im unteren Teil der Schotterlandschaft und des Tertiärhügellandes ziemlich ver- breitet; in der Moränenlandschaft seltener. — Melica ciliata L. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan. Gäulandschaft: zerstreutbis häufig, vornehmlich an steinigenMuschelkalkhängen des Main-, Tauber- und Fr. Saaletales; im Gipskeupergebiet vereinzelt. — Keuper- land: fehlend bis auf einen Standort bei Haundorf bei Gunzenhausen. — Mittel- fränkisches Becken: nur bei Eggolsheim. — Fränkische Alb: ziemlich häufig auf Kalk- und Dolomitfels. — Oberfränkische Senke: vereinzelt auf Muschelkalk- schollen bei Bayreuth und Fechheim. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint am Südrand des Bayerischen Waldes längs der Donau und am äußersten Fichtelgebirgsrand bei Berneck. (Es handelt sich hiebei meist um die ssp. Nebrodensis; die stärker auf das südöstliche Europa beschränkte ssp. Transsilvanica kommt vereinzelt im Donauzug und im Nordzug der Fränki- schen Alb vor.) Poa Badensis Haenke. Südliches Zentraleuropa. Submontan. Gäulandschaft: Gipshügel bei Külsheim-Windsheim. — Fränkische Alb : nur im Nordzug im Dolomitgebiet des Staffelberges bei Staffelstein. Festuca Vallesiaca Schleich, ssp. sulcata Hackel. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Spessart: im Innern noch nicht beobachtet, erscheint erst am Maintalhang bei Lohr. — Gäulandschaft: zerstreut, stellenweise ziemlich häufig. — Keuper- land: im eigentlichen Keuperbergland noch nicht beobachtet, dringt aber von dem Verbreitungsgebiet in der Gäulandschaft her durch das Grabfeld in das Tal der Hellinge vor. — Mittelfränkisches Becken: sehr zerstreut von Bamberg bis Nürnberg. — Fränkische Alb: im Donauzug ziemlich verbreitet, im Nordzug mehr zerstreut. — Oberfränkisch-Oberpfälzische Senke: sehr selten im Main- becken bei Bayreuth und im Nabbecken bei Klardorf-Loisnitz. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im tieferen Innern fehlend, erscheint erst am Südabfall des Baye- rischen Waldes zum Donautal. — Alpenvorland: sehr zerstreut im Gebiet der Niederterrassen der Schotterlandschaft und am Rande des Tertiärhügellandes; im eigentlichen Jungmoränengebiet noch nicht festgestellt. Carex supina Wahlb. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Gäulandschaft: in der Steppenheide (Stipetum capillatae, Festucetum sulcatae usw.) des Gipshügels bei Külsheim im Windsheimer Gau. 11 Carex humilis Leyss. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin (alpin). Gäulandschaft: zerstreut, hauptsächlich an sonnigen Muschelkalktalhängen des Mains, der Fr. Saale und der Tauber, doch auch auf Gipsstöcken des Gips- keupergebietes vom Grabfeld bis zum Uffgau. — Fränkische Alb: zerstreut, stellenweise ziemlich häufig in der Steppenheide auf Jurakalk und Dolomit, be- sonders an sonnigen Talseiten der Donau undAltmühl, seltener im Mittelteil des Nordzuges (Pegnitzgebiet), zerstreut im Wiesentgebiet und am Nordabfall zum Maintal. — Alpenvorland: zerstreut, zumeist auf den Heidewiesen trockener Niederterrassenflächen, selten in der Jungmoränenlandschaft. Allium montanum Schmidt (= A. senescens L.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis alpin. Gäulandschaft: zerstreut auf Muschelkalk und Gipskeuper von Karlstadt bis in das Grabfeld und bis zum Windsheimer Gau, maintalaufwärts bis Oberhaid vordringend. — Fränkische Alb: zerstreut bis ziemlich häufig auf Kalk- und Dolomitfels. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber am Südrand längs der Donau. — Alpenvorland: sehr zerstreut bis selten und meist nur auf den Heidewiesen der Niederterrassen längs Lech, Isar und Inn; sehr selten in der Jungmoränenlandschaft (einzig bei Gassenhofen). Thesium Linophyllon L. (= Th. intermedium Schrad.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut auf Muschelkalk und Gipskeuper vom Ostrand des Spessarts bis zum West- und Nordwestfuß des Steigerwaldes und der Haßberge. — Keuperland: vereinzelt aus der Verbreitung in der Gäulandschaft bis zum Hohen- stein bei Koburg, Bruderwald bei Bamberg und Feuchtwangen eindringend. — Fränkische Alb: zerstreut im Donauzug vom Ries bis Regensburg; im Nordzug selten und nur im nördlichsten Teil, meist in der Nähe des Abfalles zum Main- tal. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten (bei Fechheim, Weidhausen, Hochstadt, Obristfeld, Amberg). — Alpenvorland: zerstreut, meist auf den Heide- wiesen der Niederterrassen der Schotterlandschaft längs Donau, Lech und Isar; selten in der Jungmoränenlandschaft (Herrsching, Ellbach, Hechenberg und Wackersberg bei Tölz). Silene Otites (L.) Wibel. Südliches und östliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Gäulandschaft: zerstreut, zumeist auf Sandterrassen und Sanddünendes Main- tales, seltener auf Muschelkalk und Gips. — Mittelfränkisches Becken: zerstreut auf trockenen Sandterrassen der Regnitz zwischen Bamberg und Baiersdorf, früher auch bei Nürnberg. — Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut auf Dolo- mit und Sandterrassen entlang dem Donautal (bis Neuburg aufwärts) und der unteren Altmühl (bis Dietfurt aufwärts), sowie an den Talhängen der Schwarzen Läber und des Nabgebietes (bis Deuerling, Hohenfels, Hohenburg, Traiden- dorf, Kallmünz), auch im Ries; im Nordzug nur am Staffelberg. — Alpenvor- land: nur im Donaubecken (Regensburg). 12 Tunica prolifera (L.) Scop. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan, selten auch montan. Spessart: im Innern sehr selten (Altenbuch), häufiger am Maintalhang des Außensaumes.— Gäulandschaft: zerstreut, am häufigsten auf Sandterrassen und Dünen des Maintales. — Keuperbergland: vereinzelt, größtenteils auf die größeren Täler beschränkt. — Mittelfränkisches Becken: ziemlich verbreitet, besonders auf den trockenen Sandterrassen der Regnitz und Pegnitz. — Fränkische Alb: ziemlich häufig im Dolomitgebiet und auf sandiger Überdeckung, sonst zer- streut. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: zerstreut im' Mainbecken, sonst selten. — Ostbayerisches Grenzgebirge: sehr selten, im Innern fast völlig feh- lend, vereinzelt am Süd- und Westfuß (z. B. bei Donaustauf, Regenstauf, Cham, Berneck). — Alpenvorland: sehr selten bei München und Augsburg. 1 Tunica saxifraga (L.) Scop. Südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan. Gäulandschaft, Mittelfränkisches Becken und Oberpfälzer Senke: je einmal ad- ventiv aufgetreten. — Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut, stellenweise wie in der Steppenheide sonniger Donautalhänge häufig; im Nordzug dagegen selten und oft nicht ursprünglich (Pegnitz, Pottenstein, Friesen, Banz). — Ostbaye- risches Grenzgebirge: tritt vereinzelt im südlichen Teil am Abfall des Bayerischen Waldes zur Donau auf. — Alpenvorland: zerstreut, meist auf Heidewiesen der Niederterrassen und sonniger, sandiger Tertiärhügel; in der Jungmoränenland- schaft bis auf ganz vereinzelte Vorkommnisse längs der Alpenflüsse (Inn und Salzach) fehlend. Dianthus Carthusianorum L. ssp. eu-Carthusianorum Hegi. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin (alpin). Spessart: aus der Verbreitung im Maintal vereinzelt die größeren Täler ent- lang gegen das Innere vordringend. — Gäulandschaft: allenthalben sehr ver- breitet. — Keuperland: zerstreut. — Mittelfränkisches Becken: verbreitet auf Diluvialsandterrassen. — Fränkische Alb: sehr verbreitet, besonders auf Dolomit. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: zerstreut, doch öfters auf große Strecken fehlend (w. z. B. im Buntsandsteingebiet bei Neustadt a. H. und im feuchten Keupersandgebiet zwischen Kemnath — Parkstein). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: fehlt mit Ausnahme des Abfalles zum Donautal. — Alpenvorland: verbreitet (vornehmlich auf Heidewiesen der Schotterlandschaft und an sonnigen, trockenen Tertiärhügeln). Cerastium brachypetalum Desportes. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan. Gäulandschaft: zerstreut. — Keuperland: sehr selten (avdentiv bei Ebern und bei Dinkelsbühl). — Mittelfränkisches Becken: vereinzelt und sehr zerstreut vom 1 T. prolifera erscheint neben ihrem ursprünglichen Vorkommen in der Steppenheide nicht selten auch adventiv an Eisenbahndämmen, Wegrändern usw. 13 Maintal bei Bamberg bis Lauf bei Nürnberg und Reichelsdorf bei Schwabach- Fürth. — Fränkische Alb: sehr zerstreut vom südlichen Abfall zum Donautal bis zum nördlichen Abfall zum Maintal. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: vereinzelt in der Mainfurche von Obristfeld bis Mainklein. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südfuß von Donaustauf bis Passau. — Alpenvorland: zerstreut, gern auf Heidewiesen trockener Nieder- terrassen des Lech und der Isar; im Innern der Jungmoränenlandschaft bis jetzt sehr selten (bei Tettenhausen) beobachtet, erscheint erst häufiger am Übergang in die Schotterlandschaft längs der Isar. Alsine fasciculata (L.) Wahlenb. (= Minuartia fasciculata Hiern). Südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Fränkische Alb: im Donauzug sehr zerstreut in der Steppenheide sonniger, felsiger und sandiger Hänge des Donautales, des untersten Regen- und Schwarzen Laabertals (vom Keilstein bei Regensburgbis Lappersdorf, Schönhofen, Kelheim — Weltenburg). — Alpenvorland : sehr zerstreut und zumeist auf den Heidewiesen der trockenen Niederterrassen längs Donau, Lech und Isar; fehlt der Moränenlandschaft. Alsine setacea M. u. K. (= Minuartia setacea Hayek). Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut und sprungweise an sonnigen Kalk- und Dolomitfelshängen des Donau-, Altmühl- und Nabtales (bis Abbach-Welten- burg, Pfalzpoint bei Eichstätt, Kallmünz und Hohenburg aufwärts). Anemone Pulsatilla L. ssp. grandis (Wender.) Gurke (= Pulsatilla grandis Wender.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. (Das Areal dieser breitblätterigen Rasse der Anemone Pulsatilla s. 1. erstreckt sich von Südrußland durch die Donauländer bis in das Bayerische Alpenvorland, bis zur Schwäb.- Fränk. Alb, zur Frank. Gäulandschaft und zum Kyffhäuser.) Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide auf Muschelkalk und Gipskeuper vom Kaimut bei Homburg und dem Kalbenstein bei Karlstadt bis zum Gips- hügel bei Külsheim im Windsheimer Gau. — Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut in der Steppenheide auf Jurakalk und Dolomit von Regensburg bis Eichstätt, Dollnstein, Hohenfels und Kallmünz; im Nordzug selten (bisher nur bei Sulzbach, Weigendorf und Haunritz festgestellt). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: im Innern fehlend, erscheint aber sehr typisch an sonnigen Urgesteins- hängen am Südabfall zum Donautal (z. B. am Bogenberg und bei Donau- stauf). — Alpenvorland: auf den Heidewiesen der Niederterrassen der Schotter- landschaft der Isar (Rosenau bei Dingolfing, Garchinger Heide). Anemone Pulsatilla L. s. str. (= Pulsatilla vulgaris Miller). Mitteleuropäisches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. (Das Areal dieser schmalblätterigen Rasse der Anemone Pulsatilla s. 1. erstreckt sich von 14 Oberösterreich, Süddeutschland und der Nordschweiz bis Mittelfrankreich, Süd- ostengland und Südschweden). Spessart: sehr selten im Innern, häufiger am Rand (Übergang zur Unter- mainebene, Maintalhänge und Übergang zur Gäulandschaft). — Gäulandschaft: verbreitet vom Ostrand des Spessarts bis zum Fuß der Keuperberge; daneben auch viele Zwischenformen (Pulsatilla Oenipontana), die zur Pulsatilla grandis überleiten. — Keuperland: selten, häufiger nur am Rande und längs der größeren Täler (an mergeligen und dolomitischen Hängen des Main- und Itztales), im Keupersandsteingebiet ganz fehlend. — Mittelfränkisches Becken: selten, auf dolomitischer Arkose und Diluvialsand (Bamberg, Strullendorf, Erlenstegen bei Nürnberg). — -Fränkische Alb: sehr häufig in der Steppenheide auf Jurakalk und Dolomit. Neben der typischen (schmalblätterigen) Pulsatilla vulgarisMiller kommen auch viele Übergangsformen zu der ebenfalls vorhandenen (siehe oben) Pulsatilla grandis Wender, vor. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten an den Keuperhängen des Maintals, häufiger auf Muschelkalk- und Weißjuraschollen (Bindlach, Kirchleus, Fechheim). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber am Südabfall zum Donautal (mit Pulsatilla Oenipon- tana und Pulsatilla grandis). — Alpenvorland: zerstreut, meist auf den Heide- wiesen der Niederterrassen längs Donau, Lech und Isar; vereinzelt auch bis in die Jungmoränenlandschaft vordringend. Anemone patens L. Südöstliches bis östliches Verbreitungsgebiet. Subboreal und boreal. Alpenvorland: selten und nur auf der Niederterrasse der Isar (Trudering, Gar- ching, Eching) und der Donau (bei Neustadt a. D.). Anemone silvestris L. Südöstliches und östliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart: fehlend mit Ausnahme eines vereinzelten Standortes in der östlichen Randzone (Marktheidenfeld-Rohrbrunn). — Gäulandschaft: zerstreut bis ver- breitet, nur im Windsheim-Uffenheimer Gau noch nicht sicher festgestellt. — Keuperland: sehr selten und im größten Teil völlig fehlend, vereinzelt aus der Gäulandschaft längs Main- und Itztal eindringend. — Mittelfränkisches Becken: selten, einzig bei Forchheim, Ritzmannshof und Puschendorf. — Fränkische Alb: im Nordzug häufig und verbreitet, besonders in lichten Föhrenwäldern des Dolo- rnitgebietes, die sandige Albüberdeckung meidend. Nach Süden nimmt die Ver- breitung stark ab und im Donauzug ist Anemone silvestris nur noch selten (Hahnen- kamm— Treuchtlingen, Ensfeld, Walting, Untermessing, Plankstetten, oberes Laaber- und Lautrachtal, Sinzing).— Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: fast nur im oberfränkischen Teil (als Einstrahlung aus der Gäulandschaft, dem Werra-Muschelkalkgebiet und der Fränkischen Alb), meist auf Muschelkalk- und Weißjuraschollen, seltener auf Buntsandstein und Keuper; in der oberpfälzischen Senke nur auf Basalt des Rauhen Kulm. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlend bis auf das isolierte Vorkommen auf Urkalk-Dolomit bei Wunsiedel 15 im Fichtelgebirge. — Bayerisches Alpenvorland: einzig bei Isarmünd (früher auch Hochdorf bei Augsburg). Adonis vernalis L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subboreal und boreal. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut und sprungweise in der Steppenheide auf Muschelkalk, Grenzdolomit und Gipsstöcken (Aschfeld bei Karlstadt, Neuenberg bei Thüngersheim, Sodenberg bei Obereschenbach, Diebach, Weikersgrüben, Aschenroth; Königshofen im Grabfeld, Unterspießheim — Grettstadt, Sulzheim — Gerolzhofen, Alitzheim, Nordheim bei Uffenheim. Külsheim und Kaubenheim bei Windsheim). — Alpenvorland: einzig auf Heidewiesen der Niederterrassen- Schotterlandschaft der Isar bei Garching. 1 •£>■ Sisymbrium Pyrenaicum (L.) Vill. ssp. Austriacum (Jacq.) Schinz et Thellung (= Sisymbrium Austriacum Jacq.). Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin (alpin). Gäulandschaft: sehr zerstreut an sonnigen Muschelkalk- und Gipskeuper- hängen von Wertheim und Karlstadt bis zum Westfuß des Steigerwaldes. — Frän- kische Alb: sehr zerstreut an Malmfelsen, nur am Nordabfall zum Maintal und am Südabfall zum Donautal. — Alpenvorland: vereinzelt adventiv (Ismaning, Chiemsee). Hutchinsia petraea (L.) R. Br. Südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Gäulandschaft: vereinzelt an Muschelkalkhängen des Maintals (bei Veitshöch- heim, Thüngersheim, Erlabrunn). — Fränkische Alb : einzig im Nordzug an Dolo- mitfelsen des Aufseßtales bei Neuhaus. Arabis auriculata Lam. Südliches Verbreitungsgebiet: Subtropisch bis montan. Gäulandschaft: bisher nur bei Schweinfurt auf Muschelkalk beobachtet. — Fränkische Alb: sehr zerstreut auf Kalk- und Dolomitfels, im Donauzug (bei Hütting, Konstein, Eichstätt, Kelheim, Sinzing, Ebenwies) und im Nordzug (Wiesentfels bei Scheßlitz). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber am Südfuß am Winzerer Schloßberg bei Deggendorf a. D. Erysimum erysimoides (L.) Fritsch (Erysimum odoratum Ehrh.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut bis verbreitet, meist an steinigen sonnigen Muschel- kalkhängen (besonders längs des Maintales), auf Gipskeuper nur bei Gomperts- hausen. — Mittelfränkisches Becken: vereinzelt adventiv um Nürnberg. — Frän- kische Alb: verbreitet im Nordzug wie im Donauzug an sonnigen Jurakalk- und Dolomitfelshängen, selten auf Eisensandstein, meidet die lehmige und sandige Albüberdeckung; im Liasvorland: selten adventiv. — Oberfränkisch-oberpfäl- zische Senke: auf den Muschelkalkschollen zwischen Kronach — Kulmbach — 1 Die Angaben in der „Flora von Bayern" für Lauf bei Nürnberg und Ansbach sind unrichtig. 16 Bindlach häufig, desgleichen auf der Malmscholle bei Kirchleus, sonst selten und meist nur adventiv auf Keuper; am Rauhen Kulm auf Basalt. — Ostbaye- risches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber am Nordwestfuß bei Berneck und am Südfuß bei Donaustauf. — Alpenvorland: isoliert bei Puchheim (adventiv?). Erysimum crepidifolium Rchb. Zentraleuropäisches Verbreitungsgebiet. Submontan bis montan. Gäulandschaft: selten an Muschelkalkhängen des Main- und Taubertales. — Fränkische Alb: zerstreut im Nordzug und im Donauzug, am häufigsten an kalk- und dolomitfelsigen Hängen des Donau- und Altmühltales, des Pegnitz- und Wiesenttales; selten auf Eisensandstein. — Alpenvorland: nur selten adventiv. Alyssum montanum L. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Spessart: fehlt dem Innern, erscheint erst vereinzelt am Ost-, Süd- und West- rand längs des Maintals von Lohr bis Aschaffenburg. — Gäulandschaft: zer- streut an sonnigen Muschelkalkhängen, auf Löß und auf trockenen Sandter- rassen und Dünen des Maintales und dessen nächster Umgebung von Wertheim bis Schweinfurt aufwärts und vereinzelt im Gipskeupergebiet südlich des Mains bis Windsheim. — Mittelfränkisches Becken: früher auf Sandterrassen des Reg- nitzbeckens bei Erlangen und Roth. — Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut bis häufig an Jurakalk- und Dolomitfelshängen des Donautales vom Keilstein bei Regensburg bis Bertoldsheim, ferner an den sonnigen Talhängen der Alt- mühl, Schwarzen Laaber, der unteren Vils und Nab. Vereinzelt auch im Ries; im Nordzug nur selten auf Dolomitfelsen des Wiesentgebietes auftretend, im Pegnitzgebiet ganz fehlend. — Alpenvorland: sehr selten, nur einmal auf der Weißjurascholle bei Aichach im Donautal beobachtet. Alyssum saxatile L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: im Nordzug an sonnigen Kalk- und Dolomitfelsen des Wiesent- tales ziemlich häufig von der Behringersmühle bei Gößweinstein bis zum Hummer- stein bei Streitberg, sonst noch vereinzelt zwischen Kühlenfels und Brunn, Frie- sener Warte, Würgau; früher auch am Staffelberg. (Die früheren Angaben für Pappenheim, Nagelberg, Hesseiberg sehr fraglich.) Potentilla rupestris L. Südöstliches und östliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: sehr zerstreut (von Wertheim bis zum Schwanberg und bis in das Grabfeld). — Keuperland: sehr selten (nur am Westrand bei Ebrach aus der Verbreitung in der Gäulandschaft eindringend). — Fränkische Alb: sehr selten und einzig im südlichsten Teil des Donauzuges bei Oberhausen — Stepperg a. D. ■ — Alpenvorland: sehr zerstreut, meist auf Heidewiesen der Niederter- rassen längs Donau, Hier, Isar; fehlt in der Jungmoränenlandschaft. 17 Potentilla heptaphylla L. ssp. rubens (Crantz) (== P. rubens Zimmeter). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: zerstreut von Würzburg und Münnerstadt bis zum Fuß der Keuperberge. — Fränkische Alb: im Donauzug ziemlich häufig vom Ries bis Regensburg (nördlich bis zum Hesseiberg, Hofberg, Berching — Mühlhausen, Deining — Velburg, Illschwang bei Sulzbach); fehlt dann im ganzen Pegnitzgebiet des Nordzuges, desgleichen fast auch dem ganzen Wiesentgebiet und erscheint erst wieder im nordwestlichen Teil des Nordzuges (zwischen Wiesentfels, Scheß- litz, Vierzehnheiligen und Ziegenfelder Tal). — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt dem Innern, erscheint aber am Südfuß längs der Donau. — Alpenvorland: verbreitet, besonders auch in den Heidewiesen der Schotterlandschaft. Potentilla verna L. ssp. arenaria (Borkhausen) (= Potentilla arenaria Borkhausen). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide auf Muschelkalk, Löß und Gips- keuper (von Hammelburg und Karlstadt bis Irmelshausen — Königshofen i. Gr., Sulzheim bei Grettstadt, Nordheim bei Uffenheim. Külsheim bei Windsheim). — Keuperland: im Innern völlig fehlend, dringt nur aus dem Windsheimer Gau über Westheim in das engbenachbarte oberste Zenngebiet ein; (für Dinkelsbühl sehr fraglich). — Mittelfränkisches Becken: in jüngster Zeit weder vom Verfasser noch vom Botanischen Verein Nürnberg beobachtet (vielleicht früher bei Neuhaus — Bamberg). — Fränkische Alb : zerstreut, stellenweise ziemlich verbreitet wie be- sonders in der Steppenheide auf Dolomit und Dolomitasche (vom Staffelberg bisEtterzhausen, Weltenburg, Riedenburg, Eichstätt, Dollnstein.Bertoldsheim). — Alpenvorland: sehr zerstreut, fast nur in den Heidewiesen trockener Nieder- terrassen der Schotterlandschaft und der angrenzenden Tertiärkalkhügel längs Lech und Isar (z.B. Lechfeld bei Augsburg, Garchinger Heide bei München); im Innern der Jungmoränenlandschaft fehlt Pot. arenaria völlig. Fragaria viridis Duch. (Fragaria collina Ehrh.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Gäulandschaft: verbreitet, besonders in der Steppenheide sonniger Muschel- kalkhänge und Gipshügel. — Keuperland: selten bis zerstreut, fast nur an sonn- seitigen, mergeligen Talhängen der Itz, des Main, der Aurach, Ebrach, Aisch, Zenn, Bibert und Rezat, den dazwischenliegenden Sandsteinplatten fehlend. — Mittelfränkisches Becken: selten und nur auf besseren Keuperböden (bei Nürn- berg, Zirndorf, Veitsbronn, Forchheim, Hirschaid). — Liasvorland : zerstreut (z. B. Eschenau, Altendorf, Großheirath). — Fränkische Alb: mit Ausnahme der Ge- biete mit sandiger Überdeckung ziemlich verbreitet im Nordzug wie im Donau- zug. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten bis zerstreut in der Maintal- furche; häufiger auf der Weißjurascholle bei Kirchleus und auf den Muschelkalk- schollen zwischen Fechheim bei Koburg und Kulmbach. — Alpenvorland: zer- 18 streut, meist auf Heidewiesen der Schotterlandschaft, seltener in der Jungmoränen- landschaft. Cytisus Ratisbonensis Schaffen Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und (selten) montan. Fränkische Alb: im Donauzug im östlichen Teil ziemlich häufig in der Steppen- heide sonniger Weißjurahänge, besonders längs Donau, unterer Altmühl, unterer Schwarz. Laaber und Nab (vom Keilstein bei Regensburg bis Abbach, Kelheim- winzer, Riedenburg, Kallmünz und Burglengenfeld); nach früheren Angaben auch Suffersheim bei Weißenburg. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt den nörd- lichen und zentralen Gebieten völlig, erscheint aber vereinzelt am unteren Teil des Südwest- und Südabfalles in lichten Föhrenwäldern (von Bogenberg über Do- naustauf, Regensburg bis Regenstauf). —Alpenvorland: in der Schotterlandschaft (vornehmlich auf Heidewiesen der Niederterrassen) und im Tertiärhügelland östlich des Lechs ziemlich verbreitet; in der Moränenlandschaft selten. Medicago minima (L.) Desr. Südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch und submontan (selten auch montan). Gäulandschaft: zerstreut bis ziemlich verbreitet vom Rande des Spessarts bis zum Fuß der Keuperberge. — Keuperland: nur vereinzelt im Bibert- und Wörnitztal. — Mittelfränkisches Becken: zerstreut auf Sandterrassen längs Reg- nitz und unterer Pegnitz von Bamberg bis ins Nürnberger Teilbecken auf- wärts; öfters auch adventiv. — Fränkische Alb: zerstreut bis ziemlich verbreitet im Nordzug und Donauzug, zumeist in der Steppenheide der Dolomitgebiete der Altmühl-, Nab-, Pegnitz- und Wiesentalb. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten (bei Ludwigschorgast, Wirsberg, Amberg). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: fehlt im Innern völlig, erscheint erst am Südwestfuß (Regenstauf, Donaustauf). — • Alpenvorland: nur im Donautal und am unteren Lech und an der unteren Isar vereinzelt. Dorycnium pentaphyllum Scopoli ssp. Germanicum (Gremli) Rouy (Dorycnium suffruticosum auct. Germ, et Helv. non Vill.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Alpenvorland: von den Bayerischen Alpen her längs Isar und Loisach abwärts bis auf die Heidewiesen der Niederterrassen des mittleren und unteren Isar- tales (Garchinger Heide, Sempter Heide, Rosenau bei Dingolfing, Mamminger Schwaigen). Stadl bei Weilheim. (Neuerdings von Apotheker Th. Bauer ein völlig isoliertes Auftreten am Kreuzberg bei Hallstadt am Nordrand des Mittelfrän- kischen Beckens beobachtet.) Astragalus Cicer L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut vom Fuß der Rhön bis zum Westabfall der Keuper- berge, vom Taubergebiet bis ins Werragebiet, teils in der Steppenheide und am Rande lichter Eichenniederwälder, teils als Kulturbegleiter in Getreideäckern und an Wegrändern. — Keuperland und Mittelfränkisches Becken: sehr vereinzelt und 19 nur vorübergehend adventiv. — Fränkische Alb und Liasvorland: zerstreut an Acker- und Wegrändern, in Hecken, Gebüschen und an sonnigen Abhängen im Nordzug wie im Donauzug. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: bisher nur im oberfränkischen Teil beobachtet und hier zumeist als Kulturbegleiter auf den Muschelkalkschollen, seltener auf Keuper und Buntsandstein. — Alpenvorland: zerstreut, als Kulturbegleiter und in natürlichen Formationen in der Schotterland- schaft (besonders längs Donau, Lech und Isar) und im Tertiärhügelland; sehr selten in der Moränenlandschaft. Astragalus Onobrychis L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Fränkische Alb: einzig im südöstlichen Teil des Donauzuges auf kretazischer Überdeckung der Winzerer Höhen bei Regensburg (jetzt nach Vollmann vielleicht durch Weganlagen vernichtet). — Alpenvorland: mit meist adventivem Charakter und teilweise nur vorübergehend (bei Plattling, Deggendorf, Bahnhof Wolnzach, Südbahnhof München). Astragalus pilosus L. (Oxytropis pilosa D C). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis (selten) subalpin. Gäulandschaft: zerstreut im Grabfeld in der Steppenheide der Gipshügel und Keupermergelhänge. — Keuperland: nur vereinzelt und adventiv am Nordost- rand der Haßberge im Tal der Hellinge (aus dem eng benachbarten Grabfeld ein- geschleppt). — Alpenvorland: nur herabgeschwemmt aus Tirol am Inn bei Rosen- heim und Nußdorf. Astragalus arenarius L. Wurde nicht in die Liste aufgenommen, da sein Vorkommen im Untersuchungs- gebiet nur adventiv ist. Seine Standorte im mittelfränkischen Becken sind meist sandige Eisenbahndämme, Wegränder, Brachfelder. Die Pflanze ist zurzeit wieder im Rückgang begriffen. Coronilla vaginalis L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: fehlt dem eigentlichen Gebiet, erscheint aber nicht selten an dessen Nordrand im Hennebergisch-Fränkischen Muschelkalkgebiet. — Frän- kische Alb: sehr selten im Nordzug an Dolomitfelsen des oberen Wiesenttales (bei Treunitz, Wiesentfels, Königsfeld). — Alpenvorland: auf den Heidewiesen der Niederterrassen der Schotterlandschaft längs Lech und Isar. Die Häufigkeit des Auftretens nimmt den Steilhängen der Alpenflüsse entlang nach Süden zu und erreicht in den Kalkalpen hohe Werte. Onobrychis viciifolia Scop. ssp. arenaria Thellung. (Onobrychis arenaria Ser.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: in der Steppenheide sonniger Muschelkalkhänge des Main- tals bei Veitshöchheim, am Krainberg bei Karlstadt, am Kaimut bei Homburg. 20 (Die Kulturrasse Onobrychis viciifolia Scop. ssp. sativa Thell. kommt angebaut und verwildert sehr häufig vor.) — Fränkische Alb: noch nicht sicher beobachtet, bis jetzt nur Annäherungsformen von Onobrychis arenaria zu Onobrychis sativa festgestellt, welch letztere häufig kultiviert wird und vielfach verwildert und eingebürgert in der Steppenheide sonniger Weißjurahänge erscheint. Linum flavum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Oberpfälzer Senke: sehr selten (bei Bodenwöhr früher). — Alpenvorland: auf Heidewiesen der Schotterlandschaft längs Hier und Lech (zwischen Memmingen und Fellheim und früher auf dem Lechfeld bei Augsburg); Ammersee? — Soll früher auch in der Fränkischen Alb (bei Dollnstein nach Schnizlein-Frickhinger) vorgekommen sein. Linum tenuifolium L. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: ziemlich verbreitet vom Ostrand des Spessarts bis zum West- abfall der Keuperberge, meist in derSteppenheide sonniger Muschelkalkhänge (be- sonders an den Talhängen des Mains, der Tauber und der Fränkischen Saale), im östlichen Teil der Gäulandschaft auf Gipskeuper seltener (vereinzelt vom Uff- gau bis ins Grabfeld). — Keuperland: sehr selten und nur am Nordrand östlich der Haßberge bei Poppenhausen und Altenstein vereinzelt aus der Gäuland- schaft eindringend. — Fränkische Alb: sehr selten im Donauzug (kalkfelsiger Donautalhang Sinzing gegenüber). — Alpenvorland : auf Heidewiesen der Nieder- terrassen der Schotterlandschaft längs der unteren und mittleren Isar (Gar- chinger Heide bis Schwaigen bei Dingolfing). Linum perenne L. (Linum Bavaricum F. Schultz). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Gäulandschaft: selten im Gipskeupergebiet und auf sandiger Niederterrasse des Maintales von Kitzingen bis Schweinfurt und Königsberg i. Fr. — Keuper- land: Schönbrunn (adventiv?). — Fränkische Alb: sehr selten im Nordzug (Gör- auer Anger bei Weismain), früher auch im Donauzug (Laabertal). — Oberfränkisch- oberpfälzische Senke: nur im oberfränkischen Teil und auch hier selten und öfters vorübergehend adventiv (Maintal, Muschelkalkschollen). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: im Innern fehlend, früher am Südfuß (bei Donaustauf und Passau) be- obachtet worden. — Alpenvorland: auf Heidewiesen der Niederterrassen in der Schotterlandschaft längs Isar und Donau sehr zerstreut. Dictamnus alba L. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan. Gäulandschaft: zerstreut vom Südostfuß des Spessarts bis zum Westfuß der Keuperberge (Kreuzwertheim bis zum Windsheimer Gau und ins Grabfeld). — Keuperland: sehr selten und ob ursprünglich? (Flachslanden und Heilsbronn). — Fränkische Alb: nur im Donauzug zerstreut vom Rand des Rieses (Kräuterranken) bis zum Keilstein bei Regensburg (nördlich bis zur Feldmühle bei Hütting, 21 Nagelberg bei Treuchtlingen, Wasserzell bei Eichstätt, Ottmaring bei Beilngries, Holnstein bei Berching, Duggendorf a. N.). — Alpenvorland: Eugenbach ober- halb Landshut (s. Hegi, Flora von Mitteleuropa Bd.Vlp. 154). Polygala comosa Schkuhr. (Polygala vulgaris L. ssp. comosa Chodat). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Spessart: sichere Angaben aus dem engeren Spessart nicht bekannt geworden. — Gäulandschaft: ziemlich verbreitet in der Steppenheide sonniger Muschelkalk- hänge und Gipshügel. — Keuperland : zerstreut, meist nur an sonnigen, mergeligen, tonigen Hängen der größeren Täler (z. B. Ebrach, Aisch, Bibert). — Mittelfrän- kisches Becken : zerstreut auf Ton- und Mergelböden. — Fränkische Alb : verbreitet in der Steppenheide auf Kalk- und Dolomitgestein der Weißjurastufe, seltener in der Eisensandsteinstufe und im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: sehr zerstreut (Bayreuth, Kemnath, Schwandorf). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: sehr selten und fast nur am Südabfall. — Alpenvorland: verbreitet in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland; in der Jungmoränenlandschaft scheint Polygala comosa viel seltener zu sein. Euphorbia Seguieriana Neck. (Euphorbia Gerardiana Jacq.). Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide sonniger Muschelkalkhänge, der Gipshügel und der sandigen Niederterrassen (besonders im Maintal von Karl- stadt bis Schweinfurt, doch auch im Windsheimer Gau und im Grabfeld). — Frän- kische Alb: fehlt (die frühere Angabe für Mönchau bei Thurnau ist sehr frag- lich und unzuverlässig). Helianthemum canum (L.) Baumgart. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan (selten auch subalpin). Gäulandschaft: selten in der Steppenheide sonniger Muschelkalk- und Löß- hänge (zwischen Karlstadt und Gambach und bei Eußenheim). Fumana vulgaris Spach (= Helianthemum Fumana Mill.). Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: sehr selten in der Steppenheide auf Dolomitfels im Nordzug bei Pegnitz und im Donauzug bei Riedenburg und Eichstätt. — Alpenvorland: sehr selten auf Heidewiesen der Niederterrassen der Schotterlandschaft längs Lech unb Isar (Augsburg, Rosenau bei Dingolfing und (früher) Volkmanns- dorfer Au bei Moosburg). Eryngium campestre L. Diese Art, die im südlichen Europa, mit Ausnahme der Gebirge, ziemlich verbreitet ist, dürfte besser aus der vorliegenden Liste, in der sie zuerst auf- genommen war, zu streichen sein. Eryngium campestre scheint in der Jetzt- zeit ihr Areal ruderal noch beträchtlich zu erweitern und vermag längs Weg- rändern und Eisenbahndämmen und auf offenen Sandflächen adventiv sogar weit in die atlantischen Heidegebiete des ozeanischen Frankreichs und des 22 nordwestdeutschen Flachlandes vorzudringen. Auch im Untersuchungsgebiet zeigt ihr Vorkommen häufig adventiven Charakter; einzig in der Gäulandschaft erscheint Eryngium campestre außer an Ruderalstandorten auch als alter Bürger in der natürlichen Formation der Steppenheide auf Muschelkalk-, Löß- und Gipskeuperböden; in den übrigen Landschaften ist das Auftreten adventiv und vorübergehend. Bupleurum falcatum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: verbreitet (vom Rand des Spessarts bis zum Westabfall der Keu- perberge). — Keuperland: zerstreut an mergeligen Talhängen der Baunach, der Aisch, Aurach, des Farnbachs, der Bibert usw.; den zwischen den Tälern liegenden Sandsteinrücken fehlend. — Mittelfränkisches Becken: fehlt (außer adventivem Er- scheinen um Nürnberg). — Fränkische Alb: verbreitet in der Steppenheide beson- ders auf Weißjurakalk und Dolomit, seltener in der Eisensandsteinzone und im Liasvorland; scheint stellenweise im Süden des Donauzuges selten zu sein wie um Regensburg und Neuburg, fehlt auch im Gebiete der sandigen Albüberdeckung. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: auf den Muschelkalkschollen zwischen Ko- burg, Kronach, Kulmbach, Bindlach bei Bayreuth verbreitet, sonst sehr selten (Keuperhänge des Maintales) bis fehlend (Sandgebiete der oberpfälzischen Senke). — Ostbayerisches Grenzgebirge : fehlend (Falkenstein?), erscheint iso- liert am Südfuß bei Wörth. — Alpenvorland: fehlend (früher adventiv bei Mering). Seseli annuum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: zerstreut, meist in der Steppenheide des Gipskeupergebietes, seltener im Muschelkalkdistrikt. — Keuperland: sehr zerstreut, meist am Übergang zum mittelfränkischen Becken und an sonnigen Keupertalhängen (Altmühltal, Biberttal, Kadolzburg, Aischtal usw.). — Mittelfränkisches Becken: selten (bei Zirn- dorf, Veitsbronn, Ritzmannshof, Untermichelbach, Frauenaurach, Brück, Kreuzberg bei Hallstadt). — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet im Donauzug wie im Nord- zug, besonders häufig in der Steppenheide sonniger Dolomithänge längs Alt- mühl, Schwarzer Laaber, Pegnitz, Wiesent, Ziegenfelder Tal. — Oberfränkisch- oberpfälzische Senke: selten (Markt Zeuln, Theisau, Bindlach, Amberg, Schwan- dorf). — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlend, tritt erst am Südfuß bei Donau- stauf auf. — Alpenvorland: Charakterart der Heidewiesen auf den trockenen Niederterrassen der Schotterlandschaft längs Lech, Isar und Donau; dringt nur sehr selten (Moosach bei Kirchseeon) in die Jungmoränenlandschaft ein. Seseli Libanotis (L.) Koch. (Libanotis montana Crantz). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis alpin. Gäulandschaft: zerstreut auf Muschelkalk und Gipskeuper. — Keuperland und mittelfränkisches Becken : fehlend (nur früher vorübergehend adventiv aufgetreten). — Fränkische Alb: zerstreut bis stellenweise verbreitet an sonnigen Malmkalk- und Dolomithängen im Nordzug und Donauzug (vornehmlich an den Talhängen der 23 Wiesent, Pegnitz, Altmühl und Donau, scheint aber dem Nordabfall zum Maintal zu fehlen). — Ostbayerisches Grenzgebirge: Im Innern völlig fehlend, jedoch am Südfuß längs dem Donautal mehrfach erscheinend. — Alpenvorland: zerstreut bis in die Alpen, meist in der Schotterlandschaft, dagegen sehr selten in der Jungmoränenlandschaft. Peucedanum Alsaticum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut an sonnigen Muschelkalk- und Gipskeuperhängen des Main-, Tauber- und Fr. Saale-Tales und am Steilabfall des Steigerwaldes und der Haßberge. — Keuperland und mittelfränkisches Becken: im Innern fehlend, dringt aber aus der Gäulandschaft den Talhängen des Mains entlang bis zum Kreuz- berg bei Hallstadt vor. — Fränkische Alb: selten, nur im westlichsten Teil des Donauzuges am Riesrand und im Ries. Peucedanum Oreoselinum (L.) Mönch. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart : selten, häufiger erst in der Nähe des Maintales. — Gäulandschaft: zer- streut, vornehmlich auf trockensandigen Niederterrassen des Maintales. — Keuper- land: zerstreut, meist auf Sandterrassen der größeren Täler und in Richtung auf das mittlere und untere Regnitz-(Main-)becken an Häufigkeit zunehmend. — Mittel- fränkisches Becken: ziemlich verbreitet, besonders auf den Sandterrassen der Reg- nitz zwischen Bamberg und Nürnberg-Fürth, weiter südlich und östlich seltener werdend. — Fränkische Alb: im Donauzug ziemlich verbreitet vom Ries bis Regensburg, im Nordzug sehr zerstreut. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: im oberpfälzischen Teil bei Schwandorf und Roding, im oberfränkischenfehlend. — Ostbayerisches Grenzgebirge: außer einem früheren Vorkommnis bei Zwiesel dem Innern fehlend, sonst nur am Südwest- und Südfuß des Bayerischen Wal- des längs Regen- und Donautal (von Regenstauf bis Passau-Obernzell). — Alpenvorland : verbreitet (Charakterpflanze der Heidewiesen auf trockener Nieder- terrasse); scheint aber nach K. Troll auf der oberen Hochebene, also besonders in der Jungmoränenlandschaft, nicht so allgemein verbreitet zu sein, wie nach der Angabe von Vollmann „Ho verbreitet" zu schließen wäre. Peucedanum Cervaria (L.) Lapeyr. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: verbreitet vom Südostfuß des Spessarts und der Rhön bis an den Westabfall der Keuperberge, häufig in der Steppenheide sonniger Muschelkalk- und Gipskeuperhänge. — Keuperland : sehr zerstreut. — Mittelfränkisches Becken : selten und nur an Örtlichkeiten mit Zutagetreten von Keupermergel und Keuper- letten. — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet im Donauzug und im Nordzug, nur in der Pegnitzalb seltener. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: sehr zer- streut im oberfränkischen Teil (meist auf Muschelkalkschollen), im oberpfälzischen Teil bis jetzt noch nicht festgestellt. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt im Innern, tritt erst am Donautalhang des Bayerischen Waldes (bei Tegernheim, 24 Bogenberg, Passau, Obernzell) auf. - - Alpenvorland: zerstreut, vornehmlich auf der Niederterrasse und an Steilhängen der Deckenschotter in Heidewiesen und lichten Föhren Wäldern; aber auch in der Moränenlandschaft, doch hier seltener. Vincetoxicum officinale Mönch. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Spessart: im Innern nicht beobachtet. — Gäulandschaft: verbreitet vom Rand des Spessarts bis zum Westabfall der Keuperberge. — Keuperland: im Innern fast völlig fehlend (nur bei Roßtal und am Zeilberg bei Maroldsweisach, hier auf Basalt!), tritt aber zerstreut an der Randzone zur Gäulandschaft und, aus der Verbreitung in letzterer an den Talhängen des Mains vordringend, bei Staffelbach, Unterhaid, Kreuzberg, Distelberg und Altenburg bei Bamberg auf. — Mittelfränkisches Bek- ken: fehlend. — Fränkische Alb: verbreitet an felsigen Weißjurakalk- und Dolomit- hängen, meidet sandige Überdeckung und ist sehr selten auf Doggersandstein und im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: im oberfränkischen Teil sehr zerstreut, häufiger nur auf Muschelkalkschollen (beiMödlitz, Fechheim, Plesten usw.), selten an Keuperhängen des Obermaingebietes. — Ostbayerisches Grenzgebirge: den höheren Gebieten des Innern völlig fehlend, aber in der unteren Randzone öfters an sonnigen Talhängen (Ölsnitztal-, Regental-, Donau- talhänge) erscheinend. — Alpenvorland: verbreitet, häufig auf den kiesigen Nie- derterrassen und an Steilhängen der Schotterlandschaft; im oberen Teil des südbayerischen Alpenvorlandes, also besonders im Gebiet der Jungmoränen- landschaft, scheint nach K. Troll (i. Mittig. Bayer. Bot. Ges. 1925) die Verbreitung nicht mehr so allgemein zu sein, wie es nach Vollmann die „Flora von Bayern" angibt. Prunella laciniata L. (= P. alba Pallas). Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan, selten auch montan. Gäulandschaft: zerstreut, meist in der Steppenheide des Gipskeupergebietes (vom Windsheimer Gau bis in das Grabfeld). — Keuperland: vereinzelt aus der Gäulandschaft in die Täler des Keuperberglandes eindringend (Talgebiete der mittleren Aisch, der oberen und mittleren Rauhen und Reichen Ebrach, der Itz). — Fränkische Alb: sehr selten, im größten Teil gänzlich fehlend (einzig bei Har- landen, Georgenbuch, früher auch Streitberg und Staffelberg). — Alpenvorland: einzig bei St. Gilla (ursprünglich?). Prunella grandiflora (L.) Jacq. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: verbreitet in der Steppenheide auf Muschelkalk und Gipskeuper. — Keuperland : selten, dem größten Teil fehlend, dringt nur vereinzelt vom Rande der Gäulandschaft und der Fränkischen Alb in die Täler der oberen Itz, Rodach, Baunach, Ebrach und des Main ein. — Mittelfränkisches Becken : selten, nur auf dolomitischer Arkose des Keupers (Gerasmühle, Tennenlohe, Erlangen). — Fränkische Alb: verbreitet in der Steppenheide der Weißjurastufe, nur in der Pegnitzalb seltener; seltenerauch in der ganzen Braunjura- (Eisensandstein-) Stufe 25 und im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten, auf weite Strecken hin fehlend, häufiger nur auf den Muschelkalk- und Weißjuraschollen des oberfränkischen Teiles. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt, tritt erst am Donautalhang bei Passau auf. — Alpenvorland: verbreitet, häufig auf den Heidewiesen trockener Niederterrassenschotterflächen. Stachys rectus L. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis subalpin. Gäulandschaft: verbreitet, vornehmlich in derSteppenheide auf Muschelkalk und Gips. — Keuperland: im Innern sehr selten bis fehlend (Maintalhänge, Baunach- talhänge). — Mittelfränkisches Becken : mehrfach im unteren Teil des Regnitz- beckens (zwischen Bamberg und Buttenheim) auf Kalkgeröll führenden Sand- terrassen. — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet in der Steppenheide und in lichten Föhrenwäldern auf Jurakalk und Dolomit; silikatsandiger Überdeckung fehlend. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten, auf Muschelkalkschollen zwischen Fechheim und Bindlach. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt dem Innern, erscheint erst am Südhang gegen das Donautal (Tegernheimer Berge, Bogenberg, Passau). — Alpenvorland: verbreitet im Tertiärhügelland und in der Schotterlandschaft, besonders auf den Heidewiesen trockener Niederterrassen; in der Moränenlandschaft viel seltener. Teucrium montanum L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: zerstreut an sonnigen Muschelkalkhängen des Maintales und des Taubertales. — Fränkische Alb: in der Steppenheide und in lichten Föhren- wäldern mit Steppenheideunterwuchs auf Jurakalk und Dolomit verbreitet im Donauzug; im Nordzug (nördlich Berching, Velburg, Kastl, Sulzbach) sehr zer- streut bis selten in der Pegnitzalb, Wiesentalb und am Nordabfall zum Main- tal. — Alpenvorland: ziemlich verbreitet, besonders auf den Heidewiesen der Schotterlandschaft; im „oberen Teil der südbayerischen Hochebene" nach K.Troll nicht mehr allgemein verbreitet. *&> v Teucrium Chamaedrys L. Südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan (selten auch subalpin). Gäulandschaft: ziemlich verbreitet, besonders in der Steppenheide auf Muschel- kalk und Gips. — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet in der Steppenheide und in lichten Föhrenwäldern auf Dolomit und Jurakalk, meidet die silikatsandige Albüberdeckung (z. B. im Gebiet des Veldensteiner Forstes). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern völlig fehlend, in der Donauzone einmal bei Passau beobachtet. — Alpenvorland: zerstreut, meist auf trockenen Schotterterrassen- böden, silikatsandigen Böden fehlend; in der Moränenlandschaft selten (nur bei Pähl, Tölz, Bergen, Waging, Laufen). Veronica spicata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. 26 Gäulandschaft: zerstreut, vornehmlich in der Steppenheide auf Gipskeuper vom Windsheimer und Uffenheimer Gau bis in das Grabfeld, ferner auf den Sandterrassen und Dünen des Maintales zwischen Kitzingen und Schweinfurt und auf Muschelkalk zwischen Wertheim, Würzburg und Münnerstadt — Keuperland: im Innern völlig fehlend, dringt einzig aus der Gäulandschaft- Verbreitung vom Grabfeld her in das engbenachbarte Tal der Hellinge ein. — Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut bis streckenweise verbreitet vom Ries bis Regensburg, nördlich bis zum Hesseiberg, Hahnenkamm, Treuchtlingen, Weißenburg, Beiln- gries, Dietfurt, Riedenburg, Kelheim, Sinzing, Regensburg; fehlt im Nordzug völlig. — Alpenvorland: zerstreut, stellenweise häufig in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland, besonders auf Heidevviesen derNiederterrassenschotter- flächen längs Donau, Lech und Isar; in der Jungmoränenlandschaft fehlend bis auf den Standort bei Weilheim. Veronica prostrata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: sehr zerstreut in der Steppenheide auf Muschelkalk und Sand, meist im Maintal von Kreuzwertheim bis Schweinfurt. — Mittelfränkisches Bek- ken: selten und nur im untersten Regnitzbecken auf sandiger Niederterrasse am Rande des Hauptsmoorwaldes zwischen Bamberg und Strullendorf. — Frän- kische Alb: selten und sehr zerstreut (Kanndorf, Gößweinstein, Pegnitz, [Neu- burg a. D.?], Ulm). — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: sehr selten, nur auf der Muschelkalkscholle des Oschenberges bei Bayreuth.— Alpenvorland: sehr selten auf Heidewiesen der Niederterrassen des unteren Isar-Donautales (Obermoos und Maxmühle bei Moos). Veronica Austriaca L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: selten im Donauzug (häufiger nur im Ries und am Riesrand bei Nördlingen, Hoppingen, Harburg, vereinzelt auch im Altmühlgebiet am Arz- berg bei Beilngries und am Dieterzhöfener Berg bei Riedenburg). — Alpenvorland : selten, einzig auf Heidewiesen der Niederterrassen in der Schotterlandschaft des Lech und der Isar (Münster bei Rain, Garchinger Heide, Rosenau bei Dingolfing, Moos bei Plattling — Deggendorf). 1 Veronica Teucrium L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart: scheint im Innern zu fehlen, vom Verfasser nicht beobachtet. — Gäu- landschaft: von der Randzone des Spessarts bis an den Abfall der Keuperberge verbreitet (besonders in der Steppenheide und im lichten Steppenheidewald auf Muschelkalk und Gipskeuper). — Keuperland: zerstreut, auf weite Strecken hin (Sandsteinrücken zwischen den Talfurchen) fehlend (meist nur an den lehmig- mergeligen Talhängen der Baunach, Itz, des Main, der Aurach, Aisch, Zenn und 1 Veronica Austriaca L. kommt im Gebiet nur in der ssp. dentata (Schmidt) Watzl vor. Die frühere Angabe „Seidelsdorf bei Dinkelsbühl" bedarf neuer Bestätigung. 27 Bibert). — Mittelfränkisches Becken: zerstreut auf sonnigen Terrassen und an Tal- hängen (zwischen Bamberg, Forchheim, Erlangen, Nürnberg — Fürth, Katzwang). — Fränkische Alb: verbreitet in der Steppenheide und im lichten Steppenheide- wald auf Jurakalk und Dolomit, seltener auf silikatsandiger Überdeckung, in der Eisensandsteinzone und im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: zerstreut, auf weite Strecken hin (ebene, sandige Gebiete!) fehlend, erscheint vornehmlich auf Muschelkalkschollen (zwischen Mödlitz, Fechheim, Kulmbach, Bayreuth) und an sonnigen Keuperhängen des Maintales, ferner bei Amberg. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Donautal- hang. — Alpenvorland: verbreitet im Tertiärhügelland und in der Schotterland- schaft; seltener in der Moränenlandschaft. — Odontites lutea (L.) Rchb. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: sehr zerstreut in der Steppenheide sonniger Muschelkalkhänge, vornehmlich längs des Maintales (zwischen Wertheim, Karlstadt, Veitshöchheim, Wipfeld), des unteren Taubergebietes (bis Tauberbischofsheim aufwärts) und der unteren Fr. Saale (z. B. bei Hammelburg) ; seltener im Gipskeupergebiet (Sulzheim, Schwanberg). — Fränkische Alb: stellenweise ziemlich verbreitet in der Steppenheide auf Jurakalk und Dolomit im Donauzug vom Keilstein bei Regensburg bis Neustadt a. d. D. (und Bertoldsheim?), nördlich bis Eichstätt, Rie- denburg, Velburg, Kastl, Schmidtmühlen; im Nordzug nur in der Wiesentalb (bei Egloffstein, Streitberg, Muggendorf, Pottenstein, Oberailsfeld, Waischenfeld, Loch bei Freienfels usw.). — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: fehlt ur- sprünglich (nur adventiv auf Äckern bei Amberg). Orobanche purpurea Jacq. Südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan. Spessart: im Innern fehlend, erscheint am Rande im Maintal bei Lohr. — Gäu- landschaft: zerstreut in der Steppenheide des Muschelkalkgebietes (Gerlachsheim, Kaimut, Karlstadt, Veitshöchheim, Pfaffenhausen usw.). — Fränkische Alb: sehr zerstreut in der Steppenheide der Malmstufe im Nordzug und im Donauzug (z. B. Gößweinstein, Muggendorf, Rothenberg; Prunn bei Riedenburg, Kelheim, Weltenburg, Wennenberg und Appetshofen im Ries). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: fehlt im Innern, erscheint erst am Südfuß (am Donautalhang bei Donau- stauf). — Alpenvorland: selten in der Schotterlandschaft (Gauting, Gräfelfing, München [früher], Kaufbeuren); sehr selten in der Moränenlandschaft (einzig bei Tölz). Orobanche arenaria Borkh. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis boreal. Gäulandschaft: sehr selten (Wertheim, Retzbach, Oberzeil, früher auch Siech- haus bei Würzburg). —Fränkische Alb: sehr selten (bei Plech im Nordzug: früher auch im Donauzug am Keilstein bei Regensburg). 1 1 Die Angaben von Caflish für Erlangen und Hersbruck unbestätigt. 28 Orobanche caerulescens Stephan. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Subboreal und boreal. Übergangsgebiet des Keuperlandes zum Mittelfränkischen Becken : früher bei Roßtal. — Fränkische Alb: zerstreut im Nordzug und im Donauzug (mit Artemisia campestris vornehmlich in der Steppenheide auf Dolomit und Dolomitasche von Regensburg, Kelheim und Kipfenberg bis Obertrubach, Hiltpoltstein und Pegnitz). — Oberpfälzische Senke: sehr selten (früher bei Schwandorf). — Alpenvorland: sehr selten und fast nur im Donaubecken (mehrfach bei Regens- burg, früher auch Fürstenried bei München); (nach Ade in Ber. Bayer. Bot. Ges. 1902 auch mehrfach am Rande des nicht mehr in vorliegende Unter- suchung einbezogenen Bodenseebeckens). Orobanche caryophyllacea Smith. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart: fehlend, doch am Rande des Odenwaldes bei Amorbach. — Gäu- landschaft: zerstreut in der Steppenheide auf Muschelkalk und Gipskeuper. — Keuperland : fraglich (nur ältere Angaben für Dinkelsbühl und Öttinger Forst, die der Nachprüfung bedürfen). — Fränkische Alb: zerstreut im Donauzug und im Nordzug, im letzteren aber in der Pegnitzalb noch nicht sicher beobachtet. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt im Innern, erscheint aber am Südrand zwischen Donaustauf und Passau. — Alpenvorland: zerstreut bis ziemlich ver- breitet in Heidewiesen der Schotterlandschaft (z. B. häufig auf der Münchener Schotterzunge) und in der Tertiärhügellandschaft; in der Moränenlandschaft selten (z. B. Seeshaupt am Würmsee, Gaissach bei Tölz, Arlaching am Chiemsee). Orobanche Teucrii Holandre. Zentraleuropäisches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: nur im Altmühlgebiet des Donauzuges (bei Kipfenberg, Staa- dorf, Dietfurt, Riedenburg, Kelheim, Weltenburg). — Alpenvorland: einzig bei Unterhausen — Weilheim. Orobanche lutea Baumg. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut vom Ostrand des Odenwaldes, des Spessarts und der Rhön, bis zum Fuß der Frankenhöhe, des Steigerwaldes und der Haßberge. — Keuperland: sehr selten (Dinkelsbühl, Spalt, Altenburg bei Bamberg). — Mittel- fränkisches Becken : sehr zerstreut in Auwiesen und auf Niederterrassen des unteren Regnitztales (zwischen Bamberg und Buckenhofen). — Fränkische Alb: zerstreut bis ziemlich verbreitet im Nordzug und im Donauzug, meist auf Weißjura, seltener auf Braunjura und sandiger Überdeckung. — Oberfränkische Senke: sehr selten auf der Weißjurascholle bei Kirchleus, auf Keuper bei Seidmanns- dorf. — Alpenvorland: ziemlich verbreitet auf Heidewiesen, Rainen und Äckern der Schotterlandschaft und des Tertiärhügellandes; selten in der Moränenland- schaft (in letzterer bei Tutzing, Starnberg, Pöcking, Tölz, Holzkirchen, Gelting, Schäftlarn, Ebersberg, Traunstein). 29 Orobanche Alsatica Kirschl. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: selten im Muschelkalkgebiet (Randersacker, Gutten- berger Wald bei Würzburg, Münnerstadt). —Fränkische Alb: sehr selten im Dolomitgebiet des Nordzuges (bei Rupprechtsstegen in der Pegnitzalb). Orobanche gracilis Sm. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: selten und fast nur im südlichsten Teil des Donauzuges (zer- streut um Neuburg und Regensburg); früher auch im Nordzug bei Streitberg. — Ostbayerisches Grenzgebirge: dem Innern fast völlig fehlend (nur eine Angabe für Mähring), doch mehrfach am Südabfall des Bayerischen Waldes (Bach, Fal- kenfels, Ascha, Mitterfels, Passau). — Alpenvorland: ziemlich verbreitet, be- sonders längs Donau, Lech und Isar. Globularia Willkommii Nym. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: sehr selten (Staffelberg bei Kissingen; früher auch bei Veits- höchheim, Kalbenstein bei Karlstadt und Unkenmühle bei Grettstadt). — Frän- kische Alb: zerstreut bis stellenweise (z. B. im Dolomitgebiet der Wiesentalb und der Altmühlalb) verbreitet in der Steppenheide und in lichten Föhrenwäldern auf Jurakalk und Dolomit. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt dem Inneren, tritt erst im südlichen Randgebiet bei Kloster Vornbach auf. — Alpenvorland: ver- breitet, besonders auf Heidewiesen und in lichten Föhrenwäldern der Schotter- landschaft (z. B. Münchener Schotterzunge); scheint nach K. Troll auf der oberen Hochebene, also hauptsächlich in der Jungmoränenlandschaft, nicht mehr so allgemein verbreitet zu sein, wie Vollmann in der „Flora von Bayern" angibt. Asperula glauca (L.) Bess. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide sonniger Muschelkalkhänge (vor- nehmlich längs des Maintales und unteren Taubertales), auf Gipskeuper nur adven- tiv und wieder verschwunden (Dietersheim im Aischtal). — Fränkische Alb: im Donauzug ziemlich verbreitet in der Steppenheide auf Weißjurakalk und Dolomit, besonders an den Talhängen der Donau und Altmühl (von Regensburg bis Step- perg und von Eichstätt bis Kelheim), im Nordzug selten (Weidelwang, St. Helena, Wichsenstein, Ziegenfelder Tal). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südfuß an steilen, sonnigen Granit- und Gneishängen (z. B. bei Tegernheim, Donaustauf, Bach, Bogenberg, Pfetting, Vilshofen, Pas- sau). — Alpenvorland: sehr selten und nur längs der mittleren und unteren Isar (Marzling, Moosburg, Landshut). Asperula tinctoria L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. 30 Fränkische Gäulandschaft: selten (Wertheim?, Gochsheim,Grettstadt, Schweden- schanze). — Fränkische Alb: zerstreut in der Steppenheide und in lichten Föhren- wäldern auf Jurakalk und Dolomit im Donauzug und im Nordzug (von Step- perg am Donautalhang bis zum Kordigast am Abfall zum Maintal). — Alpen- vorland: zerstreut auf Heidewiesen und in lichten Föhrenwäldern der Schotter- landschaft längs Donau, Lech und Isar (z. B. Lechfeld, Garchinger Heide, Ober- moos bei Plattling, Isarmünd); in der Moränenlandschaft selten (Herrsching, An- dechs, Tutzing, Tölz, Hechelberg, Geretsried). Scabiosa canescens W. et K. Zentraleuropäisches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide auf Muschelkalk, Gipskeuper und auf Sandterrassen und Dünen des Maintals (von Kreuzwertheim bis Schweinfurt, Schonungen). — Alpenvorland: sehr zerstreut, zumeist auf Heidewiesen der Niederterrassen in der Schotterlandschaft längs Lech, Isar und Donau (z. B. Kaufering, Augsburg, Thierhaupten, Bayerdilling, Holzheim, Staudheim, mehr- fach auf der Münchener Schotterzunge); fehlt in der Moränenlandschaft. Scabiosa ochroleuca L. (= S. Columbaria L. ssp. ochroleuca). Südöstliches und östliches Verbreitungsgebiet. Gäulandschaft: selten, früher häufiger (Karlstadt, Veitshöchheim, Randersacker, Schweinfurt). — Mittelfränkisches Becken: nur adventiv (Spalt). — Fränkische Alb: angeblich im Nordzug (Krögelstein und Tannfeld). — Oberfränkische Senke: auf der Muschelkalkscholle bei Lehental-Kulmbach. — Ostbayerisches Grenz- gebirge: im Regental bei Cham (wohl nur adventiv). — Alpenvorland: in der Schotterlandschaft des unteren Inntales bei Pocking (häufig und ursprünglich in einer Heidewiese zwischen Haid und Talau); sonst nur vorübergehend adven- tiv zu Simbach und Sendling-München. Aster Linosyris (L.) Bernhardi. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut, besonders in der Steppenheide auf Muschelkalk und Gipskeuper (von Hammelburg, vom Kalbenstein bei Karlstadt und vom Kaimut bei Lengfurt- Wertheim bis zum Anstieg der Frankenhöhe, des Steigerwaldes und der Haßberge). — Keuperland: im Innern völlig fehlend; dringt einzig im Osten der Haßberge aus der Verbreitung in der Gäulandschaft vom Grabfeld her in das benachbarte Tal der Hellinge ein. — Fränkische Alb: nur im Donauzug, in der Steppenheide sonniger Jurakalkhänge zerstreut vom Ries bis Regensburg, nord- wärts bis Wemding, Dollnstein, Riedenburg, Schönhofen a. L., Duggendorf. — Alpenvorland: selten, nur auf den Heidewiesen der Niederterrassen der Schotter- landschaft längs Isar und Donau (Garchinger Heide, Lochhausen, Rosenau bei Dingolfing, Deggendorfer Heide, Mühlhausen bei Ingolstadt). Aster Amellus L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. 31 Gäulandschaft: ziemlich verbreitet, vom Ostrand der Rhön und des Spessarts bis an den Westabfall der Keuperberge, meist in der Steppenheide sonniger Muschelkalk- und Gipskeuperhänge. — Keuperlandschaft: fehlt dem Innern des eigentlichen Keupergebietes (fast) völlig, macht nur aus der Verbreitung in der Gäulandschaft über Koburg, Ahorn, Grub a. F. einen Vorstoß in den Itzgrund, des- gleichen bei Heldburg-Hellingen in das dem Grabfeld benachbarte Tal der Hel- linge. — Mittelfränkisches Becken: nur einmal am Sandterrassenhang der Pegnitz bei Rückersdorf — Röthenbach beobachtet worden (wohl herabgeschwemmt aus der Pegnitzalb). — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet in der Steppenheide auf Weißjurakalk und Dolomit sowohl im Donauzug wie im Nordzug, am häufigsten an den Talhängen der Donau und Altmühl und am Nordabfall zum Maintal. Sehr selten im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten und sehr vereinzelt auf der Muschelkalkscholle bei Oberrodach und bei Kirchleus, auf der Weißjurascholle westlich Kirchleus und am Keupertalhang des Main- tals bei Neuses-Burgkundstadt. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlend (früher vielleicht auf Basalt des Ruhberges bei Marktredwitz, von Dr. H. Pöverlein aber nicht mehr angetroffen). — Alpenvorland: zerstreut auf Heidewiesen der Schotterlandschaft (besonders längs Lech und Isar) und im Tertiärhügelland; selten in der Moränenlandschaft (Wilzhofen- Weilheim, Hirschberg-Pähl, Andechs, Wolfratshausen). Helichrysum arenarium (L.) DC. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subboreal und boreal. Spessart: ursprünglich wohl nur in den Randgebieten (z. B. im Maintal), im Innern des Berglandes vom Verfasser nicht beobachtet. — Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide lößbedeckter Muschelkalkflächen und häufig auf den Sand- terrassen und Dünen des Maintales in lichten Föhrenwäldern und am Rande der- selben (von Wertheim bis über Haßfurt aufwärts und weiterhin bis ins Mittelfrän- kische Becken). — Keuperland: im engeren Steigerwald- und Haßberggebiet auf weite Strecken hin fehlend, höchstens ganz vereinzelt und mit adventivem Cha- rakter an sandigen Wald- und Wegrändern der Täler (Ebrach, Ebersbrunn, Wasser- berndorf, Geiselwind) erscheinend, doch im weiteren Verlauf der östlichen Ab- dachung des Keuperberglandes und besonders am Übergang der breiteren Täler zum Mittelfränkischen Becken häufiger werdend. — Mittelfränkisches Becken: verbreitet und häufig auf den Sandterrassen des Regnitztales und seiner Neben- täler (von Bamberg über Forchheim, Erlangen, Nürnberg— Fürth bis Roth usw.); doch dem Innern großer geschlossener Forste (z. B. Sebalder- und Lorenzer Reichswald bei Nürnberg) fehlend; sehr häufig wieder im Neumarkter Becken. — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet in der Steppenheide und lichten Föhren- wäldern des Dolomitgebietes und auf sandiger Überdeckung, vor allem im Nord- zug und im nordöstlichen Teil des Donauzuges im Bereich des feinsandig ver- witternden Frankendolomits des Wiesent-, Pegnitz-, Lauterach- und Nabgebietes häufig, im übrigen Teil der Fränkischen Alb meist sehr zerstreut bis fehlend; erscheint aber wieder häufig auf den mächtigen Sandschichten des östlichen Rieses, fehlt dagegen völlig dem Gebiet der lehmigen Albüberdeckung und 32 dem engeren Liasvorland, sowie im Inneren der geschlossenen Forste. — Ober- fränkisch-oberpfälzische Senke: sehr zerstreut (z. B. Burgkundstadt, Mengers- dorf, Creußen; Freihung, Schwandorf, Teublitz, Bodenwöhr, Roding). — Ost- bayerisches Grenzgebirge: dem Bergland des Fichtelgebirges, des Bayerischen und Böhmer Waldes völlig fehlend erscheint Helichrysum arenarium erst im klimatisch begünstigten, unteren und mittleren Talgebiet des Regens von Cham abwärts, ferner vereinzelt bei Waldmünchen und zerstreut am Südfuß längs des Donautales zwischen Bogen und Metten a. d. D. — Alpenvorland: zerstreut auf postglazialen Flugsandhügeln am Rande des Donaubeckens und an sandigen Hängen der unteren Tertiärhügellandschaft (z. B. Straß und Sehensand bei Neu- burg, Ried, Pöttmes, Pobenhausen, Schrobenhausen, Hieblingen bei Augsburg, Pfaffenhofen, Ingolstadt, Geisenfeld, Hollertau, Neustadt a. d. D., Abensberg, Geisenhausen, Aufhausen, Regensburg); fehlt in der Moränenlandschaft völlig. Inula Germanica L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Gäulandschaft: sehr selten in der Steppenheide auf Muschelkalk und Gips- keuper (Rothenburg o. d. T., Sulzheim-Grettstadt, früher auch angeblich bei Würzburg, Unfinden und Bettenburg). — Die Angaben für Neudorf im Donau- zug der Fränkischen Alb sehr zweifelhaft; auch die Angabe für Natternberg bei Plattling im Donautal unsicher. Inula hirta L. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide sonniger Muschelkalk-, Gips- keuper- und Röthänge vom Rande des Spessarts bis zum Anstieg der Keuperberge (vornehmlich an den Talhängen des Mains und der Tauber und im Winds- heimer und Uffenheimer Gau, Haßgau und Grabfeld). — Keuperland: fehlt dem Innern völlig (dringt nur aus dem Verbreitungsgebiet in der Gäulandschaft (vom Grabfeld her) in das Tal der Hellinge (bis Poppenhausen) vor und (vom Haß- gau her) den Maintalhängen über Zeil, Ziegelanger, Ebelsbach, Stettfeld, Staffel- bach, Ober- und Unterhaid entlang bis an den nordwestlichen Saum des Lias- vorlandes der Fränkischen Alb südlich Ebensfeld). — Fränkische Alb: nur im Donauzug und hier meist ziemlich zerstreut in der Steppenheide auf Jurakalk (und Süßwasserkalk) des südlichen, Donau- und Altmühl- nahen Gebietes vom Ries bis Regensburg (nördlich bis Monheim, Konstein, Eichstätt, Mühlbach bei Dietfurt, Riedenburg, Duggendorf, früher auch Mühlhausen — Neumarkt). — Alpenvorland: zerstreut auf Heidewiesen der Schotterlandschaft und der Donau- nahen Tertiärhügellandschaft (Niederterrassen längs Lech und Isar); in der Mo- ränenlandschaft seltener (Maising, Pöcking, Feldafing, Tutzing, Pähl, Wilzhofen). Inula ensifolia L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Einzig im Alpenvorland auf der Heidewiese der Schotterlandschaft an der unteren Isar und Donau bei Moos südlich Deggendorf (doch in letzter Zeit vergeblich gesucht). 33 Artemisia campestris L. ssp. eu-campestris Briquet et Cav. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis boreal und subalpin. Spessart: nur in den Randgebieten, wie z. B. an den unteren sandigen Talhängen des Maintales bei Lohr — Gemünden ursprünglich vorkommend, im eigentlichen Bergland vom Verfasser nicht beobachtet, vielleicht hie und da in besiedelter Talzone adventiv. — Gäulandschaft: verbreitet, als ursprüngliche Pflanze in der Steppenheide sonniger Schaumkalk- und Lößhänge (z. B. Kalbenstein bei Karlstadt), auf Gipsstöcken und Keupersandstein (z. B. im Windsheimer Gau und im Grabfeld) und vor allem auf Diluvialsandterrassen und Dünen des Main- tales in Grasheiden und am Rande lichter Föhrenwälder häufig (daneben oft auch adventiv an Wegrändern, Eisenbahndämmen, Weinbergsmauern usw.). — Keuperland: den geschlossenen Waldgebieten der Frankenhöhe, des Steiger- waldes und der Haßberge fehlend und nur ganz vereinzelt längs Straßen und Eisenbahndämmen in den oberen Tälern auftretend (z. B. bei Wasserberndorf, Manau usw.), doch im Verlauf der östlichen Abdachung des Keuperlandes zum Mittelfränkischen Becken hin nimmt die Häufigkeit des Auftretens der Pflanze bedeutend zu und sie findet sich vielfach in den breiten sandgefüllten Tälern der Wörnitz, Rezat, Aisch, Aurach, Main, Itz. — Mittelfränkisches Bek- ken: verbreitet, als ursprüngliche Pflanze häufig in Grasheiden und am Rande lichter Föhrenwälder und oft auch adventiv an Wegrändern, Ackerrainen usw.; am häufigsten auf den Sandterrassen des Regnitz— Pegnitzbeckens zwischen Bamberg, Forchheim, Nürnberg— Fürth, Schwabach, Roth; selten aber im Innern der geschlossenen Waldgebiete (z. B. Reichswald). — Fränkische Alb: ver- breitet, als ursprüngliche Pflanze häufig in der Felsenheide und Steppenheide auf Dolomit, Dolomitsand, Felsenkalk und sandiger Albüberdeckung; seltener in der Eisensandsteinzone; fehlt den großen Forstgebieten, den Flächen mit lehmiger Albüberdeckung und dem Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: zerstreut in trockenen Sanddistrikten (Mainfurche bei Burgkundstadt, Kulmbach, Bayreuth, Neustadt a. H.; Grafenwöhr, Freihung, Amberg, Schwan- dorf, Roding). — Ostbayerisches Grenzgebirge: dem Innern des Berglandes völlig fehlend, erscheint erst vereinzelt an den Randzonen (am Südfuß an sonnigen felsigen Talhängen zur Donau von Tegernheim bis Passau, im unteren Regental zwischen Zenzing und Regenstauf). — Alpenvorland: in der unteren Tertiärhügellandschaft und in der Schotterlandschaft zerstreut, besonders in Heide- wiesen und am Rande lichter Föhren wälder trockener Niederterrassen des unteren Lech und der unteren Isar und auf den Sanddünen und an Ackerrainen der Lößgebiete an den Rändern der Donaubecken; fehlt dagegen völlig in der Moränenlandschaft. Jurinea cyanoides (L.) Rchb. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subboreal und boreal. Gäulandschaft: zerstreut, vornehmlich auf Sandterrassen und Flugsanddünen des Maintales in Grasheiden und lichten Föhrenwäldern (Kreuzwertheim, Thün- gersheim, Würzburg, Randersacker, Sommershausen, Ochsenfurt, Erlach, Markt- 3 34 breit, Kitzingen, Großlangheim, Kleinlangheim, Rüdenhausen, Untersambach, Wiesentheid, Dettelbach, Fahr, Unterspießheim, Schwebheim, Gochsheim, Hüh- nerberg bei Römhild). Centaurea Triumfetti All. (= C. axillaris Willd. = C. variegata Lam.) Südliches (und südöstliches) Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Alpenvorland: selten, in Heidewiesen und Kiesgruben der Niederterrassen der Schotterlandschaft der Isar (Garchinger Heide, Eching, Schleißheim, Moosach). 1 Centaurea maculosa Lam. ssp. Rhenana Boreau. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: selten und wohl überall adventiv (früher Würzburg, Schweinfurt, Wertheim, Buchen). — Keuperland: sehr selten und nur adventiv bei Roßtal, Weißenburg, Feuchtwangen. — Mittelfränkisches Becken: sehr zerstreut, eingeschleppt und eingebürgertauf Sandterrassen des Regnitz-Pegnitzbeckens um Nürnberg und Fürth. — Fränkische Alb: im Donauzug als zweifellos ursprüng- liche Pflanze zerstreut bis streckenweise verbreitet vom Keilstein bei Regensburg bis zum Ries und bis Ulm (meist in der Steppenheide und Felsheide auf Jura- kalk und Dolomit, doch auch auf sandiger Überdeckung), nördlich bis Wemding, Wellheim, Eichstätt, Laaber, Hohenfels, Lutzmannstein, Hohenburg, Schmidt- mühlen, Amberg; im Nordzug mit Ausnahme des isolierten, in letzter Zeit nicht mehr feststellbaren und wohl nur adventiven Vorkommens auf der Friesener Warte fehlend. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: sehr selten und sicher adventiv bei Dölau und Schwandorf. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt dem Innern, erscheint erst am Südfuß (bei Donaustauf, Walhalla, Passau). — Alpen- vorland: ziemlich verbreitet auf Heidewiesen der Schotterlandschaft und des donaunahen Tertiärhügellandes, auch adventiv an Wegrändern usw. ; in der Jung- moränenlandschaft sehr selten (nur Mühlbach bei Aibling). Tragopogon dubius Scop. ssp. major Jacq. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide und an Weinberg- rändern auf Muschelkalk (besonders an den Talhängen des Mains und der unteren Tauber) und auf Gipskeuper (im Grabfeld und im Haßgau). — Keuperland: selten und auf weite Strecken hin fehlend (dringt aus der Gäulandschaft den Maintal- hängen entlang über Zeil, Steinbach, Ebelsbach bis Bischofsheim vor und erscheint sonst nur ganz vereinzelt an den Talhängen der Ebrach, Zenn und Wörnitz). — Mittelfränkisches Becken: selten und meist adventiv (Bamberg, Erlangen, Nürn- berg, Veitsbronn). — Fränkische Alb: zerstreut in der Steppenheide des Nord- zuges und des Donauzuges, scheint aber um Neuburg und um Veldenstein, Hollfeld zu fehlen. — Ostbayerisches Grenzgebirge: dem Innern fehlend, er- scheint erst vereinzelt am Donauhang des Südfußes des Bayerischen Waldes 1 C. Triumfetti wird auch für den Schwanberg am Ostrand der Fränkischen Gäulandschaft angegeben, Verfasser hat die Pflanze bisher dort vergeblich gesucht. 35 (Mittelberg bei Tegernheim, Scheibelberg bei Donaustauf, Metten, Edenstetten). — Alpenvorland: fehlt mit Ausnahme eines adventiven Vorkommens bei München. Scorzonera purpurea L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subboreal und boreal. Fränkische Gäulandschaft: selten, nur in der Steppenheide der Gipshügel bei Külsheim — Windsheim und bei Nordheim — Uffenheim. — Alpenvorland: selten, einzig auf Heidewiesen und in lichten Föhrenwäldern trockener Niederterrassen der Schotterlandschaft (Lechfeld, Fröttmaninger Heide, Garchinger und Echinger Heide, Rosenau bei Dingolfing). Scorzonera Hispanica L. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: sehr zerstreut, aber zweifellos ursprüngliche Stand- orte auf Gipskeuper(z.B. Windsheim, Oberntief, Nordheim bei Uffenheim, Grett- stadt, Königshofen im Grabfeld). — In den übrigen Landschaften des Unter- suchungsgebietes nur kulturflüchtig (z. B. um Nürnberg und Regensburg). Chondrilla juncea L. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch bis montan. Spessart: selten im Innern an sandigen Talhängen (Burgsinn), häufiger erst am Rand (Maintal). — Gäulandschaft: zerstreut bis stellenweise verbreitet, meist in der Steppenheide auf sandigen, kiesigen Maintalterrassen, oft auch adventiv an Weinberg- und Ackerrändern. — Keuperland: sehr zerstreut, vorwiegend adventiv und großenteils beschränkt auf die sandigen Terrassen der größeren, breitmul- digen Keupertäler. — Mittelfränkisches Becken: ziemlich verbreitet in Grasheiden, auf Brachäckern und an Rainen auf den Sandterrassen der Regnitz und ihrer Nebentäler. — Fränkische Alb: vereinzelt bis zerstreut und meist adventiv in der Eisensandsteinzone und auf sandiger Überdeckung. — Oberfränkisch-ober- pfälzische Senke: selten im Mainbecken und im Nabbecken. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt im Innern, erscheint aber am Südwest- und Südfuß an son- nigen, steilen Urgebirgshängen des Bayerischen Waldes längs des unteren Regen- tales und des Donautales. — Alpenvorland: sehr zerstreut und nur in der Nähe der Donaufurche (von Neu-Ulm und Unterhausen bis Regensburg), fehlt den höher gelegenen Teilen der Schotterlandschaft und des Tertiärhügellandes, so- wie der gesamten Moränenlandschaft. Lactuca perennis L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Fränkische Gäulandschaft: ziemlich verbreitet in der Steppenheide auf Muschel- kalk (besonders an den Main- und Taubertalhängen), seltener auf Gipskeuper (im Grabfeld). — Fränkische Alb: zerstreut bis ziemlich verbreitet in der Steppen- heide felsiger Jurakalk-, Dolomit- und Grünsandsteinhänge des Donauzuges (be- sonders an den sonnigen Steilhängen des Donautales, des Altmühltales und des Wellheimer Trockentales); im Nordzug sehr zerstreut auf Dolomitfelsen des 36 Pegnitz- und Wiesentgebietes und am Nordabfall zum Maintal (z. B. Staffelberg, Weismain). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern völlig fehlend, erst am Südrand des Bayerischen Waldes am unteren Steilabfall zur Donau an sonnigen, felsigen Urgebirgshängen auftretend (Tegernheim, Donaustauf, Kruckenberg). Crepis praemorsa (L.) Tausch. Östliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart: im Innern selten bis fehlend (es liegen nur ältere, unsichere Angaben (Kittel M. B. Verzeichnis der Pflanzen der Umgebung von Aschaffenburg und des Spessarts. Progr. der Studienanstalt zu Aschaffenburg 1871/72) für Lohr- haupten und Frammersbach vor, die neuer Bestätigung bedürfen); sichere Stand- orte finden sich erst in der Randzone am Übergang in die Gäulandschaft (meist auf Röt). — Gäulandschaft: ziemlich verbreitet im Steppenheidewald und in der Steppenheide auf Röt, Muschelkalk und Gipskeuper. — Keuperland: sehr zerstreut, oft auf weite Strecken hin (auf den Sandsteintafeln zwischen den Tälern!) fehlend, meist nur an mergelig-lehmigen Talhängen der Hellinge, Bau- nach, Itz, des Mains, der Ebrach, Aisch). —Mittelfränkisches Becken: im enge- ren Regnitzbecken selten (Weinzierlein bei Fürth), tritt häufiger erst an den Keuperhängen des Main-Regnitzbeckens um Bamberg (z. B. am Kreuzbergab- hang bei Hallstadt) auf. — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet in der Steppen- heide, in lichten Föhren- und Laubwäldern auf Jurakalk und Dolomit; seltener auf kalkfreier, sandiger Überdeckung und in der Eisensandsteinzone, desgleichen im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke : zerstreut auf den Muschel- kalkschollen zwischen Fechheim, Untersteinach, Döhlau-Bayreuth, auf der Weiß- jurascholle bei Kirchleus und auch an den Keuperhängen des Maintales bei Lichtenfels-Burgkundstadt, sonst sehr selten bis fehlend. — Ostbayerisches Grenz- gebirge: scheint völlig zu fehlen (es liegen nur zwei ältere, sehr fragliche, seit 1854 unbestätigte Angaben für das Fichtelgebirge vor). — Alpenvorland: ziemlich verbreitet im Tertiärhügelland und in der Schotterlandschaft; in der Jungmoränenlandschaft scheint die Verbreitungsdichte abzunehmen, da nach K. Troll die Angabe einer allgemeinen Verbreitung in der oberen Hochebene, wie sie Vollmanns „Flora von Bayern" verzeichnet, nicht zutrifft. Hieracium Bauhini Besser. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch, submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut bis ziemlich verbreitet in der Steppenheide und an Weg- und Ackerrändern von Bad Kissingen und Karlstadt bisZeil und Rothen- burg o. T. — Keuperland: im Innern des Berglandes fehlend, sonst sehr zer- streut am Übergang in das Mittelfränkische Becken (Maintalhang bei Stettfeld, Hallstadt, Lonnerstadt). — Mittelfränkisches Becken: sehr selten (bei Speikern adventiv?). — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet bis zerstreut im Donauzug und im Nordzug, meist auf Jurakalk und Dolomit und kalkreichem Grünsand- stein, seltener auf kalkarmem Silikatsandstein des Doggers usw. — Oberfrän- kisch-oberpfälzische Senke: selten (Lichtenfels-Buch, Kronach). — Ostbayerisches 37 Grenzgebirge: fehlt mit Ausnahme des Südabfalles zum Donautal (z.B. an son- nigen Urgebirgshängen bei Tegernheim, Donaustauf, Wörth, Passau). — Alpen- vorland: zerstreut in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland; fast völlig fehlend in der Jungmoränenlandschaft (bisher nur am Rande der Endmoräne des Isarvorlandgletschers bei Dingharting gefunden). Hieracium auriculoides Lang (Hieracium Bauhini-echioides Zahn). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Fränkische Gäulandschaft: sehr selten (bis jetzt nur bei Kissingen von Touton in der ssp. turrilacense Zahn und von Kneucker am Apfelberg bei Hochhausen in der ssp. parvicapitulum N. P. b. occidentale Zahn gefunden). Hieracium fallax Willd (Hieracium echioides-cymosum N. P.). Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Fränkische Gäulandschaft: sehr selten in der ssp. fallax Willd. bei Kissingen und bei Großwalbur bei Koburg. — Fränkische Alb : sehr selten, nach Vollmann am Keil- stein bei Regensburg und am anschließenden Südfuß des Bayerischen Waldes bei Tegernheim in der ssp. durisetum N. P. (die beiden letzten Fundorte werden von K. H. Zahn in Englers Regni vegetabilis consp. H. 82 S. 1388 mit (? ?) angeführt). Pflanzen des Steppenheidewaldes. Hierochloe australis Roem. et Schult. Zentraleuropäisch. Submontan und montan. Mittelfränkisches Becken: isoliert am Schmausenbuck bei Nürnberg. — Frän- kische Alb: zerstreut im Ostteil des Donauzuges (vom Keilstein bei Regensburg bis Kelheim, Riedenburg und Velburg, Amberg) und im Nordteil des Nordzuges (zwischen dem Kordigast am Nordabfall zum Maintal und Treunitz und Wiesent- fels im obersten Wiesentgebiet). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber im lichten Niederwald am sonnigen Urgebirgshang des Südfußes des Bayerischen Waldes (Tegernheimer Berg). Melica picta K. Koch. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut bis stellenweise ziemlich verbreitet in den Eichenniederwäldern, besonders im Gipskeupergebiet vom Windsheimer Gau bis in das Grabfeld. — Keuperland: sehr selten, einzig im oberen Baunachtal zwischen Ueschersdorf-Sulzbach, wohin aus dem Verbreitungszentrum in der nahen Gäulandschaft vorgedrungen. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst im südöstlichen Teil des Bayerischen Waldes in der tiefer gelegenen Donauzone zwischen Hals bei Passau und dem Durchbruch. Anthericum ramosum L. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Spessart: selten im Innern (Mittelsinn), häufiger am Rande am Übergang in die Gäulandshaft und an den Hängen des Maintales. — Gäulandschaft: verbreitet 'SV 38 in der Steppenheide und im Steppenheidewald vom Ostfuß desSpessarts bis zum Anstieg der Keuperberge. — Keuperland: sehr zerstreut, im Innern oft aufweite Strecken hin fehlend, häufiger nur an den Hängen des Maintals und der Hellinge. — Mittelfränkisches Becken : selten (bei Möhrendorf, Tennenlohe, Ziegelstein, Schmausenbuck bei Nürnberg). — Fränkische Alb: verbreitet in der Steppen- heide und im lichten Föhrenwald und Gebüschwald sonniger Jurakalk- und Dolomithänge, dagegen selten bis völlig fehlend im Bereich der kalkarmen Albüberdeckung, der Eisensandsteinzone und im Liasvorland. — Oberfränkische Senke: sehr selten (Burghaig bei Kulmbach). — Ostbayerisches Grenzgebirge: dem Innern völlig fehlend, erscheint erst am Donautalhang des Südabfalles des Bayerischen Waldes (Donaustauf, Scheibelberg, Passau). — Alpenvorland: ziem- lich verbreitet, vielfach auf den Heidewiesen und in lichten Föhrenwäldern der Schotterlandschaft, auch im Tertiärhügelland und in der Jungmoränenlandschaft; doch bedarf die Einzelverbreitung in letzterer noch näherer Forschung (siehe auch Troll K. in Mittig. Bayer. Bot. Ges. 1925 IV. Bd. Nr. 5 S. 60). Anthericum liliago L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Spessart: zerstreut, jedoch zumeist am Rand an den Maintalhängen. — Frän- kische Gäulandschaft: zerstreut in der Steppenheide und im Steppenheidewald auf Muschelkalk und an Gipskeuperhängen und auf Sandterrassen des Maintales (von Wertheim, Karlstadt und Nüdlingen bis in das Grabfeld). — Keuperland: selten, dem Innern des Berglandes fehlend, erscheint erst am Übergang in das östliche Beckengebiet (Zentbechhofen, Röttenbach-Hemhofen, Dinkelsbühl). — Mittelfränkisches Becken: zerstreut in lichten Föhrenwäldern, in trockenen Cal- luna- und Grasheiden auf Diluvialsandterrassen und Keuperhängen des Regnitz- und Pegnitztales. — Fränkische Alb: sehr zerstreut im Donauzug vom Ries bis Regensburg, im Nordzug sehr selten im Wiesentgebiet. — Ostbayerisches Grenz- gebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südrand an sonnigen Urgesteins- hängen (Regenstauf, Tegernheim, Donaustauf, Sulzbach, Scheibelberg, Bach, Bogenberg). — Alpenvorland: zerstreut auf Heidewiesen und in lichten Föhren- wäldern der Schotter- und Tertiärhügellandschaft; in der Jungmoränenlandschaft sehr selten (nur Attenloh bei Tölz und zwischen Reutberg und Schaftlach). Muscari botryoides Mill. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut bis stellenweise häufig in lichten Eichen- niederwäldern; meist im Gipskeupergebiet (Grabfeld, Haßgau, Uffgau), etwas seltener im Muschelkalkgebiet. — Keuperland: fast völlig fehlend und an den ganz vereinzelten Standorten wohl kaum ursprünglich (vielleicht bei Rügland). — Fränkische Alb: ursprünglich nur im Donauzug (längs Donau und Altmühl und im Ries), im Nordzug ganz vereinzelt und wohl sicher adventiv (bei Wiesengiech). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südrand längs der Donau (Deggendorf, Passau). — Alpenvorland: zerstreut im Donau- 39 becken, in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland (mit dem Donautal von Ulm bis Vilshofen, ferner z. B. bei Memmingen, Kaufbeuern, Augsburg, Gauting usw.); in der Jungmoränenlandschaft sehr selten (einzig bei Weilheim). Muscari tenuiflorum Tausch. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Fränkische Gäulandschaft: sehr selten (Kappelberg bei Marktbreit). — Keuper- land: am Nordostrand bei Weidach — Koburg. — Alpenvorland: sehr selten in der Schotterlandschaft (Isarauen bei Unterföhring) und im Tertiärhügelland (Sands- bach bei Rottenburg); in der Jungmoränenlandschaft fehlend. Iris variegata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan. Alpenvorland: selten auf Heidewiesen, in lichten Föhrenwäldern und Gebüschen der Niederterrassen der Schotterlandschaft der Isarund benachbarter Hügelhänge (Schwarzhölzl, Allacher Forst und Kapuzinerhölzl bei München, Eching, Hagrain und Prielfeld bei Landshut). Clematis recta L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan, selten auch montan. Spessart: im Innern fehlend, erscheint erst am Rande an den Hängen des Main- tals und am Übergang in die Gäulandschaft (nach älteren Angaben bei Lohr und Rieneck). — Fränkische Gäulandschaft: zerstreut im Steppenheidewald vom Rand des Spessarts bis zum Anstieg der Keuperberge (von Münnerstadt, Karlstadt und Kreuzwertheim bis Schweinfurt — Zell und bis zum Schwanberg). — Fränkische Alb: nur im Donauzug und hier im südöstlichen Teil ziemlich verbreitet im Steppenheidewald sonniger Weißjurahänge (vom Keilstein bei Regensburg bis Weltenburg, Kesseltal bei Magerbein, Dietfurt, Riedenburg, Parsberg-Lupp- burg, Kalimünz). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern völlig fehlend, er- scheint erst am Südrand des Bayerischen Waldes an den Talhängen zur Donau (Bach, Bogenberg, Pfetting, Passau, Jochenstein). — Alpenvorland: auf Heide- wiesen, in lichten Eichenwäldern und Auen der Schotterlandschaft (längs der Donau von Regensburg abwärts und der unteren Isar); in der Jungmoränenland- schaft fehlend. Thlaspi montanum L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut im Steppenheidewald sonniger Muschel- kalkhänge (des Maintales, Fr. Saaletales und Taubertales), seltener auf Gips- keuper (zwischen Külsheim und Kaubenheim im Windsheimer Gau). — Frän- kische Alb: zerstreut, stellenweise häufig; meist in lichten Föhrenwäldern son- niger Dolomit- und Jurakalkhänge vom Donautalhang bis zum Abfall zum Main- tal. — Alpenvorland: sehr selten, einzig bei Eggental — Kaufbeuren. Sisymbrium strictissimum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Spessart: im Innern fehlend, erscheint erst im Maintal. — Fränkische Gäuland- 40 schaft: zerstreut im Ufergebüsch längs des Mains und der unteren Tauber, auch an Muschelkalkhängen (Retzbach— Retzstadt). — Mittelfränkisches Becken: an Bach- und Flußufern im untersten Regnitzbecken (bei Hallstadt, Gundelsheim, Mem- melsdorf, Drosendorf, Straßgiech usw.). — Fränkische Alb : zerstreut an buschigen Felshängen, seltener an Ufern (im maintalnahen Teil des Nordzuges, z. B. Staffel- berg, Ziegenfelder Tal, Ruine Giech, Veilbrunn— Heiligenstadt; fehltin der Pegnitz- alb, erscheint wieder im Donauzug bei Sulzbürg, Greding, Treuchtlingen, Konstein, Mü'hlbach bei Beilngries, Bruckdorf a. d. Laaber, Postsaal— Abbach, Weltenburg). Rubus tomentosus Borkhausen. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan, im Süden auch montan. Fränkische Gäulandschaft: selten, wohl noch nicht genügend beobachtet (bis jetzt festgestellt bei Wertheim, Hofheim, Zeil, Schwanberg bei Iphofen). — Keuperland: selten (bei Oberschleichach, Zeilberg bei Maroldsweisach, Wind- berg). _ Mittelfränkisches Becken: selten (das Maintal aufwärts über Ebels- bach und Stettfeld bis an die Keupertalhänge des Regnitzbeckens bei Bam- berg, Stegaurach, Erlangen und Siegelsdorf vordringend). — Fränkische Alb: zerstreut, am häufigsten im Donauzug vom Ries bis Regensburg, im Nordzug seltener. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern noch nicht beobachtet, er- scheint aber am Südfuß bei Donaustauf und Bogenberg. — Alpenvorland: Etting bei Neuburg a. d. D. Potentilla alba L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut bis ziemlich verbreitet in lichten Eichen- wäldern (hauptsächlich im Gipskeupergebiet vom Grabfeld bis in den Uffgau, seltener im Muschelkalkgebiet [bei Sommerhausen— Eibelstadt— Randersacker, Würzburg, Thüngersheim, Karlstadt, Wertheim]). — Keuperland: selten, fast nur im Gebiet der Haßberge aus der Grabfeldverbreitung eindringend (in den dem Grabfeld eng benachbarten oberen Tälern der Rodach, Baunach, Kreck, Hel- linge; ferner vom Haßgau her den Maintalhängen entlang über Ebelsbach, Staffel- berg bis Unterhaid — Oberhaid vordringend und damit den Nordrand des Mittel- fränkischen Beckens erreichend, doch im letzteren selbst fehlend; nach älteren Angaben im Innern des übrigen Keuperlandes nur noch bei Dürrwangen und Weidelbach). — Fränkische Alb: im Donauzuge zerstreut bis streckenweise ver- breitet vom Ries bis zum Keilstein bei Regensburg (nördlich bis zum Hessel- berg, Hahnenkamm, Böhmfeld bei Kipfenberg, Heuberg bei Riedenburg); im Nordzug fehlend (die früheren Angaben: Türkeistein, Biberbach sehr zweifelhaft und unbestätigt in neuerer Zeit). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am äußersten Südrand bei Tegernheim. — Alpenvorland: in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland ziemlich verbreitet; in der Jungmoränenlandschaft östlich des Inn noch nicht beobachtet, westlich davon z. B. im Würmgletscherbecken bei Starnberg auftretend. (Nähere Untersuchung über Einzelverbreitung im Alpenvorland erfolgt durch K. Troll [s. Mittig. Bayer. Bot. Ges. München 1925 IV. Bd. S. 60].) 41 Rosa Gallica L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Subtropisch, submontan, südlich der Alpen auch montan. Spessart: im Innern?; mit Sicherheit erst am Rande. — Fränkische Gäuland- schaft: vom Ostrand des Spessarts und der Rhön bis zum Fuß der Keuper- berge verbreitet, vornehmlich in lichten Eichenwäldern auf Röt, Muschelkalk und Gipskeuper; strahlt aus nach Norden noch vereinzelt in das Muschelkalkgebiet der oberen Werra (Nordgrenze bei Herpf-Meiningen und Hildburghausen er- reichend) und dringt ostwärts mit abnehmender Häufigkeit in das Keuperland ein. — Keuperland: zerstreut, meist entlang den Talhängen (der Itz, Hellinge, Rodach, Baunach, des Mains, der Aurach, Ebrach, Aisch, Zenn, Altmühl) aus der Verbreitung in der Gäulandschaft vordringend und vereinzelt noch die Keuper- talhänge des unteren Regnitzbeckens und den Nordwestrand der Fränkischen Alb erreichend. — Mittelfränkisches Becken: selten und nur an der Randzone des unteren Regnitzbeckens (von Bamberg — Hallstadt bis Forchheim) und des Mainbeckens an den mergelig-lehmigen Keuperhängen, dagegen den Sandter- rassen des eigentlichen Beckens völlig fehlend. — Fränkische Alb: ziemlich ver- breitet im Donauzug vom Ries bis Regensburg (nördlich bis zum Hesseiberg, Eberswang bei Dollnstein, Eichstätt, Kipfenberg, Riedenburg, Laaber — Beratz- hausen); fehlt im ganzen Nordzug bis auf den nordwestlichen Abfall zum Main- tal (Staffelberg gegen Horsdorf und im Lias bei Döringstadt — Eggenbach), wo- hin die Pflanze maintalaufwärts gelangt ist. — Oberfränkische Senke: sehr selten im nordwestlichen Teil als äußerste Vorposten der aus der Gäulandschaft in das nordwestliche Keuperland vordringenden Hauptverbreitung (Grub a. F., Ebers- dorf, Sonnefeld). — Oberpfälzische Senke: fraglich (Nabeck bei Schwandorf?). — ■ Ostbayerisches Grenzgebirge: dem Fichtelgebirge und dem größten Teil des Oberpfälzer "Waldes wie auch des Böhmer Waldes und des Bayerischen Waldes fehlend; erscheint fast nur im südlichen Teil des Bayerischen Waldes am Donau- hang von Tegernheim bis Passau, im Oberpfälzer Wald bei Herzogau. — Alpen- vorland: zerstreut bis ziemlich verbreitet im unteren Tertiärhügelland und in der Schotterlandschaft, besonders längs der Donau, der unteren Isar und des Lech; in der Moränenlandschaft sehr selten (Kempten, Waltenhofen-Laufen, Kay bei Tittmoning). Rosa Jundzillii Besser. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: verbreitet auf Muschelkalk und Gipskeuper (von Stockheim, Münnerstadt, Karlstadt und vom Kaimut bei Wertheim bis in den Haßgau und in das Grabfeld). — Keuperland: zerstreut, häufiger bis jetzt nur für das Übergangsgebiet in das Mittelfränkische Becken festgestellt (so bei Weit- ramsdorf, Bischofsheim-Schönbach, Michaelsberg bei Bamberg, Höchstadt, Kirch- fembach, Dornberg bei Ansbach, Abenberg). — Mittelfränkisches Becken : zer- streut, meist an den Talhängen der Regnitz und ihrer Nebentäler (Ebing, Alten- burg-Wildensorg, Forchheim-Reuth, Rathsberg-Erlangen, Atzeisberg, Spardorf, 42 Veitsbronn, Siegelsdorf, Ziegelstein bei Nürnberg, Zirndorf, Weinzierlein, Guts- berg bei Stein, Unterreichenbach bei Schwabach). — Fränkische Alb: zerstreut bis ziemlich verbreitet (vom Kordigast am Abfall in das Maintal bis zum Keil- stein bei Regensburg und zum Kräuterranken im Ries; im Liasvorland bei Weis- main, Scheßlitz, Buckenhof.) — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: häufiger bis jetzt nur (von Ade) im Maintal festgestellt (von Obersdorf bei Lichtenfels bis Mainklein), sonst sehr selten (Kemnath). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südrand längs des Donautales (Tegernheim, Mittelberg, Donaustauf, Deggendorf). — Alpenvorland: selten bis sehr zerstreut und nur im Gebiet des unteren Tertiärhügellandes und der Schotterlandschaft; in der Jungmoränenlandschaft fehlend. *&* Prunus Mahaleb L. Südöstliches und südliches Verbreitungsgebiet. Submontan, im Süden auch montan. Ursprünglich nur im Donauzug der Fränkischen Alb an kalk- und dolomit- felsigen Steilhängen des Donau- und Altmühltales (z. B. Marxheim Stepperg, Weltenburg-Kelheim, Sinzing, Keilstein; Pappenheim, Eichstätt, Pfünz, Rieden- burg, Neuessing). Cytisus nigricans L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart: im größten Teil fehlend, erscheint aber vereinzelt im nordöstlichen Teil bei Gemünden und Lohr und dringt die Buntsandsteintäler der Lohr, Sinn, und Frank. Saale aufwärts bis Partenstein, Frammersbach, Wiesthal, Obersinn und Gräfendorf. — Gäulandschaft: selten (bei Retzbach, Krainberg bei Karl- stadt, Wernfeld). — Keuperland: fast völlig fehlend (früher Wolfertsbronn bei Dinkelsbühl). — Mittelfränkisches Becken: sehr zerstreut auf Diluvialsand und Keupersandstein in lichten Föhrenwäldern (Gerasmühle und Ziegelstein bei Nürn- berg, Tennenlohe, Erlangen, Dechsendorf). — Fränkische Alb: im Donauzug verbreitet auf Kalk- und Dolomitgestein, auf Eisensandstein, auf kretazischer und tertiärer Albüberdeckung, nach Osten an Häufigkeit zunehmend; im Nordzug großen Teilen der Westseite fehlend, im Osten in Föhren Wäldern mit Calluna- Unterwuchs zumeist auf Kreidesandstein und Doggersandstein (um Sulzbach, Neuhaus, Velden, Fischstein, Hohenmirsberg, Wohnsgehaig, Mengersdorf), im Westen bei Sulzbürg und am alten Rothenberg, am Nordrand bei Langheim und Weiden. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: in lichten Föhrenwäldern auf Sandböden zerstreut bis ziemlich verbreitet (von Schwandorf, Bodenwöhr und Roding über Amberg, Grafenwöhr, Creußen, Bayreuth und Kulmbach bis Mitwitz bei Kronach). — Ostbayerisches Grenzgebirge: in den höheren, feuch- teren Lagen fehlend, in den tieferen (meist unter 600 m) Gebieten in lichten Kiefernwäldern auftretend, so am Südrand des Bayerischen Waldes von Regens- burg bis über Passau hinaus nicht selten, desgleichen an Randzonen und auf der inneren Hochfläche des Fichtelgebirges. — Alpenvorland: in der Schotter- landschaft und im Tertiärhügelland ziemlich verbreitet; in der Jungmoränen- 43 landschaft jedoch sehr selten (nur bei Tölz, Starnberg und das Isartal aufwärts bis Wolfratshausen). Cytisus supinus L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Keuperland: früher bei Hinterholz— Ansbach gefunden (ob ursprünglich?). — Fränkische Alb: selten und nur im südöstlichen Teil des Donauzuges (bei Alt- mannstein, Obereggersberg, Schambach und Tachenstein bei Riedenburg, Kelheim, Weltenburg, Mitterfecking bei Saal, Keilstein bei Regensburg). — Oberpfälzer Senke: selten (bei Roding, Bodenwöhr, Vilseck). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Fichtelgebirge ganz fehlend, im Oberpfälzer Wald und im Bayerischen Wald meist nur in der tieferen Randzone am Regentalhang und Donauhang unter 630 m erscheinend (Eschelmais, Stamsried; Cham, Roding, Falkenstein, Hauzen- stein, Grünthal — Gonnersdorf, Tegernheim, Donaustauf, Bach, Bremberg, Wörth, Saulburg). — Alpenvorland: sehr zerstreut, vorwiegend in Donautalnähe des Tertiärhügellandes und der Schotterlandschaft; in der Jungmoränenlandschaft einzig im Chiemgau. (Reit bei Otzing, Obertunding bei Dingolfing, Irlbach, Regensburg, Neustadt a. d. D., Abensberg, Altötting— Marktl, Stein bei Trost- berg; Frabertsham und Taubensee bei Obing, Seebruck am Chiemsee, Erlstädt bei Traunstein). Trifolium montanum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin, selten auch alpin. Spessart: im Innern wohl selten, Einzelverbreitung noch festzustellen. — Gäulandschaft: verbreitet. — Keuperland: zerstreut, stellenweise wie z. B. an mergelig-lehmigen Talhängen häufig. — Mittelfränkisches Becken: zerstreut, hauptsächlich auf besseren Keupertonböden. — Fränkische Alb: vom Liasvorland bis in die Malmstufe verbreitet. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: zerstreut bis verbreitet. — Ostbayerisches Grenzgebirge: am Rande zerstreut, nach dem Innern zu seltener (doch z. B. noch bei Waldmünchen, Herzogau, Runding, Cham, Eschlkam, Mitterfels und mehrfach im Fichtelgebirge). — Alpenvorland: verbreitet. Trifolium alpestre L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan, selten auch subalpin. Fränkische Gäulandschaft: ziemlich verbreitet vom Ostrand der Rhön und des Spessarts bis zu den Keuperbergen. — Keuperland: zerstreut (z. B. Zeilberg bei Maroldsweisach, Lutzendorf-Kraisdorf, Schönbrunn, Zentbechhofen, mehrfach um Lonnerstadt-Höchstädt, Wassermungenau). — Mittelfränkisches Becken: sehr zerstreut, auf Diluvialsandterrassen fast völlig fehlend, meist auf mergelig-dolo- mitischen Keuperarkosen (z. B. mehrfach um Bamberg, Forchheim, Tennenlohe, Veitsbronn, Ziegelstein bei Nürnberg, Katzwanger Keller). — Fränkische Alb : im Nordzug zerstreut, stellenweise aber fehlend (so in der Pegnitzalb noch nicht sicher festgestellt); im Donauzug häufiger und ziemlich verbreitet. — Oberfrän- kische Senke: zerstreut bis selten (z. B. Kirchleus, Burgkundstadt, Obristfeld, Maineck, Kulmbach, Creußen). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern 44 fehlend, erscheint erst am Südfuß bei Bach, Bogenberg und Metten. — Alpen- vorland: verbreitet von der Donau bis in die Alpen. Trifolium rubens L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan, montan, selten auch subalpin. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut bis ziemlich verbreitet von Münnerstadt, Karlstadt und Wertheim bis in das Grabfeld und in den Windsheimer-Uffen- heimer Gau. — Keuperland: im Innern selten, oft großen Gebieten ganz fehlend, meist nur am Rande vereinzelt aus der Gäulandschaft eindringend (z. B. bei Rieth- Hellingen, Einöd, Hohenstein, Maintalhang über Ziegelanger, Ebelsbach, Stettfeld bis zum Michaelsberg bei Bamberg, Neustadt a. Aisch, Ansbach, Gunzenhausen). — Mittelfränkisches Becken: dem eigentlichen Regnitzbecken fehlend, erreicht nur dessen Nord-, West- und Südrand (bei Bamberg, Lind und Pleinfeld). — Frän- kische Alb: im Nordzug fehlend (die Angaben von Neustädtlein und Limmers- dorf sehr fraglich und unbestätigt), im Donauzug zerstreut vom Ries bis Etterz- hausen bei Regensburg (nördlich bis zum Hesseiberg, Treuchtlingen, Pappen- heim, Beilngries, Velburg, St. Katharina bei Amberg). — Alpenvorland: sehr zerstreut in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland (Unterhausen bei Neuburg, Anwalding bei Augsburg, Memmingen, Perlach, Garching, Dachau- Freising usw.); in der Moränenlandschaft seltener und meist nur in den Becken (Weilheim, Pähl, Traubing, Tutzing, Pöcking, Maising, Schäftlarn, Tölz). Coronilla coronata L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut im Steppenheidewald und auch in der Steppenheide sonniger Muschelkalkhänge des Mains (vom Kaimut bei Homburg a. M. über Karlstadt bis Veitshöchheim aufwärts), der Tauber (von Wertheim bis Tauber- bischofsheim) und der Frank. Saale mit ihren Nebentälern (Hammelburg, Langen- dorf, Untererthal); auch im nördlich anschließenden hennebergisch-fränkischen Muschelkalkgebiet der Werra zerstreut. — Fränkische Alb: im westlichen und mittleren Teil des Donauzuges (z.B. um Neuburg und Eichstätt) ziemlich ver- breitet, nach Osten stark abnehmend (Weltenburg, Mading, Regensburg), nord- wärts bis zum Hahnenkamm, Nagelberg bei Treuchtlingen, Auerberg, Beiln- gries, Dietfurt a. d. Altm., Duggendorf a. N.; fehlt dem Nordzug völlig (nur früher im Liasvorland bei Wellucken und Marioffstein bei Erlangen beobachtet worden). Vicia pisiformis L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: vom Ostrand der Rhön und des Spessart bis zu den Keuper- bergen in lichten Laubwäldern und Gebüschen ziemlich verbreitet. — Keuper- land: selten, im Innern des Keuperlandes wie auch im eigentlichen Mittelfrän- kischen Becken fast völlig fehlend, die meisten Standorte finden sich in den der Gäulandschaft einerseits und in den der Fränkischen Alb andererseits be- nachbarten Randgebieten sowie an den — beide verbindenden — Maintal- hängen (z. B. Rieth-Hellingen, Kreuzberg bei Hallstadt und Altenburg bei Barn- 45 berg, Breitengüßbach, Ebing, Zapfendorf, Jägersburg bei Forchheim, Ebrach, Urphertshofen bei Obernzenn, Dinkelsbühl, Ramsberg bei Pleinfeld). — Frän- kische Alb: ziemlich verbreitet, besonders am nördlichen, nordwestlichen und westlichen Steilabfall des Nordzuges und des Donauzuges; vornehmlich in der Malmzone, weniger in der Doggerzone und im Liasvorland; nach Südosten nimmt die Stärke der Verbreitung zusehends ab (bereits im zentralen Dolo- mitgebiet des Nordzuges sehr selten, erlischt das Vorkommen völlig in der Regensburger Alb, so daß Vicia pisiformis südöstlich von Ensfeld, Eichstätt, Beilngries, Berching, Holnstein, Schlüpfelberg bei Mühlhausen, Eschenbach- Pormnelsbrunn noch nicht festgestellt werden konnte). — Oberfränkisch-ober- pfälzische Senke: nur im nordwestlichsten Teil des oberfränkischen Gebietes, meist auf Muschelkalk- und Juraschollen (Tiefenlauter, Plosenberg und Hummen- dorf bei Kulmbach, Kirchleus, Bucher Forst, Burgstall bei Burgkunstadt). — Ostbayerisches Grenzgebirge und Alpenvorland: fehlend (früher, zu Duvals Zeiten, vielleicht am Scheibelberg bei Donaustauf). Vicia dumetorum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut (z. B. Guttenberger Wald bei Würzburg, Kitzingen, Rothenburg, Burgbernheim, Bettwar, Schwanberg bei Iphofen, Kastell, Prichsen- stadt, Holzhausen bei Schweinfurt, Gleichberg bei Römhild). — Keuperland : selten, großen Gebieten ganz fehlend (einzig bei Ebelsberg bei Ebelsbach, Michaelsberger Wald bei Bamberg, Burgtann, Grünsberg, Ansbach, Dinkelsbühl). — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet an buschigen Weiß- und Braunjurahängen, seltener im Liasvorland, meist an den nördlichen, westlichen und südlichen Außenrändern, dagegen selten in den zentralen und östlichen Dolomitgebieten und ganz fehlend im südöstlichen Teil der Regensburger Alb. — Oberfränkische Senke: selten (Forchheim, Hummendorf bei Stadtsteinach, Plosenberg bei Kulmbach, Ebers- dorf bei Koburg, Großgarnstadt). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südabfall längs der Donau (Stallwang, Niederaltaich, Hengersberg, Passau, Obernzeil). — Alpenvorland: zerstreut von der Donau bis zum Alpensaum. Vicia Cassubica L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut, jedoch im westlichen Gebiet (westlich Ochsenfurt) fehlend; meist in den Eichenwäldern auf Gipskeuper vom Grabfeld bis in den Windsheimer Gau. — Keuperland: zerstreut, am häufigsten zwischen Main und Aisch. — Mittelfränkisches Becken: zerstreut, doch den Sandterrassen fehlend, nur auf tonig-lehmigen Keuperboden (Regnitz- und Maintalhänge der Keuper- formation um Bamberg, Baunach, Ebing, Breitengüßbach, Gundelsheim-Weichen- dorf, Strullendorf, Neuses bei Eggolsheim, Poxdorf bei Baiersdorf, Stadtwald bei Erlangen, Brucker Lache, Tennenlohe, Ziegelstein und Schmausenbuck bei Nürnberg, Lind, Weinzierlein). — Fränkische Alb: sehr zerstreut und sprung- weise, meist nur in der Doggerzone und im Liasvorland des nördlichen und 46 westlichen Randes des Nordzuges; im Donauzug sehr vereinzelt (nur Holnstein, Hesseiberg, Keilstein bei Regensburg). — Oberfränkische Senke: sehr zerstreut, meist auf Buntsandstein und Keuper (bei Ketschenbach-Höhn, mehrfach um Lichtenfels und Burgkundstadt, Woffendorf, Kulmbach, Bayreuth). — Ostbaye- risches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber isoliert am c, 'idrand (bei Helfkam jüngst von L. Gerstlauer entdeckt). Vicia Cracca L. ssp. tenuifolia (Roth) Gaudin. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut bis ziemlich verbreitet, besonders im Muschelkalk- gebiet. — Keuperland: sehr selten, im größten Teil ganz fehlend (nur bei Ahorn und Hohenstein). — Mittelfränkisches Becken: nur adventiv bei Nürnberg, sonst fehlend. — Fränkische Alb: im Nordzug außer den sehr vereinzelten Stand- orten am Kordigast, Staffelberg und bei Eschenfelden fehlend, dagegen im Donauzug ziemlich verbreitet, nördlich bis in das oberste Laaber- und Lauter- achgebiet. — Oberfränkische Senke: sehr selten, einzig im Maintal bei Obrist- feld und Hochstadt. — Alpenvorland: ziemlich verbreitet, besonders in den Lößgebieten der donaunahen Gebiete, dagegen in der Jungmoränenlandschaft sehr selten bis völlig fehlend. \^ Mercurialis ovata Sternb. et Hoppe. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: selten, einzig im südöstlichsten und südlichsten Teil des Donauzuges an buschigen Weißjurahängen längs des Donau-, Nab-, Laaber- und Altmühltales (Keilstein bei Regensburg, Zeitlarn, Pielenhofen, Etterzhausen, Bruckdorf, Mading, Bittenbrunn bei Neuburg a. D., Eichstätt). — Alpenvor- land: ? (Weichenberg bei Straubing?). Euphorbia polychroma Kerner. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Alpenvorland: einzig im unterbayerischen Hügelland in nächster Nähe des Isartales bei Landshut (zwischen Altdorf und Eugenbach). Euphorbia verrucosa L.em. Jacq. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Spessart: im Innern?, vom Verfasser nicht beobachtet, ursprünglich wohl nur im südöstlichen Randgebiet auf Röt. — Fränkische Gäulandschaft: zerstreut, stellen- weise ziemlich verbreitet vom Ostfuß der Rhön und des Spessarts bis zum An- stieg der Keuperberge, nordwärts noch etwas in das Muschelkalkgebiet der oberen Werra (Stillberg bei Maßfeld und St. Bernharder Platte) eindringend und die Nordgrenze des Gesamtareals erreichend. — Keuperland : im Innern fehlend, dringt nur vereinzelt aus der Gäulandschaft in die westlichsten und nördlichen Randgebiete ein (Rieth, Hellingen, Schweickershausen, Hohnhausen, Obernzenn, Oberdachstetten, Häslabronn). — Mittelfränkisches Becken: außer einem adven- tiven Vorkommnis bei Lauf völlig fehlend. — Fränkische Alb: im Nordzug 47 möglicherweise völlig fehlend (die früheren Angaben vom Staffelberg und von Neuhaus an der Aufseß unsicher und in jüngster Zeit nicht mehr bestätigt, doch kann es sich auch um vorübergehend adventives Auftreten — ähnlich wie bei Horb im oberfränk. Maintal — handeln, da Euphorbia verrucosa im Unter- such ungsg^Het verschiedentlich aktives Ausbreitungsvermögen zeigt); im Donau- zug verbreitet vom Ries bis zum Keilstein bei Regensburg, nördlich bis zum Hesseiberg, Treuchtlingen, Wülzburg bei Weißenburg, Thalmässing, Auerberg, Hofberg, Greding, Berching, Beilngries, Dietfurt, Schöndorf bei Breitenbrunn, Endorf an der Laaber, Kallmünz. — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlend bis auf die Standorte am Donauhang des Südrandes (bei Wörth, Mitterfels, Bogen- berg, Pfetting, Passau). — Alpenvorland: verbreitet in der Schotterlandschaft, im Tertiärhügelland und in den lößbedeckten Donaubecken (besonders längs Donau, Lech, Isar, Inn); in den Jungmoränenlandschaften anscheinend seltener, wie überhaupt gegen die Alpen hin die Häufigkeit des Auftretens stark abnimmt. Staphylea pinnata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: sehr selten, in den Mainauen zwischen Unter- euerheim und Horhausen bei Schweinfurt wild nach Ade, bei Münnerstadt nur angepflanzt. — Keuperland, Mittelfränkisches Becken und Oberfränkische Senke: kultiviert und vereinzelt verwildert. — Fränkische Alb: im Donauzug sehr selten an waldigen Weißjurahängen des Donautales (in der Nähe von Oberhausen und Stepperg bei Neuburg und Mading bei Abbach); im Nordzug sicher nur verwildert (bei Neumarkt, Muggendorf und Weismain). — Ostbayerisches Grenz- gebirge: im Innern fehlend, erscheint erst im südlichen Teil des Bayerischen Waldes (längs der Donau bei Passau, im Neuburger Wald und bei Obern- zell). — Alpenvorland: sehr selten im Donaubecken bei Straubing und Irlbach, sowie in den Salzachauen unterhalb Burghausen; in der Moränenlandschaft fehlend. Rhamnus saxatilis Jacq. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Alb: nur im Donauzug an sonnigen Dolomitfelshängen des Alt- mühltales (von Eichstätt über Pfünz, Riedenburg bis Kelheim) und am fel- sigen Donautalhang (bei Weltenburg). — Alpenvorland: auf Heidewiesen der Schotterlandschaft längs Wertach und Lech (bei Augsburg) und der Isar (Garchinger und Sempter Heide, Erding, Freising); geht in lichten Föhrenwäldern des Isar- tales talaufwärts bis in die Alpen; vereinzelt an sonnigen Moränenhängen der Moränenlandschaft. Peucedanum officinale L. Südliches und östliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: zerstreut, meist im Steppenheidewald und in der Steppen- heide des Muschelkalk-und Gipskeupergebietes (vom Kaimut bei Wertheim und vom Krainberg bei Karlstadt bis in das Grabfeld und in den Windsheimer Gau).— Mittelfränkisches Becken: früher bei Forchheim-Kersbach. — Fränkische Alb: 48 selten im Donauzug (im östlichen Ries auf feuchten Wiesen, bei der Feldmühle im Schuttertal auf Dolomitfelsen, nach früheren Angaben auch zwischen Scham- bach und Suffersheim bei Treuchtlingen und bei Weltenburg und Mading). — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint erst am Südrand hinter dem Mittelberg bei Tegernheim. — Alpenvorland: nur im Donautal, zerstreut in Auwiesen und Heidewiesen vom schwäbischen Donauried bis zur Einmündung der Isar. Peucedanum Carvifolia Vill. Südliches und südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Mittelfränkisches Becken: sehr selten an der Südgrenze (St. Veit bei Plein- feld).— Fränkische Alb: im Donauzug zerstreut (Neuburg a. D., Eichstätt, Ab- bach, Deuerling, Endorf, Kalimünz, Penk, Tegernheim bei Regensburg usw.).— Alpenvorland: nur im Tertiärhügelland und in der Schotterlandschaft (z. B. bei Augsburg, Mering-Bergen, Neuburg a. D., Weichering bei Ingolstadt, Lengfeld bei Saal, Regensburg, Straubing, Irlbach, Stephansposching, Otzing, Halsbach bei Dingolfing, Simbach). Laser trilobum (L.) Borkh. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Gäulandschaft: isolierter einziger Standort in einem Eichenmischwald auf Muschelkalk bei Buch-Haßfurt. Daselbst wurde 1924 von Ade auch das eben- falls südöstlich verbreitete Cnidium silaifolium (Jacq.) Simonkai gesammelt. Der Entdecker (siehe Hegi Bd. V 2 S. 1466 Anmerk. 3) hält die Pflanze für einheimisch. Es ist aber zu bedenken, daß früher beide Arten in Gärten gezogen und daß beide Arten in Mitteleuropa verwildert beobachtet wurden. Laserpitium latifolium L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Gäulandschaft: zerstreut, meist im lichten Laubwald an Muschelkalk-und Gips- keuperhängen vom Ostrand der Rhön und dem untersten Taubergebiet bis in den Windsheim-Uffenheimer Gau und in das Grabfeld.— Keuperland: dringt vereinzelt aus der Verbreitung am westlichen und nördlichen Abfall der Keu- perberge in die westlichen und nördlichen Randgebiete ein (Poppenhausen, Bramberg, Maintalhang bei Stettfeld , Staffelbach, am Kreuzberg), fehlt aber im Innern völlig, desgleichen dem eigentlichen Mittelfränkischen Becken fehlend. — Fränkische Alb: zerstreut bis stellenweise verbreitet, in lichten Laubwäldern und Gebüschen, meist an den Hängen der Weißjurastufe, seltener auf Dogger. — Ostbayerisches Grenzgebirge: im Innern fehlend, erscheint aber am Südrand des Bayerischen Waldes (am Scheibelberg bei Donaustauf). — Alpenvorland: zerstreut, von den Schotterterrassen der unteren Isar und des Lech bis in die Alpen (siehe auch K. Troll in Mittig. Bayer. Bot. Ges. IV. Bd. H 5. 1925). Laserpitium Prutenicum L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut, meist im Gipskeupergebiet in trockenen 49 bis feuchten Laubwäldern (im Grabfeld, Haßgau, Windsheimer Gau). — Keuper- land und Mittelfränkisches Becken: sehr zerstreut und fast nur am Übergang in das Mittelfränkische Becken (Michaelsberger Wald und Erlau bei Bamberg, Mainberg westlich Hirschaid, Großneuses und Bürgerwald bei Höchstädt a. A., Bubenreuth-Atzelsberg bei Erlangen, Frauenaurach, Kadolzburg, Dinkelsbühl, Feuchtwangen). — Fränkische Alb: sehr zerstreut im Nordzug und im Donau- zug (z.B. Ziegenfelder Tal, Muggendorf, Großengsee; Stepperg bei Neuburg, Ries). — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: selten (Metzdorf bei Kulmbach, Kirchleingrund, Theisau, Roding). — Ostbayerisches Grenzgebirge: selten (Wald- münchen, Hiltersried, Schöntal, Cham, Bogen, Passau). — Alpenvorland: in der Schotterlandschaft und im Tertiärhügelland zerstreut, stellenweise häufig, erscheint meist im mäßig feuchten Molinietum coeruleae; in der Moränenland- schaft bedeutend seltener (nur Bergen, Waging, Ammergau). Cornus mas L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan und montan. Ursprünglich nur im Donauzug der Fränkischen Alb an den kalkfelsigen Weißjurahängen des Donau-, Altmühl- und Schuttertales (Finkenstein und Ried bei Neuburg a.D., Bauchenberg- und Feldmühle an der Schutter, Eichstätt, Pfünz, Kachelfels bei Riedenburg, Haderfleck ob Weltenburg, Weltenburg-Kel- heim). — Sonst nur kultiviert und verwildert. Gentiana Cruciata L. Südöstliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin. Fränkische Gäulandschaft: zerstreut auf Muschelkalk- und Gipskeuperböden vorn Fuß der Rhön bis in die Keuperberge. — Keuperland: sehr zerstreut, meist an mergeligen und dolomitischen Keupertalhängen (z. B. Schlettach, Hohenstein, Kreuzberg bei Hallstadt, Kadolzburg, Ammerndorf, Roßtal, Heils- bronn usw.). — Mittelfränkisches Becken: dem Diluvialsandgebiet fehlend, er- scheint sehr zerstreut auf dolomitisch-mergeliger Keuperarkose (Pillenreuth und Schmausenbuck bei Nürnberg, Tennenlohe-Erlangen, Linder Gruben bei Zirn- dorf, Strullendorf, Hauptsmoorwald bei Bamberg). — Fränkische Alb: ziemlich verbreitet in der Jurakalk- und Dolomitstufe, seltener in der Doggerstufe und im Liasvorland. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: sehr zerstreut, meist nur auf den Muschelkalk-und Weißjuraschollen und Gipskeuper (Plesten, Fech- heim, Untersteinach, Ludwigschorgast, Kirchleus, Marktgraitz, Feilschnitz bei Kulmbach). — Ostbayerisches Grenzgebirge: fehlt. — Alpenvorland: vom Donau- tal bis in die Alpen verbreitet, vielfach auf den Heidewiesen der Schotterlandschaft. Gentiana ciliata L. Südliches Verbreitungsgebiet. Submontan bis subalpin, selten auch alpin. Fränkische Gäulandschaft: verbreitet auf Muschelkalk- und Gipskeuperböden.— Keuperland: zerstreut auf mergeligen, dolomitischen Keuperböden, so besonders an trockenen buschigen Abhängen des Itz-, Main-, Ebrach-, Aisch-, Zenn-, Bibert- und oberen Rezattales. — Mittelfränkisches Becken: sehr zerstreut, auf Diluvial- 50 sand ganz fehlend, nur auf dolomitisch-mergeliger Keuperarkose (z. B. Schmau- senbuck, Erlenstegen und Ziegelstein bei Nürnberg, Linder Gruben bei Zirn- dorf, Untermichelbach bei Vach, Tennenlohe-Erlangen usw.). — Fränkische Alb: verbreitet, auch im Liasvorland nicht selten. — Oberfränkisch-oberpfälzische Senke: zerstreut, zumeist auf den Muschelkalkschollen östlich von Bayreuth, Kulmbach, Kronach usw., desgleichen auf der Weißjurascholle bei Kirchleus; auf Keuper bei Creußen, sonst den Sandgebieten fehlend. — Ostbayerisches Grenzgebirge: dem Bayerischen und dem Oberpfälzer Wald fehlend, erscheint im Fichtelgebirge einzig auf dem Urkalkstreifen bei Wunsiedel, Furthammer, Sinnatengrün, Leutendorf, Waltershof. — Alpenvorland: ziemlich verbreitet vom Donaubecken bis in die Alpen, auf den Heidewiesen der Schotterlandschaft nicht se